Christian Kracht – 1979

Wir schreiben das Jahr 1979 als der namenlose, deutschstämmige Erzähler mit seinem Freund Christopher in Teheran ankommt. Die ehemalige Liebesbeziehung der Beiden ist schon lange am Ende und wenn ein Fünkchen Liebe noch aufblitzt, so um gleich von einer Welle von Hass weggespült zu werden. Zusammen gehen sie auf eine Party, wo die iranische Oberschicht noch ein letztes Mal dekadent feiert, die islamische Revolution steht vor der Tür und hat das Anklopfen schon lange hinter sich gebracht, der Schah soll schon geflüchtet sein. Während Christopher sich ausschweifend Drogen hingibt, lernt der Erzähler den sehr mysteriösen Rumänen Mavrocordato kennen, der ihm prophezeit, dass der Erzähler sich halbieren wird und es ziemlich schlimm kommen wird. „Christian Kracht – 1979“ weiterlesen

T.C. Boyle – San Miguel

Neuerdings treffe ich immer Dienstag meine Freunde zum Dönerstag und weil das meist an der Altmarktgalerie stattfindet, kann man danach noch immer einen prima Besorgungsgang antreten. Und wenn man dabei beim Buchladen vorbeikommt, umso besser und dann noch besser: Wühltisch ist vorhanden und gefüllt! Dabei muss man eines feststellen: 95% des Wühltischangebotes sind nichtssagende Werke für mich, aber wenn man 100 Bücher durchgeht und die hat so ein Wühltisch locker, dann bleiben eben auch mal 5 Bücher hängen, wovon dann vielleicht eins gut genug ist, es tatsächlich für den angegebenen Sonder-Wühltischpreis zu erwerben. Diesmal fand ich T.C. Boyles „San Miguel“. Nachdem „América“ ja ein ziemlich guter Roman war, kann man da nicht viel falsch machen, dachte ich mir. „T.C. Boyle – San Miguel“ weiterlesen

Haruki Murakami – Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt

Es ist schon Ende Januar als ich im Haus des Buches stehe und noch einen 10€ Weihnachtsgutschein für ein Buch ausgeben kann. Ein Roman wäre gut, die Frage ist nur, von wem? Und so fällt mein Blick auf die lange Aufreihung von Murakami Büchern. Warum nicht? „Haruki Murakami – Hard-boiled Wonderland und das Ende der Welt“ weiterlesen

David Schalko – Frühstück in Helsinki

Mittagspause. Ich habe noch einen Gutschein vom Thalia und wandle durch die Altmarktgalerie als ich beim Hugendubel vorbeikomme. Falscher Buchladen, aber Wühltisch! Mal nachsehen, 3,99 sind ein verlockender Preis. Lange nichts, doch plötzlich…David Schalko! Wusste gar nicht, dass der auch schreibt, denn bisher war er mir nur als Genie hinter Serien wie „Braunschlag“ oder „Altes Geld“ bekannt.

Sein Romandebüt „Frühstück in Helsinki“ schrieb Schalko schon 1998, tatsächlich veröffentlicht wurde der Roman aber erst 2006, was für ein „juveniles Werk viel zu spät ist“, wie der Autor selbst bemerkt. Und es ist wirklich so, dass diesem Roman sowohl der Witz, als auch die gelungene Komposition fehlen, welche die bekannten Fernsehformate von Schalko auszeichnen. „David Schalko – Frühstück in Helsinki“ weiterlesen

T.C. Boyle – América

Besuche in anderen Ländern verleiten, sich den dortigen Autoren und ihren Gegenständen zu nähern und manchmal damit mehr zu entdecken als nur Landschaften oder Städte. Durch einen Aufenthalt in Kalifornien fiel mir der Name T.C. Boyle auf. T.C. steht für Tom Coraghessan (wobei er sich den zweiten Vornamen im Alter von 17 Jahren selbst gab). Nach einem kurzen Überfliegen der zahlreichen Romane und Geschichten von Boyle hatte ich mich für „América“ entschieden, um einen Eindruck von den Werken Boyles zu bekommen. Tatsächlich heißt das Buch im Original „The Tortilla Curtain“ (ich nehme an, Boyle wäre die deutsche Version in der amerikanischen Heimat etwas zu wuchtig gewesen). Mit dieser in den USA umgangssprachlich verwendeten Bezeichnung ist die Grenze zwischen Kalifornien und Mexiko gemeint bzw. deren Durchlässigkeit, die zu einer illegalen Immigration von Mexikanern in den Norden führt. Obwohl der Roman 1995 geschrieben wurde ist er auch heute noch aktuell, war es doch gerade erst US-Präsident Trump, der als Wahlversprechen eine Mauer zu Mexiko versprach. „T.C. Boyle – América“ weiterlesen

