Philip Roth – Goodbye, Columbus

Philip Roth Frühwerk „Goodbye, Columbus“ aus dem Jahr 1958 besteht aus einem kurzen Roman und fünf weiteren Erzählungen, die sich alle um die Frage der jüdischen Identität in den USA drehen. Am eindrucksvollsten ist die Titelgeschichte, eine rund 170 Seiten lange Novelle, über die Liebe eines Sommers zwischen dem eher kleinbürgerlichen Juden Neil Klugman, der sich in Brenda verliebt, einer Tochter aus wohlhabendem und strenggläubigem jüdischem Hause. Obwohl Brendas Familie ihn schnell als neuen Freund akzeptiert, sind die moralischen Grenzen der Gesellschaft der 1950er Jahre für eine erste Liebe beherrschend für die beiden jungen Leute.  Die Geschichte dreht sich darum zwischen Traditionen, Assimilation und freiheitlichem Leben zu entscheiden und das macht diese Liebesgeschichte sehr lesenswert, obwohl ihre moralischen Bezugspunkte in den 1950er Jahren angesiedelt sind und heute eigentümlich wirken. „Philip Roth – Goodbye, Columbus“ weiterlesen

Paul Auster – 4321

Der Sommer bietet ausreichend Möglichkeiten sich ausgiebig mit Lektüre auseinanderzusetzen. Schon seit einiger Zeit freute ich mich, auf Paul Austers 2017 erschienen Roman „4321“, der mit über 1250 Seiten gerade richtig kam, um sich auf dem ausgebreiteten Handtuch an den Strand zu legen, die Wellen des Mittelmeeres, die spielenden Kinder und die emsig vorbeilaufenden Spaziergänger langsam zu vergessen und sich auf das Abenteuer eines so langen Romans einzulassen. Tatsächlich habe ich nur rund einen Monat für dieses, mit großem Abstand, längste Buch von Auster benötigt, was vor allem daran liegt, dass „4321“ sich sehr flüssig lesen lässt. Um mehr über das Buch zu schreiben, muss ich aber etwas über die erzählten Geschichten des Romans berichten und hier – geneigter Leser – müssen Sie entscheiden, ob Sie an dieser Stelle weiterzulesen, denn den ein oder anderen Teaser muss ich einbauen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: ich bin auf die grundsätzliche Idee des Aufbaus des Buches erst auf Seite 120 gekommen (ja, ja ich weiß, das hätte ich eher bemerken können) und ich will Ihnen diesen Spaß eigentlich nicht nehmen, selbst einige Sachen zu enträtseln.  „Paul Auster – 4321“ weiterlesen

Adolfo Bioy Casares – Abenteuer eines Fotografen in La Plata

Der argentinische Schriftsteller Adolfo Bioy Casares zählte zu den engen Freunden von Jorge Luis Borges, einer meiner Lieblingsschriftsteller, von dem sie – geneigte Leser – auf diesem Blog jedoch noch nichts gelesen haben, da mir einfach nichts qualitativ wertvolles einfällt, was halbwegs die geistreichen Schriften von Borges wiederspiegelt. Vielleicht finde ich aber noch die Inspiration Borges wirklich gebührend in diesem Blog zu beschreiben, so lang kommen wir erstmal zu Bioy Casares, dessen recht kurzer Roman „Die Abenteuer eines Fotografen in La Plata“ 1985 herauskam. „Adolfo Bioy Casares – Abenteuer eines Fotografen in La Plata“ weiterlesen

Philip Roth – Mein Mann, der Kommunist

Der Ich-Erzähler Nathan Zuckerman (wahrscheinlich Roths liebstes Alter Ego) trifft eher aus Zufall seinen alten Englischlehrer Murray Ringold. Dieser ist mittlerweile 90 Jahre alt und hat noch eine Geschichte zu erzählen, die indirekt auch Nathan betrifft. Denn nach dem 2.Weltkrieg traf Nathan im Vorgarten der Ringolds auf Murrays Bruder Ira, damals ein bekannter Radiostar. Ira mimte in New York und Umgebung Abraham Lincoln und wurde damit berühmt, ebenso wie mit seiner Heirat des Filmstars Eve Frame. Da Ira dem Kommunismus sehr nahestand, bekam er in den 1950er Jahren Probleme in der McCarthy – Ära, in welcher Kommunisten, oder solche Menschen, die man dafür hielt, in den USA wegen ihrer politischen Ideologie verfolgt wurden.

