Memento

Jahr: 2000 | Regie und Drehbuch: Christopher Nolan | Krimi |  Länge: 109 min |

Es ist an der Zeit ab und an einen Klassiker der letzten Jahre wieder neu anzusehen. Ein solcher ist mit Sicherheit „Memento“, ein Krimi, mit dem Christopher Nolan Anfang der 200er Jahre seinen Durchbruch schaffte. Den Film zeichnet eine – in jenen Jahren der Jahrtausendwende so gern und kreativ angewendete – innovative Erzählstruktur aus. Memento besteht aus zwei Ebenen; bei der ersten Ebene laufen die verschiedenen Szenen rückwärts ab, jede Szene erklärt also was vorher passierte. Die zweite Ebene – in schwarz-weiß gedreht – erzählt chronologisch, den Vorlauf der Handlungen der ersten Ebene und erläutert gleichzeitig, was im Leben des Haupthelden Leonard (Guy Pierce) passierte. „Memento“ weiterlesen

You Kill Me

Jahr: 2007 | Regie: John Dahl | Krimikomödie | Länge: 92min | Location: San Francisco

Frank Falenczyk (Ben Kingsley) hat ein Problem und sein Problem ist nicht, dass er für die polnische Mafia Auftragskiller ist, sondern das er deutlich zu viel trinkt und sein Alkoholismus seine Tötungsarbeit sehr stark beeinträchtigt. Also wird er von seinem Onkel (Philip Baker Hall) nach San Francisco geschickt, um zu entziehen. Dort tritt er den Anonymen Alkoholikern bei, wo er den trockenen Alkoholiker Tom (Luke Wilson) trifft und sich in die Managerin Laurel Pearson (Téa Leoni) verliebt. „You Kill Me“ weiterlesen

Was vom Tage übrig blieb

Originaltitel: „The Remains of the Day“ | Jahr: 1993 | Regie: James Ivory | Spielfilm | Länge: 134min | Location: aristokratischer englischer Landsitz in den 1930er und 50er Jahren

Darlington Hall ist ein traditionsreicher Landsitz in England. Chefbutler James Stevens (Anthony Hopkins) leitet die Geschicke des Personals schon sein gesamtes Berufsleben. Immer stand er für Lord Darlington (James Fox) zur Verfügung, doch dieser starb kürzlich einsam und verbittert, da er vor dem 2.Weltkrieg mit den Nationalsozialisten in Deutschland sympathisierte. Der neue Besitzer, der Amerikaner Jack Lewis (Christopher Reeve), kaufte das Schloss, auch weil er hier schon in den 1930er Jahren vor den Folgen einer zu freundlichen Politik gegenüber Nazi-Deutschland warnte und dabei Haus und Personal kennenlernte. Damals gehörte auch Miss Kenton (Emma Thompson) als Haushälterin zu diesem. Gemeinsam mit Mr. Stevens leitete sie das Personal in den 1930er Jahren, in einer Zeit als Darlington Hall Treffpunkt zahlreicher außenpolitischer Gesprächsrunden war. „Was vom Tage übrig blieb“ weiterlesen

Green Book

Jahr: 2018 | Regie: Peter Farrelly | Tragikomödie | Länge: 131min | Location: Südstaaten der USA in den 1960ern

Das Entstehen von ungewöhnlichen Freundschaften zu verfilmen, gilt ähnlich der Darstellung von Menschen, die sich ineinander verlieben, zu den beliebtesten Motiven einer Filmerzählung. Deshalb wäre es mir eigentlich auch nicht eingefallen, „Green Book“ zu schauen, der die Freundschaft zwischen zwei Männern beschreibt, die sich auf einer Konzertfahrt in den Süden der USA näher kennenlernen, aber da der Film den Oscar 2018 für den besten Film gewann, wollte ich mal einen Blick riskieren. „Green Book“ weiterlesen

Der Schacht

Originaltitel: „El Hoyo“ | Jahr: 2019 | Regie: Galder Gaztelu-Urrutia | Science-Fiction-Kammerspiel | Länge: 94min

