Werner Herzog – Jeder für sich und Gott gegen alle: Erinnerungen

Erschien 2022 bei Carl Hanser Verlag mit 352 Seiten | hier als Hörbuch, gesprochen vom Autor

Ich fremdle immer noch ein ganz klein wenig mit dem Hörbuchformat, obwohl ich Podcasts sehr schätze. Irgendwann in den Tiefen dieses Sommers stand ich in einer Buchhandlung in Potsdam und sah ein Buch von Werner Herzog, das sich mit dem Begriff der Wahrheit beschäftigte, und ich gebe zu, dass ich schon ziemlich am Thema interessiert war und immer noch bin. Jetzt war ich mir aber gar nicht so sicher, ob ich von Werner Herzog darüber mehr erfahren wollte, ist er doch für mich eher als Regisseur solch ungewöhnlicher Filme wie Fitzcarraldo, Aguirre – Der Zorn Gottes oder seines immer wieder amüsiert und gleichzeitig verängstigt zu schauenden Kinski-Porträts Mein liebster Feind bekannt. Aber Herzog als Philosoph? Warum sich nicht erst einmal mit der Biographie von Herzog auseinandersetzen – und hier war das autobiographische Hörbuch für mich die ideale Quelle, da es vom Autor selbst eingesprochen wurde, und wer seine Stimme kennt, weiß, dass dies ein absoluter Gewinn ist.[1] „Werner Herzog – Jeder für sich und Gott gegen alle: Erinnerungen“ weiterlesen

Steffen Kopetzky – Monschau

Erschien 2021 bei Rowohlt mit 352 Seiten

Manchmal, wenn man einfach fantastische Romane gelesen hat, hat es das nachfolgende Buch schwer. Nach Ben Lernerns „Transkription“ hatte es Steffen Kopetzkys „Monschau“ wirklich nicht leicht und meine Erwartungen waren auch nicht gerade hoch, zumal ich das Buch quasi fast von der Straße fischte. Allerdings wurden die Erwartungen dann doch nochmal deutlich unterboten, und so wie Lerners Roman einer der besten der letzten Jahre war, ist Kopetzkys „Monschau“ eines der schlechtesten Bücher, die ich je zu Ende gelesen habe. „Steffen Kopetzky – Monschau“ weiterlesen

Ben Lerner – Transkription

Erschienen 2026 im amerikanischen Original als „Transcription“ bei Farrar, Straus und Giroux | in deutscher Übersetzung von Niklaus Stingl bei Suhrkamp mit 158 Seiten

Das Leben ist voller Überraschungen. Ganz wunderbare Überraschungen sind beispielsweise Geburtstagsgeschenke, die man in dieser Form nicht erwartet hat. Und noch überraschender ist es, wenn man ein Buch eines Autors geschenkt bekommt, von dem man nur wenig bis gar nichts (in meinem Fall eigentlich Letzteres, wie ich zu meiner Schande gestehen muss) gehört hat – und das, obwohl die Lobpreisungen eigentlich deutlich vernehmbar waren (von „literarisches Phänomen“ bis „der beste Schriftsteller seiner Generation“). Und doch bleibt die allergrößte Überraschung für mich, dass dieses Buch ein echtes Leseerlebnis ist, ein Buch, das eines der besten, vielleicht das beste Buch der letzten Jahre ist, das ich lesen durfte. „Ben Lerner – Transkription“ weiterlesen

Bitteres Fest

Originaltitel: „Amarga Navidad“ | Jahr: 2026 | Regie & Drehbuch: Pedro Almodóvar | Spielfilm | Länge: 111min

Kommen wir zur Frage des Gesamtkunstwerkes. Die ist nicht immer leicht zu beantworten. Natürlich kann jeder Film Kunst sein, aber die allerwenigsten sind es, obwohl man natürlich nur schwer eine Grenze zur Kunstlosigkeit ziehen kann, die dann eine eindeutige Demarkationslinie darstellen würde. Was ich jedoch immer beeindruckend finde, ist, wenn ein Regisseur auch für das Drehbuch verantwortlich war. Dies gibt mir als Zuseher immer das Gefühl, hier wurde eine künstlerische Idee erst erdacht und dann entwickelt, inszeniert und zusammengesetzt. Ich bin daher ein großer Fan von Filmen wie beispielsweise von Christopher Nolan oder auch von Pedro Almodóvar, die bei ihren Werken immer auch am Drehbuch mitschreiben. Und damit sind wir schon mitten im Thema, in Almodóvars neuem Film, der sich das Schreiben eines Drehbuchs zum Thema macht und sich dabei um Fragen dreht, wie Realität und Fiktion sich gegenseitig beeinflussen, wie das Niederschreiben von Fiktion zu Kunst wird, aber auf der anderen Seite auch, wie wirkmächtig diese Fiktion für die Realität wird. „Bitteres Fest“ weiterlesen

Alexander Osang – Comeback

Erschien 2015 bei S. Fischer mit 290 Seiten

Über meine Vorliebe zu Geschichten und Romanen von Alexander Osang habe ich hier bereits mehrfach geschrieben. Nun freue ich mich, als Teil meiner Sommer-Lektüre auch seinen vierten Roman „Comeback“ aus dem Jahr 2015 gelesen zu haben. In den 11 Kurzgeschichten erfahren wir etwas über die fiktive Ostrockband, die Steine. Diese hat gegen Ende der 1980er Jahre eine sehr hohe Popularität in der DDR erzielt, auch weil ihre Songs durchaus kritisch mit dem Alltag im Osten Deutschlands umgehen. Dabei besteht das Leben dieser DDR-Rockstars durchaus nicht nur aus Unterdrückung, Bespitzelung und subversiver Gegen-Kunst. „Alexander Osang – Comeback“ weiterlesen