Roth beschreibt in seinem 1998 im englischen Original als „My Husband the Communist“ erschienen Roman die Geschichte einer ziemlich seltsamen Ehe. Auf der einen Seite steht da Ira Ringold, einen schnell aufbrausenden („ira“ heißt im Lateinischen „zornig“) ehemaligen Bergarbeiter, der in der Armee über einen Freund und Mentor zum Kommunismus kam und jetzt bei einer Radioshow als Iron Rinn arbeitet, um Ungerechtigkeiten in der amerikanischen Gesellschaft anzuprangern. Auf der anderen Seite steht Eve Frame, eine gebürtige Jüdin, die wegen ihrer ärmlichen Herkunft aber eine ziemliche Antisemitin geworden ist und mit Ringold nun schon in vierter Ehe verheiratet ist. Aus Eves zweiten Ehe ging ihre Tochter Slyphid hervor, die über 20 Jahre alt ist, als Ira und Eve heiraten und damit fürchten muss die vollständige Kontrolle über ihre Mutter zu verlieren, die sie Zeit ihres Lebens anstrebte und die sie zum Tyrannen der Familie machte. „Philip Roth – Mein Mann, der Kommunist“ weiterlesen

Haruki Murakami – Kafka am Strand

Es ist sein 15. Geburtstag als Kafka Tamura beschließt seinen alleinerziehenden Vater zu verlassen und von zu Hause wegzugehen, da sein Vater ihn einst mit dem Fluch des Ödipus belegte. Es zieht in auf die Insel Shikoku, der kleinsten der vier japanischen Hauptinseln. Auf dem Weg dorthin lernt er das etwas ältere Mädchen Sakura kennen. Doch schließlich verschlägt es ihn in Komura-Gedächtnisbibliothek nach Takamatsu, wo er von Herrn Oshima, dem Assistenten der Leiterin Saeki-San aufgenommen wird.
In einem parallel verlaufenden Erzählstrang wird von Kamura erzählt, der bei einem mysteriösen Ereignis im 2.Weltkriegs seine Intelligenz verlor, dafür aber die Fähigkeit hat, mit Katzen zu sprechen. Sein Leben lang arbeitete er als Tischler und nun, da er über 60 ist, bessert er seine kleine Rente damit auf, herumstreunende Katzen wieder zu finden. „Haruki Murakami – Kafka am Strand“ weiterlesen

Christian Kracht – Die Toten

In seinem 2016 erschienenen Roman „Die Toten“ erzählt Christian Kracht von der Entstehung eines Filmes. Wir befinden uns in den ersten Jahren der 1930er Jahre und der Schweizer Regisseur Emil Nägli wird gefragt, ob er einen vollkommen neuartigen Film machen könnte, der den Einfluss Hollywoods zugunsten des deutschen Kinos verblassen lassen soll. Amakasu Masahiko, ein japanischer Beamter, von den Vorzügen der eigenen Kultur und Nation überzeugt, sieht in einem gemeinsamen japanisch-deutschen Filmprojekt die Möglichkeit eine Kulturachse des Zelluloids entstehen zu lassen. „Christian Kracht – Die Toten“ weiterlesen

T.C. Boyle – World’s End

Der große amerikanische Roman, wenn man denn eine solches Sujet in der Literatur verorten möchte, versucht die DNA der USA aufzuspüren, zu zeigen, was dieses Land antreibt, aufhält, bewegt, erregt, kurz was es heißt „Amerika“ zu sein. T.C. Boyles dritter Roman, aus dem Jahr 1987 kann man ziemlich gut in diesem Themenbereich verorten, denn er spielt nicht nur an der amerikanischen Ostküste, sondern beschreibt den Zustand der USA anhand von zwei sehr unterschiedlichen Zeitpunkten. Im 17. Jahrhundert und in der Zeit der Hippies um 1968. „T.C. Boyle – World’s End“ weiterlesen

