The Ballad of Buster Scruggs

Jahr: 2018 | Regie und Drehbuch: Ethan und Joel Coen | Western-Episodenfilm | Länge: 132min | Location: Wilder Westen

Für die neuesten Filme gab es eigentlich bisher immer nur eine Adresse, das Kino. Dahin pilgerte man früher bevor der Strom der Cineasten immer dünner wurde, weil erst das Fernsehen und nun auch Streaminganbieter alternative Angebote anbieten. Die neueste Strategie dieser Streaminganbieter ist es nicht nur den bezahlenden Kunden mit Serien zu unterhalten, sondern ihm eigenproduzierte Filme anzubieten. Und daran beteiligen sich immer bekanntere Größen der Hollywood-Kinoindustrie, so wie die Coen-Brüder, deren Oeuvre eigentlich jedem Kinobesucher irgendwann mal in irgendeiner Form begegnet ist. Mit dem Westernfilm „The Ballad of Buster Scruggs“ liefern sie einen Episodenfilm für netflix ab, der in seiner Struktur noch wie eine Serie wirkt, denn er besteht aus sechs unterschiedlichen Geschichten, deren inhaltliche Gemeinsamkeit das Leben (und Sterben) im Wilden Westen ist. „The Ballad of Buster Scruggs“ weiterlesen

Maps to the Stars

Jahr: 2014 | Regie: David Cronenberg | Drehbuch: Bruce Wagner | Drama | Länge: 112min | Location: Hollywood

Seit „History of Violence“ würde ich mich als Fan des kanadischen Regisseurs David Cronenberg sehen, musste jedoch vor kurzem feststellen, dass ich außer dem gerade genannten Film nur noch „Crash“ von ihm kenne. So bietet sich die Gelegenheit an, mal einen weiteren Streifen zu schauen, wenn der gerade beim Streaminganbieter läuft. „Maps to the Stars“ weiterlesen

Nocturnal Animals

Jahr: 2016 | Drehbuch und Regie: Tom Ford | Drama | Länge: 116min

Des Nachts kommt die erfolgreiche Galeristin Susan Morrow (Amy Adams) zurück in ihr durchdesigntes Haus in den Bergen über Los Angeles. Sie wird scheinbar verfolgt, aber am nächsten Morgen taucht nur ein Manuskript auf. Es ist ein Romanentwurf ihres früheren Ehemanns Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal). Während ihr jetziger Mann (Armie Hammer) von Geschäftstermin zu Geschäftstermin eilt und dabei lediglich kurze Pausen für gutaussehende Damen einlegt, beginnt Susan den Roman zu lesen.
Dieser schildert die Geschichte eines Verbrechens in welcher Familienvater Tony Hastings (ebenfalls Jake Gyllenhaal) seine Tochter und Frau verliert. Zur Aufklärung des Falls wird ihm Detective Bobby Andes (Michael Shannon) sehr behilflich, der schließlich die beiden Hauptverdächtigen Ray Marcus (Aaron Taylor-Johnson) und Lou Bates (Karl Glusman) ausfindig macht. „Nocturnal Animals“ weiterlesen

Maniac

Idee: Patrick Somerville | Regie: Cory Joji Fukunaga | Mini-Serie | 10 Folgen | veröffentlicht 2018 auf netflix

Annie Landsberg (Emma Stone) und Owen Milgram (Jonah Hill) haben recht unterschiedliche Probleme. Annie verlor ihre Schwester (Julia Garner) bei einem von ihr verschuldeten Verkehrsunfall und kann sich davon seelisch einfach nicht befreien. Owen wiederum ist das schwarze Schaaf der wohlhabenden und einflussreichen Milgram Familie. Er hat schizophrene Momente in seinem Leben soll aber im Gericht für seinen Bruder einen Meineid leisten (Billy Magnussen), damit dieser nicht wegen sexueller Belästigung verhaftet wird.
Noch sind einige Tage Zeit zur Verhandlung und Owen begegnet Annie zufällig sich im Labor von Neberdine Pharmaceutical Biotech (NPB). Er ist vom Gedanken besessen, dass Annie einen Geheimdienstauftrag für ihn hat, während Annie eher von der Psychopharmaka der Firma besessen ist. Beide gelangen so in eine neue Studie, die in drei Phasen den menschlichen Verstand reinigen soll und alle psychischen Probleme der Probanden behebt. Als mit Dr. Robert Muramoto (Rome Kanda) plötzlich einer der leitenden Ärzte verstirbt, ruft Dr. Azumi Fujita (Sonoya Mizuno) ihren ehemaligen Kollegen Dr. James Manterlay (Justin Theroux) zurück ins Team, welcher ursprünglich den Supercomputer GRTA baute, der das Studienexperiment überwacht. Doch GRTA, der nach dem Vorbild von Manterlays Mutter (Sally Field) entstand, arbeitet nicht einwandfrei. „Maniac“ weiterlesen

