Ben Lerner – Transkription

Erschienen 2026 im amerikanischen Original als „Transcription“ bei Farrar, Straus und Giroux | in deutscher Übersetzung von Niklaus Stingl bei Suhrkamp mit 158 Seiten

Das Leben ist voller Überraschungen. Ganz wunderbare Überraschungen sind beispielsweise Geburtstagsgeschenke, die man in dieser Form nicht erwartet hat. Und noch überraschender ist es, wenn man ein Buch eines Autors geschenkt bekommt, von dem man nur wenig bis gar nichts (in meinem Fall eigentlich Letzteres, wie ich zu meiner Schande gestehen muss) gehört hat – und das, obwohl die Lobpreisungen eigentlich deutlich vernehmbar waren (von „literarisches Phänomen“ bis „der beste Schriftsteller seiner Generation“). Und doch bleibt die allergrößte Überraschung für mich, dass dieses Buch ein echtes Leseerlebnis ist, ein Buch, das eines der besten, vielleicht das beste Buch der letzten Jahre ist, das ich lesen durfte. „Ben Lerner – Transkription“ weiterlesen

Alexander Osang – Comeback

Erschien 2015 bei S. Fischer mit 290 Seiten

Über meine Vorliebe zu Geschichten und Romanen von Alexander Osang habe ich hier bereits mehrfach geschrieben. Nun freue ich mich, als Teil meiner Sommer-Lektüre auch seinen vierten Roman „Comeback“ aus dem Jahr 2015 gelesen zu haben. In den 11 Kurzgeschichten erfahren wir etwas über die fiktive Ostrockband, die Steine. Diese hat gegen Ende der 1980er Jahre eine sehr hohe Popularität in der DDR erzielt, auch weil ihre Songs durchaus kritisch mit dem Alltag im Osten Deutschlands umgehen. Dabei besteht das Leben dieser DDR-Rockstars durchaus nicht nur aus Unterdrückung, Bespitzelung und subversiver Gegen-Kunst. „Alexander Osang – Comeback“ weiterlesen

Katerina Poladjan – Goldstrand

Aus der Reihe: aus fremden Regalen

Erschien 2025 bei S. Fischer Verlag mit 160 Seiten

Lange nichts gehört an dieser Ecke des Internets. Das lag daran, dass ich etwas an Thomas Pynchons neuem Roman verzweifelte, mir aber nicht eingestehen wollte, dass ich ihn wohl doch nicht beenden würde und so die Tage verflossen, ohne dass die Literatur eine Rolle spielte (was ja nun auch nichts Schlechtes sein muss). Doch günstigerweise konnte ich mir vor einiger Zeit den Roman „Goldstrand“ von Katerina Poladjan bei meiner Schwester ausleihen, welche diesen Bestand in ihrer Bibliothek meiner klugen und investigativen Nachricht an meine Mutter verdankte, die ein Ostergeschenk für die benötigte. So was kann man dann auch als eine gewisse Kreislauf-Wirtschaft betrachten. „Katerina Poladjan – Goldstrand“ weiterlesen

Florian Illies – Zauber der Stille

Erschien 2023 bei Suhrkamp | hier als Hörbuch vom Argon Hörverlag gehört (Hördauer: 6h28min)

Nachdem ich vermelden muss, dass ich in letzter Zeit zwar viel lese, aber nur wenig darüberschreibe, möchte ich über etwas Gehörtes in meiner Literaturrubrik schreiben. Ein recht günstiges Abo-Angebot einer Internet-Hörbuch-Bibliothek erlaubte es mir, Hörbücher zu konsumieren. Ich versuche dort einige Sachbücher zu konsumieren, die ich ganz wunderbar als Ersatz- oder Ergänzungspodcasts insbesondere beim Unterwegs-Sein und Laufen verwenden kann. Beispielsweise wollte ich einmal Florian Illies lesen/respektive hören, denn sein Kunst Podcast bei der Zeit, versteckt sich seit einigen Monaten größtenteils hinter einer Bezahlschranke. Beststellerautor Illies hat ein vielbeachtetes Buch über Caspar David Friedrich geschrieben und da ich eine größere Affinität zum Maler habe, drückte ich geschwind den Play-Button! „Florian Illies – Zauber der Stille“ weiterlesen

Samantha Harvey – Umlaufbahnen

Erschien 2023 im englischen Original als „Orbital“ | deutsche Übersetzung von Julia Wolf | 2024 bei dtv erschienen mit 226 Seiten

Manche Bücher fliegen einen zu, ohne dass man sich eigentlich im Wege stehen sieht, so wie „Umlaufbahnen“ von Samantha Harvey. Die Engländerin Harvey wiederum lässt ihren Roman, um die Erde kreisen, wo in einer Raumstation sechs Menschen ihren Dienst am wissenschaftlichen Fortschritt nachgehen. Während auf der Erde ein zerstörerischer Taifun über Südostasien aufzieht, fliegt eine weitere Rakete andere Astronauten zum Mond und so ziehen die Sonnenauf- und Untergänge an der Raumstation und ihrem fliegenden Personal vorbei und der Blick richtet sich immer wieder hinab auf den blauen Planeten und hinauf in die unendliche Weite des Weltraums. „Samantha Harvey – Umlaufbahnen“ weiterlesen

