Jan 30 2012

Eine kurze Notiz zu: “Another Year”

„Another Year” ist ein britischer Spielfilm vom Mike Leigh (der auch das Drehbuch schrieb und dafür für den Oscar nominiert wurde) aus dem Jahr 2010. Er behandelt das Leben des Ehepaares Tom (Jim Broadbent) und Gerri (Ruth Sheen) und beobachtet es über vier Jahreszeiten hinweg, welche mit der Arbeit im Schrebergarten dargestellt werden. Doch Mittelpunkt der Geschichten ist das Haus des liebevoll zusammenlebenden Paares, welche beide ungefähr 60 Jahre alt sind. Dort werden sie von Kollegen und Freunden besucht, wie Mary (Lesley Manville) einer etwas durchgeknallten und furchtbar einsamen Frau in den 50ern ihres Lebens, die mit dem Trinken mehrerer Gläser Weins und dem Erwerb eines roten Kleinwagens ein wenig Freude in ihr Leben bekommen möchte und sich wenigstens noch daran aufrichten kann, dass der der Sohn der Familie, Joe (Oliver Maltman), obwohl auch schon 30 Jahre alt, noch keine Freundin hat und sogleich von ihr beflirtet wird. Und so vergeht ein Jahr, Besuch kommt, im Garten wird gegrillt, ein Trauerfall tritt ein.

„Another Year” ist ein begeisternder Film über Familie, Freunde, Verzweiflung, das Älter werden (in Großbritannien bzw. in Europa) und in gewisser Weise auch den Konsum von Alkohol (die Charaktere denen es seelisch nicht gut geht, scheinen eindeutig zu ungesund zu leben, sie rauchen und trinken, dass es einen beim Zusehen schmerzt). Dabei ist „Another Year” ein ruhiger Film, schauspielerisch brillant (am herausragendsten vielleicht Lesley Manville, aber das soll die Leistung keines anderen Darstellers schmälern) und wunderbar in Szene gesetzt. Jede Rolle ist absolut glaubhaft erzählt und gespielt, auf jede Kleinigkeit scheint Wert gelegt worden zu sein. Das „wahre” Leben mit seinen sozialen Beziehungen und Problemen habe ich schon seit langen nicht mehr so realistisch und nachvollziehbar erlebt. In seiner Art ein wirkliches Meisterwerk.


Jan 26 2012

Eine kurze Notiz zu: “Oxford Murders”

Sollte ein Film der „Oxford Murders” heißt, aufgrund der Ortsbezeichnung besonders intelligent sein? Und wenn ja, was macht einen intelligenten Film aus bzw. ist ein intelligenter Film auch ein guter Film? Fragen die ich mir bei Alex de la Iglesias 2008er Thriller eben jenes Titels gestellt habe. Das Gerüst ist ein recht gewöhnlicher Krimispott, allerdings in exquisiter Umgebung. Der amerikanische PhD Student für Mathematik Martin (Elijah Wood) kommt nach Oxford, um dort Prof. Arthur Seldom (John Hurt) als seinen Mentor zu gewinnen. Doch dieser ist nicht wirklich zu begeistern und gerade als Martin wieder abreisen will, findet er gemeinsam mit Seldom seine Zimmervermieterin Tod auf. Deren Tochter Beth (Julie Cox) als auch die Krankenschwester Lorna (Leonor Watling) zeigen Zuneigung für Martin, doch dieser scheint hauptsächlich begeistert mit Seldom den Fall zu lösen, in welchem es plötzlich immer mehr Tote gibt.

Alex de la Iglesias Thriller wirkt ständig bemüht hochgeistig (irgendwie in einer mathematisch-logischen Denke) daher zu kommen, um so seinen Schauplatz zu rechtfertigen. Das tut nicht immer nur gut. Auch die Struktur eines Krimis kann „Oxford Murders” nicht aufbrechen, wenngleich das Ende nicht beliebig und durchaus geistreich arrangiert ist und auch den Kontext eines Mordes einbezieht. Aber all das macht diesen Thriller zu keinem Kunstwerk, sondern nur zu einen zwar sehenswerten, aber nicht herausragenden Film.


Jan 19 2012

Eine kurze Notiz zu: Rescue Dawn”

„Rescue Dawn” ist ein amerikanischer Kriegsfilm des deutschen Regisseurs Werner Herzog aus dem Jahr 2006. Der Deutsch-Amerikaner Dieter Dengler (Christian Bale) ist Pilot bei der US Navy und wird bei einer Geheimmission im Vorfeld des Vietnamkriegs abgeschossen. Unter unwürdigen Bedingungen wird er in ein Gefangenenlager mitten im Dschungel gebracht, wo er versucht seine Mithäftlinge zum Ausbruch zu überreden.

