Das Damengambit

Idee. Scott Frank, Allen Scott | Originaltitel: „The Queen’s Gambit“ | Mini-Serie | 7 Folgen |Erstausstrahlung 2020 auf Netflix

Ich gebe an dieser Stelle zwei Dinge zu. Erstens ich bewundere Schachspieler und zweitens in den wenigen Malen, in denen ich mich als solcher mit einem Konkurrenten gemessen habe, habe ich schnell gemerkt, dass ich diesem Spiel geistig nicht gewachsen bin. Das ist überhaupt ein entscheidender Punkt, bei meiner Bewunderung des Schachspiels, es gibt mir die Aura des über viele Züge im Voraus zu planenden Kampfes von intellektueller Potenz und vielleicht ist es diese Aura, die mich auch davon abhält, das Spiel selbst zu spielen. Aber Anschauen finde ich gut (es hat schon etwas, in einem Café zwei Schachspielern bei ihrem Tun zuzusehen), noch besser aber finde ich, eine Geschichte um die Personen herum zu erfahren, die mit solcher cerebralen Eigenschaften ausgestattet sind. Das sind dann meistens kleine Genies (oder haben Sie je einen saudummen Schachspieler erlebt?) die, um dem Unterhaltungsfaktor gerecht zu werden, auch die ein oder andere persönliche Eigenheit haben. Und auch die Schachhistorie bietet spannende und kontroverse Gestalten, so wie beispielsweise Bobby Fisher. „Das Damengambit“ weiterlesen

David Mitchell – Die tausend Herbste des Jacob de Zoet

In Zeiten wie diesen – und an dieser Stelle müssen wir nicht groß rumdrucksen – die allgemein, aber auch individuell durchaus als bescheiden und schlechter bezeichnet werden können, ist die Lektüre eines Buches eine der wenigen brauchbaren Alternativen aus der zunehmenden Einsamkeit der Welt. „David Mitchell – Die tausend Herbste des Jacob de Zoet“ weiterlesen

I Know This Much Is True

Idee: Derek Cianfrance | Drama – Miniserie | 6 Folgen | Erstausstrahlung 2020 auf HBO

Es ist wahrscheinlich viel mehr als postmoderner Zeitgeist, dass die Suche nach Wahrheit ein Fischen im Trüben mit der Hoffnung auf Licht ist, dass aber auch das Licht nie wirklich fest zu machen ist. Was ist also noch wahr? Was zählt? „I know this much is True“ begibt sich in die frühen 90er Jahre des letzten Jahrhunderts, in den Nordosten der USA nach Conneticut und begleitet Dominick Birdsey (Mark Ruffalo) auf die Reise seines Lebens, um die Fundamente seines Lebens zu untersuchen. Da ist als erstes sein Zwillingsbruder Thomas (ebenfalls Mark Ruffalo), der mit seinen mittlerweile über 40 Jahren immer wunderlicher wird und schizophrene Züge aufweist. Aufgewachsen bei einer sorgsamen Mutter (Melissa Mio) und einem eher herrischen Vater (John Procaccino), der Dominick immer über Thomas stellte, beginnt Thomas seit dem College mit dem Leben zu fremdeln, während Dominik Dessa (Kathryin Hahn), die Frau seines Lebens trifft und mit ihr eine Familie aufbaut, die wiederum an einer Tragödie zerbricht. Thomas, zeitlebens ein Einzelgänger, lebt mehr und mehr im Wahn und begeht in einer öffentlichen Bibliothek einen körperlichen Anschlag auf sich selbst, wobei er in eine geschlossene Anstalt verlegt wird. Hier möchte Dominick ihn herausholen und gewinnt für seinen Kampf die Sozialarbeiterin Lisa Sheffer (Rosie O’Donnell). „I Know This Much Is True“ weiterlesen

Juli Zeh – Neujahr

Ein Urlaub in Lanzarote über Weihnachten und Neujahr. Familienvater Henning ist mit seiner Frau Theresa und seinen beiden kleinen Kindern auf die Kanaren geflogen, während seine Schwester Luna im heimatlichen Göttingen bei ihm wohnen darf, da sie selbst ihr Leben irgendwie kaum allein in den Griff bekommt. Eine seltsame Kraft treibt Henning auf der Insel an, wo er am Neujahrstag einen Fahrradausflug ohne Familie unternimmt und hofft, nicht von einer seiner immer häufiger auftretenden Panikattacken überrascht zu werden. „Juli Zeh – Neujahr“ weiterlesen

Downsizing

Jahr: 2017 | Regie & Drehbuch: Alexander Payne | Science-Fiction Spielfilm | Länge: 135min |

Paul Safranek (Matt Damon), Ergotherapeut aus Omaha, Nebraska, führt mit seiner Frau Audrey (Kristen Wiig) ein eher unspektakuläres Leben. Umso spektakulärer jedoch, ist eine norwegische Erfindung, welche unseren Planeten vor Überbevölkerung, Klimakatastrophe und Verarmung schützen soll; das Schrumpfen der Menschheit, im Sinne seiner radikalen Verkleinerung auf rund 12cm Größe. „Downsizing“ weiterlesen

