Dez 25 2011

David Foster Wallace - In alter Vertrautheit

Als neuer Fan von David Foster Wallace geht es mir ähnlich wie mit den Büchern von Don DeLillo. Ziel ist es alles (oder zumindest viel) des Favoriten gelesen zu haben. Da DFW nur zwei Romane zu Lebzeiten beendete, aber recht viele (Kurz-)Geschichten veröffentlichte, entschloss ich mich für ein Büchlein mit dem Titel „In alter Vertrautheit”, welches 5 „Storys” beinhaltet. Im englischen Original findet man diese Geschichten im Band „Oblivion”, nur in der deutschen Übersetzung wurde das Buch quasi zweigeteilt, der zweite Teil nennt sich „Vergessenheit”. „In alter Vertrautheit” (also Band 1) beginnt mit „Mister Squsihy” einem sehr verschachtelten Stück, das sich mit der Werbeindustrie und einer Marketingstrategie für einen Schokoriegel befasst. In „die Seele ist kein Hammerwerk” beschreibt DFW einen Jungen der in Schule gerne träumt und der sich nur langsam aus seinem Tagtraum löst und mitbekommt, dass sein Aushilfslehrer verrückt geworden ist. „Inkarnation gebrannter Kinder” ist eine kurze und wirklich sehr harte Geschichte über einen Haushaltsunfall, während „noch ein Pionier” eine Nacherzählung eines Flugzeuggesprächs ist, welches sich über einen Stamm von Ureinwohnern dreht, denen ein Kind geboren wird, dass alle ihm gestellten Fragen vollkommen überzeugend zu beantworten weiß. Die letzte Geschichte orientiert sich am Buchtitel (oder besser anders herum). „Neon in alter Vertrautheit” beleuchtet die Lebenszusammenfassung eines verzweifelten Heuchlers, dessen Erkenntnis ein gleichnamiges Paradoxon ist, welches „lautet: Je mehr Zeit und Mühe man investiert, um vor anderen Leuten als beeindruckend oder attraktiv dazustehen, desto weniger beeindruckend oder attraktiv fühlt man sich - man war ein Heuchler.”1 Diese Geschichte ist die wohl am eingängigste Lesbare, aber eine deshalb nicht minder Beeindruckende.

Insgesamt sind alle Storys nicht sehr schnell und einfach zu lesen, DFW scheut sich nicht Fachtermini zu benutzen und treibt das sehr gern sehr weit. Weiterhin verschmäht er den Dialog und schreibt gern über Seiten hinweg, ohne einen neuen Absatz zu beginnen. Doch auch wenn es etwas dauert, sich durch die Lektüre „zu arbeiten” ist sie ein großer Gewinn, denn wirklich jede einzelne Geschichte fesselt, ist hochintelligent geschrieben und lässt uns das Leben mit anderen Augen reflektieren.

  1. David Foster Wallace „In alter Vertrautheit” S. 206 []