Mrz 12 2016

TV in Serie: Braunschlag

Mein Kollege bezeichnet faszinierende Dinge, die er im Internet findet, gern als Perlen und seit es die Seite „Perlentaucher” gibt, glaube ich, dass dies ein allgemein gebräuchlicher Ausdruck dafür ist. Nun ist es so, dass auch ich auf eine Perle gestoßen bin. Geschehen in meiner Internet-Videothek als ich etwas sinnentleert rumklickte und auf die österreichische Mini-Serie „Braunschlag” aus dem Jahr 2012 traf und beim Lesen des Titels, dies für ein Nazi-Drama hielt. Dem ist aber ganz und gar nicht so, vielmehr ist es neben, „Mord mit Aussicht” das beste deutschsprachige TV-Produkt der letzten Jahre.

Und ganz wie bei der deutschen Serie „Mord mit Aussicht” handelt auch „Braunschlag” in der Provinz. Im Waldviertel gelegen, ganz nah an der Grenze zu Tschechien, darbt das Örtchen Braunschlag dahin. Die Popularitätswerte des hiesigen Bürgermeisters Gerhard Tschach (Robert Palfrader) sind in der Bevölkerung und bei den Parteifreunden wie Landespolitiker Katzlbrunner (Simon Schwarz) in St.Pölten gleichermaßen im Keller. Da muss Veränderung ran und was läge näher als ein Wunder. Also heckt Tschach gemeinsam mit seinem besten Freund und Diskobesitzer Richard Pfeisinger (Nicholas Ofczarek) einen Plan aus. Der einheimische Ufo-Landeplatzbesitzer Reinhard Matussek (Raimund Wallisch), der höflich formuliert, als etwas eigentümlich gilt, wird eine Marienerscheinung vorgespielt. Und damit nimmt das Wunder seinen Lauf.
Jetzt wäre es aber fad, wenn alles wundervoll verlaufen würde. Denn da sind ja noch die lieben Bewohner von Braunschlag, so wie Pfeisingers Frau Elfie (Nina Proll), die in dem Moment Schwanger wird, wo der Richard von den beiden Ärzten Feist jun. (Thomas Stipsits) und Feist sen. (Branko Samarovski) gesagt bekommt, dass er unfruchtbar ist. Und wir haben die Frau vom Tschach, die Herta (Maria Hofstäter) deren Unzufriedenheit mit ihrem Leben täglich neue Rekordstände aufweist und deren Tochter Babs (Sabrina Reiter) nur nach Hause kommt, weil sie und ihr Freund, der Ronnie (Christopher Schärf), dringend neuer finanzieller Zuwendungen bedürfen. Und wie es bei Wundern so ist, müssen diese auch von höchster Stelle beglaubigt werden, was den vatikanischen Visitator Banyardi (Manuel Rubey) nach Braunschlag verschlägt, wo er aber schnell seine Augen auf die deutsche Gastarbeiterin Silke (Adina Vetter) wirft. Und vergessen sollte man auch nicht, die Wiederkunft des seit Jahren verschwundenen Hundes Bauxi. Weiterlesen


Mrz 1 2016

The Revenant - Der Rückkehrer

Jetzt hat also Leonardo DiCaprio seinen Oscar bekommen. Und zwar für „The Revenant”, einen Film von Alejandro González Iñárritu, der bei der Verleihung 2016 auch gleich den Preis für die beste Regie gewann. Das ich noch nichts über den Film erzählte, obwohl ich ihn schon vor einiger Zeit sah, hat weniger mit DiCaprio zu tun, als mit meiner mäßigen Begeisterung, über mittelmäßige Filme zu schreiben. Aber starten wir am Anfang, worum geht es? Weiterlesen


Feb 14 2016

Eine kurze Notiz zu: “Per Anhalter durch die Galaxis”

