Douglas Coupland – jPod

Ich tippe mit dem Finger ein weiteres Buch um, Autor nie gehört, tipp – weiter – nächster Autor – nie gehört – tipp – weiter – Douglas Coupland – … – Moment, habe ich schon mal gehört, Amerikaner, oder? Einer von diesen neumodischen Schriftstellern?!? Ich entnehme das Buch „jPod“ von Douglas Coupland dem Wühltisch beim Thalia Outlet. Es soll einen Euro kosten. Kann man nicht viel falsch machen, oder!?!

Mehrere Wochen später

Bei der Frage welchen Roman ich als nächstes lesen könnte, wähle ich „jPod“ aus. Aus Neugier. Wie schreibt dieser Coupland, der ja gar nicht Amerikaner ist, sondern Kanadier und der Begriffe wie „Generation X“ prägte (mit dem gleichnamigen Buch)? Auf den nächsten 500 Seiten sollte sich das rausfinden lassen. „Douglas Coupland – jPod“ weiterlesen

Delirium

Ricardo Darín zählt zu den bekanntesten Schauspielern Argentiniens. Auch hierzulande dürfte er einigen Kinobesuchern bekannt sein, spielt er doch in der furiosen Rache-Komödie „Wild Tales“ (im Original: „Relatos salvajes“) mit. In seinem Heimatland ist Darín ein Superstar und diese Idee nimmt auch Carlos Kaimakamian Carraus Komödie „Delirium“ von 2014 auf, welche auf netflix abrufbar ist. „Delirium“ weiterlesen

Schwarzer Schnee (Nieve negra)

Es ist rau in den Bergen Argentiniens und einsam. Der in Spanien lebende Marcos (Leonardo Sbararglia) reist zusammen mit seiner schwangeren Frau Laura (Laia Costa) in die Einsamkeit der Anden, da sein Vater gestorben ist. Eigentlich will er alle notwendigen Aufgaben schnell abwickeln, die Asche unter die Erde bringen und kurz seine Schwester Sabrina (Dolores Fonzi) in der Nervenheilanstalt besuchen, doch ein Freund der Familie, Sepia (Frederico Luppi), erzählt ihm von einem äußerst lukrativen Angebot einer kanadischen Firma. Diese bietet 9 Millionen Dollar für das Familiengrundstück, das einsam in den Bergen Patagoniens liegt. Doch der Deal kann nicht vollzogen werden, da Marcos Bruder Salvador (Ricardo Darín) als Einsiedler dort im Familienhaus lebt und keinesfalls zu Gesprächen bereit ist. Auch Salvador möchte nicht mit Marcos reden, doch der letzte Wille des Vaters und das verlockende Angebot zwingen ihn fast in die Einsamkeit zu Marcos zu fahren.  „Schwarzer Schnee (Nieve negra)“ weiterlesen

Crazy Heart

Der Country Musiker Bad Blake (Jeff Bridges) ist mit 57 Jahren auf dem Tiefpunkt seiner Karriere angekommen. Als schwerer Alkoholiker müht er sich von Auftritt zu Auftritt und nur bei seinem älteren Publikum ist er noch als Legende bekannt, weshalb sich eben doch noch einige Fans auf die Bowlingbahnen und Einkaufszentren des US-amerikanischen Südens verirren, um ihn zu sehen. Da kommt es für Bad einigermaßen unverhofft, dass die junge Journalistin Jean Craddok (Maggie Gyllenhaal) ein Interview mit ihm machen möchte und tatsächlich kommen sich beide persönlich näher. „Crazy Heart“ weiterlesen

Berlin Station

„I am afraid of America. I am afraid of the world. I am afraid I can’t help it. I am afraid I can’t…” So lautet der Refrain zu David Bowies Song “I am afraid of Americans”. Ein Lied der das Mistrauen, oder sogar die Paranoia gegenüber den USA beschreibt. Und was könnte diese Angst besser beschreiben, als die geheimen Machenschaften amerikanischer Geheimdienste wie der CIA. Für den Vorspann der Serie “Berlin Station”, welche in Deutschland momentan auf Netflix abrufbar ist, wurde nun passenderweise Bowies Song genutzt, handelt es sich doch um eine Spionageserie, die das Arbeiten des Büros des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA in Berlin darstellt. Die 10-teilige erste Staffel, die für den eher kleinen Pay-TV Anbieter Epix produziert wurde, ist ein Werk des eher als Kriminalautor bekannten Olen Steinhauer. „Berlin Station“ weiterlesen

Fargo – Staffel 3

Was ist wahr und was ist erfunden? Was ist richtig und was ist falsch? Wo liegt der Unterschied zwischen Schuld und Unschuld? Ändert sich all das mit der Zeit die vergeht? Und was ist real? Kneifen Sie sich mal geneigter Leser? Und tat’s weh? Sehen Sie, schon wieder etwas Bewusstsein des eigenen Seins geerntet. Wieviel mehr können wir wirklich wissen, außer, dass wir am Leben sind? Die Welt, die sich um unser Leben hüllt ist wahrhaftig, aber sie ist zweifellos auch falsch und das Leben ist ein ständiges Austarieren, was man zu wissen meint und was man nicht glauben kann. Die dritte Staffel von Fargo dreht sich um diese Gemengelage.

