Daniel Schönpflug – Kometenjahre. 1918: Die Welt im Aufbruch

Das Ende des 1.Weltkrieges ist greifbar nahe, das große Schlachten scheint vorbei, die Welt steht vor dem Aufbruch zu neuen Ufern. Nationen sollen, aufgerufen vom US-amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson, ihre Unabhängigkeit einfordern, Monarchen verjagt werden, Frauen endlich wählen können… „Daniel Schönpflug – Kometenjahre. 1918: Die Welt im Aufbruch“ weiterlesen

Adrian Franke – American Football. Alles, was man wissen muss

Vor nun schon vier Jahren sah ich mein erstes Football Spiel. Auf Einladung zweier Freunde wurde bis spät in der Nacht der Super Bowl im Fernsehen geschaut. Nach einer Halbzeit hatte ich so ungefähr raus um was es geht und am Ende wurde das Spiel aufregend und äußerst spannend, auch wenn die Falschen letztendlich das Spiel gewannen. Ich bin diesen beiden Freunde sehr dankbar, dass sie mich zu dieser tollen Sportart gebracht haben und seitdem sind meine Sonntagabende von September bis Januar fest für die Footballübertragungen (allerdings lieber auf dazn als auf ran) reserviert. „Adrian Franke – American Football. Alles, was man wissen muss“ weiterlesen

Gerd Gigerenzer – Risiko

Gerd Gigerenzers Buch „Risiko“ trägt den etwas verwirrenden Untertitel: „Wie man die richtigen Entscheidungen trifft“. Wer daher einen Lebensratgeber erwartet, der einen sagt, bei Risiko 1 tue A und bei Risiko 2 tue B, der ist bei diesem wunderbaren Sachbuch nicht richtig. Gigerenzer geht es um etwas viel grundsätzlicheres, er möchte uns von der Wichtigkeit individueller Risikokompetenz überzeugen. Damit ist gemeint, dass Bürger gestärkt werden sollen, mit Risiken und Ungewissheiten besser selbstbestimmt umzugehen und sich weniger auf angebliche Argumente von Produktproduzenten oder Lobbygruppen zu verlassen. Er gibt dafür drei Themenkomplexe vor: Gesundheitskompetenz (die Stärkung des selbstbestimmten Patienten), Finanzkompetenz (die Stärkung des seine Investitionen verstehenden Investors) und digitale Risikokompetenz (also dem „gesunden“ Umgang mit neuen Technologien des Internets). „Gerd Gigerenzer – Risiko“ weiterlesen

Juli Zeh – Die Stille ist ein Geräusch

Seit langem hörte ich immer mal wieder von Juli Zeh, besonders von meiner Schwester, die mehrere Bücher von ihr besitzt. Da traf sich ein Familientreffen prächtig, als ich mir eines ihrer Werke mitbringen ließ. Es war ein Reise(tage)buch einer Unternehmung nach Bosnien, im Sommer 2001; allein mit Hund. „Ich will sehen, ob Bosnien-Herzegowina ein Ort ist, an den man fahren kann, oder ob es zusammen mit der Kriegsberichterstattung vom Erdboden verschwunden ist.“ (S.11). Tatsächlich existiert natürlich das Land, zum Reisezeitpunkt 5,5 Jahre nach dem Friedensabkommen von Dayton (es wurde übrigens nur in Dayton (Ohio) paraphiert und deshalb so genannt, aber in Paris unterzeichnet), der den dreieinhalbjährigen Krieg in Bosnien beendete. Natürlich ist dieser Krieg noch immer präsent (wenngleich der Kosovo-Krieg zu jener Zeit vielleicht noch mehr in den Köpfen mitspuckte) als Zeh mit etwas Mühe nach Bosnien-Herzegowina einreist. In ein Land, das keiner in Europa so richtig wahrnimmt und das Ort wie Srebrenica in die Weltöffentlichkeit brachte, deren Schrecken die jüngere Vergangenheit Europas prägte. Das – grob formuliert – in zwei Teile gespaltene Bosnien-Herzegowina, ist dann jedoch ein Ort an denen sich nicht nur die Wunden des Krieges noch nachfühlen lassen, sondern vor allem der Aufbruch im Frieden. Zeh möchte herausfinden, warum dieser Krieg stattfand, aber wirklich klar wird ihr dies nicht (und vielleicht wäre dies auch eine zu große Aufgabe für eine einzige Reise nach Bosnien). Überhaupt ist dieses Buch keine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Lande. Es enthält fast keine geschichtlichen Einordnungen und auch geografische Eigenheiten werden nur im Einzelfall beleuchtet. Viel mehr ist es ein Portrait, wie es sich anfühlt, im Sommer 2001 durch Bosnien-Herzegowina zu reisen, als junge deutsche Frau mit Hund. Das gelingt Juli Zeh ganz wundervoll, denn die Stärke des Buches ist ihr feiner, aber auch sehr humorvoller Schreibstil. So ist „Die Stille ist ein Geräusch“ ein lesenswertes Zeitdokument über einen der vielen Staaten Südosteuropas, die in Mitteleuropa gern vergessen werden. Wer ein Buch sucht, dass in die Region einführt, der liegt hier falsch, wer aber eine eindrucksvolle Sommerreise begleiten möchte, dem sei dieses Buch empfohlen.

