Okt 7 2010

Mein Dresden - Gläserne Manufaktur

Das Dresden meiner Kindheit war auch eine Industriestadt. Ich erinnere mich noch sehr gut daran in der Straßenbahn, am kräftig qualmenden Kraftwerk Mitte vorbeigefahren zu sein. Für mich waren die Werke immer der hässliche Teil der Stadt, der den schönen Teil verdreckt. Ich kann mich deshalb erinnern, anfangs etwas skeptisch gewesen zu sein, als man in den 1990er Jahren ankündigte, dass Volkswagen eine Autofabrik in den Großen Garten bauen wollte. Dies an einen Ort, der mir recht bekannt war, da an dieser Ecke des Fučikplatzes (heute Strassburger Platz),die Endhaltestelle der mir aus Kinderzeiten hochgeschätzten Pioniereisenbahn (heute Parkeisenbahn) lag. Dahinter befand sich ein von mir kaum beachtetes Ausstellungsgelände. Als man genau dahin ein Werk bauen wollte, war nicht nur ich etwas verdutzt, denn in einer Stadt, die gerade so wie Dresden sehr stark auf Tradition ausgerichtet ist, war eine Autofabrik etwas schwer Vorzustellendes, zumal es hier nie eine Autofabrik gab. Doch die Idee schien schon bald zu gefallen, denn es sollte nicht irgendeine beliebige Fertigungshalle errichtet werden, sondern ein Prestigeobjekt - eine „Gläserne Manufaktur”. Weiterlesen


Sep 16 2010

Bilbao

Es gibt wohl nur sehr wenige Städte in Europa, die in den letzten 20 Jahren einen so großen Umbruch erfahren haben wie die baskische Metropole Bilbao. Dies geschah, etwas überspitzt formuliert, mit nur einem einzigen Gebäude, dem Guggenheim-Museum. Dieses 1997 eröffnete architektonische Meisterwerk von Frank O. Gehry machte aus der schmutzigen Industriestadt Bilbao fast über Nacht eine Kunst- und Kulturstadt. Dieses Phänomen fand sogar Eingang in den Wörterkanon der Sozialwissenschaften, als sogenannter „Bilbao-Effekt”. Darunter versteht man die Aufwertung von Orten durch spektakuläre Bauten. In keiner anderen Stadt hat dies so eindrucksvoll funktioniert wie in Bilbao, weshalb dieser Effekt folgerichtig nach der Stadt benannt wurde.
Doch was genau ist passiert? Entlang des Flusses Nervión entwickelten sich seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts verstärkt industrielle Produktionsstätten. Bilbao wurde neben Barcelona zu der Industriestadt in Spanien. Doch im Laufe der 1970er Jahre schwanden der Industrie die Kräfte. Bilbao verlor nicht nur Arbeitsplätze, sondern auch Einwohner. Da besann man sich in der größten Stadt des Baskenlandes, dass nur weitreichende Veränderungen den Ort wieder attraktiver machen könnten. Alte Industrieanlagen wurden abgerissen und der Hafen wurde  Richtung Meer verlegt. Der frei gewordene Platz wurde mit neuer Architektur urbanisiert. Hauptaugenmerk war dabei das Guggenheim-Museum, eines der aufregendsten Gebäude der letzten Jahre und Initiator eines nach seiner Eröffnung ausgelösten Touristen-Booms. Mittlerweile kommen Besucher aus ganz Europa, um sich das Gebäude anzusehen und in seinen Ausstellungshallen, Meisterwerke der zeitgenössischen Kunst zu bewundern. Doch mit dem Museum allein ist es nicht getan. Die Stadt bekam1995 eine U-Bahn, die von keinem geringeren als Norman Foster gestaltet wurde, Santiago Calatrava projektierte eine Brücke und den Flughafen und das Architekturbüro von Cesar Pelli lässt gerade einen 165m hohen Büroturm errichten, der als Konzernzentrale eines großen Energiekonzerns fungieren wird. Dazu gesellen sich einige historisch höchst interessante Bauwerke, wie die „Puente Colgante” die 2006 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurde. So eifert Bilbao wiederum nach, nun als trendige City mit architektonischen Highlights. Weiterlesen


Sep 8 2010

Donostia - San Sebastián

Die baskische Stadt Donostia ist in Deutschland besser bekannt unter ihrem spanischen Namen San Sebastián, offiziell trägt sie den Doppelnamen: Donostia - San Sebastián. Die Stadt ist Hauptstadt der baskischen Provinz Gipuzkoa und mit rund 185.000 Einwohnern die dritgrößte des baskischen Teils Spaniens. Populär macht den Ort seine hervorragende Lage an der Bucht „La Concha” (die Muschel) die von zwei Bergen begrenzt wird, auf der westlichen Seite dem Monte Igeldo mit Aussichtsturm und kleinem Vergnügungspark und auf der östlichen Seite vom Monte Urgull mit Jesusstatue. Das milde Klima lockt seit vielen Jahren zahlreiche Gäste an, insbesondere auch aus besser betuchten Kreisen. So war der Ort beispielsweise 35 Jahre lang Sommerresidenz des spanischen Diktators Franco. Noch heute nutzen zahlreiche Prominente, wie auch „Otto-Normal” Bürger Donostia als Urlaubsort. Weiterlesen


