Mai 29 2016

Fußball im Osten - Die erfolgreichsten Nach-Wende Fußballklubs in Ostdeutschland. Saison 15/16

Nach einem eher durchwachsenen letzten Jahr, haben die professionellen Fußballvereine Ostdeutschlands in der Spielzeit 2015/16 ein hervorragendes Jahr hinter sich gebracht. Nach vielen Jahren wieder gibt es einen Ostverein in der 1.Bundesliga, wenngleich der Aufstieg von RB Leipzig, außerhalb von Leipzig mit gemischten Gefühlen, wenn nicht gar mit Unwohlsein betrachtet wird. Auch Union Berlin lieferte am Ende eine versöhnliche Serie ab, ob es aber in den nächsten Jahren wirklich mal zu einem reinschnuppern an die Aufstiegsplätze zur 1.Liga reicht, oder ob man ein sehr solider 2.Ligist bleibt, wird sich zeigen. Die 3.Liga hatte dieses Jahr acht Ostvereine zu Gast, da lag die Hoffnung natürlich nahe, dass es wenigstens eine Mannschaft mit dem Aufstieg schaffen könnte und tatsächlich waren es sogar zwei Teams, die nächstes Jahr in der 2.Bundesliga ihr Glück versuchen dürfen. Dynamo Dresden stieg äußerst souverän auf, fast noch beeindruckender ist aber der 2.Auftiegsplatz von Aue, die mit einer absolut neu zusammen gewürfelten Mannschaft, die sofortige Rückkehr in die 2.Liga schafften. Der 1.FC Magdeburg lieferte eine souveräne 1.Saison in Liga drei und bis auf Energie Cottbus konnten sich alle anderen Mannschaften mehr oder weniger zeitig einen Mittelfeldplatz sichern. Nur Energie Cottbus, über so viele Jahre das Aushängeschild des Ostfußballs schaffte es in einem dramatischen letzten Spiel nicht, die Zugehörigkeit zur 3.Liga zu sichern und musste den Gang in die schweren Gefilde der 4.Liga antreten. Ein Szenario was sicherlich für die Lausitzer in den letzten 15 Jahren kaum vorstellbar war. Trotzdem werden nächstes Jahr sechs ostdeutsche Mannschaften in der 3.Liga starten, denn nach langer Durststrecke schaffte der FSV Zwickau den Aufstieg. Weiterlesen


Mai 23 2016

Peter Stamm - Weit über das Land

Mit Peter Stamms neuesten Roman „Weit über das Land” fremdle ich ein wenig. Eine Familie kommt aus dem Urlaub zurück, es ist einer der letzten heißen Augusttage und die Eltern Astrid und Thomas sitzen auf der Terrasse und verabschieden den Sommer mit einem Glas Wein und der Sonntagszeitung. Der kleine Sohn ruft, Astrid geht ins Haus und Thomas geht fort. Er verlässt die Familie von jetzt auf gleich, ohne ein Wort zu sagen. Er hat keinen Plan, nur seine Freiheit, nur den Moment. Astrid bleibt zurück mit den Kindern.

Peter Stamm portraitiert in „Weit über das Land” abwechselnd beide Seiten, den davon eilenden Thomas, der fast aus heiterem Himmel ein neues Leben beginnt und die dagebliebene Astrid, die durch den Verlust des Ehemanns auch dazu gezwungen wird. Stamm schafft es leider nicht, auch nur ansatzweise eine Identifikationsfigur im Roman zu schaffen, die Gründe für Thomas Abgang bleiben vollkommen rätselhaft, es wirkt wie aus einer Laune heraus. Astrid auf der anderen Seite ist träge in ihrem Leben gefangen und hat sich darin komfortable eingerichtet und auch ihr Umgang mit der neuen Situation ist geprägt davon, bloß nicht zu viel Veränderung zuzulassen. Diese beiden Erzählstränge haben durchaus ihren Reiz, aber gerade in Peter Stamms ruhiger und gelassener Sprache funktionieren sie (teilweise) nicht wirklich. Manchmal, besonders bei Thomas „Flucht”, wirkt der Roman viel zu lang und so, als wöllte er bewusst sich noch etwas aufheben, damit man später nochmal dem Leser was bieten kann. Stamms ruhige Erzählweise ist mit der eigentlichen Dynamik der Situation, dem spontanen Ausbruch aus einem Leben irgendwie nicht stimmig und erst im weiteren Verlauf finden sich Stil und Inhalt der Geschichte wieder. Das Ende das im Vergleich zum Rest des Textes geradezu rasant wirkt, befriedigt dann etwas, denn es schließt die Geschichte genau im perfekten Moment, aber es bleibt das Gefühl zurück, dass „Weit über das Land” als Erzählung mit der Hälfte des Textes besser aufgehoben wäre.