Edgar Hilsenrath – Der Nazi & der Friseur

Das Thema Holocaust ist hierzulande – auf Grund historischer Schuldbelastung – ein in der breiten Öffentlichkeit wahrgenommener Gegenstand. Es ist eine Basis des deutschen kulturellen Gedächtnisses für die größte anzunehmende Schuld und die Verpflichtung, daraus etwas für die Gegenwart und alle Zukunft zu lernen. Dem ist im Grunde nichts hinzuzufügen, trotzdem führt(e) es zu einigen gedanklichen Tabus, zum Beispiel der Frage ob man über Hitler lachen dürfe (man denke an Dani Levys Film „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ aus dem Jahr 2007 mit Helge Schneider und die Diskussion über Film und Gegenstand des Filmes). Etwas länger zurück liegt die Veröffentlichung von Edgar Hilsenraths Roman „Der Nazi & der Friseur“, den der Autor 1971 in den USA veröffentlichte. Obwohl der Text auf Deutsch geschrieben ist und schnell zu einem englischen Beststeller wurde, lehnten über 60 westdeutsche Verlage den Roman ab und er erschien erst 1977 in einem kleinen Verlagshaus in Köln. Grund dafür lag in der Darstellung des Buches über den Holocausts und noch viel entscheidender, der Zeit danach. „Edgar Hilsenrath – Der Nazi & der Friseur“ weiterlesen

Douglas Coupland – jPod

Ich tippe mit dem Finger ein weiteres Buch um, Autor nie gehört, tipp – weiter – nächster Autor – nie gehört – tipp – weiter – Douglas Coupland – … – Moment, habe ich schon mal gehört, Amerikaner, oder? Einer von diesen neumodischen Schriftstellern?!? Ich entnehme das Buch „jPod“ von Douglas Coupland dem Wühltisch beim Thalia Outlet. Es soll einen Euro kosten. Kann man nicht viel falsch machen, oder!?!

Mehrere Wochen später

Bei der Frage welchen Roman ich als nächstes lesen könnte, wähle ich „jPod“ aus. Aus Neugier. Wie schreibt dieser Coupland, der ja gar nicht Amerikaner ist, sondern Kanadier und der Begriffe wie „Generation X“ prägte (mit dem gleichnamigen Buch)? Auf den nächsten 500 Seiten sollte sich das rausfinden lassen. „Douglas Coupland – jPod“ weiterlesen

Siri Hustvedt – Die Verzauberung der Lily Dahl

Vor doch schon recht vielen Jahren las ich Siri Hustvedts ziemlich großartigen Roman „Was ich liebte“ und so war es schnell klar, als ich durch eine günstige Fügung an ihren Roman „Die Verzauberung der Lily Dahl“ kam, diesen auf meine Sommerleselist aufzunehmen. Tatsächlich ist das letztgenannte Werk, der etwas ältere Titel und kam bereits 1997 heraus („Was ich liebte“ folgte dann 2003), aber beide Romane gelten als Hustvedts bekannteste Literaturen. „Siri Hustvedt – Die Verzauberung der Lily Dahl“ weiterlesen

Christian Kracht – Imperium

Das 20. Jahrhundert kann man ohne viel geschichtliches Hintergrundwissen und Fantasie als das Säkulum der in der Praxis durchgeprobten Ideologien interpretieren. Teilweise waren diese Ideengebäude äußerst instabil und orientierten sich eher an den personifizierten Verkörperungen ihrer Führer als an logischer Stringenz, was nicht wirklich so dramatisch gewesen wäre (auch heute gelten ja starke Führerpersönlichkeiten immer noch als en vogue), hätten nicht viele Millionen Menschen ihr Leben lassen müssen, nur weil sie nicht in den kleinen Baukasten der Weltanschauung passten, mit welchem jeweils gerade die Welt verändert zusammengebastelt werden sollte. „Christian Kracht – Imperium“ weiterlesen

Paul Auster – Unsichtbar

Sie lesen im Folgenden einen Beitrag über Paul Austers Roman „Unsichtbar“ der 2011 veröffentlicht wurde. Ich gebe zu, ich erlag vor der Lektüre des etwas mehr als 300 Seiten langen Buches, der Vorstellung irgendetwas nicht Sehbares, vielleicht Gespenstisches (ein Geist?) würde in Austers 13. Roman eine Rolle spielen. Wenn Sie auch diese Hoffnung haben, muss ich Sie warnen, dem ist nicht der Fall. Vielmehr bezieht sich der Titel auf ein Phänomen im Umgang mit unseren Leben und deren Betrachtung, welchem sich der Text annimmt. Doch bevor das näher ergründet werden soll, als Erstes eine kurze Einführung in den Inhalt der Handlung:
Im Frühjahr 1967 trifft der Student Adam Walker auf einer Party in New York auf das französische Pärchen Rudolf Born und Margot Jouffroy. Born bietet Walker einen Job an, doch im weiteren Verlauf des Frühjahrs zeigt sich, dass nicht nur Born ein sehr geheimnisvoller und wenig vertrauenerweckender Typ, sondern sogar gefährlich ist. Nachdem Walker den Sommer in New York mit seiner Schwester Gwyn verbringt, versucht er sich im Herbst des gleichen Jahres als Austauschstudent in Paris, wo er erneut auf Born trifft, der aber nun nicht mehr mit Margot zusammen ist, sondern mit der Französin Hélène und ihrer 18-jährigen Tochter Cécile lebt.
Die Geschichte wird nur zum Teil von Walker erzählt, sondern in weiten Teilen von einem ehemaligen Studienfreund, dem heutigen Schriftsteller James Freeman, den Walker kurz vor seinem Tod 2007 kontaktiert und ihm die Manuskripte seiner Erinnerungen an das 40 Jahre zurückliegende 1967 zusendet. Es handelt sich bei Austers Roman also um ein Buch-im-Buch, das zahlreiche Perspektivenwechsel des Erzählers vollzieht. „Paul Auster – Unsichtbar“ weiterlesen