Segovia

Segovia ist eine herausragende Stadt. Dieses Attribut verdankt sie nicht nur ihrer Lage auf einem Felsvorsprung gelegen, über dem Zusammenfluss der beiden Flüsschen Eresma und Glamores nicht weit entfernt von den Hängen der Sierra Guadarrama. Segavia fasziniert auch durch seine beeindruckende Geschichte, die glanzvoll durch ihre Bauwerke repräsentiert wird.
Die Stadt wurde wohl noch vor den Römern besiedelt und entwickelte sich in der Römerzeit zu einer der bedeutendsten Orte auf der iberischen Halbinsel. Nicht nur der heute immer noch verwendete römische Name Segovia zeugt von dieser Zeit, sondern auch das heute noch erhaltende Aquädukt. Später von den Westgoten und den Mauren besiedelt lag Segovia lange Zeit an der Grenze zwischen islamischen und christlichen Reichen und profitierte sehr vom kulturellen Austausch. Schon im 12. Jahrhundert lebten Kastilier ebenso wie Mauren und Juden in der Stadt. Ihre Glanzzeit erlebte der Ort im 15. Jahrhundert, als er bevorzugte Königsresidenz der kastilischen Könige wurde. Zwar büßte die Stadt später diese entscheidende Rolle ein, kann aber immer noch auf fantastische Bauwerke späterer Zeit verweisen, wie die wohl letzte im gotischen Stil gebaute Kathedrale.
Heute ist Segovia ein beliebtest Touristenziel, insbesondere von Tagestouristen aus Madrid, was der Stadt trotz seiner lediglich 50.000 Einwohner einen sehr internationalen und lebendigen Charme mitgibt.

Bemerkenswerte Bauwerke:

Aquädukt
Das Aquädukt von Segovia stammt wohl aus der Zeit Kaiser Trajans, der von 98- 117 herrschte. Es überstand den Zerfall des römischen Reiches und später auch den Einfall der Mauren auf der iberischen Halbinsel. Jedoch wurde es 1071 stark beschädigt, der südliche Teil fiel wohl einem Angriff von Mauren zum Opfer. 1484-89 wurde aber dieser Teil wieder aufgebaut. Erst auf dem zweiten Blick fällt auf, dass für die Brücke kein Mörtel verwendet wurde. Mit seinen 29m Höhe und seinen 728m Länge erreicht es gewaltige Dimensionen. Noch bis in die 1970er Jahre hinein hat das Aquädukt Wasser aus dem 16km entfernten Río Acebeda in die Oberstadt von Segovia transportiert.

Kathedrale
Die Kathedrale von Segovia ist nicht nur auf dem ersten Blick ein aufregendes Gebäude. Sie ist das wohl letzte im gotischen bzw. spätgotischen Stil gebaute Gotteshaus (selbstverständlich muss dabei die Neogotik des 19. Jahrhunderts ausgeklammert werden). Das sieht man der Kirche durchaus an; denn anders als beispielsweise der Straßburger Dom sind ihre Formen nicht nur in die Höhe weisend, die Kirche wirkt vielmehr wie eine riesige Schichttorte.
Der Bau der Kirche begann 1525, da die alte romanische Kathedrale im Zuge der Comuneros-Aufstände gegen Karl V. (1520/21) zerstört wurde. An einer neuen Stätte, im alten Judenviertel (welche seit 1492 vertrieben wurden oder konvertieren mussten) wurde dann die neue Kathedrale errichtet, die letztendlich 1768 geweiht werden konnte. Trotz der Bauzeit von über 200 Jahren sind weite Teile der Kirche im spanischen Stil der Gotik gebaut (der so genannten isabellinischen Gotik). Um die Baukosten ein wenig zu verringern, wurden noch nützliche Teile der alten Kirche verbaut. Innen ist die dreischiffige Kirche ein gewaltiger Gotikbau und mit 33m wird die Höhe der Kathedrale von Chartres erreicht. Bei einem Besuch nicht vergessen sollte man auch den Kreuzweg und ein kleines angeschlossenes Museum, was eine der ersten polyglotten Bibelübersetzungen zeigt, die so genannte „Complutense“ (eine erstmals in Alcala de Henares durchgeführte Übersetzung des Neuen Testaments, die in ein Buch vier Sprachen vereint: Latein, Griechisch, Hebräisch und Chadäisch.
Heute ist die Kathedrale für 3 Euro Eintritt zu besichtigen, was sich zweifellos lohnt.

