Maggie Moore(s)

Jahr: 2023 | Regie: John Slattery | Drehbuch: Paul Bernbaum | Thriller | Länge: 99min

Jordan Sanders (Jon Hamm) versucht mit seinem Leben klarzukommen, dass er nun ohne seine verstorbene Frau führen muss. Als Polizeichef einer Kleinstadt muss er sich mit einem neuen Mordfall auseinandersetzen, der vor allem eine Kuriosität ist, es ist der zweite Todesfall einer Maggie Moore innerhalb von wenigen Tagen. Schnell scheint der Ehemann der ersten Toten Maggie Moore, Ja (Micah Stock) verdächtig, doch insbesondere dessen ehemalige Nachbarin Rita Grace (Tina Fey) gerät ins Visier von Sanders.

Maggie Moores ist eine nett dahinplätschernde Thrillerunterhaltung mit nur gering überraschendem Plot, aber einer angenehmen Atmosphäre und mit Tina Fey und Jon Hamm, zwei sehr sympathischen Schauspielern.

Asteroid City

Jahr: 2023 | Regie & Drehbuch: Wes Anderson (Drehbuch mit Roman Coppola) | Spielfilm | 106min

Was ist der wesentliche Blick auf die Welt? Was nehmen wir als wichtig an – und was ist wirklich wichtig für uns? Persönlich darf ich an dieser Stelle verraten, dass ich mich in letzter Zeit vielleicht etwas zu intensiv über wirtschaftliche Zusammenhänge auf dieser Welt informierte und obwohl diese spannend und auch sehr komplex sind, bleiben sie doch immer auch eigentümlich aussagelos und bedeutungsunschwer.
Glücklicherweise wurde ich auf den Film „Asteroid City“ hingewiesen, der mir wieder meine Augen öffnete, dass wirkliche Tiefe woanders zu finden ist, beispielsweise dort wo darüber reflektiert wird, was man eigentlich auf dem Planeten so treibt. Ganz prinzipiell ist dies auch die Frage von Wes Andersons 11. Kinofilm „Asteroid City“. „Asteroid City“ weiterlesen

Der beste Film aller Zeiten

Originaltitel: „Competencia oficial“ | Jahr: 2021 | Regie & Drehbuch: Gastón Duprat, Mariano Cohn (Buch mit Andrés Duprat) | Satire | 114min | Location: Avila (Spanien)

Seit Streaming Anbieter genauer darauf achten, welche Endgeräte in welchen Haushalten liegen und der eigene Anschluss eine geografische Distanz zum Anschluss des Entgeltzahlenden verortet ist, ist es etwas schwieriger geworden, sich kostensparend durch das Film- und Serienuniversum zu bewegen. Doch günstigerweise zahlen wir alle Rundfunkgebühren und können dadurch auf die Mediatheken des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zugreifen. In diesen Archiven findet sich das ein oder andere Objekt noch nicht gesehener cineastischer Begierde.

Mehr Erwartungen als der Titel des Filmes „Der beste Film aller Zeiten“ kann man kaum beim Zuschauer wecken, wobei an dieser Stelle erwähnt sein muss, dass dies wiederum eine Besonderheit der deutschen Übersetzung ist, denn im spanischen Original, ist der Film mit „Competencia oficial“ betitelt. Wir erleben einen Milliardär (José Luis Gómez) der etwas betrübt über das eigene Lebenswerk zurückblickt, weil er zwar extrem vermögend ist, aber ihm irgendetwas für seine Legacy fehlt. Da dieses fehlende Puzzleteil nicht Geld ist, versucht er eben jenes einzusetzen, um zu schauen, ob vielleicht der beste Film aller Zeiten von ihm finanziert werden könnte und sich dadurch ein zufriedenerer Blick auf sein Lebenswerk erreichen läse. So wird ein gefeiertes Buch gekauft und die beiden besten Schauspieler des Landes engagiert, den von der Kritik gefeierten Charakterdarsteller Iván Torres (Oscar Martínez) und den populären Hollywoodstar Félix Rivero (Antonio Banderas). Beide, nicht gerade mit eingezäunten Egos versehene Stars, sollen von der Autorenfilmerin Lola Cuevas (Penélope Cruz) zu einer einmaligen Zusammenarbeit inspiriert werden. Cuevas setzt Vorproben an, um die beiden Alpha-Männchen, für den Stoff zu sensibilisieren, doch die Eigenwilligkeiten ders Trios sind kaum zu übersehen. „Der beste Film aller Zeiten“ weiterlesen