Herzogs Film beginnt atemberaubend mit der Luftaufnahme aus einem Bomber, der Dörfer in Ostasien bombardiert. Genau das macht auch Dengler (auch wenn er selbst immer betont er wolle nur fliegen) bevor er gefangen genommen wird. Diese Gefangenschaft ist das zentrale Thema des Films, das ist nicht unbedingt neu, aber doch sehr überzeugend vom immer dünner werdenden Bale und seinen fast schon geisterhaft anmutenden Schauspielkollegen Jeremy Davies und Steve Zahn zweifellos beeindruckend dargestellt. Das macht „Rescue Dawn” zu einem sehenswerten Film, der allerdings sonst sehr dem Schema Gut-Böse verhaftet ist.


Jan 18 2012

Eine kurze Notiz zu: “The Wrestler”

„The Wrestler” ist ein amerikanisches Drama von Darren Aronofsky aus dem Jahr 2008. The Wrestler Robin Ramzinski, Ringname Randy „The Ram” (Mickey Rourke) hat seine besten Tage längst hinter sich.  Zwanzig Jahre liegt sein größter Fight gegen den Ayatollah (Ernest Miller) zurück. Aus dem gefeierten Star ist ein körperliches Wrack geworden, der mit Aushilfsjobs seine Wrestler-Karriere aufrecht erhalten muss. Sein Privatleben ist auch alles andere als erfreulich. Er lebt allein und ist auch allein. Seine Tochter (Evan Rachel Wood) will nichts mehr von ihm wissen, da er als Vater eine ziemliche Niete war und der einzige Mensch an den er sich halbwegs wenden kann ist die professionelle Striperin Cassidy (Marisa Tomei), doch die Beziehung der beiden ist ein eigenartiger Mix aus Sympathie und Geschäft.

„The Wrestler” ist die Geschichte des Niedergangs eines Menschen, der zwar erkennt, dass es ihm nicht gut geht, aber scheinbar keinen wirklichen Ausweg mehr aus seinem Leben findet und seinen Weg einfach weiter geht. Ein weiteres Porträt der Unterklasse Amerikas, gefilmt im Stil des Neo-Realismus (mit einem offenen Ende, Szenen mit Handkamera gefilmt, die denen den Darstellern in der Halbtotalen gefolgt wird). Der Film bewegt sich dabei nie wirklich am Rande des Kitsches, was insbesondere an Rourkes starker schauspielerischer Leistung liegt. Ein gelungener und sehr interessanter Einblick in einen Entertainmentbereich, der die Zuschauer auch um den Preis der eigenen Gesundheit der Darsteller unterhalten will und daher vielleicht auch eine treffende Allegorie auf die heutige Welt der Unterhaltungsindustrie ist.


Jan 13 2012

Eine kurze Notiz zu: “The Kids Are All Right”

„The Kids Are All Right” ist eine amerikanischer Spielfilm aus dem Jahr 2010 von Lisa Cholodenko. Das lesbische Paar Nic (Anette Bening) und Jules (Julianne Moore) leben in einem gut bürgerlichen Vorort von L.A. Ihre beiden Kinder sind typische Teenager. Die schüchterne Tochter Joni (Mia Wasikowska) kommt bald aufs College und der 15-jährige Sportler Laser (Josh Hutcherson) sucht sich gerade die falschen Freunde. Die Gebrauchspuren der Ehe durchziehen die Familie, als Laser auf die Idee kommt den Samenspender zu finden, ohne den er und seine Schwester nicht möglich gewesen wären. Dieser entpuppt sich als Lebemann und Biobauer Paul (Mark Ruffalo).

Chodolenko entwickelt eine größtenteils amüsante und liebevolle Geschichte über Ehen unserer Tage mit einem realistischen, aber durchaus diskutablen Ende. Der Film lebt von seinen wirklich beeindruckenden Hauptdarstellern, allen voran von Anette Bening, als Familienernährer und „Mann im Haus”. Abgerundet wird dies von einen sehr hörbaren Soundtrack.


Jan 9 2012

Eine kurze Notiz zu: “Unbreakable”

Nach zwei exzellenten Filmen am Stück, dachte ich mir wurde es mal wieder Zeit für einen Film mit Bruce Willis. Und da ich bisher nur die ersten zehn Minuten von „Unbreakable” kannte und diese nicht mal schlecht fand, schaute ich mir diesen Thriller von M. Night Shyamalan (immerhin vierfacher Gewinner der Goldenen Himbeere - allerdings nicht für diesen Film) aus dem Jahr 2000 mal an. Die Idee ist dabei ziemlich vielversprechend, denn „Unbreakable” ist ein Comicfilm ohne große Comic-Optik, ein Melodram und ein Thriller, also irgendwie sehr viel und dann irgendwie auch gar nichts. Weiterlesen