Peter Richter – Dresden revisited

Dresden im Jahr 2016. Deutschlandweit bekannt für seinen schlechten Ruf. Der gebürtige Dresdner Peter Richter wird zu den Dresdener Reden eingeladen und hält einen Vortrag, wie er die Stadt von seiner neuen Wahlheimat New York aus sieht.

Schon mit 19 verließ Richter die Stadt um Kunstgeschichte zu studieren, jedoch kehr er regelmäßig zurück nach heeme. Die Einladung zu den renommierten Dresdner Reden lässt ihn nun über die Heimatstadt nachdenken, die seit jüngster Zeit mit Bewegungen wie Pegida zu den Hochburgen des rechtskonservativen Anti-Establishments gehört. Dabei spricht er als Dresdner, der Dresden für die weite Welt verlassen hat und eben von dieser Welt viel gesehen hat, was man nicht zu Unrecht den „protestierenden Dresdnern“ vorhält nicht getan zu haben. In den 30, recht kleinen, Abschnitten sind es zwei Themenbereiche die Richter umtreiben. „Peter Richter – Dresden revisited“ weiterlesen

Toni Erdmann

Das Leben besteht aus einer verschwommen hohen Anzahl an Momenten, die wir durchleben. Wir gleiten von einem Moment zum nächsten und wohin wir gleiten ist eine Frage des Lebensweges. Zwei scheinbar ganz unterschiedliche Lebenswege gehen Winfried Conradi (Peter Simonischek) und seine Tochter Ines (Sandra Hüller). Winfried lebt mit seinem Hund in der gut bürgerlichen Umgebung eines ehemaligen 68ers. Er ist Musiklehrer und seine Leidenschaft sind skurrile und nicht immer wirklich witzige Streiche, welcher er bevorzugt mit einem künstlichen Gebiss vorträgt. Seine Tochter ist eine Karrierefrau bei der Unternehmungsberatung Morrison. Sie lebt zurzeit in Bukarest und führt das arbeitsreiche Leben eines Expats, bei dem die berufliche Situation scheinbar den gesamten Tag bestimmt und auch einen wie auch noch so kleinen Freizeitbereich bestimmt. Da Winfrieds Hund gestorben ist und er wohl Angst hat etwas zu vereinsamen, reist er spontan nach Bukarest, um seine Tochter zu überraschen. Hier prallen die beiden Lebenswelten aufeinander. „Toni Erdmann“ weiterlesen

Santa Clarita Diet

Manche Serien schaut man, weil diese sich irgendwie gerade anbieten, oder einem angeboten werden. Als in Spanien HBO als Video-on Demand-Service zur Verfügung gestellt und fleißig beworben wurde, mietete sich netflix an jeder zweiten Straßenkreuzung in Madrid eine Werbewand und plakatierte zwei Wochen lang ihre neuste Serie: „Santa Clarita Diet“. Nun gut, schaut man halt mal rein. „Santa Clarita Diet“ weiterlesen

Arrival

Denis Villeneuve‘s Science-Fiction Film “Arrival“ aus dem Jahr 2016 basiert auf einer Kurzgeschichte von Ted Chiang, welche unter dem Titel „Die Geschichte deines Lebens“ in der Erzählsammlung „Die Hölle ist die Abwesenheit Gottes“ erschien. Im Mittelpunkt des Filmes steht die Ankunft von zwölf Raumschiffen Außerirdischer, welche die Erde erreichen und verteilt auf alle Kontinente ihre Fortbewegungsmittel parken. Die Weltbevölkerung ist selbstredend überrascht über den Besuch (ich kenne nicht eine Geschichte, wo die Menschheit mal nicht überrascht, über die Ankunft von Außerirdischen wäre), der sich aber nicht so richtig aus seinem Schiffen traut und fragt sich, was bitte die Gäste wollen. Sind sie hier um die Erdbewohner (also uns!) zu unterjochen? Oder sind in netter Absicht gekommen und bringen vielleicht sogar was Schönes mit? Sind sie Feinde, oder Freunde, oder wollen nur mal eben „Hallo“ sagen? Gerade da stellt sich das Problem für die USA, wo eines der zwölf Schiffe gelandet ist, denn wie bitte soll man mit ihnen kommunizieren? Mit der Lösung wird Colonel Weber (Forest Whitaker) betraut, der die Lingusitin Luise Banks (Amy Adams) engagiert, welche versuchen soll mit den Wesen eine Kommunikation aufzubauen. Unterstützt wird sie vom Physiker Ian Donolly (Jeremy Renner), der nebenher natürlich noch gern wüsste, was die Raumschiffe so technologisch draufhaben. Doch schnell zeigt sich, eine Kommunikation aufzubauen und sich zu verstehen braucht Zeit und wie nicht anders zu erwarten (und wohl auch nicht unrealistisch) hat die Erdenbevölkerung nur wenig Zeit, denn sie fürchtet sich ziemlich vor den neuen Gästen. „Arrival“ weiterlesen

