Dark – 2.Staffel

Idee: Baran bo Odar und Jantje Friese | Science-Fiction-Mystery Serie | 2.Staffel 2019 mit 8 Folgen auf netflix veröffentlicht

Die 2.Staffel von „Dark“ ließ über ein Jahr auf sich warten und wurde am 21.6.2019 veröffentlicht, dem Tag, an dem die Erzählung der ersten Staffel begann, die ein vielschichtiges Netzwerk von familiären Überschneidungen über 66 Jahren hinweg zeigte. Schon die ersten zehn Folgen von Dark entwickelten sich zu einer komplexen Geschichte, bei der recht viele Fragen offen blieben. Problematisch wird nun, dass man viele der Akteure nach einem Jahr nun nicht immer parat hat und die Handlung in den neuen acht Folgen der zweiten Staffel weiter voranschreitet. Für eine so komplex gemachte Serie wie „Dark“ ist das schwierig, denn ohne die vielschichtigen Zusammenhänge vor Augen zu haben, kann man die vielen Zeitsprünge, die häufig hintereinander weg passieren nur schwer folgen. So ist man zumindest in den beiden ersten Folgen der 2.Staffel ständig damit beschäftigt, sich zu orientieren, wen man hier gerade sieht und was dieser Charakter mit wem und wann zu tun hat. Daran gewöhnt sich der Zuseher jedoch und die neuen Folgen werden zeitgleich komplexer, aber irgendwie im Laufe des Zuschauens auch einfacher verfolgbar, wenngleich „Dark“ ein konzentriertes Maß an Aufmerksamkeit unbedingt erfordert. „Dark – 2.Staffel“ weiterlesen

Adolfo Bioy Casares – Abenteuer eines Fotografen in La Plata

Der argentinische Schriftsteller Adolfo Bioy Casares zählte zu den engen Freunden von Jorge Luis Borges, einer meiner Lieblingsschriftsteller, von dem sie – geneigte Leser – auf diesem Blog jedoch noch nichts gelesen haben, da mir einfach nichts qualitativ wertvolles einfällt, was halbwegs die geistreichen Schriften von Borges wiederspiegelt. Vielleicht finde ich aber noch die Inspiration Borges wirklich gebührend in diesem Blog zu beschreiben, so lang kommen wir erstmal zu Bioy Casares, dessen recht kurzer Roman „Die Abenteuer eines Fotografen in La Plata“ 1985 herauskam. „Adolfo Bioy Casares – Abenteuer eines Fotografen in La Plata“ weiterlesen

Philip Roth – Mein Mann, der Kommunist

Der Ich-Erzähler Nathan Zuckerman (wahrscheinlich Roths liebstes Alter Ego) trifft eher aus Zufall seinen alten Englischlehrer Murray Ringold. Dieser ist mittlerweile 90 Jahre alt und hat noch eine Geschichte zu erzählen, die indirekt auch Nathan betrifft. Denn nach dem 2.Weltkrieg traf Nathan im Vorgarten der Ringolds auf Murrays Bruder Ira, damals ein bekannter Radiostar. Ira mimte in New York und Umgebung Abraham Lincoln und wurde damit berühmt, ebenso wie mit seiner Heirat des Filmstars Eve Frame. Da Ira dem Kommunismus sehr nahestand, bekam er in den 1950er Jahren Probleme in der McCarthy – Ära, in welcher Kommunisten, oder solche Menschen, die man dafür hielt, in den USA wegen ihrer politischen Ideologie verfolgt wurden.

Roth beschreibt in seinem 1998 im englischen Original als „My Husband the Communist“ erschienen Roman die Geschichte einer ziemlich seltsamen Ehe. Auf der einen Seite steht da Ira Ringold, einen schnell aufbrausenden („ira“ heißt im Lateinischen „zornig“) ehemaligen Bergarbeiter, der in der Armee über einen Freund und Mentor zum Kommunismus kam und jetzt bei einer Radioshow als Iron Rinn arbeitet, um Ungerechtigkeiten in der amerikanischen Gesellschaft anzuprangern. Auf der anderen Seite steht Eve Frame, eine gebürtige Jüdin, die wegen ihrer ärmlichen Herkunft aber eine ziemliche Antisemitin geworden ist und mit Ringold nun schon in vierter Ehe verheiratet ist. Aus Eves zweiten Ehe ging ihre Tochter Slyphid hervor, die über 20 Jahre alt ist, als Ira und Eve heiraten und damit fürchten muss die vollständige Kontrolle über ihre Mutter zu verlieren, die sie Zeit ihres Lebens anstrebte und die sie zum Tyrannen der Familie machte. „Philip Roth – Mein Mann, der Kommunist“ weiterlesen

