Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke

Jahr: 2026 | Regie & Drehbuch: Simon Verhoeven | Komödie | 136min | Location: München in den späten 80er und frühen 90ern

Ich kenne Joachim Meyerhoff gut genug um seinen Namen zu droppen, was selbstverständlich heißt, dass ich fast gar nicht von ihm kenne. Ich habe ihn weder als Theaterschauspieler gesehen noch einen Film, in dem er mitspielt und ich habe auch nie ein Buch von ihm gelesen. Das ich nun einen Film anschaue, der beschreibt wie Meyerhoff Schauspieler (und irgendwie auch Schriftsteller) wurde und der von einem Autobiographischen Roman gleichen Titels inspiriert ist, hat vielleicht am allermeisten damit zu tun, dass ich auch mal Schauspieler oder Schriftsteller werden wollte, vielleicht aber auch damit dass „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ so etwas wie der erste deutsche Blockbuster des Jahres 2026 ist. „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“ weiterlesen

F1

Jahr: 2025| Regie: Joseph Kosinski | Drehbuch: Ehren Kruger | Actionfilm | 156min

Samstag, der 31. Januar – der letzte Tag des Januars. Bevor mein „Dry February“ beginnt, muss ich noch das eine oder andere Bier aus meinem Kühlschrank vertilgen. Und was gibt es da Besseres, als dazu ein Autorennen-Filmchen zu schauen? Ganz nach dem Motto: „Drink and watch driving“. „F1“ weiterlesen

Der Fremde

Jahr: 2025| Regie & Drehbuch: François Ozon | Spielfilm | 120min | Location: Algier in den späten 1930er Jahren

Albert Camus kann man zu den wichtigsten Intellektuellen des 20. Jahrhunderts in Frankreich zählen. Jean-Paul Sartre, auf den diese Einordnung vielleicht sogar noch mehr zutrifft, bezeichnete Camus Roman „Der Fremde“ als das wichtigste literarische Werk des Existentialismus. Ich erinnere mich schemenhaft – es liegt Jahrzehnte zurück – an eine Vorlesung an der TU zu diesem Thema und daran, wie sehr mich diese philosophische Richtung damals faszinierte. Nun hat François Ozon, einer der bedeutendsten noch lebenden französischen Filmemacher, diesen Stoff verfilmt. „Der Fremde“ weiterlesen

Wolfs

Jahr: 2024 | Regie & Drehbuch: John Watts | Thriller | 108min | Location: New York bei Nacht und Schnee

Manchmal lohnen sich Neuentdeckungen. Immer wieder wurde ich zur Serie „Pluribus“ auf den unterschiedlichsten medialen Kanälen angeteasert, die auf Apple TV läuft. Von diesem Streamingdienst – für den man übrigens kein eigenes iPhone benötigt – hörte man in letzter Zeit, dass die dort gezeigten Serien ein recht hohes Niveau erreichen. Also, warum nicht mal der Sache ein paar Tage Testzeit geben? Bevor ich an dieser Stelle zu „Pluribus“ komme, hier noch ein kleiner Bericht zum ersten Film, den ich auf Apple TV gesehen habe. Er hat mich allein deshalb angesprochen, weil das Duo Clooney und Pitt darin zu sehen ist. [1]

„Wolfs“ weiterlesen

Samantha Harvey – Umlaufbahnen

Erschien 2023 im englischen Original als „Orbital“ | deutsche Übersetzung von Julia Wolf | 2024 bei dtv erschienen mit 226 Seiten

Manche Bücher fliegen einen zu, ohne dass man sich eigentlich im Wege stehen sieht, so wie „Umlaufbahnen“ von Samantha Harvey. Die Engländerin Harvey wiederum lässt ihren Roman, um die Erde kreisen, wo in einer Raumstation sechs Menschen ihren Dienst am wissenschaftlichen Fortschritt nachgehen. Während auf der Erde ein zerstörerischer Taifun über Südostasien aufzieht, fliegt eine weitere Rakete andere Astronauten zum Mond und so ziehen die Sonnenauf- und Untergänge an der Raumstation und ihrem fliegenden Personal vorbei und der Blick richtet sich immer wieder hinab auf den blauen Planeten und hinauf in die unendliche Weite des Weltraums. „Samantha Harvey – Umlaufbahnen“ weiterlesen