Jonathan Lethem – Die Festung der Einsamkeit

Erschien 2003 im amerikanischen Original als „The Fortress of Solitude“ bei Doubleday | deutsche Übersetzung von Michael Zöllner 2004 bei Tropen mit 668 Seiten

Langsam, aber sehr, sehr sicher, entwickelt sich Jonathan Lethem zu einem meiner neuen Lieblingsautoren. Sein sechster Roman „Die Festung der Einsamkeit“ wurde 2003 von der New York Times zum besten Roman des Jahres gekürt. Das Werk orientiert sich an Lethems eigenem Werdegang, und man kann Michael Chabon – der auf dem Buchrücken zitiert wird – nur zustimmen, wenn er schreibt:

„Jonathan Lethem beschreibt mit höchster Präzision – wie es nur ein großer Schriftsteller vermag – das Gefühl, eine Welt zu lieben, die einem Tag für Tag in den Hintern tritt.“

„Jonathan Lethem – Die Festung der Einsamkeit“ weiterlesen

Der tommr.de Jahresrückblick 2025

Auch für das Jahr 2025 möchte ich wieder kurz die besten Filme, Bücher und Serien zusammenfassen, die mir in diesen 365 Tagen unter die Augen gekommen sind.

Literatur

Es ist mir nicht leichtgefallen, mich für das beste Buch des Jahres 2025 zu entscheiden. Umso mehr freut es mich, dass einige herausragende Werke der Belletristik in Erinnerung geblieben sind. Letztendlich habe ich mich für Peter Stamms Roman In einer dunkelblauen Stunde entschieden – nicht nur, weil 2025 so etwas wie ein „Peter-Stamm-Jahr“ für mich war (da ich drei Werke von ihm gelesen habe und damit so viele wie nie zuvor), sondern auch, weil dieser Roman ein außerordentlich tiefer Text ist, der in Stamms ruhiger Sprache dahinfließt. „Der tommr.de Jahresrückblick 2025“ weiterlesen

Alexander Osang – Winterschwimmer

Erschien 2017 bei Aufbau | hier vorliegend als Aufbau Taschenbuch mit 240 Seiten

Das Weihnachtsfest rückt immer näher, und für gewöhnlich ist die Adventszeit mit allerlei Besorgungen verbunden, damit das Fest etwas ganz Besonderes wird und man dann in besinnliche Weihnachtsstimmung abdriftet. Soweit die Idee, die nicht immer in der Realität umzusetzen ist. Eine Maßnahme, um die atmosphärischen Schwingungen des heiligen Festes besser aufzunehmen, sind Alexander Osangs 14 Weihnachtsgeschichten, die im Band „Winterschwimmer“ zu finden sind. Sie erinnern einen nicht nur daran, dass der 24.12. doch irgendwie ein besonderer Tag ist, sondern funktionieren vor allem als wundervolle Kurzgeschichten, die eine Menge über das Leben aussagen. „Alexander Osang – Winterschwimmer“ weiterlesen

Paul Lynch – Jenseits der See

Aus der Reihe: aus fremden Regalen

Erschien 2019 im englischen Original als „Beyond the Sea“ | deutsche Übersetzung von Eike Schönfeld erschien 2025 bei Klett-Cotta mit 184 Seiten

Es gibt ja gute Gründe, im November in stimmungsmäßige Tiefs zu fallen – ich sage nur Novemberblues und so. Mag das Missfallen der Gesamtsituation auch temporär ein paar graue Wolken zum seelischen Durchzug bringen, so ist das eigentlich keine wirklich existentielle Krise. Diese trifft im Regelfall erst durch erhebliche Einflüsse von außen ein. Paul Lynch, der 2023 als Gewinner des Booker Prize größere Aufmerksamkeit für seinen letzten Roman „Das Lied der Propheten“ erlangte, stellte 2019 mit seinem vorhergehenden Buch „Jenseits der See“ eine Untergangshandlung vor, dessen existentialistische Krise durchaus in einer rauest möglichen Umwelt besteht, bei welcher ein dahin driftendes Boot partout nicht sinken will. „Paul Lynch – Jenseits der See“ weiterlesen

Peter Stamm – Wenn es dunkel wird

Erschien 2020 bei S.Fischer Verlag mit 196 Seiten

Am 12.Dezember um 15:58:16 Uhr geht in Dresden die Sonne unter, das ist der Tag im Jahr, an dem es am zeitigsten dunkel wird (ich musste die KI darauf hinweisen, dass sie mir zwar die richtige Quelle, aber ein falsches Datum und eine falsche Uhrzeit geliefert hat!). Das ist nicht der kürzeste Tag im Jahr (das ist natürlich der Tag der Sonnenwende am 21.12. – da haben wir Dresdner weniger als acht Stunden Tageslicht[1]), aber der Tag, an dem man am ehesten das Licht wieder anschalten muss, vielleicht zusätzlich (zur Erzielung behaglicher Atmosphäre und trotz Brandschutzrisiken) eine Kerze entzündet und sich mit einem Buch (und mittlerweile einer Lesebrille) zurückzieht. Peter Stamm liefert mit seinem 2020 erschienenen Erzählband „Wenn es dunkel wird“ dafür jedenfalls genau den richtigen Titel. „Peter Stamm – Wenn es dunkel wird“ weiterlesen