Greg Woolf – Rom. Die Biographie eines Weltreichs

Wenn man in Europa unterwegs ist, dann steuert man irgendwann immer mal über ein Monument aus der Antike. In der Vielzahl der Fälle ist dies im römischen Zeitalter entstanden. Anders formuliert könnte man sagen, man muss keinen Schritt nach Italien gehen, um die Überreste des riesigen und langanhaltenden Römischen Reiches zu bewundern. Spaziert man durch Tarragona oder Cartagena, oder bewundert das Aquädukt in Segovia oder die Porta Nigra in Trier so ist die technische und kulturelle Entwicklung dieser Epoche der Menschheitsgeschichte noch heute greifbar und das ist sehr faszinierend. Ärgerlich ist es jedoch festzustellen, dass mein Kenntnisstand dieses Weltreiches ziemlich ruinös ist. Deshalb erwarb ich mir letztes Weihnachten dank eine Gutscheins für einen Buchanbieter das Überblickswerk über die Römische Geschichte von Greg Woolf, das als Untertitel den Titel „Biographie eines Weltreiches“ trägt. „Greg Woolf – Rom. Die Biographie eines Weltreichs“ weiterlesen

Jonathan Crary – 24/7

Schlafen Sie schon? Nein, denken sie mal darüber nach warum nicht? Sie sind zu abgelenkt von ihren Verpflichtungen? Dann sagt ihnen Jonathan Crary in: „24/7. Gesellschaft ohne Schlaf“, mal seine Meinung. Nach ihm leben wir in einer Epoche der zunehmenden Durchdringung unserer Zeit. Wir stellen unser Leben auf 24/7 um. Was bedeutet, dass  alles„als Arbeits- Konsum- oder Vermarktungszeit ausgefüllt und vereinnahmt“ (S.19) wird. Das kann man sich in etwa so vorstellen; wenn wir nicht gerade unser Täglich-Brot im Büro verdienen, dann surfen wir an der Haltestelle – weil nur rumsitzen und warten ja nichts bringt – in unserem Smartphone und bestellen uns etwas Schönes im Internet.  Für Crary ist die Natürlichkeit unseres Lebens in Zeiten des Neoliberalismus ein kostbares Gut, denn der Zeitgeist versucht uns aufzuzeigen, dass man immer etwas tun kann. Nur im Schlaf gibt es rein gar nichts zu tun gibt und was bitteschön, wollen Sie aus ihrem Leben machen, wenn sie nichts tun? (rhetorische Frage!) Immer dran denken, man lebt nur einmal. „Jonathan Crary – 24/7“ weiterlesen

David Graeber – Schulden. Die ersten 5000 Jahre

Die Gesellschaft zu hinterfragen ist nicht nur ein Hobby, etwas was man mal in seiner Freizeit zum Zeitvertreib machen kann, sondern es sollte ein ständiger Reflexionsprozess sein, der unser Denken und Handeln verändert oder wenigstens beeinflusst. Etwas mehr über uns und unser Leben zu erfahren, kann nicht wirklich schaden. Deshalb nehme ich mir von Zeit zu Zeit Bücher vor, die unsere Zeiten, Lebenswege und Gewohnheiten beleuchten, so wie zum Beispiel unsere kapitalistische Gesellschaft (die Betonung liegt hier auf der Wirtschaftsform unserer Tage in Europa). Nach dem hervorragenden Buch von Thomas Piketty über die Verteilung des gesellschaftlichen Vermögens, nahm ich mir David Graebers Publikation über die Geschichte der Schulden vor, das schon einige Zeit in meinem Regal schlummerte. Auch dieses Buch erschein bei der Bundeszentrale für politische Bildung und war für einen sehr erschwinglichen Preis dort erhältlich (daher kein Grund sich zu verschulden). Ich kann nur jedem empfehlen sich einmal auf den Seiten dieser Einrichtung umzusehen. „David Graeber – Schulden. Die ersten 5000 Jahre“ weiterlesen

Roger Willemsen – Der Knacks

Als im Februar Roger Willemsen bei den Dresdner Reden sprach, war ich in Frankfurt Dynamo gegen den bornheimschen FSV beobachten. Im Grunde war dies etwas ärgerlich, denn ich hätte mir sehr gern Willemsen angehört, noch dazu war auch das Spiel von Dynamo eine riesige Enttäuschung, denn obwohl souverän geführt, verloren die Schwarz-Gelben die Partie und bekamen einen Knacks für den Rest der Saison, der ja bekanntermaßen zum Abstieg führte. Mein Vater jedoch ging zu Willemsen, war beeindruckt und kaufte sich ein Buch, um es sich signieren zu lassen. Dieses Buch mit dem Titel „Der Knacks“ fiel mir just in jenen Tagen in die Hände, als das Knacken im Knie meinen Bücherkonsum steigerte und mir eine passende Lektüre schien. „Roger Willemsen – Der Knacks“ weiterlesen

Jörg Kachelmann, Siegfried Schöpffer – Wie wird das Wetter?

