Daniel Kehlmann – Du hättest gehen sollen

Gute Bücher laden irgendwie automatisch dazu ein, sie nochmal zu lesen. Man beendet die letzte Seite und alles rattert in einem, die eigene Interpretationsmaschine springt an und je nachdem wie diese gerade arbeitet, möchte man dieses, oder jenes, oder lieber alles nochmal studieren, einzelne entscheidende Sätze oder gar nur Wörter finden. So ging es mir auch bei Daniel Kehlmanns Erzählung „Du hättest gehen sollen“, die im Jahr 2016 erschien. Das fällt hier sogar leichter als bei anderen Werken, da sie nicht einmal 100 Seiten zählt. Doch in der Kürze liegt hier trotzdem sehr viel Spannung. Man verlässt das Buch und bleibt doch darin gefangen, denn was genau ist hier eigentlich vorgefallen? „Daniel Kehlmann – Du hättest gehen sollen“ weiterlesen

Daniel Kehlmann – Der fernste Ort

Wer kennt das nicht, eine richtig wichtige Aufgabe steht an und man hat rein gar nichts dafür gemacht. Der Termin rückt immer näher, aber wie benebelt macht man weiterhin nichts. Unvorbereitet – Hilfsausdruck. Der Verstand sagt einem, mach was – jetzt, sofort! Doch das Leben läuft weiter und die Gedanken schweben dahin. Könnte man doch einfach aus seinem Leben flüchten, abtauchen, neu beginnen.
So geht es Julian, zu einer Konferenz mit seinem Chef nach Italien gekommen, wo er in wenigen Stunden einen Vortrag halten soll, auf den er nicht nur wenig, sondern rein gar nicht vorbereitet ist. Trotzdem geht er lieber erstmal schwimmen, im See am Hotel. Denn es ist Oktober und da muss man schon ehrlich sein, wenn er jetzt nicht nochmal schwimmen geht, dann wird das dieses Jahr nichts mehr, in Deutschland startet ja schon der Winter. Und so schwimmt Julian und taucht ab. „Daniel Kehlmann – Der fernste Ort“ weiterlesen

Daniel Kehlmann – Beerholms Vorstellung

Daniel Kehlmanns Debütroman „Beerholms Vorstellung“ erschien im Jahr 1997. Er ist in der Form eines Lebensberichts des Magiers Arthur Beerholm geschrieben. Artur wird von Adoptiveltern groß gezogen und hat eine recht unbeschwerte Kindheit bis seine Adoptivmutter vom Blitz erschlagen wird, der aus fast heiterem Himmel auf sie niederschlägt. Sein wohlhabender Adoptivvater lernt eine neue Frau kennen und schickt ihn aufs Internat, wo Artur eine Leidenschaft für Mathematik entwickelt. Doch immer wieder stößt er auf Probleme in der logischen Welt der Mathematik, rätselhaftes und unlösbares in einem Bereich, der eigentlich nur Lösungen bereithalten sollte. Von der mangelnden Wahrhaftigkeit enttäuscht, wird Beerholm Theologe, nicht ohne aber vorher eine fast schon geheim, zu nennende Leidenschaft für die Zauberei zu entwickeln. Denn die Magie „bedeutet schlicht, daß der Geist dem Stoff vorschreiben kann, wie er sich zu verhalten hat, daß dieser gehorchen muß, wo jener befiehlt. Was unvernünftig scheint ist in Wahrheit Offenbarung der Vernunft.“ (S.40) Die Theologen-Laufbahn verläuft für Beerholm recht gradlinig, bis er eine Vorstellung des Zauberers Jan von Rode besucht und seine alte Leidenschaft immer stärker an der Sinnhaftigkeit des kirchlichen Lebens zweifeln lässt. „Daniel Kehlmann – Beerholms Vorstellung“ weiterlesen

Ich und Kaminski

Verfilmungen von Büchern wecken gern große Erwartungen, wenn man den entsprechenden Roman sehr mag. So geschehen bei Daniel Kehlmanns „Ich und Kaminski“. Wolfgang Becker, bekannt vom 2003er Kassenschlager „Good Bye, Lenin!“, nahm sich des Stoffes an und veröffentlichte in diesem Herbst seine Version des Buches.

