Jul 28 2016

Wolf Haas - Brennerova

Jetzt habe ich mich über den neuen Brenner Roman gemacht. Die Krimis von Wolf Haas sind meiner Meinung nach ideal für den Sommer geeignet. Wunderbar fließend zu lesen, sehr amüsant und durchaus auch etwas hintergründig. Diesmal ist der Brenner, der immerhin 19 Jahre im Polizeidienst war und nun schon seit Jahren sich irgendwie durchschlägt, in Frauengeschichten (Achtung: Mehrzahl!) verwickelt. Da ist zum einem die Begegnung mit der Herta, seiner Ex-Freundin, die fast zu einem Unfall führt, aber dadurch auch dazu, dass sich beide wieder näher kommen. Und da ist die Nadeshda, die der Brenner über das Internet kennengelernt hat und die wiederum um ihre Schwester Serafina fürchtet, weshalb sie den Brenner um dessen detektivische Mitarbeit bittet, was ihn aber in die Wiener Unterwelt führt, in die Welt der Zuhälter und Tätowierer. Doch nicht nur dort muss sich der Brenner aufhalten, im Zeitalter der Globalisierung und des Internets führt es ihn auch aus Wien heraus in die weite Welt. Weiterlesen


Jul 27 2016

Paul Ingendaay – Gebrauchsanweisung für Spanien

Außer meinem Heimatland ist mir kein Land so nah, wie Spanien. Was läge da näher, bei einem Besuch im geschätzten „Zweitbuch” in Wiesbaden das Sonderangebot „Gebrauchsanweisung für Spanien” von Paul Ingendaay zu erwerben und das aus drei Gründen. Der Wichtigste: ich mag Paul Ingendaay‘s Blog über Spanien in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und habe diesen immer mit großem Interesse gelesen, auch wenn ich ihn in letzter Zeit nicht mehr finde. Zweitens, ich war an jenem Tag im Buchladen eigentlich auf dem Weg nach Spanien und drittens (und am wenigsten wichtig), im „Zweitbuch” sind (fast) alle Bücher immer billiger, was mich automatisch animiert etwas zu kaufen und dann kaufe ich natürlich das Beste was ich sehe. Weiterlesen


Jul 1 2016

Thomas Glavinic - Unterwegs im Namen des Herren

Im Jahre des Herrn 2011 kam Thomas Glavinics Reiseroman „Unterwegs im Namen des Herren” heraus. Er beschreibt die Reise des Alter Egos Glavinic mit seinem Freund Ingo in den bosnischen Pilgerort Medjugorje. Die beiden Herren wünschen sich, ein näheres Bild von einer Pilgerreise zu machen. Gemeinsam mit anderen, mehr oder weniger streng gläubigen Menschen, fahren sie von Wien aus per Bus (wundervoller erster Satz des Buches: „Sechs Uhr früh ist eine Uhrzeit, die ich sonst nur von der anderen Seite her kenne.”) auf den Balkan. Als Atheisten beobachten sie das Geschehen, sind aber nicht wirklich von den Botschaften begeistert, doch irgendwie bleibt doch etwas Hängen bei diesem drei Tages-Trip zwischen Himmel und Hölle. Weiterlesen


Jun 25 2016

Thomas Pynchon - Gegen den Tag

Über ein halbes Jahr hat mich „Gegen den Tag” begleitet, ich kann mich nicht erinnern je so lange für einen Buch gebraucht und es trotzdem beendet zu haben. Doch das ist keinesfalls als Kritik am Werk zu verstehen. Fast 1600 Seiten stark ist Pynchons sechster Roman, der 2006 veröffentlicht wurde. Trotz dieser Länge und dem Hang des Autors, Sätze unter einer Zeilenlänge von drei nicht wirklich beginnen zu wollen, ist es ein grandioses Werk und mit Sicherheit das Beste, dass ich vom großen Unbekannten der amerikanischen Gegenwartsliteratur las. Weiterlesen


Mai 29 2016

Fußball im Osten - Die erfolgreichsten Nach-Wende Fußballklubs in Ostdeutschland. Saison 15/16