Mrz 12 2016

TV in Serie: Braunschlag

Mein Kollege bezeichnet faszinierende Dinge, die er im Internet findet, gern als Perlen und seit es die Seite „Perlentaucher” gibt, glaube ich, dass dies ein allgemein gebräuchlicher Ausdruck dafür ist. Nun ist es so, dass auch ich auf eine Perle gestoßen bin. Geschehen in meiner Internet-Videothek als ich etwas sinnentleert rumklickte und auf die österreichische Mini-Serie „Braunschlag” aus dem Jahr 2012 traf und beim Lesen des Titels, dies für ein Nazi-Drama hielt. Dem ist aber ganz und gar nicht so, vielmehr ist es neben, „Mord mit Aussicht” das beste deutschsprachige TV-Produkt der letzten Jahre.

Und ganz wie bei der deutschen Serie „Mord mit Aussicht” handelt auch „Braunschlag” in der Provinz. Im Waldviertel gelegen, ganz nah an der Grenze zu Tschechien, darbt das Örtchen Braunschlag dahin. Die Popularitätswerte des hiesigen Bürgermeisters Gerhard Tschach (Robert Palfrader) sind in der Bevölkerung und bei den Parteifreunden wie Landespolitiker Katzlbrunner (Simon Schwarz) in St.Pölten gleichermaßen im Keller. Da muss Veränderung ran und was läge näher als ein Wunder. Also heckt Tschach gemeinsam mit seinem besten Freund und Diskobesitzer Richard Pfeisinger (Nicholas Ofczarek) einen Plan aus. Der einheimische Ufo-Landeplatzbesitzer Reinhard Matussek (Raimund Wallisch), der höflich formuliert, als etwas eigentümlich gilt, wird eine Marienerscheinung vorgespielt. Und damit nimmt das Wunder seinen Lauf.
Jetzt wäre es aber fad, wenn alles wundervoll verlaufen würde. Denn da sind ja noch die lieben Bewohner von Braunschlag, so wie Pfeisingers Frau Elfie (Nina Proll), die in dem Moment Schwanger wird, wo der Richard von den beiden Ärzten Feist jun. (Thomas Stipsits) und Feist sen. (Branko Samarovski) gesagt bekommt, dass er unfruchtbar ist. Und wir haben die Frau vom Tschach, die Herta (Maria Hofstäter) deren Unzufriedenheit mit ihrem Leben täglich neue Rekordstände aufweist und deren Tochter Babs (Sabrina Reiter) nur nach Hause kommt, weil sie und ihr Freund, der Ronnie (Christopher Schärf), dringend neuer finanzieller Zuwendungen bedürfen. Und wie es bei Wundern so ist, müssen diese auch von höchster Stelle beglaubigt werden, was den vatikanischen Visitator Banyardi (Manuel Rubey) nach Braunschlag verschlägt, wo er aber schnell seine Augen auf die deutsche Gastarbeiterin Silke (Adina Vetter) wirft. Und vergessen sollte man auch nicht, die Wiederkunft des seit Jahren verschwundenen Hundes Bauxi. Weiterlesen


Mrz 1 2016

The Revenant - Der Rückkehrer

Jetzt hat also Leonardo DiCaprio seinen Oscar bekommen. Und zwar für „The Revenant”, einen Film von Alejandro González Iñárritu, der bei der Verleihung 2016 auch gleich den Preis für die beste Regie gewann. Das ich noch nichts über den Film erzählte, obwohl ich ihn schon vor einiger Zeit sah, hat weniger mit DiCaprio zu tun, als mit meiner mäßigen Begeisterung, über mittelmäßige Filme zu schreiben. Aber starten wir am Anfang, worum geht es? Weiterlesen


Feb 14 2016

Eine kurze Notiz zu: “Per Anhalter durch die Galaxis”

Irgendwie war unter meinen Kommilitonen im Studium, das Buch „Per Anhalter durch die Galaxis” von Douglas Adams sehr populär. Gegen Ende meiner Zeit an der TU, kam dann der Film zum Buch heraus und ich hörte, den zumeist schon von anderer Stelle gewohnten Satz, dass die Filmadaption keinesfalls an den Roman heranreicht. Nach über 10 Jahren (der Film kam 2005 in die Kinos) hatte ich auf netflix wenigstens die Möglichkeit mal nachzusehen, was an dem Film dran sein könnte. Weiterlesen


Feb 11 2016

George Saunders - Die Abwicklung. Eine innere Geschichte Amerikas

2016 ist ein großes Wahljahr. Obwohl zahlreiche interessante und wichtige Landtagswahlen in Deutschland stattfinden, scheint sich doch das mediale Interesse auf die Präsidentschaftswahlen in den USA zu konzentrieren, wo momentan nach jeder Vorwahl schon Analysen angestellt werden, was dies für die Welt bedeuten könnte. Trotzdem ist die USA ein faszinierendes Land und die Präsidentschaftswahlen sind zweifellos nicht wirklich weltpolitisch unentscheidend, zu aller erst für das Land und dann auch irgendwie für den Rest des Planeten. Fragt man sich warum dort momentan Kandidaten wie Bernie Saunders oder Donald Trump, die scheinbar einen Gegenentwurf zum Establishment darstellen, so großen Erfolge haben, so lohnt ein Blick auf die Stimmung im Lande. Weiterlesen