Green Book

Jahr: 2018 | Regie: Peter Farrelly | Tragikomödie | Länge: 131min | Location: Südstaaten der USA in den 1960ern

Das Entstehen von ungewöhnlichen Freundschaften zu verfilmen, gilt ähnlich der Darstellung von Menschen, die sich ineinander verlieben, zu den beliebtesten Motiven einer Filmerzählung. Deshalb wäre es mir eigentlich auch nicht eingefallen, „Green Book“ zu schauen, der die Freundschaft zwischen zwei Männern beschreibt, die sich auf einer Konzertfahrt in den Süden der USA näher kennenlernen, aber da der Film den Oscar 2018 für den besten Film gewann, wollte ich mal einen Blick riskieren. „Green Book“ weiterlesen

Dirk van Laak – Alles im Fluss. Die Lebensadern unserer Gesellschaft. Geschichte und Zukunft der Infrastruktur

Straßen, Plätze, Abwasserleitungen, Funkmasten, Stromleitungen… Unsere Welt ist voller Infrastruktur. Sie bestimmt unser Leben, sie leitet es in Bahnen und bleibt gleichzeitig unsichtbar, wenn Sie funktioniert. Eine Geschichte der Infrastruktur interessierte mich daher sehr und mit großer Freude nahm ich Dirk van Laaks Buch zum Thema zur Hand. „Dirk van Laak – Alles im Fluss. Die Lebensadern unserer Gesellschaft. Geschichte und Zukunft der Infrastruktur“ weiterlesen

T.C. Boyle – Drop City

Die 1970er Jahre sind angebrochen und in der Hippie-Kommune Drop-City findet der ganz normale Hippie-Alltag statt; Drogen, freie Liebe, gemeinsame Essenzubereitung und Verspeisung, eine gesunde Skepsis bezüglich des kapitalistischen Systems bei gleichzeitiger Inanspruchnahme von sozialstaatlichen Leistungen. Wechselnde Bewohner und Besucher kommen nach Drop City auf der Suche nach einem Leben, das versucht dem konformen Dasein eine Alternative aufzuzeigen, oder besser noch, diese Alternative in vollen Zügen zu leben.
Star und Pan sind schon eine kleine Weile im Camp, nachdem sie von der Ostküste hier nach Kalifornien gekommen sind. Während Star ihr Leben, der Freiheit des eigenen Lebensentwurfes widmet, ist Pan eher der hedonistische Typ, der Drogen und andere „Weiber“, so die offizielle Terminologie für Frauen im Camp, ausprobiert. Dazu gesellt sich Marco, Neuankömmling in Drop City, der ein neues Leben beginnen will, weil er vor seinem alten Leben reißaus genommen hat. Und so leben sie in den Hippie-Tag hinein unter der Sommersonne irgendwo im Sonoma County im Norden Kaliforniens.
Sehr viel weiter im Norden der USA, in Alaska, ist der Sommer eher kurz, aber heftig. In Boynton, einer Siedlung die man ohne Übertreibung als das letzte Nest, vor dem Nichts bezeichnen kann, holt der Einsiedler Sess Harder eine Frau ab, die sich als potenzielle neue Lebenspartnerin entpuppen könnte. Pamela möchte ein Leben in der Wildnis führen und schaut sich drei Kandidaten für je drei Tage an, um dann zu entscheiden, mit wem sie den Rest ihrer Tage verbringen möchte. „T.C. Boyle – Drop City“ weiterlesen

Marcus Hernig – China. Ein Länderporträt

Nachdem die letzte Lektüre über China von Stefan Baron mich nicht wirklich überzeugte, war ich erfreut ein weiteres ungelesenes Buch in meiner Bibliothek zum Thema China zu finden (die Bundes- bzw. Landeszentralen für politische Bildung sind beim Thema China glücklicherweise großzügig mit Veröffentlichungen). „Marcus Hernig – China. Ein Länderporträt“ weiterlesen

Stefan Baron und Guangyan Yin-Baron – Die Chinesen. Psychogramm einer Weltmacht

China ist momentan ein beliebter Themenschwerpunkt von negativ konnotierten Nachrichten. Die Chinesen produzieren global agierende Vieren, überwachen ihre Bürger und frönen einen Hyperkapitalismus und nennen das Ganze Kommunismus.
Es ist an der Zeit sich ein etwas genaueres Bild zu machen, vom bevölkerungsreichsten Staat der Welt und einer Kulturnation, die historisch soweit zurück geht, dass man selbst als stolzer Europäer neidvoll nach Osten schaut. „Stefan Baron und Guangyan Yin-Baron – Die Chinesen. Psychogramm einer Weltmacht“ weiterlesen