Ewald Arenz – Alte Sorten

Es ist der erste Tag des Septembers und der Sommer nähert sich ganz langsam seinem Ende. Sally ist aus der Klinik ausgerissen. Sie ist 17 Jahre alt und die Welt versteht sie nicht. Sie flüchtet und trifft weit weg vom Rummel der städtischen Umgebung auf Liss. Diese lebt einsam auf einem Bauernhof in einem Dorf an bergigen Weinhängen, irgendwo im Süden des Landes. Schnell stellt sich heraus, dass die ruhige und sehr zurückhaltende Art von Liss, Sally faszinierend findet, weshalb sie ihre Flucht einstellt und auf dem Bauernhof bleibt. Eine Freundschaft entsteht, die aus gegenseitigem Interesse am jeweils anderen beruht und scheinbar können sich beide gegenseitig etwas geben. „Ewald Arenz – Alte Sorten“ weiterlesen

Niemals selten manchmal immer

Originaltitel: „Never Rarely Sometimes Always“ | Jahr: 2020 | Regie: & Drehbuch: Liza Hittman |Drama | Länge: 102 min

Manchmal wird man von den Kinokritikern seines Vertrauens dazu motiviert einen speziellen Film im Kino anzusehen. Das muss dann aber nicht immer dazu führen, dass man ebenso überzeugt vom Werk ist und wenn dies der Fall ist, tendiere ich zumindest dazu längere Erklärungen abzugeben, warum dies so ist, so wie im Folgenden. „Niemals selten manchmal immer“ weiterlesen

Das letzte Wort

Idee: Thorsten Merten | Dramedy-Serie | 6 Folgen in 1.Staffel | Erstausstrahlung 2020 bei netflix

Die Feierlichkeiten zur Silberhochzeit von Karla (Anke Engelke) und Stephan Fazius (Johannes Zeiler) sind gerade vorbei, als dieser plötzlich verstirbt. Beerdigungsunternehmer Borowski (Thorsten Merten) kümmert sich um die Beerdigung und Karla will diese so großartig wie möglich gestalten, als sich herausstellt, dass vom erhofften Vermögen der Fazius nicht mehr viel da ist, da Stephan in den letzten zwei Jahren nicht mehr als Zahnarzt arbeitete, sondern heimlich als Künstler umsattelte. Der sich daraus ergebende finanzielle Engpass führt zu einer kleineren Trauerfeier, was wiederum auch Borowski bekümmert, der in ebensolchen pekuniären Schwierigkeiten steckt. Doch daraus entwickelt sich eine geschäftliche Beziehung, denn Karlas Talent zeigt sich im Halten von Trauerreden und diesen Job übernimmt sie zukünftig beim Beerdigungsunternehmen. Dieses kann damit notdürftig überleben und Sohn Ronnie Borowski (Aaron Hilmer) kann weiter Leichen präparieren, wofür er ein fast schon künstlerisch zu nennendes Talent besitzt. Bei der Familie Fazius versucht man währenddessen auch ohne den Vater zurecht zu kommen, wobei sich Tochter Judith (Nina Gummich) zu so etwas wie einer Managerin des Haushalts aufschwingt, während Sohn Tonio (Juri Winkler) zur Psychotherapeutin geht und Oma Mina (Gudrun Ritter) quatsch macht. „Das letzte Wort“ weiterlesen

John Irving – Straße der Wunder

John Irving gehört zu den großen amerikanischen Romanciers der Gegenwart. Nach vielen Jahren der Unkenntnis, war es an der Zeit auch etwas von ihm zu lesen, beeinflusste er doch Autoren wie beispielsweise T.C. Boyle.

Im Mittelpunkt der Handlung des 2015 erschienenen Werkes „Straße der Wunder“ steht Juan Diego, ein mexikanisch-stämmiger, amerikanischer Schriftsteller, der erheblich älter wirkt als er mit seinen 55 Lebensjahren ist. Das liegt zum einen an seinen Herzproblemen und mehr noch an seinem hinkenden Fuß, den er sich bei einem Unfall als Kind zugezogen hat. Es ist diese Kindheit, genauer ein kurzer Zeitraum in seinem 14. Lebensjahr, der einer der beiden Erzählebenen des Romans darstellt. Der Junge lebt gemeinsam mit seiner wunderlichen Schwester Lupe auf einem Müllplatz, doch beide Kinder haben erstaunliche Talente. Während Lupe Gedanken lesen kann, dafür aber unverständlich redet, ist es ihr Bruder, der sie als einziger in der Welt versteht, der aber sich selbst aus den weggeworfenen Büchern der Bewohner der mexikanischen Stadt Oaxaca das Lesen beigebracht hat. Dieses Talent findet die Aufmerksamkeit eines jesuitischen Mönches, Pepe, der sein Förderer wird. Der andere Ebene spielt in der Jetztzeit, genauer im Herbst 2010. Juan Diego ist ein weltweit bekannter Autor und begibt sich auf die Philippinen, weil er dort ein Versprechen aus seiner Jugend einlösen möchte. Auf der Reise dahin, geht er wenig sorgsam mit seinen Medikamenten um, gleichzeitig trifft er auf zwei sehr ungewöhnliche Frauen, Mutter und Tochter, die sehr mysteriös – geisterhafte Reisebekanntschaften zu seien scheinen. „John Irving – Straße der Wunder“ weiterlesen

Eine Taube sitzt auf dem Dach und denkt über das Leben nach

Jahr: 2014 | Regie und Drehbuch: Roy Andersson | Spielfilm | 101 min

Und nochmal Roy Andersson. Da „Über die Unendlichkeit“ einige Erwartungen weckte, freute ich mich, Anderssons vorherigen Film „Eine Taube sitzt auf dem Dach und denkt über das Leben nach“ ansehen zu können. 2014 gewann der Streifen den Goldenen Löwen in Cannes und wurde auch sonst von der Kritik sehr wohlwollend behandelt. „Eine Taube sitzt auf dem Dach und denkt über das Leben nach“ weiterlesen