Kunstkritiker Sebastian Zöllner (Daniel Brühl) möchte seine stotternde Karriere anschieben, indem er ein Buch über den in die Jahre gekommenen Maler Kaminski (Jesper Christensen) schreibt. Dieser stand einmal im Mittelpunkt der Kunstwelt, ist aber zunehmend in Vergessenheit geraten und heute erblindet. Zöllner muss also nur noch seine Geschichte aufschreiben, auf das Ableben des Altmeisters warten und schon hat er seinen ersten Bestseller. Doch der Plan beginnt schon mit Schwierigkeiten bei der Anfahrt auf das Kaminski-Anwesen in den Alpen. „Ich und Kaminski“ weiterlesen

Daniel Kehlmann – F

Nachdem ich zweimal hintereinander an Büchern scheiterte (Le Clézios „Das Fieber“, das mir wieder mal zeigte das die Auswahl des Nobelkomitees nicht immer auch meine Wahl ist und an Christa Wolfs „Nachdenken über Christa T.“, über der bei mir ein Fluch liegt, denn schon zu Schulzeiten war ihre „Kassandra“ das am schwierigsten zu lesende Buch für mich und eine schmerzliche Erinnerung an meinen Deutsch-Grundkurs), wollte ich auf bewährte, aber intelligente Lektüre zurückgreifen. Was liege da näher als der mittlerweile schon ein Jahr alte, neue Kehlmann. „Daniel Kehlmann – F“ weiterlesen

Daniel Kehlmann – Wo ist Carlos Montúfar? Über Bücher

Ich mag Bücher und ich mag Bücher von Daniel Kehlmann. Was läge da näher als ein Buch von Daniel Kehlmann über Bücher zu lesen? Nun gut, sie haben Recht, dass liegt nicht unbedingt Nahe, denn Bücher über Bücher müssen nicht gleich auch gute Bücher sein. Aber ich mag es eben auch, wenn über Bücher geredet wird (im Fernsehen bleibe ich beim Zapping meistens an Buchsendungen hängen). Ich bin mir über meine persönlichen Hintergründe da gar nicht so sicher. Mag ich es, weil man neue Werke vorgestellt bekommt und damit seine Leseliste auffüllen kann (die allerdings die unangenehme Eigenschaft hat immer voller, statt leerer zu werden, umso älter man wird)? Oder mag ich es, weil diese Buchvorstellungen wie Werbung für Anteilsscheine am kulturellen Kapital sind und mit erfolgter Lektüre man ein bisschen mehr auf dem Konto hat (und in dem hier vorliegenden Artikel natürlich auch noch so eitel ist, dass einer diffusen Anzahl von Lesern als Information darzureichen)? Oder mag ich es, weil es eben doch unglaublich gute Bücher gibt, weil sie erzählen wie die Wirklichkeit ist und dabei komplett erfunden sein können? Es wird wohl an allen drei und wohl noch mehr Faktoren liegen. „Daniel Kehlmann – Wo ist Carlos Montúfar? Über Bücher“ weiterlesen

Daniel Kehlmann – Ich und Kaminiski

Selten wurde die Figur einer „dummen Sau“ mal so treffend beschrieben wie in Kehlmanns Roman „Ich und Kaminski“. Wir begleiten dort Sebastian Zöllner, der sich als Kunstjournalist einen Namen machen möchte. Dafür hat er einen schönen Plan entwickelt. Er möchte eine Biographie über den Maler Manuel Kaminski schreiben, früher einmal berühmt, jetzt aber vollkommen erblindet und kurz vor seinem Tod stehend. Für Zöllner die Möglichkeit mit dem baldigen Ableben des alten Mannes, sofort mit dem richtigen Buch auf den Markt zu kommen.
Zöllner ist die „dumme Sau“, wie sie im Buche steht. Eitel und von solcher Selbstüberschätzung das einen bei Lesen der Mund offen stehen bleibt. Fehler machen für ihn selbstredend nur die Anderen und das wird denen von Zöllner sofort auch klar gemacht. Seine eigenen Handlungen und Kommentare sind dafür aber immer lustig und sehr gewieft, zumindest sieht er es selbst so und hat keine Probleme, dass anderen Leuten breit ausschmückend mitzuteilen. Und so trifft dieser Jung-Egomane auf Kaminski. Dieser war selbst einmal ein verschrobener Ich-fixierter Malerkauz, der immer irgendwie vor seinem ganz großen Durchbruch stand, heute jedoch nur noch eine Mischung aus Senil und Verschlagen ist und dessen größte Begabung es neben dem Malen ist, andere Leute sich von ihm abhängig zu machen. „Daniel Kehlmann – Ich und Kaminiski“ weiterlesen