Anatomie eines Falls

Originaltitel: „Anatomie d’une chute“ | Jahr: 2023 | Regie & Drehbuch: Justine Triet (Buch mit Arthur Harari) | Justizdrama | Location: französische Alpen

Dieses Jahr bin ich in einer „Oscar-Laune“, was nichts anderes heißt, als dass ich versuche, möglichst viele Filme zu schauen, welche eine Nominierung oder gar einen Preis bei den diesjährigen Academy Awards erhalten haben. Mit fünf Nominierungen und einer Auszeichnung für das beste Drehbuch war der französische Film „Anatomie eines Falls“ der beste europäische Beitrag und nicht nur wegen der Nominierung für Sandra Hüller für die beste weibliche Hauptrolle, war dieses Justizdrama quasi noch ein Pflichtprogramm für meine „Oscar-Laune“.

Sandra Voyter (Sandra Hüller) lebt mit ihrem Mann Samuel Maleski (Samuel Theis) und ihrem sehbehinderten Sohn Daniel (Milo Machado-Graner) in einem ausgebauten Chalet in den Bergen der französischen Alpen. Während Sandra als Autorin gewisse Erfolge aufweisen kann, ist ihr Mann eher ein verhinderter Schriftsteller und es scheint, dass er etwas eifersüchtig auf den beruflichen Erfolg seiner Frau ist, denn er stört ihr Interview mit einer interessierten Studentin (Camille Rutherford) durch das Abspielen lauter Musik. Als der Gast das Chalet der Familie verlässt und der Sohn zu einem Spaziergang mit seinem Hund aufbricht, geschieht ein Unglück bei dem Samuel stirbt (das wir als Zuschauer aber nie zu Gesicht bekommen). Da nur Sandra im Haus ist, kreisen die Ermittlungen schnell um die Frage, hat sie ihren Mann umgebracht?
Ein Jahr später findet eine Gerichtsverhandlung statt, bei welcher Sandra von einem ehemaligen Freund (Swann Arlaud) anwaltschaftlich vertreten wird. Auf der Gegenseite fährt der Staatsanwalt (Antione Reinartz) schwere Geschütze gegen Sandra auf. „Anatomie eines Falls“ weiterlesen

Ich bin dein Mensch

Jahr: 2021 | Drehbuch & Regie: Maria Schrader (Buch mit Jan Schomburg) | Spielfilm | 108min | Location: Berlin

Unsere Tage im Hier und Jetzt sind von vielen Dingen beleuchtet. Wir spüren Krisen der Welt in schneller Folge aufziehen (Seuchen, Kriege, es hat schon fast etwas klischeehaft Mittelalterliches) und neue Entwicklungen scheinen Gutes, aber auch Bedrohliches vorherzusagen. So auch das Aufziehen von Künstlicher Intelligenz, die unser Leben verändern wird. In welche Richtung ist nur zu vermuten, aber recht sicher scheint es, dass – wie immer in der Menschheitsgeschichte – Positives und Negatives gleichzeitig erscheinen wird. Maria Schraders 2021 erschienener Film, scheint den erst ein Jahr später inflationierten KI-Hype etwas vorwegzunehmen und ist damit im Jahr 2024 ein sehr aktueller Film. „Ich bin dein Mensch“ weiterlesen