Sep 2 2010

Berlin

Für einen Dresdner ist Berlin immer eine gedankliche und auch emotionale Herausforderung. Als Kind habe ich keine Stadt so verachtet wie Berlin, oder genauer „Berlin. Hauptstadt der DDR”, wie der Ostteil der Stadt offiziell hieß. Die ständige Betonung das diese Häusersammlung Hauptstadt war, fand ich arrogant und angeberisch. Der Westteil von Berlin existierte für mich nicht in dieser Weise, der war irgendwie unerreichbares Ausland und da man dort nicht hinfahren konnte diente er maximal als fantastische Projektionsfläche des Paradieses. Nicht ganz unprägend war in meiner Berlin-Verachtung, dass ständige Gewinnen des BFC Dynamos von DDR- Fußballmeisterschaften, deren eigentlicher Gewinner Dynamo Dresden sein sollte. Auch unbeteiligte Personen mussten unter dem sächsischen Hass leiden, so wurde eine Mitschülerin ständig als „Preußen-Schwein” beschimpft obwohl sie einfach nur Berlin hieß. Paradoxerweise hatte damals Berlin aber auch eine gewisse Faszination, der Fernsehturm, U-Bahn oder einen Flughafen auf dem große Flugzeuge wie die IL-86 landen konnten. Weiterlesen


Mai 26 2010

100 Jahre Gran Via

Als Stadt von Welt und Touristenmetropole ist man gezwungen ständig Aufmerksamkeit zu generieren, damit der Strom an Besuchern nie abreist. So „erfindet” (man könnte auch von ausgraben sprechen) man gern Ereignisse, die Menschen in die Stadt bringen und die den Ruf der Metropole stärken. In Madrid ist 2010 das Jahr an dem man den Geburtstag einer der wichtigsten Straßen der Stadt feiert, ein hundert Jahre „Gran Via”.
Vor genau 100 Jahren begann man in der spanischen Hauptstadt, einen neuen Prachtboulevard zu errichten. König Alfons XIII. selbst hatte großen Einfluss darauf genommen, den nördlichen Teil der Innenstadt, mit ihrem verwinkelten Gässchen aus dem Mittelalter zu durchbrechen und eine Verbindung von der Calle Alcalá zur nordwestlichen Stadtausfahrt herzustellen. Zwar sollte die Gran Vía erst 30 Jahre später komplett fertiggestellt sein (von der Calle Alcalá bis zum Plaza de España), doch bis heute erfreut sie sich großer Popularität. Anders als der Paseo de la Castellana (die Nord-Süd Achse der Stadt) ist die Gran Vía keine Straße der Bürogebäude, sondern eine Geschäfts- und Vergnügungsmeile mit Bars, Restaurants, Kinos, Musical-Theatern und den üblichen Bekleidungsgeschäftsketten. Weiterlesen


Apr 28 2010

Mein Dresden - Konsumgenossenschaft “Vorwärts”

Seit nunmehr über zwei Jahren arbeite ich in der Friedrichstadt, direkt am Bahnhof Mitte. Der tägliche Weg zur Arbeit führt mich mit dem Fahrrad fast immer an einem alten verlassenen Lagerhaus vorbei, dass mich schon als Kind beeindruckte, nur dass ich nicht den Namen des Bauwerks kannte. Das Dresden meiner Kindheit hatte viele solcher alter und runtergekommener Häuser die nicht selten verlassen waren, wie beispielsweise den Erlweinspeicher, für mich damals ein Schandfleck am Elbufer und heute ein vier Sterne Hotel. Etwas anderes war es mit der Konsumgenossenschaft „Vorwärts”. Das Gebäude liegt zwar fast in der Mitte Dresdens, jedoch ist es recht versteckt. Die am Haus vorbeiführende Fabrikstraße endete nur wenige hundert Meter weiter unter der Nossener Brücke ohne dass irgendein Ort von Interesse in dieser Gegend wäre. Trotzdem reichen meine Erinnerungen, wenn auch wage, bis in meine Kindheit zurück. Ich denke ich war vor allem von den langen horizontalen Fensterreihen beeindruckt. Auch war mir so recht nie klar, wofür dieses Haus eigentlich gebaut wurde. Doch erst mit der Zeit meiner täglichen Arbeitswege fiel meine Beachtung stärker auf den rötlichen Backsteinbau. Weiterlesen