Goreng (Ivan Massague) erwacht in einem dystopisch anmutenden Gebäude, das wie ein Gefängnis, oder eine Besserungsanstalt anmutet. Das Bauwerk besteht aus untereinander angeordneten Ebenen, die durch einen offenen Schacht miteinander verbunden sind. Auf jeder Ebene leben zwei Personen. Gorengs Mitbewohner ist Trimigasi (Zorion Eguileor), der ihm sogleich das grundlegende Prinzip des Hauses erklärt. Jeden Tag fährt eine reich gedeckte Tafel mit köstlichen Speisen von ganz oben nach ganz unten durch den Schacht. Jede Ebene kann sich bedienen, doch umso weiter runter der Essenstisch im Schacht fährt, umso leerer wird er natürlich, je nachdem wie man sich weiter oben bedient hat. Goreng und Trimigasi sind auf Ebene 47, ein passables Stockwerk, wie Trimigasi meint, denn hier sind noch genügend Essensreste der höheren Level übrig, schlimmer würde es aber weiter unten sein, in Etagen jenseits der 100, wo man rein gar nichts mehr auf dem Essenstisch vorfindet. Jeden Monat wird die Etage gewechselt und man steigt auf, oder ab, im Schacht und findet sich mit vollkommen neuen Bedingungen wieder, obwohl eigentlich alles gleichbleibt. „Der Schacht“ weiterlesen

Fridas Sommer

Originaltitel: „Estiu 1993“ | Jahr: 2018 | Regie und Drehbuch: Carla Simon | Spielfilm | Länge: 100 min | Location: Vor-Pyrenäen in Katalonien

Frida (Laia Artigas) ist 1993 sechs Jahre alt und der Sommer beginnt für sie sehr traurig. Die Wohnung, die sie mit ihrer Mutter in Barcelona bewohnte, wird ausgeräumt, denn ihre Mutter verstarb kürzlich und Frida muss zu ihrem Onkel Esteve (David Verdaguer), Tante Marga (Bruna Cusi) und ihrer vierjährigen Cousine Anna (Paula Robles) ziehen. Sie wohnen auf einem Landhaus in dörflicher Umgebung, wo die Berge langsam erahnen lassen, dass die Pyrenäen nicht weit sein können. Frida leidet sehr unter dem Verlust der Mutter und hat verständlicherweise Probleme sich in ihrer neuen Lebensumgebung einzugewöhnen. Anna ist für sie ein Ankerpunkt, der ihr den Einstieg in ihre neue Familie möglich machen kann, doch die Rolle als große Schwester ist für Frida nicht leicht einzunehmen. „Fridas Sommer“ weiterlesen

Wilde Maus

Jahr: 2017 | Regie und Drehbuch: Josef Hader | Spielfilm | Länge: 103min | Location: Wien

Der Musikkritiker Georg (Josef Hader) wird von seinem Chefredakteur Waller (Jörg Hartmann) gefeuert, weil die Zeitung sparen muss. Das trifft Georg so hart, dass er es nicht seiner Frau Johanna (Pia Hierzegger) sagen kann, die wiederum trotz ihrer 43 Jahre ein Kind von ihm möchte. Georg taumelt durch sein Leben. Einerseits ist er besessen Rache an Waller nehmen zu wollen, andererseits weiß er nichts mit seinem Nichtstun anzufangen und trifft auf den ehemaligen Schulkameraden Erich (Georg Friedrich), welcher sich anschickt die Achterbahn „Wilde Maus“ im Prater zu pachten und irgendwie entgleitet Georg auch die Beziehung zu seiner Frau. „Wilde Maus“ weiterlesen

