T.C. Boyle – San Miguel

Neuerdings treffe ich immer Dienstag meine Freunde zum Dönerstag und weil das meist an der Altmarktgalerie stattfindet, kann man danach noch immer einen prima Besorgungsgang antreten. Und wenn man dabei beim Buchladen vorbeikommt, umso besser und dann noch besser: Wühltisch ist vorhanden und gefüllt! Dabei muss man eines feststellen: 95% des Wühltischangebotes sind nichtssagende Werke für mich, aber wenn man 100 Bücher durchgeht und die hat so ein Wühltisch locker, dann bleiben eben auch mal 5 Bücher hängen, wovon dann vielleicht eins gut genug ist, es tatsächlich für den angegebenen Sonder-Wühltischpreis zu erwerben. Diesmal fand ich T.C. Boyles „San Miguel“. Nachdem „América“ ja ein ziemlich guter Roman war, kann man da nicht viel falsch machen, dachte ich mir. „T.C. Boyle – San Miguel“ weiterlesen

Godless

created by: Scott Frank | Western Mini-Serie | 7 Folgen | 2017 auf netflix veröffentlicht

In den fernen Weiten des Westens liegt das Örtchen La Belle, indem es nicht mehr schön ist, seit den paar hundert Einwohnern, der Großteil der Männer, bei einem Grubenunglück abhanden gekommen sind. Sheriff Bill McNue (Scoot McNairy) ist mit seinem jungen Assistenten Whity Winn (Thomas Brodie-Sangster) einer der ganz wenigen verbliebenen des „starken Geschlechts“, doch seine nachlassende Sehkraft bringen ihm den Ruf eines Feiglings ein. So ist es Bills Schwester, Mary Agnes (Merritt Wever) die so etwas wie das ordnende Oberhaupt des Örtchens ist. Das Leben ist hart hier draußen, noch dazu ohne männliche Unterstützung, ohne das Einkommen der Miene, doch immer noch besser als in Creede, wo die Gangsterbande von Frank Griffin (Jeff Daniels) den Ort in Schutt und Asche legte. Diese tödliche Attacke ritt Griffin, weil es das Gerücht gab, das das ehemalige Bandenmitglied und neue Erzfeindbild Roy Goode (Jack O‘Connell), sich da versteckt halten würde. Doch Roy Goode ist entkommen und findet Unterschlupf bei der toughen Pferdezüchterin Alice Fletcher (Michelle Dockery), die in ihrem jungen Leben schon viel miterleben musste und außerhalb von La Belle lebt. Glücklicherweise kündigt sich im Kampf gegen Griffin Hilfe an, in Form von Marschall John Cook (Sam Waterstone). „Godless“ weiterlesen

The End of the F***ing World

Mini-Serie mit 8 Episoden | 2017 | Premiere auf Channel 4 (UK)

James (Alex Lawther) steht nur wenige Tage vor seinem 18.Geburtstag und er scheint sich in seinem Leben wirklich sicher nur darüber zu sein, dass er Psychopath und von der Idee besessen ist, mehr als nur kleine Tiere umzubringen. Da taucht Alyssa (Jessica Barden) in seinem Leben auf, genauer gesagt in beider Schule. Sie wiederum ist ziemlich genervt von ihrem Leben, dem Konformismus ihrer Mitschüler und vor allem vom neuen Mann ihrer Mutter, der ihr Zwillinge schenkte, aber für Alyssa nichts übrig hat. Da ist ein stiller und eher sein eigenes – irgendwie schräges – Ding machender Junge wie James, einen Versuch Wert angesprochen zu werden. James wiederum sieht in Alyssa ein ideales Opfer für seine psychopathischen Fantasien. Aber irgendwie kommt er nicht wirklich dazu, denn bevor sich beide versehen, laufen sie von zu Hause weg und ihrer Zukunft entgegen, die bald daraus besteht auf der Flucht zu sein. „The End of the F***ing World“ weiterlesen

Top of the Lake

created by: Jane Campion, Geraerd Lee | 2013-2017| 2 Staffeln | Premiere auf dem Sundance Channel (in Dtl. auf ARTE)

Elisabeth Moss gehört ohne Zweifel zu den besten Serien-Schauspielerinnen unserer Zeit (insofern es überhaupt eine besondere Unterteilung des Schauspielberufs in dieser Richtung geben kann, aber tatsächlich ist sie mir eigentlich nur aus Serien bekannt). Wenn es dann noch um eine ziemlich gelobte Krimi-Serie in Neuseeland geht, dann weckt dies einige Erwartungen. „Top of the Lake“ weiterlesen