Between Two Ferns – The Movie

Jahr: 2019 | Regie & Drehbuch: Scott Auckerman | Comedy-Mockumentary | 83min

Zach Galifianakis halte ich für einen wirklich witzigen Menschen, insbesondere als ich seine kurzen Videoclip-Interviews unter der Reihe „Between Two Ferns“ gesehen habe, die man sich beispielsweise auf Youtube anschauen kann. Da war es eine schöne Entdeckung zu sehen, dass es davon sogar einen Film gab (Das es den Film schon seit Jahren gibt, zeigt entweder a; dass der Algorithmus meines Filmanbieters ein rechter Trottel ist oder b; dass ich zu doof bin auf Netflix die richtigen Filme zu finden. Ich tendiere „a“ für die richtige Lösung zu halten, denke aber es könnte doch an „b“ liegen) „Between Two Ferns – The Movie“ weiterlesen

Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen

Originaltitel: „Side Effects“ | Jahr: 2013 | Regie: Steven Soderbergh | Drehbuch: Scott Z. Burns | Thriller | 106min

Einige Aspekte im Leben, sind Fragen des Timings. So zum Beispiel beim Erzählen von Geschichten. Es kommt ein klein wenig darauf an, wann bzw. an welcher Stelle, die Geschichte, wie erzählt wird. Das gilt nicht nur in diesem Blog, dessen vorherrschende Textstruktur, Sie, spitzfindiger Leser, sicher längst durchschaut haben und bei Ihnen eher ein müdes Lächeln hervorruft.[1] Das gilt eigentlich für alle Erzählungen, angefangen vom Witz, der ohne Pointe nicht existieren könnte, bis zum Krimi, bei dem man tunlichst am Anfang nicht verraten sollte, wer der Mörder ist (oder wenn man es doch tut, wie bei „Columbo“, dann muss die Fragestellung verlagert werden, im Fall von „Columbo“ auf die Frage, wie der Mörder seine Tat ausführte). Timing so könnten wir uns dem Thema weiter annähern, ist daher die Frage, wann man eine Perspektive der Erzählung ändert oder weitere Fakten einbaut, die der Geschichte eine neue Wendung geben.
Die Frage des gut eingesetzten Timings ist auch für den Thriller, dem etwas weitläufigeren Bruder des Krimis, von existentieller Relevanz, denn wie der Name schon sagt, soll er einen „Thrill“ erzeugen. Im Action-Thriller wird dieses Problem gern durch unrealistisch inszenierte Verfolgungsjagden oder ähnliches inszeniert (zu meiner großen Freude in den Lebensjahren 13 bis 28). Man kann den Thrill aber auch durch eine Erzählung erreichen, die Spannung und Unvorhergesehenes beinhaltet. Thriller der letzten Dekaden bauen dabei sehr gern einen „Twist“ ein, also eine Drehung des Geschehens, aus der dann entweder nochmal Spannung aufgebaut wird, oder sie basteln den „Twist“ am Ende der Handlung ein, um den Geschehen eine neue Perspektive zu geben (wie z.B. in „The Sixth Sense“). Einen guten Thriller macht daher aus, dass irgendwann die Perspektive zugunsten von entweder mehr Spannung oder einer Epiphanie kippt (oder beidem zugleich).
Steven Soderbergh, der mich immer wieder überraschen kann, in der Form und Vielfalt, wie er Filme macht, legte 2013 mit „Side Effects“ einen Thriller vor, bei dem genau das gerade beschriebene vorgehen reichlich angewendet wird. „Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen“ weiterlesen

Poor Things

Jahr: 2023 | Regie: Giorgos Lanthimos | Drehbuch: Tony McNamara | Spielfilm | 141min

