Toledo

Toledo, die alte Hauptstadt Kastiliens ist wohl die reizvollste Stadt von Zentralspaniens. In rund einer Stunde von Madrid mit dem Bus zu erreichen (Abfahrt jede halbe Stunde von Plaza Eliptica), liegt Toledo auf einem steilen Felsen oberhalb des Tajo-Flusses. Seit 1986 steht die Altstadt unter UNESCO-Welterbestatus, wohl auch weil sie in ihrer Form seit dem Jahr 1600 keine große Veränderung erfahren hat.
Werfen wir einen kurzen Blick auf die Geschichte der Stadt. Eine Legende besagt das Toledo von den nachkommen Noahs gegründet wurde. Wie dem auch sei, im Jahre 192 v.Chr. jedenfalls eroberten die Römer jedenfalls den Ort des heutigen Toledo der damals vom iberischen Volk der Karpetaner besiedelt wurde und nannten ihn Toletum. Schon um das Jahr 400 wurde der Ort eine christliche Stadt. Einen ersten Höhepunkt erlebte Toledo 554 bis 712 als es Königsresidenz der westgotischen Herrscher wurde. Den Reichtum der gotischen Oberschicht lässt sich noch im Staatlichen Archäologischen Museum im Madrid nachvollziehen, denn dort ist der „Schatz von Guarrázar“ ausgestellt, die gotischen Weihekronen. 712 eroberten die Mauren die Stadt und werden erst 1085 vom kastillischen König Alfons VI. vertrieben (welcher übrigens erst 13 Jahre vorher in die Stadt ins Exil ging zu König Yahya al-Mamúns, Herrscher des eigenständigen muslimischen Königreiches Toledo). Kurz nach seiner Wiedereingliederung in die christliche Welt wurde Toledo zur Hauptstadt Kastilliens. Jedoch erst im 13.Jahrhundert fand ein verstärkter Ausbau statt, so dass sich bis heute zahlreiche muslimische Baueinflüsse in der Stadt finden lassen. Diese Zurückhaltung, die sich auch im stark verspäteten Bau einer Kathedrale ausdrückt (Toledo ist Sitz eines Erzbistums) ist wohl der politischen Situation der Reconquista (der Wiedereroberung der muslimischen Gebiete durch christliche iberische Truppen) geschuldet. Toledo lag lange Zeit an der südlichen Grenze der christlichen Gebiete. So sind noch heute zahlreiche Bauten aus maurischer Vergangenheit zu bewundern. Bis in das 15. Jahrhundert hinein galt die Stadt als gelungenes Beispiel des Zusammenlebens von Christen, Mauren und Juden (was jedoch auch hier nach dem Ende der Reconquista zusammenbrach, als Juden und Mauren entweder vertrieben wurden, oder den christlichen Glauben annehmen mussten, so besagt es das Alhambra-Edikt von 1492). Zahlreiche Gebäude im Mudéjarstil sind in der Stadt zu bestaunen. Durch die Verlegung der Hauptstadt nach Madrid im Jahre 1561 bleibt Toledo zwar Sitz der Generalinquisition (ein zweifelhafter Ruhm), verliert aber massiv an Bedeutung und Beachtung für das spanische Herrscherhaus, was mit dem heutigen Vorteil verbunden ist, keine gravierenden stadtplanerischen Veränderungen seit mehr als 400 Jahren erfahren zu haben. Künstlerischen Ruhm verdankt die Stadt ihrem wohl prominentesten Zugezogenen, dem Maler El Creco, der bis zu seinem Tode im Jahre 1614 in Toledo lebte. Zeitgeschichtliche Bedeutung erlang die Toledo im Jahre 1936, als im beginnenden spanischen Bürgerkrieg ein Militärkommando der Falange das Alcázar einnahm, sich dort verschanzte und sich den Angriffen der republikanischen Truppen standhaft erwehrte. Diesen gelang es nicht, dass Alcázar zu erobern. So mussten die Republikanischen Truppen sich nach 70 Tagen Belagerung aus der Stadt zurückziehen, da die Truppen Francos den Aufständischen zur Hilfe gekommen waren. Die erfolgreiche Belagerung des Alcázars von Toledo galt später als Gründungsmythos der auf den Bürgerkrieg folgenden Diktatur Francos in Spanien.
Heute ist Toledo eine touristische Stadt, die trotz zahlreicher Besucher immer noch ruhige Ecken bieten kann, die eine Unmenge an architektonischen Schmuckstücken zählt und die nicht zuletzt auch durch einladende Bars und Restaurants kulinarische Genüsse offeriert.