Jaroslav Kalfar – Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt

Wenn man mal in der Nähe von Wiesbaden ist, dann geht man ins „Zweitbuch“ – einem der besten Buchläden die ich kenne – und wenn man nur seiner Nichte ein Dinosaurierbuch kauft. Aber im Zweitbuch findet sich fast immer was, so wie diesmal der preisreduzierte Erstlingsroman von Jaroslav Kalfar, einen in New York lebenden tschechischen Autoren, das neben dem Dinosaurierbuch gekauft wurde. Ich konnte mich nicht erinnern, wann und wo ich über das Buch Gutes hörte, doch ich meinte mich zu erinnern, dass es Gutes gewesen sei, also waren 7,99€ ein gutes Investment, in einen phantastischen Roman über die böhmische Raumfahrt. „Jaroslav Kalfar – Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“ weiterlesen

Der Nobelpreisträger

Titel im Original: „El ciudadano ilustre“, spanisch: Der Ehrenbürger | Jahr: 2016 | Länge: 118min | Regie: Gastón Duprat & Mariano Cohn | Drehbuch: Andrés Duprat | argentinisch-spanischer Spielfilm

Der argentinische Schriftsteller Daniel Mantovani (Oscar Martínez) hat vor fünf Jahren den Literaturnobelpreis gewonnen und ist damit zu einem globalen Star der Kunstszene geworden. Er ist nun ein Denkmal der Literatur, eine Rolle die ihm weniger gut gefällt, denn er will weiter nur sein Schaffen ausüben. Zurückgezogen, aber stilvoll über den Dächern Barcelonas lebend und Romane schreibend. Gesellschaftliche Anlässe, Vorlesungen, Verleihungen und solche Sachen sind ihm nicht wichtig und werden von ihm konsequent abgelehnt. Ein Schreiben aus seinem Geburtsstädtchen Salas, die er mit 20 Lebensjahren verlassen hat, erweckt aber sein Interesse. Doch warum sollte er dahin reisen?
Vielleicht weil er sich neu erfinden muss, jetzt als Autorengroßmeister. Die Auseinandersetzung mit seiner Heimat diente ihm häufig als Inspiration. Er entscheidet sich schließlich die Einladung anzunehmen. Der Plan ist klar. Beim Stadtjubiläum der Provinzgemeinde soll er zum Ehrenbürger ernannt werden. Kaum angekommen in Salas muss er feststellen, wie sehr der Ort ihn als den großen Bürger feiern möchte, einer der es geschafft hat, der im Reichtum Europas wohnt und überall bewundernd auf der Welt empfangen wird. So etwas adelt auch seine Geburtsstadt gleich mit, denkt man sich in Salas. Gleichzeitig ist das Örtchen in seinem provinziellen Habitus steckengeblieben. Die Ablehnung an gesellschaftlichen Anlässen teilzunehmen, wird von Mantovani aufgeweicht, doch schnell macht er sich trotzdem Ärger, weil er seine Auffassung von Kunst verteidigt und nicht zu einem kompletten Heuchler werden möchte, der nur nach dem Mund der Einwohner redet. In der Begegnung mit seiner ehemaligen Geliebten Irene (Andrea Frigerio) und ihrem Mann Antonio (Dady Brieva) erkennt er, wie sehr sich sein Leben in den Sphären von Intellektuellen in Europa mit dem Leben der Einheimischen unterscheidet. „Der Nobelpreisträger“ weiterlesen

Paul Auster – Sunset Park

Ein Zwischentext! Nachdem mir im letzten Jahr Paul Austers „Unsichtbar“ sehr gefallen hat und in diesem Jahr sein recht umfangreiches Werk „4321“ von der Kritik scheinbar positiv angenommen wurde, dachte ich daran mich diesem neuesten Werk des Meisters aus New York anzunähern, durch die Lektüre von, „Sunset Park“, erschienen 2010, dem Roman der zwischen dem Erscheinen der beiden erstgenannten liegt.