All my loving

Jahr: 2019 | Regie und Drehbuch: Edward Berger | Länge: 116 min | Spielfilm

Die drei Geschwister Stefan (Lars Eidinger), Julia (Nele Müller-Stöfen) und Tobias (Hans Löw) treffen sich in einem Café. Kurz wird besprochen, wie es geht und was für Dinge zu erledigen sind. Nach dieser Eingangsszene des Spielfilms von Edward Berger folgen drei Geschichten, die jeweils das momentane Leben eines der drei Geschwister zeigen.
Stefan hat gesundheitliche Probleme und kann deshalb seinen Job als Flugkapitän nicht mehr ausführen. Das er vielleicht nie wieder fliegen kann, erzählt er aber niemanden, nicht mal seiner Tochter Vicky (Mathilde Berger), sondern lebt sein Lebemann-Leben weiter, als wäre nichts geschehen, besucht Partys, schleppt Frauen ab und kümmert sich gelegentlich, auf Freizeitbasis, um seine Tochter und seinen trägen Hund Rocco. Julia ist mit ihrem Mann Christian auf einer Städtereise in Turin, als sie einen Straßenhund findet und diesen nach einem Autounfall hilft und aufpeppelt. Schnell wird klar, dass ihr Verhalten etwas kompensiert. Tobias wiederum hat zwei Kinder ist Hausmann und Student der Philosophie, während seine Frau arbeitet und die Familie finanziell versorgt. Er wird zu seinen Eltern gerufen. Während sich Mutter Ebba (Christine Schorn) um den Einbau eines neuen Badezimmers kümmert scheint Vater Pit (Manfred Zapatka) Probleme mit der Gesundheit zu haben. „All my loving“ weiterlesen

Haruki Murakami – Kafka am Strand

Es ist sein 15. Geburtstag als Kafka Tamura beschließt seinen alleinerziehenden Vater zu verlassen und von zu Hause wegzugehen, da sein Vater ihn einst mit dem Fluch des Ödipus belegte. Es zieht in auf die Insel Shikoku, der kleinsten der vier japanischen Hauptinseln. Auf dem Weg dorthin lernt er das etwas ältere Mädchen Sakura kennen. Doch schließlich verschlägt es ihn in Komura-Gedächtnisbibliothek nach Takamatsu, wo er von Herrn Oshima, dem Assistenten der Leiterin Saeki-San aufgenommen wird.
In einem parallel verlaufenden Erzählstrang wird von Kamura erzählt, der bei einem mysteriösen Ereignis im 2.Weltkriegs seine Intelligenz verlor, dafür aber die Fähigkeit hat, mit Katzen zu sprechen. Sein Leben lang arbeitete er als Tischler und nun, da er über 60 ist, bessert er seine kleine Rente damit auf, herumstreunende Katzen wieder zu finden. „Haruki Murakami – Kafka am Strand“ weiterlesen

Gundermann

Jahr: 2018 | Regie: Andreas Dresen | Drehbuch: Laila Stieler | Länge: 127min | Bio-Pic | Location: Lausitzer Braunkohlerevier

Gerhard Gundermann (Alexander Scheer) war eine Legende der DDR-Liedermacherszene, der auch nach der Wende größere Erfolge in Ostdeutschland feierte, im Westen aber unbekannt war. Andreas Dresen porträtiert Gundermanns Leben (und benennt den Film einfach gleich nach der Hauptperson) in der DDR bis in die ersten Jahre nach der Wiedervereinigung und porträtiert eine sehr ungewöhnliche und ambivalente Persönlichkeit. Gundermann war überzeugter Kommunist, aber auch ein Mann, der sich gern mit Mächtigen anlegte, wenn er Missstände sah. Er flog aus der Volksarmee und wurde nicht vollwertiges Mitglied der SED, obwohl er das gern geworden wäre, seine Texte reflektierten die Schwierigkeiten des Lebens und beleuchten politische oder auch ganz private Probleme. Gundermann war aber auch Stasi-Spitzel, wenngleich er selbst ebenso bespitzelt wurde. Gundermanns Heimat war die DDR und er tat, was er für richtig hielt, diese Heimat zu verbessern.
Dresens Film legt den Scheinwerfer auf zwei Themen in Gundermanns Biographie. Da ist zum einen sein Hineingezogenwerden in die Firma (daher die Stasi) und seine persönliche Aufarbeitung nach der Wende und da ist zum anderen seine Liebesbeziehung zu Conny (Anna Unterberger), die seine Frau werden wird und die das nicht ganz einfache Los gezogen hat, mit dem ständig unter Strom stehenden Gundermann eine Familie zu organisieren. Dieser wiederum möchte trotz seines ansteigenden musikalischen Erfolgs mit seiner Band nicht auf seine Arbeit auf dem Braunkohlebagger verzichten. „Gundermann“ weiterlesen