Wie auch bei den beiden anderen Staffeln der Serie, beginnt die 3.Staffel mit einer rund 5minütigen Einleitung, der so etwas wie das thematische Gerüst der nächsten 10 Folgen darstellen soll, aber nur symbolisch mit der weiteren Handlung zu tun hat. Darin verhört ein Stasi-Offizier einen Verdächtigen, der seine Frau umgebracht haben soll. Dieser – so stellt sich schnell heraus – ist jedoch gar nicht der gesuchte Mörder, nicht zuletzt deshalb, weil er einen anderen Namen als der Gesuchte hat und seine Frau noch quicklebendig ist. Er hofft, dass sich das Missverständnis schnell aufklärt. Doch diese faktische Wahrheit interessiert den Stasi-Offizier nicht, für ihn ist der Verdächtige schuldig. Wahrheit so könnte man meinen, ist also das, was die Mächtigen für wahr haben wollen. „Fargo – Staffel 3“ weiterlesen

Dunkirk

Einer, wenn nicht sogar der, Lieblingsroman meiner Teenager-Zeit war Robert Merles „Wochenend in Zuidcoote“. Vier französische Soldaten warten hier 1940 darauf, von deutschen Truppen gefangen genommen zu werden, denn sie sind eingeschlossen von den Truppen der Wehrmacht an der Kanalküste und es gibt kein Entkommen mehr auf dem Landweg. Christoper Nolan, seines Zeichens der Lieblingsregisseur meiner 20er Jahren, machte sich nun daran diese historische Situation zu beleuchten, in seinem neuesten Film „Dunkirk“. „Dunkirk“ weiterlesen

Siri Hustvedt – Die Verzauberung der Lily Dahl

Vor doch schon recht vielen Jahren las ich Siri Hustvedts ziemlich großartigen Roman „Was ich liebte“ und so war es schnell klar, als ich durch eine günstige Fügung an ihren Roman „Die Verzauberung der Lily Dahl“ kam, diesen auf meine Sommerleselist aufzunehmen. Tatsächlich ist das letztgenannte Werk, der etwas ältere Titel und kam bereits 1997 heraus („Was ich liebte“ folgte dann 2003), aber beide Romane gelten als Hustvedts bekannteste Literaturen. „Siri Hustvedt – Die Verzauberung der Lily Dahl“ weiterlesen

Christian Kracht – Imperium

Das 20. Jahrhundert kann man ohne viel geschichtliches Hintergrundwissen und Fantasie als das Säkulum der in der Praxis durchgeprobten Ideologien interpretieren. Teilweise waren diese Ideengebäude äußerst instabil und orientierten sich eher an den personifizierten Verkörperungen ihrer Führer als an logischer Stringenz, was nicht wirklich so dramatisch gewesen wäre (auch heute gelten ja starke Führerpersönlichkeiten immer noch als en vogue), hätten nicht viele Millionen Menschen ihr Leben lassen müssen, nur weil sie nicht in den kleinen Baukasten der Weltanschauung passten, mit welchem jeweils gerade die Welt verändert zusammengebastelt werden sollte. „Christian Kracht – Imperium“ weiterlesen

Paul Auster – Unsichtbar

Sie lesen im Folgenden einen Text über Paul Austers Roman „Unsichtbar“ der 2011 veröffentlicht wurde. Ich gebe zu, ich erlag vor der Lektüre des etwas mehr als 300 Seiten langen Textes, der Vorstellung irgendetwas nicht Sehbares, vielleicht Gespenstisches (ein Geist?) würde in Austers 13. Roman eine Rolle spielen. Wenn Sie auch diese Hoffnung haben, muss ich Sie warnen, dem ist nicht der Fall. Vielmehr bezieht sich der Titel auf ein Phänomen im Umgang mit unseren Leben und deren Betrachtung, welchem sich der Text annimmt. Doch bevor das näher ergründet werden soll, als Erstes eine kurze Einführung in den Inhalt der Handlung:
Im Frühjahr 1967 trifft der Student Adam Walker auf einer Party in New York auf das französische Pärchen Rudolf Born und Margot Jouffroy. Born bietet Walker einen Job an, doch im weiteren Verlauf des Frühjahrs zeigt sich, dass nicht nur Born ein sehr geheimnisvoller und wenig vertrauenerweckender Typ, sondern sogar gefährlich ist. Nachdem Walker den Sommer in New York mit seiner Schwester Gwyn verbringt, versucht er sich im Herbst des gleichen Jahres als Austauschstudent in Paris, wo er erneut auf Born trifft, der aber nun nicht mehr mit Margot zusammen ist, sondern mit der Französin Hélène und ihrer 18-jährigen Tochter Cécile lebt.
Die Geschichte wird nur zum Teil von Walker erzählt, sondern in weiten Teilen von einem ehemaligen Studienfreund, dem heutigen Schriftsteller James Freeman, den Walker kurz vor seinem Tod 2007 kontaktiert und ihm die Manuskripte seiner Erinnerungen an das 40 Jahre zurückliegende 1967 zusendet. Es handelt sich bei Austers Roman also um ein Buch-im-Buch, das zahlreiche Perspektivenwechsel des Erzählers vollzieht. „Paul Auster – Unsichtbar“ weiterlesen