Lady Bird

Jahr: 2017 | Regie und Drehbuch: Greta Gerwig | Länge: 95min | Location: Sacramento

Jeder schrammt durch seine Adoleszenz irgendwie anders durch und doch ist sie für viele im Großen und Ganzen gleich. Man lernt, dass es so etwas wie Unabhängigkeit von den Eltern gibt, das man sich verlieben kann und vor allem, dass das Leben vor einem liegt und man nun loslaufen kann, weil man irgendwie alt genug ist, allein seine Runden zu drehen. Dabei sind die Vorgehensweisen natürlich unterschiedlich.

Christine McPherson (Saoirse Ronan) hat mit ihren 17 Jahren beschlossen, dass der Name „Lady Bird“ viel besser zu ihr passt als der von ihren Eltern gegebene und möchte von nun an auch so genannt werden. Das letzte Jahr der Highschool ist dafür da, ihre Freiheit auszutesten. Sie will ihre Kreativität ausleben, sich verlieben und ihre Sicht auf die Dinge in der Welt finden. Das alles unterscheidet sie nicht wirklich von ihren Mitschülern an der katholischen Schule in ihrer Heimatstadt Sacramento, nur vielleicht insofern, dass Lady Bird den Ort als sehr provinziell ansieht und lieber ins glitzernde und trendige New York gehen würde. Das sieht ihre Mutter Marion (Laurie Metcalf) gar nicht gern. Erstens hat die Familie finanziell den Gürtel enger zu schnallen, weil der Job von Vater Larry (Tracy Letts) alles andere als gut läuft und zweitens möchte sie doch nur sehen, dass ihre Tochter mehr aus ihrem Leben herausholen kann, als nur ein rebellischer Teenager zu sein. „Lady Bird“ weiterlesen

Haruki Murakami – Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt

Es ist schon Ende Januar als ich im Haus des Buches stehe und noch einen 10€ Weihnachtsgutschein für ein Buch ausgeben kann. Ein Roman wäre gut, die Frage ist nur, von wem? Und so fällt mein Blick auf die lange Aufreihung von Murakami Büchern. Warum nicht? „Haruki Murakami – Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt“ weiterlesen

David Schalko – Frühstück in Helsinki

Mittagspause. Ich habe noch einen Gutschein vom Thalia und wandle durch die Altmarktgalerie als ich beim Hugendubel vorbeikomme. Falscher Buchladen, aber Wühltisch! Mal nachsehen, 3,99 sind ein verlockender Preis. Lange nichts, doch plötzlich…David Schalko! Wusste gar nicht, dass der auch schreibt, denn bisher war er mir nur als Genie hinter Serien wie „Braunschlag“ oder „Altes Geld“ bekannt.

Sein Romandebüt „Frühstück in Helsinki“ schrieb Schalko schon 1998, tatsächlich veröffentlicht wurde der Roman aber erst 2006, was für ein „juveniles Werk viel zu spät ist“, wie der Autor selbst bemerkt. Und es ist wirklich so, dass diesem Roman sowohl der Witz, als auch die gelungene Komposition fehlen, welche die bekannten Fernsehformate von Schalko auszeichnen. „David Schalko – Frühstück in Helsinki“ weiterlesen

Raymond Carver – Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden

Als ich vor einigen Wochen Judith Herrmanns „Sommerhaus, später“ beendete, las ich im Nachgang davon, dass sie sich stark von Raymond Carver inspiriert fühlte, der als einer der wichtigsten Vertreter der amerikanischen Shortstory des 20. Jahrhunderts gilt. Also sagte ich mir in einem Anfall von heimatlicher Herablassung, warum nicht mal das amerikanische Original lesen!
Die 17 Kurzgeschichten von „Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden“ erschienen 1981 im Original. Tatsächlich ist eines der auffallendsten Merkmale der Geschichten ihre Kürze, beispielsweise erreicht die Story „Ruhe“ nur 5 Seiten. Dafür verantwortlich ist übrigens Carvers Verleger Gordon Lish, der die Geschichten nicht nur teilweise recht dramatisch (bis zu 50%) gekürzt haben soll, sondern sie auch stets auf das für die Erzählform typische offene Ende hin bearbeitet hat. Und so wird man als Leser stets in einen Handlungsrahmen geworfen, der sich wie ein impressionistisches Bild anfühlt, auf dem mit eher minimalen Mitteln ein kleiner Ausschnitt aus dem Alltag der Figuren erzählt wird. Niemals geht es um spektakuläre und komplex verwobene Handlungsstränge, sondern um die Einfachheit des Lebens, die aber immer wieder große Interpretationsspielräume ermöglicht, was dann wiederum an die Gemälde Hoppers erinnert. „Raymond Carver – Wovon wir reden, wenn wir von Liebe reden“ weiterlesen