Que Dios nos perdone

Sommer 2011; Madrid schwitzt zwischen einem Papstbesuch und den Unruhen der 15-M Bewegung. Die beiden höchst ungleichen Kommissare Luis Velarde (Antonio de la Torre) und Javier Alfaro (Roberto Álamo) finden eine alte Frau, die Opfer eines Sexualverbrechens geworden ist. Javier ist eher ein Draufgänger, der gern auch mal mit den eigenen Kollegen in Konflikt gerät, während Luis, mit größter Genauigkeit arbeitet, aber ungern ein Wort zu viel verliert, da er stark stottert. Bald schon müssen die beiden Kommissare feststellen, dass es mehr Opfer gibt.

„Que Dios nos perdone“ – oder auf Deutsch: „Möge Gott uns verzeihen“ ist ein Krimi von Rodrigo Sorogoyen der 2016 in Spanien in die Kinos kam und dort auch einige Preise gewann. In Deutschland ist bisher keine Veröffentlichung geplant, was recht schade ist, denn der Film hat durchaus seine Reize. Zum einem liegen diese in der flotten und spannenden Story, in teilweise rasanten Kamerafahrten und in den beiden sehr guten Hauptdarstellern, bei denen Roberto Álamo sogar den Goya-Award für die beste Hauptrolle gewann, die höchste Auszeichnung für Filme in Spanien. Ein spannender 125min langer Krimi, der auch ein eindrückliches Porträt von Madrid im Sommer ist.

Späte Wut

„Späte Wut“ ist der deutsche Titel des spanischen Filmes „Tarde para la ira“ von Raúl Arévalo. Er kam 2016 in die spanischen Kinos und gewann dort zahlreiche Preise und ist momentan auf dem deutschen netflix-Angebot zu sehen. Die Handlung beginnt 2007 bei einem Raubüberfall auf ein Juweliergeschäft. Curro (Luís Callejo) fährt den Fluchtwagen, doch alles läuft anders als geplant. Curro muss allein starten, lässt seine Komplizen zurück und wird doch geschnappt. Wie sich herausstellt als Einziger. Er wird zu einer hohen Haftstrafe verurteilt, auch weil er seine Komplizen nicht verrät. José (Antonio de la Torre) taucht acht Jahre später scheinbar unvermittelt in einem runtergekommenen Viertel in Madrid auf und scheint Gefallen an Ana (Ruth Díaz) zu finden, welche mit Curro ein Kind hat, der nun vor seiner Entlassung steht. „Späte Wut“ weiterlesen

Manchester-by-the-sea

Der Mensch ist das Ergebnis von biologischen Vorbestimmungen und der Ereignisse, die sein Leben zu der Situation hin geformt haben, in welcher er sich gerade wiederfindet. Lee Chandler (Casey Affleck) arbeitet als Hausmeister in Boston und verrichtet seine Arbeit vorschriftsmäßig und gewissenhaft, ist aber sicherlich nicht ein Quell an sprudelnder Unterhaltung oder anregender Konversation. Er wird zurückgerufen in seine Heimatstadt Manchester-by-the-Sea (etwa 40km nördlich von Boston), da sein Bruder Joe (Kyle Chandler) im Sterben liegt. Dort trifft Lee auf Joes Sohn Patrick (Lucas Hedges) und seine Ex-Frau Randi (Michelle Williams) und auf seine Vergangenheit, die er nicht hinter sich lassen kann. „Manchester-by-the-sea“ weiterlesen

La La Land

Alles hat seine Zeit. Wehmütig blicken wir zurück auf etwas, das Vergangen ist und sich nicht wieder einfangen lässt, eine Melancholie erfasst uns, wenn wir daran denken, aber auch eine Freude, das wir etwas Wundervolles erlebt haben, dass uns etwas gegeben hat, dass uns zudem gemacht hat, der wir heute sind.