Irgendwie war unter meinen Kommilitonen im Studium, das Buch „Per Anhalter durch die Galaxis” von Douglas Adams sehr populär. Gegen Ende meiner Zeit an der TU, kam dann der Film zum Buch heraus und ich hörte, den zumeist schon von anderer Stelle gewohnten Satz, dass die Filmadaption keinesfalls an den Roman heranreicht. Nach über 10 Jahren (der Film kam 2005 in die Kinos) hatte ich auf netflix wenigstens die Möglichkeit mal nachzusehen, was an dem Film dran sein könnte. Weiterlesen


Feb 11 2016

George Saunders - Die Abwicklung. Eine innere Geschichte Amerikas

2016 ist ein großes Wahljahr. Obwohl zahlreiche interessante und wichtige Landtagswahlen in Deutschland stattfinden, scheint sich doch das mediale Interesse auf die Präsidentschaftswahlen in den USA zu konzentrieren, wo momentan nach jeder Vorwahl schon Analysen angestellt werden, was dies für die Welt bedeuten könnte. Trotzdem ist die USA ein faszinierendes Land und die Präsidentschaftswahlen sind zweifellos nicht wirklich weltpolitisch unentscheidend, zu aller erst für das Land und dann auch irgendwie für den Rest des Planeten. Fragt man sich warum dort momentan Kandidaten wie Bernie Saunders oder Donald Trump, die scheinbar einen Gegenentwurf zum Establishment darstellen, so großen Erfolge haben, so lohnt ein Blick auf die Stimmung im Lande. Weiterlesen


Jan 11 2016

The Lobster

Über Zusammensein, Alleinsein und Liebe wurde in der menschlichen Geschichte nicht gerade wenig gesprochen, gesungen und philosophiert. Die inhaltlichen Darreichungsformen gingen dabei in unterschiedliche Richtungen, vom schmerzvollen Trennungslied bis hin zur romantischen Komödie mit Happy End. In gewisser Weise ist Giorgos Lanthimos englisch-sprachiges Filmdebüt aus dem Jahr 2015 ebenso ein Liebesfilm, aber das auf einer ganz anderen Ebene.

„The Lobster” spielt in einer dystopischen Gesellschaft, die radikal zwischen Paaren und Singles trennt. Die Paare leben in der Stadt und wer Single wird, aus welchen Grund auch immer: Trennung oder Tod des Partners, der muss in ein Hotel, zu einer Art Anbandelungsurlaub. Doch aufgemerkt, wer sich nicht in 45 Tagen einen neuen Partner angelt, der wird in ein Tier seiner Wahl verwandelt. Der Ausdruck: „ich werd zum Tier” bekommt da eine ganz neue Bedeutung. Jetzt könnte man ja meinen, 45 Tage in einem Flirtcamp, da wird sich schon irgendeine(r) finden, aber in Lanthimos dystopischer Welt stoßen wir auf ein Sozialverhalten, dass den Charme der Bedienungsanleitung eines Videorekorders hat und so viel Ironie kennt, wie ein drei-jähriges Kind, über Humor müssen wir gar nicht erst reden. Wie günstig ist es da, dass man sich eine Aufenthaltsverlängerung besorgen kann und das bei gemeinsamen Jagdausflügen im Wald. Dort leben, ausgestoßen von der Gesellschaft, die Singles zusammen mit den Tieren. Mit Betäubungsgewehren bewaffnet gehen die Hotelbewohner auf die Jagd nach Singles und wer einen trifft, der darf einen Tag länger im Hotel einen Partner suchen. Weiterlesen


Dez 17 2015

TV in Serie: Fargo - 2.Staffel

Die erste Staffel der Mini-Serie „Fargo“ habe ich Ihnen ja bereits zu Beginn des Jahres vorgestellt. Gestern endete die 2.Staffel, die man bei netflix seit dem 14.Oktober im wöchentlichen Turnus sehen konnte. Wie für eine Mini-Serie üblich, mit einem abgeschlossenen Handlungsrahmen und einer nur für diesen, engagierten Schauspielercrew. Schon die erste Staffel, der von den Coen-Brüdern produzierten Serie, setze hohe Maßstäbe. Diese jedoch wurden fast pulverisiert, denn Staffel zwei setzt neue Maßstäbe im Bereich Mini-Serien im Krimiformat.

Weiterlesen