Katerina Poladjan – Goldstrand

Aus der Reihe: aus fremden Regalen

Erschien 2025 bei S. Fischer Verlag mit 160 Seiten

Lange nichts gehört an dieser Ecke des Internets. Das lag daran, dass ich etwas an Thomas Pynchons neuem Roman verzweifelte, mir aber nicht eingestehen wollte, dass ich ihn wohl doch nicht beenden würde und so die Tage verflossen, ohne dass die Literatur eine Rolle spielte (was ja nun auch nichts Schlechtes sein muss). Doch günstigerweise konnte ich mir vor einiger Zeit den Roman „Goldstrand“ von Katerina Poladjan bei meiner Schwester ausleihen, welche diesen Bestand in ihrer Bibliothek meiner klugen und investigativen Nachricht an meine Mutter verdankte, die ein Ostergeschenk für die benötigte. So was kann man dann auch als eine gewisse Kreislauf-Wirtschaft betrachten. „Katerina Poladjan – Goldstrand“ weiterlesen

Der Astronaut – Project Hail Mary

Originaltitel: „Project Hail Mary“ | Jahr: 2026 | Regie: Phil Lord, Chris Miller | Science-Fiction Film | Länge: 157min

Manchmal geht man bei der Auswahl von Filmen nach Namen. Entweder nach dem Filmtitel, aus dem man mit Rückbezügen versucht, sich über die Qualität eines Films eine Idee zu verschaffen (hier finde ich kurze Titel immer besser als lange; ganze Sätze sind fast schon schrecklich und beeinflussen mich eher negativ), wobei das nicht immer gut gehen muss – gerade, wenn man dann auf den deutschen Titel eines Streifens schaut. Bei „Der Astronaut – Project Hail Mary“ erhält der deutsche Titel die Voranstellung „Der Astronaut“, was ich eigentlich sehr spannend finde. Allerdings verwirrt dies auch den geneigten Kinogänger (der ich nicht wirklich bin), wenn man bedenkt, dass im Herbst 2025 ein Film mit demselben Namen mit Kate Mara in die Lichtspielhäuser kam. Nun aber kommt ein Streifen mit Ryan Gosling und Sandra Hüller, und da überrennen einen schon wieder die Namen, und man vergisst allzu leicht, dass auch Sandra Hüller mal in Filmen mitspielen kann, die gerade mal so mittelmäßig sind. „Der Astronaut – Project Hail Mary“ weiterlesen

Heart of Stone

Jahr: 2023 | Regie: Tom Harper | Actionfilm | Länge: 123min

Es ist manchmal so, dass man bei Besuchen – auch von sehr lieben Freunden – gewissen Kompromissen unterlegen ist, gerade bei der Wahl eines vermeintlichen Abend-Seh-Programms und schauen muss, was allen Beteiligten gefallen könnte. So einigte man sich, bei meinem letzten Besuch im Norden, auf einen Geheimagententhriller, als Freitagabendliche Home Cinema Aufführung. Der Film „Heart of Stone“ sollte ein neues Level für Filme in diesem Jahr setzen, und zwar das nach unten, was im Nachhinein aber allen Betrachtern als gemeinsames Fazit blieb. „Heart of Stone“ weiterlesen

Florian Illies – Zauber der Stille

Erschien 2023 bei Suhrkamp | hier als Hörbuch vom Argon Hörverlag gehört (Hördauer: 6h28min)

Nachdem ich vermelden muss, dass ich in letzter Zeit zwar viel lese, aber nur wenig darüberschreibe, möchte ich über etwas Gehörtes in meiner Literaturrubrik schreiben. Ein recht günstiges Abo-Angebot einer Internet-Hörbuch-Bibliothek erlaubte es mir, Hörbücher zu konsumieren. Ich versuche dort einige Sachbücher zu konsumieren, die ich ganz wunderbar als Ersatz- oder Ergänzungspodcasts insbesondere beim Unterwegs-Sein und Laufen verwenden kann. Beispielsweise wollte ich einmal Florian Illies lesen/respektive hören, denn sein Kunst Podcast bei der Zeit, versteckt sich seit einigen Monaten größtenteils hinter einer Bezahlschranke. Beststellerautor Illies hat ein vielbeachtetes Buch über Caspar David Friedrich geschrieben und da ich eine größere Affinität zum Maler habe, drückte ich geschwind den Play-Button! „Florian Illies – Zauber der Stille“ weiterlesen

Marty Supreme

Jahr: 2025 | Regie: Josh Safdie | Drehbuch: Josh Safdie, Ronald Bronstein | Comedy-Drama | 150min | Location: New York City in den 1950er

Auf dem Kinoplakat von „Marty Supreme“ sieht man einen eilig mit Reisetasche hastenden Timothée Chalamet. Ein dynamisches und – wie ich finde – sehr spannendes Poster, das mich danach fragen lässt: Wohin rennt der Mann (oder wovor rennt er weg)? Und auch wenn es im ersten Solofilm von Josh Safdie nicht um Rennen, sondern um Tischtennis geht, stellt er doch die Frage, wohin man im Leben gehen will, wie schnell es gehen soll, ob man Umwege mit einplanen sollte und ob der Weg das Ziel ist oder doch eher das Ziel das Ziel. „Marty Supreme“ weiterlesen