Manchmal ist nicht wirklich klar, wann etwas seine Zeit hat oder eben gehabt hat. Ist die USA noch die unumstrittene Weltmacht? Ist Hollywood der Magnet des Filmbusiness? Veränderungen prägen den Lauf der Dinge und in einer zunehmend dynamischen Welt scheinen Meinungen die eine diffuse Rückkehr in eine vergangene Zeit predigen mehr und mehr Gehör zu finden. Die Welt steht einfach nicht still und wenn doch, sollte man dies tunlichst genießen.
So, wie wenn man im Stau steht, im Gewirr der Autobahnen von Los Angeles. Was kann man da besseres tun als aufzustehen und die Sonne genießen, die scheinbar immer, ob Sommer oder Winter, über der Stadt scheint, so schlägt es uns die erste Szene von „La La Land“ vor.
Auch Mia (Emma Stone) steht im Stau und nutzt die Zeit für ein Vorsprechen für eine Fimrolle zu üben, ihr Traum ist es, wie der von so vielen anderen, Schauspielerin zu werden. Hinter ihr steht Sebastian (Ryan Gossling), der genervt ist, dass Mia nicht losfährt und seine Hupe ausgiebig bedient, um dies akustisch anzudeuten. Ein unschönes, aber kurzes, erstes Zusammentreffen der Beiden. Doch natürlich sieht man sich immer zweimal im Leben (in Hollywood Filmen eigentlich noch mehr als das). Beeindruckt von der Musik, die aus einem Klub kommt, betritt Mia diesen, um dort den Pianisten (natürlich Sebastian) zu erleben, welcher für eben jene Musik verantwortlich ist und dafür vom Club-Besitzer (J.K. Simmons) gefeuert wird. Die beiden sehen sich und Mia möchte gerade zu einem Lob für Sebastians Musik ansetzen, als dieser sie anrempelt und frustriert wegen der gerade eingetreten, unbefriedigenden, beruflichen Situation abgeht. Natürlich war dies nicht das letzte Wiedersehen, denn nur wenig später trifft man sich auf einer Party und der Film würde keinen Sinn machen, wenn beide sich nicht näher kämen. „La La Land“ weiterlesen

Eine Reihe betrüblicher Ereignisse

Sie sind ein Freund von Märchen, doch sie haben etwas gegen die ständigen Happy-Ends? Sie erfreuen sich an der Optik von Tim Burton Filmen? Wenn Ihnen gesagt wird, guck weg, schauen sie trotzdem hin? Dann gibt es gute Nachrichten, sehen Sie sich unbedingt die Netflix Serie „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ an! Die könnte ihnen gefallen.
Sie handelt von den Baudelaire Kindern; Violet (Malina Weissman), Klaus (Louis Hynes) und dem Baby Sunny (Presley Smith), denen mitgeteilt wird, dass ihre Eltern beim Brand ihres Hauses verstarben. Da die Baudelaires recht reiche Leute waren, hatten sie einen eigenen Finanzverwalter, Artur Poe (K. Todd Freeman), beauftragt, welcher sich nun um die Unterbringung der Kinder kümmern muss. Poe, der seinen Beruf in der Verwaltung als erfüllende Lebensaufgabe betrachtet, hat nicht wirklich Geschick darin einen geeigneten Vormund zu finden und sendet die Drei als erstes zu Graf Olaf (Neil Patrick Harris), einem verarmten aber trotzdem höchst selbstsichereren Schauspieler, der keinen großen Hehl daraus macht, eigentlich nur an das Geld der Kinder gelangen zu wollen. So beginnt die Geschichte der Baudelaire Kinder, die immer schlimmer, dramatischer und dunkler wird. Sagen Sie aber nicht, sie wurden nicht gewarnt.
„Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ weiterlesen

Daniel Kehlmann – Der fernste Ort

Wer kennt das nicht, eine richtig wichtige Aufgabe steht an und man hat rein gar nichts dafür gemacht. Der Termin rückt immer näher, aber wie benebelt macht man weiterhin nichts. Unvorbereitet – Hilfsausdruck. Der Verstand sagt einem, mach was – jetzt, sofort! Doch das Leben läuft weiter und die Gedanken schweben dahin. Könnte man doch einfach aus seinem Leben flüchten, abtauchen, neu beginnen.
So geht es Julian, zu einer Konferenz mit seinem Chef nach Italien gekommen, wo er in wenigen Stunden einen Vortrag halten soll, auf den er nicht nur wenig, sondern rein gar nicht vorbereitet ist. Trotzdem geht er lieber erstmal schwimmen, im See am Hotel. Denn es ist Oktober und da muss man schon ehrlich sein, wenn er jetzt nicht nochmal schwimmen geht, dann wird das dieses Jahr nichts mehr, in Deutschland startet ja schon der Winter. Und so schwimmt Julian und taucht ab. „Daniel Kehlmann – Der fernste Ort“ weiterlesen