Nach einem eher durchwachsenen letzten Jahr, haben die professionellen Fußballvereine Ostdeutschlands in der Spielzeit 2015/16 ein hervorragendes Jahr hinter sich gebracht. Nach vielen Jahren wieder gibt es einen Ostverein in der 1.Bundesliga, wenngleich der Aufstieg von RB Leipzig, außerhalb von Leipzig mit gemischten Gefühlen, wenn nicht gar mit Unwohlsein betrachtet wird. Auch Union Berlin lieferte am Ende eine versöhnliche Serie ab, ob es aber in den nächsten Jahren wirklich mal zu einem reinschnuppern an die Aufstiegsplätze zur 1.Liga reicht, oder ob man ein sehr solider 2.Ligist bleibt, wird sich zeigen. Die 3.Liga hatte dieses Jahr acht Ostvereine zu Gast, da lag die Hoffnung natürlich nahe, dass es wenigstens eine Mannschaft mit dem Aufstieg schaffen könnte und tatsächlich waren es sogar zwei Teams, die nächstes Jahr in der 2.Bundesliga ihr Glück versuchen dürfen. Dynamo Dresden stieg äußerst souverän auf, fast noch beeindruckender ist aber der 2.Auftiegsplatz von Aue, die mit einer absolut neu zusammen gewürfelten Mannschaft, die sofortige Rückkehr in die 2.Liga schafften. Der 1.FC Magdeburg lieferte eine souveräne 1.Saison in Liga drei und bis auf Energie Cottbus konnten sich alle anderen Mannschaften mehr oder weniger zeitig einen Mittelfeldplatz sichern. Nur Energie Cottbus, über so viele Jahre das Aushängeschild des Ostfußballs schaffte es in einem dramatischen letzten Spiel nicht, die Zugehörigkeit zur 3.Liga zu sichern und musste den Gang in die schweren Gefilde der 4.Liga antreten. Ein Szenario was sicherlich für die Lausitzer in den letzten 15 Jahren kaum vorstellbar war. Trotzdem werden nächstes Jahr sechs ostdeutsche Mannschaften in der 3.Liga starten, denn nach langer Durststrecke schaffte der FSV Zwickau den Aufstieg. Weiterlesen


Mai 23 2016

Peter Stamm - Weit über das Land

Mit Peter Stamms neuesten Roman „Weit über das Land” fremdle ich ein wenig. Eine Familie kommt aus dem Urlaub zurück, es ist einer der letzten heißen Augusttage und die Eltern Astrid und Thomas sitzen auf der Terrasse und verabschieden den Sommer mit einem Glas Wein und der Sonntagszeitung. Der kleine Sohn ruft, Astrid geht ins Haus und Thomas geht fort. Er verlässt die Familie von jetzt auf gleich, ohne ein Wort zu sagen. Er hat keinen Plan, nur seine Freiheit, nur den Moment. Astrid bleibt zurück mit den Kindern.

Peter Stamm portraitiert in „Weit über das Land” abwechselnd beide Seiten, den davon eilenden Thomas, der fast aus heiterem Himmel ein neues Leben beginnt und die dagebliebene Astrid, die durch den Verlust des Ehemanns auch dazu gezwungen wird. Stamm schafft es leider nicht, auch nur ansatzweise eine Identifikationsfigur im Roman zu schaffen, die Gründe für Thomas Abgang bleiben vollkommen rätselhaft, es wirkt wie aus einer Laune heraus. Astrid auf der anderen Seite ist träge in ihrem Leben gefangen und hat sich darin komfortable eingerichtet und auch ihr Umgang mit der neuen Situation ist geprägt davon, bloß nicht zu viel Veränderung zuzulassen. Diese beiden Erzählstränge haben durchaus ihren Reiz, aber gerade in Peter Stamms ruhiger und gelassener Sprache funktionieren sie (teilweise) nicht wirklich. Manchmal, besonders bei Thomas „Flucht”, wirkt der Roman viel zu lang und so, als wöllte er bewusst sich noch etwas aufheben, damit man später nochmal dem Leser was bieten kann. Stamms ruhige Erzählweise ist mit der eigentlichen Dynamik der Situation, dem spontanen Ausbruch aus einem Leben irgendwie nicht stimmig und erst im weiteren Verlauf finden sich Stil und Inhalt der Geschichte wieder. Das Ende das im Vergleich zum Rest des Textes geradezu rasant wirkt, befriedigt dann etwas, denn es schließt die Geschichte genau im perfekten Moment, aber es bleibt das Gefühl zurück, dass „Weit über das Land” als Erzählung mit der Hälfte des Textes besser aufgehoben wäre.