Dirk Gently’s holitischer Detektei – 2. Staffel

created by: Max Landis | 2017 | BBC America | 10 Folgen in der 2.Staffel (18 insgesamt) | Fantasyserie

Am 5. Januar 2018 veröffentlichte netflix die zehn Folgen der 2. Staffel von „Dirk Gently’s holitischer Detektei“, was mich sehr freute, denn die acht Folgen der ersten Staffel gehörten mit zum Besten, was ich im letzten Jahr an Serienkost zu sehen bekam.
In seinem neuen Fall wird Dirk Gently (Samuel Barnett) im „Black Wings“ gefangen gehalten, einem geheimen Labor der Regierung, die Menschen mit außergewöhnlichen Kräften studiert, um sie später einmal für Spezialaufträge einsetzen zu können. Der Chef der Einheit Sgt. Hugo Fridkin (Dustin Milligan) scheint aber deutlich überfordert mit den Experimenten zu sein, die er mit seinen Versuchspersonen anstellen soll. Währenddessen streifen Todd (Elijah Wood) und Farah (Jade Eshete) durch das Land auf der Suche nach Dirk und nach Todd’s Schwester Amanda (Hannah Marks). Sie landen schließlich in einem Ort, der so vergessen von der Welt ist, dass selbst die Polizei unter Sheriff Hobbs (Tyler Labine) und Assistentin Tina (Izzie Steele) keinerlei Verdacht schöpfen, als das Schicksal gleichfalls den eigentümlichen Magier The Mage (John Hannah) in den Ort führt, der dort auf die Hausfrau Suzie Boreton (Amanda Walsh)trifft, welche sich seinen Zauberstab aneignet. Und plötzlich scheint ungeahntes Leben in den Ort zu kommen, denn das märchenhafte Wendimoor liegt nahe. „Dirk Gently’s holitischer Detektei – 2. Staffel“ weiterlesen

The Polka King

Jahr: 2018 | veröffentlicht auf netflix | Regie: Maya Forbes | Länge: 94 min | Drehbuch: Maya Forbes, Wallace Wolodarsky

Heutzutage kommt das Kino ja gern mal nach Hause. So bieten Video on Demand Anbieter nicht nur selbstproduzierte Serien an, sondern immer wieder auch mal „Kinofilme“ die sie selbst in Auftrag gegeben haben. Am 12. Januar 2018 hatte auf netflix so, „The Polka King“ Premiere (wobei er schon ein Jahr vorher beim Sundance Festival lief, was einer Kinovorführung viel mehr entspricht und dem heimischen Tablet, Monitor oder Fernseher).
Der Film beschreibt den Aufstieg und Fall des polnischen Immigranten Jan Lewan (Jack Black), der mit seiner Polkaband irgendwo in Pennsylvania seine zumeist älteren Zuhörer stimmungsvoll unterhält. Jans bester Freund Mickey Pizzazz (Jason Schwartzman) spielt in der Band und muss ebenso wie Lewans Schwiegermutter Barb (Jacki Weaver) feststellen, dass Jan zwar ein großes Herz und einen fast unbändigen Arbeitswillen hat, aber die Geschäfte trotzdem nur bestenfalls mäßig laufen. Doch Jans Frau Marla (Jenny Slate), ehemalige Schönheitskönigin, glaubt an ihren Gatten und dessen Erfolg. Und um diesen auf die Sprünge zu helfen, findet Jan Investoren, denen er eine entsprechende Rendite verspricht, wenn er und die Band berühmt werden. Und so beginnt sein Aufstieg, der ihn zu den Grammys führen wird und solange Jan bei seinen Fans als netter, liebenswerter und vertrauenswürdiger Schwiegersohn rüber kommt, fangen diese auch nicht nach darüber nachzudenken, in was konkret sie hier eigentlich investiert haben. „The Polka King“ weiterlesen