Es gibt Sachen in unserem Leben, die sind immer da, ob man nun in größter Einsamkeit oder trubelnder Geselligkeit ist. Das Wetter ist so etwas, denn ohne es geht es nicht. Es ist nebenher noch ein wunderbarer Gesprächsfüller, denn jeder kann eigentlich immer etwas zum Wetter sagen. Interessanterweise ist es auch für mich der einzige Grund früh mal kurz das Morgenmagazin (aber nur das auf der ARD) anzuschalten, um die Kleiderordnung des Tages zu bestimmen oder das Wochenende zu planen. Fazit: Wetter ist immer da, das Wissen darum wie es sich in den nächsten Stunden darstellt, ist nicht belanglos und kann hilfreich sein und als Konversationsthema ist es eigentlich immer brauchbar (ich erinnere mich beim Zivildienst fast jeden Besuch der alten Damen und Herren mit einer Wetterfloskel begonnen zu haben).

Jetzt ist das Wetter aber mehr als nur schlecht oder gut, Regen oder Sonne. Da gibt es verschiedene Wolkenformationen, Kalt- und Warmfronten, Hagel, Schnee und Regen, und allerlei Windstärken aus unterschiedlichen Richtungen. Kurz zusammengefasst, es gibt eine Menge Sachen zu beobachten. Deshalb wurde es Zeit mal etwas mehr über das Wetter zu erfahren, als ich das Büchlein „Wie wird das Wetter“ von Deutschlands bekanntestem Meterologen Jörg Kachelmann für den fast nicht zu verbessernden Preis von 0,01€ (eine unbenutzte aber schon 2004 herausgegebene Ausgabe) sah und es natürlich erwarb. Es handelt sich dabei um ein eigentlich in den 1960er Jahren aufgelegtes Werk von Siegfried Schöpffer, das überarbeitet und ergänzt wurde. „Jörg Kachelmann, Siegfried Schöpffer – Wie wird das Wetter?“ weiterlesen

Günter Heribert Münzberg – Mayday über Saragossa. Heinz-Dieter Kallbach – Deutschlands legendärster Flugkapitän

Nachdem ich Cornelius Maschmanns Buch gelesen hatte, das aus dem Leben eines Flugkapitäns erzählt und ich ein wenig enttäuscht war, über die zeitweilige Ereignislosigkeit des Inhalts, lag es nahe bei meinem Opa das Buch über Heinz-Dieter Kallbach auszuleihen. Dieser ist sicherlich dem ein oder anderen bekannt von seiner spektakulären Landung mit einer IL62 auf einem Rasen bei Stölln (siehe Video unten).

Das Lesen der ersten Kapitel überrascht dann schon und zwar weniger wegen des Inhaltes, mehr wegen der Form und dem eigenwilligen Schreibstil. Das Buch wurde von Günter Heribert Münzberg geschrieben, der zweifellos kein großer Literat ist und bei dessen Zeilen man immer denkt, seine eigentliche Absicht war es, ein 450 Seiten starkes Arbeitszeugnis für Kallbach zu verfassen. Begriffe wie „fliegerische Tätigkeit“ fallen dabei dutzendweise und wenn man sich heute vorstellen möchte wie in der DDR offizielle Berichte verfasst wurden, so fühlt man sich bei diesem Buch daran erinnert. Außerdem wird die Hauptperson auch nach 400 Seiten noch ganz offiziell „Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach“ genannt. Münzberg findet großen Gefallen daran, Qualifikationen aufzuschreiben und man fühlt sich an die „Aktuelle Kamera“ erinnert, bei der dauernd alle, aber auch wirklich alle Titel von Erich Honecker immer und immer wieder mit erwähnt wurden, als hätte man das nicht schon gestern, vorgestern, letzte Woche und letztes Jahr gehört. Außerdem lastet vielen Erklärungen ein gewisser archivarischer Ton an. Flugrouten werden präzise wiedergegeben und wir erfahren auch vom letzten Winkel, den Kallbach bei seinen Reisen überflog. Gern wird auch das komplette Personal von einzelnen Flügen aufgezählt, auch wenn die, als dritte aufgeführte Stewardess überhaupt keine Rolle für den Abschnitt spielt, wird sie dem Leser nicht verheimlicht. Interessant ist, dass Menschen, die Kallbach so gar nicht mag, gern nur mit einem Großbuchstaben erwähnt werden, daher M. oder ähnlich, was dann im Gegensatz zu der sonst praktizierten Ausführlichkeit steht. Aber genug zum Stil des Buches, wie schon erwähnt ist dieser eigenwillig, irgendwie antiquiert aber, und das ist sicherlich am wichtigsten, lesbar (auch wenn manchmal Zusammenhänge nicht immer für Leser ohne Vorkenntnisse zu verstehen sind, hier verfällt das Buch eher der Logik, warum an den Leser denken, Hauptsache man hat aufgeschrieben wie man es erlebt hat). „Günter Heribert Münzberg – Mayday über Saragossa. Heinz-Dieter Kallbach – Deutschlands legendärster Flugkapitän“ weiterlesen