Miles Heller räumt in Florida Wohnungen aus, die durch die Immobilenkrise von ihren Bewohnern aufgegeben werden mussten. Es ist eine traurige Tätigkeit, die zum 28-järhigen aber gut passt, denn er lebt ein verlassenes Leben. Vor 7 Jahren hat er seine Eltern in New York zurückgelassen und ist ohne ein Wort des Abschieds gegangen. Zu sehr lasteten die Erinnerungen an den Tod seines Stiefbruders auf ihm, an dem er sich eine Mitschuld gibt. Der Lichtstrahl in seinem Leben ist Pilar, eine 17-jährige Highschool Schülerin, in die sich Miles verliebt hat. Doch in ihrem Alter liegt ein Problem, denn es wird von Pilars ältester Schwester als Druckmittel benutzt, um Miles zu erpressen. Also muss eine Lösung her und die heißt wiederum; weggehen. Es treibt Miles zurück nach New York, da er dort von seinem alten Kumpel Nate das Angebot erhalten hat, ein leerstehendes Haus in Sunset Park zu besetzen. „Paul Auster – Sunset Park“ weiterlesen

The Imitation Game

Jahr: 2014 | Drehbuch: Graham Moore | Regie: Morten Tyldum | Krimidrama und Biopic | Location: Großbritannien in der Mitte des 20. Jahrhunderts

Bio-Pics sind ja immer so eine Sache. Ein ganzes Leben wird da versucht in rund zwei Stunden zu erzählen, was zu einer enormen Komprimierung führt. So auch bei der Betrachtung des Lebens von Alan Turing, einem der genialischen Vordenker des Computerzeitalters, der in Morten Tyldums Drama „The Imitation Game“ (und ja, es gibt wieder einen deutschen Untertitel, diesmal „ein streng geheimes Leben“, ich möchte eine Person erleben, die wegen des deutschen Untertitel mal in die Kinos geht, wenn es die gibt, bitte melden Sie sich!) an drei Lebensabschnitten portraitiert wird. 1951 wird in Turings (Benedict Cumberbatch) Haus eingebrochen. Er schickt jedoch die Polizei weg, mit der Bemerkung nichts sei gestohlen wurden, was Detective Nock (Rory Kinnear) sehr verdächtig vorkommt. Schnell bemerkt er, dass Turings Tätigkeiten im Krieg äußerst geheimnisvoll waren. In den Jahren 1939 bis 41 forschte Turing in Bletchley Park, um den deutschen Armeegeheimcode „Enigma“ zu knacken. Er arbeitet unter anderem mit dem Schachgroßmeister Hugh Alexander (Matthew Goode) und anderen Geheimagenten wie John Cairncross (Allen Leech) zusammen. Doch Turings soziale Kompetenz ist begrenzt und erst mit der neu ins Team stoßenden Joan Clarke (Keira Knightly) wurde er etwas umgänglicher und öffnete sich auch gegenüber anderen Menschen. Schließlich erleben wir Turing (Alex Lawther) auch zu Schulzeiten, wie er wegen seiner Hochbegabung von vielen Mitschülern drangsaliert wurde und nur einen wirklichen Freund hatte, den ebenso mathematisch begabten Christopher (Jack Bannon). „The Imitation Game“ weiterlesen

Whiplash

Jahr: 2014 | Regie und Drehbuch: Damien Chazelle | Musikfilmdrama | Länge: 106min | Location: New York

Der Traum den wohl jeder Mensch einmal träumt ist der, der Beste zu sein: der beste Fußballer, der angesehenste Schauspieler, der genialste Wissenschaftler, der virtuoseste Musiker. Aber – und dass merken die allermeisten mehr oder weniger schnell – zum Ausnahmetalent reicht es dann doch nicht. Wie aber erreicht man Größe, eine Größe die einen von anderen abhebt, die eine Stufe höher liegt als großes Talent. Das ist das Thema von Damien Chazelles 2014er Musikfilmdrama „Whiplash“. „Whiplash“ weiterlesen

Christoph Hein – Landnahme

Bernhard Haber ist ein schweigsamer und schulisch leistungsschwacher Schüler. Trotzdem hat er eine beachtliche Präsenz, niemand in der Klasse würde sich mit ihm anlegen, obwohl man es allzu gern täte, den ein Merkmal ist es das ihn scheinbar am besten beschreibt und gleichzeitig zum großen Außenseiter macht, in den 1950er Jahren im kleinen fiktiven Städtchen Guldenberg an der Mulde: er ist ein aus Schlesien vertriebener Umsiedler.

In Christoph Heins 2004 erschienenen Roman „Landnahme“ wird ein Großteil des Lebens eines Vertriebenen erzählt, der noch in Kindheitstagen aus Breslau nach Sachsen kommt, mit einem behinderten, einarmigen Vater, der als Tischler kaum mehr arbeiten kann und deren gemeinsam größtes Problem vielleicht nicht einmal die große Armut ist, in welcher sie leben, sondern das sie keine Heimat mehr haben und das der neue Lebensort sie argwöhnisch und feindlich begrüßt und ihnen klar machen möchte, ihr seit hier Fremde und Fremde sind nun mal keine Einheimischen. „Christoph Hein – Landnahme“ weiterlesen