In einer futuristischen Vergangenheit waltet der über allen Maßen begabte Chirurg Dr. Godwin „God“ Baxter. Er säbelt Leichen auf und transplantiert hier und da Organe um und erschafft kurioses neues Leben. Seinem begeisterten Schüler Max MaCandles (Ramy Youssef) übergibt er einen Protokollanten-Job, der es aber in sich haben wird. Max darf alle Fortschritte von Bella Baxter (Emma Stone) notieren, einer scheinbar minderbegabten jungen Frau, bei der sich herausstellt, dass sie ein weiteres chirurgisches Experiment von God ist. Bella ist nicht Gods Tochter, sondern war ein schwangeres Suizidopfer. God operierte dem toten Frauenkörper das Gehirn des ungeborenen Kindes ein, erweckt sie zu leben und beobachtet nun die Entwicklungsfortschritte. Er muss nun bei sich – sonst ein durch und durch emotionsloser, wissenschaftlich rationaler Geist – feststellen, dass er Vatergefühle für Bella hegt. Und weil er McCandeles für einen akzeptablen Schwiegersohn hält, möchte er eine Hochzeit zwischen ihm und Bella arrangieren, um Bella bei sich behalten zu können, und ihre Fortschritte zu studieren. Dafür soll noch schnell ein Vertrag geschlossen werden, den der Anwalt und Frauenheld Duncan Wedderburn (Mark Rufallo) ausarbeiten soll. Er jedoch entdeckt die wunderschöne Bella und möchte mit ihr nach Lissabon durchbrennen, während diese gerade die geistige Phase der frühkindlichen Sexualität entdeckt hat und die körperliche Lust für äußerst befriedigenswert empfindet. „Poor Things“ weiterlesen

Dein Zuhause gehört mir

Originaltitel: „Hogar“ | Jahr: 2020 | Regie & Drehbuch: Alex und David Pastor | Thriller | 103min | Location: Barcelona

Manchmal durchstöbert man die Angebotsauswahl seines Streaming-Film-Anbieters, während der Algorithmus des Anbieters einen als Nutzer viel besser durchstöbert und siehe da, man findet einen Film, den man gern mal sehen würde. In meinem Fall lag die Motivation darin, dass ich den Hauptdarsteller Javier Gutiérrez neulich in „El autor“ sah und er mich dort durchaus beeindruckte.

In „Dein Zuhause gehört mir“ (dessen deutsche Übersetzung es mit dem einfachen spanischen Wort-Titel „hogar“ [für das Heim, das Zuhause oder auch den Haushalt] nicht aufnehmen kann) erleben wir Javier Gutiérrez als mittlerweile erfolglosen Werbedesigner, dessen beste Tage weit hinter ihm liegen. Die Familie, bestehend aus seiner Frau Marga (Ruth Díaz) und dem übergewichtigen Sohn Dani (Christian Muñoz) erkennen die finanziellen Realitäten aber besser als Familienvater Javier. Doch es lässt sich nicht ändern, die große Wohnung mit dem wundervollen Blick über Barcelona kann nicht mehr gehalten werden, denn sämtliche Bewerbungsgespräche von Javier laufen erfolglos. Die Familie zieht in ein bescheideneres Heim, aber Javier kann von seinem alten Leben nicht lassen und beobachtet die neuen Mieter, den Manager Tomás (Mario Casas), seine Frau Lara (Bruna Cusi) und Töchterchen Mónica (Iris Vallés). Und aus dieser Beobachtung entspinnt Javier eine Idee. „Dein Zuhause gehört mir“ weiterlesen

Maestro

Jahr: 2023 | Regie: Bradley Cooper | Drehbuch: Bradley Cooper und Josh Singer | Bio-Pic | 129min

Schon kurz bevor die diesjährigen Oscar-Nominierungen veröffentlicht wurden, habe ich „Maestro“ gesehen, der immerhin sieben Mal für den weltweit bekanntesten Filmpreis, unter anderem auch in der Kategorie „Bester Film“, vorgeschlagen wurde. Dem kann ich (bedingt) zustimmen.

Leonard Bernstein (Bradley Cooper) ist der aufstrebende Star der internationalen klassischen Musikszene und darf bereits im Alter von 25 Jahren ein Konzert des New York Philharmonic Orchestra leiten, dessen Chefdirigent er 15 Jahre später werden wird. Kurz nach dem 2.Weltkrieg lernt er die Schauspielerin Felicia Montealegre (Carey Mulligan) kennen, die nach einigen Jahren heiraten wird und aus deren Ehe drei Kinder entspringen. Doch Bernstein fühlt sich in dieser stereotypischen Familienwelt der 1950er Jahre nicht erfüllt, bricht immer wieder aus und hat Affären mit anderen Männern. Trotz einer gewissen Toleranz von Felicia wird ihr dies zu viel, besonders als die Kinder alt genug sind und auf ihren eigenen Beinen stehen können. „Maestro“ weiterlesen