Rafael Chirbes – Am Ufer

In der Buchhandlung „La Batisfera“ in Valencias meeresnahen Stadtteil Cabanyal werden einige Bücher noch mit einer Papierschärpe ummantelt und mit einer kleinen Inhaltsangabe versehen. Ich mag so etwas sehr und wenn auf dem Papierchen dann noch steht, es würde sich um Spaniens feinsten Autoren handeln, dann bin ich angefixt. „Rafael Chirbes – Am Ufer“ weiterlesen

Sex Education

Idee: Laurie Nunn | Dramedy-Serie | 16 Folgen in den ersten beiden Staffeln | veröffentlicht 2019 auf netflix

Otis Milburn (Asa Butterfield) hat es nicht gerade leicht. Er ist Mitten in der Pubertät, einer Zeit in der sich Fragen zum Umgang mit dem eigenen Körper und den mit anderen Personen intensivieren. Man sollte meinen, dass da der Ratschlag seiner Mutter Dr. Jean Milburn (Gillian Anderson) weiterhelfen könnte, aber Jean ist Sexualtherapeutin und ihr allzu offener Umgang mit dem Thema verklemmt Otis mehr als das es ihm nützt, wobei er diese Ratschläge trotzdem gern anderen Jungen und Mädchen seiner Zielgruppe anbietet, solange es nicht um ihn selbst geht. So bleibt sein bester Freund Eric (Ncuti Gatwa), dem er sich anvertraut und da ist Maeve (Emma Mackey), das wunderschöne, aber immer etwas abweisende Mädchen in der Schule, dass Otis für einen Plan gewinnen möchte. „Sex Education“ weiterlesen

Jürgen Osterhammel – Die Verwandlung der Welt

Es ist Gründonnerstag und ich lese die Seiten 1300 und 1301 eines der besten Fachbücher, die ich in den letzten Jahren las, Jürgen Osterhammels „Die Verwandlung der Welt“, eine fulminante Geschichte der Welt des 19. Jahrhunderts. Ich habe Monate an diesem Buch gesessen, irgendwann im Herbst des letzten Jahres begonnen, in einer Zeit als meine persönliche Welt ebenso normal schien, wie die Globale. „Jürgen Osterhammel – Die Verwandlung der Welt“ weiterlesen

Der Schacht

Originaltitel: „El Hoyo“ | Jahr: 2019 | Regie: Galder Gaztelu-Urrutia | Science-Fiction-Kammerspiel | Länge: 94min

Goreng (Ivan Massague) erwacht in einem dystopisch anmutenden Gebäude, das wie ein Gefängnis, oder eine Besserungsanstalt anmutet. Das Bauwerk besteht aus untereinander angeordneten Ebenen, die durch einen offenen Schacht miteinander verbunden sind. Auf jeder Ebene leben zwei Personen. Gorengs Mitbewohner ist Trimigasi (Zorion Eguileor), der ihm sogleich das grundlegende Prinzip des Hauses erklärt. Jeden Tag fährt eine reich gedeckte Tafel mit köstlichen Speisen von ganz oben nach ganz unten durch den Schacht. Jede Ebene kann sich bedienen, doch umso weiter runter der Essenstisch im Schacht fährt, umso leerer wird er natürlich, je nachdem wie man sich weiter oben bedient hat. Goreng und Trimigasi sind auf Ebene 47, ein passables Stockwerk, wie Trimigasi meint, denn hier sind noch genügend Essensreste der höheren Level übrig, schlimmer würde es aber weiter unten sein, in Etagen jenseits der 100, wo man rein gar nichts mehr auf dem Essenstisch vorfindet. Jeden Monat wird die Etage gewechselt und man steigt auf, oder ab, im Schacht und findet sich mit vollkommen neuen Bedingungen wieder, obwohl eigentlich alles gleichbleibt. „Der Schacht“ weiterlesen

Fridas Sommer

Originaltitel: „Estiu 1993“ | Jahr: 2018 | Regie und Drehbuch: Carla Simon | Spielfilm | Länge: 100 min | Location: Vor-Pyrenäen in Katalonien

Frida (Laia Artigas) ist 1993 sechs Jahre alt und der Sommer beginnt für sie sehr traurig. Die Wohnung, die sie mit ihrer Mutter in Barcelona bewohnte, wird ausgeräumt, denn ihre Mutter verstarb kürzlich und Frida muss zu ihrem Onkel Esteve (David Verdaguer), Tante Marga (Bruna Cusi) und ihrer vierjährigen Cousine Anna (Paula Robles) ziehen. Sie wohnen auf einem Landhaus in dörflicher Umgebung, wo die Berge langsam erahnen lassen, dass die Pyrenäen nicht weit sein können. Frida leidet sehr unter dem Verlust der Mutter und hat verständlicherweise Probleme sich in ihrer neuen Lebensumgebung einzugewöhnen. Anna ist für sie ein Ankerpunkt, der ihr den Einstieg in ihre neue Familie möglich machen kann, doch die Rolle als große Schwester ist für Frida nicht leicht einzunehmen. „Fridas Sommer“ weiterlesen