Philip Roth – Nemesis

Wir schreiben den heißen Sommer 1944. Die Jungs und ein paar Mädchen, des hauptsächlich von Juden bewohnten Viertels Weequahic in Newark, spielen auf dem Sportplatz. In der Umgebung hat es schon einige Fälle von Polio gegeben, der Krankheit für die es bis in die 1950er Jahre keine Impfung gab, die in schlimmen Fällen zur Verstümmlungen von Gliedmaßen oder gar zum Tode führen kann und die bevorzugt bei jungen Menschen auftritt, weshalb auch der Name „Kinderlähmung“ für die Krankheit gebräuchlich ist.
Bucky Cantor, ein dreiundzwanzigjähriger Sportlehrer, der wegen seiner starken Sehbehinderung nicht zur Armee und damit auch nicht in den 2.Weltkrieg ziehen musste, wie seine beiden besten Freunde, hat die Oberaufsicht auf den Sportplatz. Er wird von den Jungen auf dem Sportplatz wegen seiner ruhigen und sportlichen Art geliebt und gilt als großes Vorbild, weil er nicht nur unverwundbar und besonnen wirkt, sondern stets Pflichterfüllung und Verantwortung für die Kinder und Jugendlichen ausstrahlt.
Eines Tages erreichen einige ungestüme Jugendliche aus einem italienischstämmigen Viertel den Sportplatz und provozieren mit der eigentlich nicht ernstzunehmenden Behauptung, hier die Polio einschleppen zu wollen. Bucky bleibt ruhig und kann sie Kraft seiner natürlichen Autorität vertreiben. „Philip Roth – Nemesis“ weiterlesen

T. C. Boyle – Wassermusik

Es sind turbulenten Zeiten, in die uns T.C. Boyles Debütroman aus dem Jahr 1982 einlädt. Er führt uns in die Epoche kurz nach der französischen Revolution, wobei sich der Blick auf England richtet. Dort überzeugt Mungo Park die hiesige Afrikagesellschaft, der richtige Kandidat zu sein für eine waghalsige Expedition auf den schwarzen Kontinent. An der Wende zum 19. Jahrhundert war der Fluss Niger, übrigens der Drittlängste des Erdteils, zwar in Europa bekannt, aber kein Weißer war je zu ihm vorgestoßen und man war sich geografisch vollkommen unschlüssig, wohin dieser geheimnisvolle Strom fließen würde. Vorherige Expeditionen war aus diversen Gründen gescheitert – jedoch immer tödlich gescheitert –  und so ruhen die Hoffnungen auf den jungen Schotten Parks, der seine Verlobte Allie in Nord-Britannien zurücklässt, um sich ins afrikanische Abenteuer zu stürzen, wo er die Hilfe von Johnson in Anspruch nehmen kann, einen durch seine, teilweise sehr tragischen Lebensumstände, mit der europäischen Kultur in intensiven Kontakt gekommenen, Mandingo-Einwohner.
Ned Rise wiederum lebt auf den Straßen Londons, auf denen es in jenen Jahren hart, rau und schmutzig zuging. Seine notleidende Kindheit macht ihn erfinderisch und so lebt und überlebt er den keinesfalls einfachen Alltag der Jahrhundertwende. Doch immer wenn sich für ihn ein Ausweg aus Armut und Hunger zu eröffnen scheint, stürzt er wieder in ein anderes Unglück, denn sein größtes Talent scheint zu sein, zu überleben. „T. C. Boyle – Wassermusik“ weiterlesen

Jonathan Letham – Der Garten der Dissidenten

Es sind diese 1€ Wühlkisten, die mich anziehen. Allerdings nur, wenn Bücher zu erwühlen sind. Als Kind habe ich Papier beim Sero-Händler abgegeben und dafür sogar Geld bekommen. Heute bin ich mir nicht mehr sicher, ob der Wert des Papiers nicht schon höher ist, als der Preis jedes einzelnen Buches. Das stimmt nachdenklich über die Marktwirtschaft, macht mich als Kunden aber froh, vielleicht kann ich etwas Billiges erwühlen. Nachteil der 1€ Wühlkiste, neben der fehlenden Übersicht und Ordnung, ist die große Anzahl an Büchern, bei denen mir klar ist, warum sie keiner kaufen will, wobei man dann gegen rechnen muss, dass im gegenwärtigen Kapitalismus Produkte verkauft werden, bei den man nicht für möglich halten würde, dass tatsächlich auch nur ein einziger Cent dafür transferiert wird.

Doch da – Jonathan Letham – Amerikaner – Könnte was sein – Ich treten einen Schritt zurück (Bücherwühlkisten sind nie besonders belegt) und studiere schnell seinen wikipedia-Eintrag – Oha, Nachfolger von David Foster Wallace an Pomona College für Creative Writing – Überzeugt, ab zur Kasse! „Jonathan Letham – Der Garten der Dissidenten“ weiterlesen