25 km/h

Jahr: 2018 | Regie: Markus Goller | Drehbuch: Oliver Ziegenbalg | Roadmovie

In unserer Reihe Roadmovies nach Zahlen (siehe „303“) kommen wir nun zu 25, genauer zu: 25 km/h. Das ist die Höchstgeschwindigkeit, die ein Mofa erreichen kann und damit eigentlich ein ziemlich cooler Titel für ein Mofa-Roadmovie.
Nach der Beerdigung ihres Vaters beschließen die ungleichen Brüder Georg (Bjarne Mädel) und Christian (Lars Eidinger) ihren Jugendtraum wahrzumachen und vom heimischen Schwarzwald quer durch Deutschland an den Timmendorfer Strand zu fahren und das mit den alten Mofas, aus den Jugendjahren. Dabei gibt es ein paar Aufgaben zu erledigen, die der Vorstellungswelt der damals 15-jährigen geschuldet sind. Doch als die wilde Fahrt beginnt, stellen beide schnell fest, dass sie nicht als Jugendliche fahren, sondern das ihr bisheriges Leben immer mitfährt. „25 km/h“ weiterlesen

303

Jahr: 2018 | Regie und Drehbuch: Hannes Weingartner | Roadmovie | 145min

Jule (Mala Emde) verhaut ihre letzte Biologieprüfung am Ende des Sommersemesters, auch weil ihr Leben gerate etwas aus den Fugen gerät. Sie ist ungewollt schwanger und kann nicht sagen, wie sie mit dieser Nachricht umgehen soll. Sie fährt mit ihrem zum Wohnmobil umgebauten Mercedes 303 von Berlin aus nach Portugal, um mit dem Kindsvater Alex, ihrem Freund, der dort gerade seine Doktorarbeit schreibt, darüber zu reden. Auf dem recht langen Weg dahin nimmt sie Jan (Anton Spieker) mit, der auf der Suche nach seinem leiblichen Vater ist, der in Bilbao wohnen und arbeiten soll.

Beide reisen nun über Belgien und Frankreich auf die iberische Halbinsel und verbringen die Reise, um über Beziehungen, das Leben und die Natur des Menschen zu sprechen und stellen dabei fest, dass sie trotz recht gegensätzlicher Meinungen immer größere Sympathien füreinander hegen. „303“ weiterlesen

Christian Kracht – Die Toten

In seinem 2016 erschienenen Roman „Die Toten“ erzählt Christian Kracht von der Entstehung eines Filmes. Wir befinden uns in den ersten Jahren der 1930er Jahre und der Schweizer Regisseur Emil Nägli wird gefragt, ob er einen vollkommen neuartigen Film machen könnte, der den Einfluss Hollywoods zugunsten des deutschen Kinos verblassen lassen soll. Amakasu Masahiko, ein japanischer Beamter, von den Vorzügen der eigenen Kultur und Nation überzeugt, sieht in einem gemeinsamen japanisch-deutschen Filmprojekt die Möglichkeit eine Kulturachse des Zelluloids entstehen zu lassen. „Christian Kracht – Die Toten“ weiterlesen

T.C. Boyle – World’s End

Der große amerikanische Roman, wenn man denn eine solches Sujet in der Literatur verorten möchte, versucht die DNA der USA aufzuspüren, zu zeigen, was dieses Land antreibt, aufhält, bewegt, erregt, kurz was es heißt „Amerika“ zu sein. T.C. Boyles dritter Roman, aus dem Jahr 1987 kann man ziemlich gut in diesem Themenbereich verorten, denn er spielt nicht nur an der amerikanischen Ostküste, sondern beschreibt den Zustand der USA anhand von zwei sehr unterschiedlichen Zeitpunkten. Im 17. Jahrhundert und in der Zeit der Hippies um 1968. „T.C. Boyle – World’s End“ weiterlesen