Parasite

Jahr: 2019 | Regie und Drehbuch: Bong Joon-Ho |Gesellschaftssatire | 132min

Ohne Untertreibung war „Parasite“ im letzten Jahr, der meist gefeierte Film weltweit. Das setzt mich persönlich unter Druck, diesen Film gesehen haben zu müssen. Doch die einsamen Zeiten häuslichen Entertainments lassen einen genügend großen Zeitrahmen, um diesen Wissensnachteil zu korrigieren.
Und auch in „Parasite“ geht es um ein Haus, indem ganz langsam eine Familie fast unbemerkt eindringt, fast so, wie man es hofft das der allgegenwärtige Virus es gerade nicht in die eigenen vier Wände schafft. Die Familie Kim wohnt in ärmlichen Verhältnissen, tief in den Niederungen der südkoreanischen Gesellschaft. Plötzlich bekommt Sohn Ki-woo (Choi Woo-shik) ein Angebot im wundervollen und wohlhabenden Haus der begüterten Familie Park, der Nachhilfelehrer für Tochter Da-hye (Jeong Ji-so) zu werden. Dabei bemerkt er, dass insbesondere Frau Park (Cho Yeo-jeong) leicht zu manipulieren ist und er vermittelt seine Schwester Ki-jung (Park So-dam) als Englischlehrerin, seinen Vater (Song Kang-ho) als neuen Fahrer und seine Mutter (Jang – Hye-jin) als Haushälterin. Und als Familie Park zu einem Campingausflug startet, übernehmen die Kims das Haus und frönen dem Reichtum, den sie selbst nicht haben. „Parasite“ weiterlesen

Still Alice

Jahr: 2014 | Regie und Drehbuch: Richard Glatzer, Wash Westmoreland | Drama | Länge: 101 min | Location: New York City

Wenn sie im März 2020 an Krankheit denken, dann denken sie an Covid-19. Dabei kann man vor aller Besorgnis leicht vergessen, dass es leider die zahlreichen anderen Krankheiten auf der Welt auch immer noch gibt. Wobei wir beim Thema sind; vergessen.
Alice Howland (Julianne Moore) ist eine ehrgeizige und sehr erfolgreiche Linguistin. Sie führt ein glückliches Familienleben, was sich an ihrem 50.Geburtstag zeigt, den sie mit ihrem Mann John (Alec Baldwin) und den Kindern Tom (Hunter Parrish) und Anna (Kate Bosworth) sowie deren Mann Charlie (Shane McRea) verbringt, während ihre jüngste Tochter Lydia (Kristen Stewart) nicht kommen kann, da sie in Kalifornien einer wenig erfolgversprechenden Schauspielkarriere nachhängt. Alice bemerkt erstmals minimale Veränderungen bei sich, die sich in der nächsten Zeit häufen. Sie hat kleine Aussetzer bei Vorträgen und verläuft sich beim Joggen und konsultiert schließlich mit diesen Problemen einen Neurologen. Nach einigen Untersuchungen verdichtet sich die Diagnose, Alice hat Alzheimer, doch die Diagnose ist noch schlimmer. „Still Alice“ weiterlesen

Call Me by Your Name

Jahr: 2017 | Regie: Luca Guadagnino | Drehbuch: James Ivory | Liebesfilm | Länge: 133 min | Location: Sommer 1983 in Norditalien

Der Sommer ist in Norditalien angekommen, wir schreiben das Jahr 1983 und die jüdisch-amerikanische Familie der Perlmans erwartet auf ihrem Sommersitz die Ankunft des amerikanischen Doktoranden Oliver (Armie Hammer). Die Perlmans sind eine Familie, die höchsten Ansprüchen kulturellen und finanziellen Kapitals genüge tut. Der Vater (Michael Stuhlbarg) ist amerikanisch-stämmiger Archäologe, die Mutter Annella (Amira Casar) erzieht ihren 17-jährigen Sohn Elio (Timothée Chalamet) mehrsprachig, englisch, französisch und italienisch auf. Die Eltern achten auf Weltoffenheit, eine musikalische Erziehung und viel Freiheit für das Kind, welches sich gern mit der Jugend der Umgebung vergnügt. Die Ankunft von Oliver verändert aber einiges, denn dieser zieht nicht nur die Aufmerksamkeit der jungen Frauen auf sich, sondern auch die von Elio. „Call Me by Your Name“ weiterlesen