Alcazar
Das Alcazar von Segovia wurde schon oft als Märchenschloss bezeichnet und durch seine Lage, direkt über einem Felsen und seine vielen Türme wirkt es auch traumhaft, manchmal auch etwas düster, wie beispielsweise im Herbst wenn die Raben über den Dächern kreisen.
Die erste Bebauung der Burgareals geht bis in das 11. Jahrhundert zurück und wurde nach und nach zum Wohnsitz der kastilischen Könige ausgebaut. Die letzte großen Umbauten nahm der spanische König Phillip II. vor, der die einheitlichen Schieferdächer anbauen ließ und der Burg damit ein eher nordisches Aussehen gab (er feierte hier übrigens auch die Hochzeit mit seiner 4.Frau Anna von Österreich im Jahre 1570). Nach Phillip IV. Regentschaft (1621-1665) nimmt das Interesse der königlichen Familie am Schloss ab und wurde zur Artillerieschule umgerüstet (wovon heute noch ein Artilleriemuseum zeugt, das aber leider nur spanische Beschreibungen anbietet). Im Jahre 1862 vernichtete ein Brand große Teile der Inneneinrichtung, die dann im romantischen Stil wiederaufgebaut wurden. Seit dem 20. Jahrhundert steht es dann als ein Wahrzeichen spanischer Geschichte dem Besucher zur Verfügung.
Auch hier lohnt sich ein Besuch, der Eintrittspreis beträgt mit dem Besuch des Wachturms 6 Euro. Höhepunkt der Besichtigung sind sicherlich der Thronsaal, der die Thronsessel der katholische Könige Isabell I. und Ferdinand V. zeigt, wenngleich es sich leider um kein Original handelt. Der sich anschließende Galeerensaal ist nicht nur wegen seiner Decke (in Form einer umgedrehten Galeere) beeindruckend, sondern hält auch noch einen atemberaubenden Blick bereit. Der Rundgang schließt mit dem Besteigen des Turms Johann II., welcher einen weiteren schönen Blick auf die Stadt, wie auch auf die Sierra bereithält.

Vera Cruz
Etwas außerhalb von Segovia findet sich ein weiterer kultureller Schatz der Stadt. Die kleine Kirche Vera Cruz, welche schon 1208 als Templerkirche geweiht wurde. Die Kirche sollte einen Teil des Kreuzes aufnehmen, welcher sich aber nicht mehr hier befindet. Vom 13. bis zum 17. Jahrhundert gehörte die Kirche dann den Maltesern und ist immerhin schon seit 1919 ein „Monumento Nacional“.
Wer einmal einen romanischen Bau sucht, der ist bei Vera Cruz genau richtig. Die Kirche ist ein 12-eckiger Rundbau mit einer kleinen Kuppel, die im Inneren eine gleichfalls 12 eckigen Reliquienkapelle beherbergt. Wunderbar sind hier die typischen Merkmale der romanischen Architektur zu betrachten, eine massive und schlichte Bauweise, mit kleinen Fenstern und Türen mit Rundbögen und Säulen mit Würfelkapitellen.
Der Eintritt beträgt 1,75€, auf Nachfrage kann man auch eine deutsche Beschreibung der Kirche bekommen.

Wie komme ich hin?: Segovia ist von Madrid aus leicht zu erreichen. Zum einen mit der Bahn ab Charmartin oder mit dem Bus von der Busstation Principe Pio aus (fast zu jeder vollen Stunde). Der Bus (Fahrpreis rund 7€ einfach) benötigt rund 1 ¼ Stunde (die Rückfahrt kann je nach Tageszeit etwas länger dauern, da man in Richtung Madrid immer mal wieder in den Stau kommen kann – Sonntage sind dabei besonders anfällig)