Eine kurze Notiz zu: “Arlington Road”

Einige Filme werden von der Realität eingeholt. Normalerweise betrifft dies zumeist Science-Ficton Machwerke, die in einer grauen düsteren Zukunft spielen, in 20 oder 30 Jahren. Wenn diese Streifen dann eben jenes Alter erreicht haben, bemerkt man schnell, dass sie quasi von der Zeit eingeholt wurden und die Ideen, die diese Filme hatten, heute alles andere als realistisch klingen und damit in gewisser Weise lächerlich werden. Ein vollkommen anderes Beispiel sind Filme, die ebenso von der Realität eingeholt werden, obwohl sie gar nicht in der Zukunft spielen, aber die Welt sich so schnell verändert hat, dass auch sie von einem Moment auf den anderen veralten. Genau das ist der Punkt bei „Arlington Road”. Erschienen 1999, von Regisseur Mark Pellington gedreht, behandelt er das Thema Terrorismus und das noch vor 9-11.

Universitätsprofessor Michael Faraday (Jeff Bridges) lernt seinen Nachbar Oliver Lang (Tim Robbins) näher kennen, als er dessen Sohn verletzt von der Straße holt. Doch bald mehren sich Zweifel an Lang, der scheinbar seinen Namen änderte und eine terroristische Vergangenheit hat.

Pellington versucht einen Psycho-Thriller aufzubauen, der ein interessantes Ende bietet, das allerdings sehr stark an „Following” von Christopher Nolan erinnert. Denn hier wie dort bleibt die „Wahrheit” der Geschichte nur dem Zuschauer des Films bekannt und die Welt scheint sich weiter zu drehen, ohne das die Welt weiß wie ihr passiert ist. Ebenso überzeugt der Blick auf das Anonyme und von sozialen Konventionen und gespielter Anteilnahme durchzogene Vorstadtleben, dass ich selten in so überzeugenden Grautönen auf dem Bildschirm erlebt habe.  Aber, das hilft dem Film nicht wirklich, denn das Ende des Films nötigt dem Gesamtwerk zu viel ab. Um den Film den „aha-Effekt” in der letzten Minute zu bieten nimmt Pellington erhebliche logische Probleme in Kauf und er vergisst vollkommen die Motivation der Terrors darzustellen. So etwas passt in die 90er Jahre(wo Filme ein überraschendes Ende brauchten), als Terror etwas Böses war, das unbegründet auf unschuldige niederfiel. Doch nach 9-11 änderte sich dieses Bild. Terroristen sind keine dahergelaufenen Bösewichte mehr, die nur so zum Spaß böses tun. Pellington stellt aber Oliver Lang im Film genau so dar. Der Zuschauer muss einfach annehmen, dass er Böse ist und vielleicht so geboren wurde, frei nach dem Motto: „da kann man halt nichts machen, der ist halt so.” Filme wie „Syriana” oder „Machtlos” zeigen viel deutlicher wie Terrorismus funktioniert und warum Menschen so etwas Abscheuliches tun. „Arlington Road” bleibt nur Effekthascherei mit einem passablen Ende.


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