Task

Idee: Brad Ingelsby | Krimi-Miniserie | 7 Folgen | veröffentlicht 2025 auf HBO

Miniserien sind – anders als ihre großen Geschwister mit mehreren Staffeln – eine attraktive Alternative zu abendfüllenden Filmen und langjährigen Serien. Sie vereinen den Vorteil von Serien, die tiefere Charakterstudien ermöglichen, mit der Straffheit eines Films, der Handlung und Figuren in einem übersichtlichen Zeitrahmen abschließen muss. Gleichzeitig entfällt der Druck, sich ständig neu erfinden zu müssen, um eine weitere Staffel zu rechtfertigen. Besonders bei Krimis funktioniert dieses Format gut, wie etwa in der Miniserie „Task“ zu sehen. „Task“ weiterlesen

Jonathan Lethem – Die Festung der Einsamkeit

Erschien 2003 im amerikanischen Original als „The Fortress of Solitude“ bei Doubleday | deutsche Übersetzung von Michael Zöllner 2004 bei Tropen mit 668 Seiten

Langsam, aber sehr, sehr sicher, entwickelt sich Jonathan Lethem zu einem meiner neuen Lieblingsautoren. Sein sechster Roman „Die Festung der Einsamkeit“ wurde 2003 von der New York Times zum besten Roman des Jahres gekürt. Das Werk orientiert sich an Lethems eigenem Werdegang, und man kann Michael Chabon – der auf dem Buchrücken zitiert wird – nur zustimmen, wenn er schreibt:

„Jonathan Lethem beschreibt mit höchster Präzision – wie es nur ein großer Schriftsteller vermag – das Gefühl, eine Welt zu lieben, die einem Tag für Tag in den Hintern tritt.“

„Jonathan Lethem – Die Festung der Einsamkeit“ weiterlesen

Der tommr.de Jahresrückblick 2025

Auch für das Jahr 2025 möchte ich wieder kurz die besten Filme, Bücher und Serien zusammenfassen, die mir in diesen 365 Tagen unter die Augen gekommen sind.

Literatur

Es ist mir nicht leichtgefallen, mich für das beste Buch des Jahres 2025 zu entscheiden. Umso mehr freut es mich, dass einige herausragende Werke der Belletristik in Erinnerung geblieben sind. Letztendlich habe ich mich für Peter Stamms Roman In einer dunkelblauen Stunde entschieden – nicht nur, weil 2025 so etwas wie ein „Peter-Stamm-Jahr“ für mich war (da ich drei Werke von ihm gelesen habe und damit so viele wie nie zuvor), sondern auch, weil dieser Roman ein außerordentlich tiefer Text ist, der in Stamms ruhiger Sprache dahinfließt. „Der tommr.de Jahresrückblick 2025“ weiterlesen

Der Held von Bahnhof Friedrichstraße

Jahr: 2025 | Regie: Wolfgang Becker (Achim von Borries) | Drehbuch: Wolfgang Becker, Constantin Lieb, Maxim Leo | Komödie | Länge: 112min | Location: Berlin

Als Wolfgang Becker im Dezember 2024 starb, blieb mir dieser große Verlust für das deutsche Kino nicht lange im Gedächtnis. So musste ich im Dezember 2025 feststellen, dass mit der Komödie „Der Held von Bahnhof Friedrichstraße“ sein letzter Film in die Kinos kam. Ich wusste nicht einmal mehr, dass Becker verstorben war, und meine Erwartungen an eine weitere DDR-Heldenverfilmung waren ohnehin nicht besonders hoch. Doch Beckers letzter Film erinnert an den Charme und den Witz von Beckers größtem Erfolg „Good Bye, Lenin“ und widmet sich einem zweifellos spannenden Thema: Geschichtserzählung, Leben und Wahrhaftigkeit. „Der Held von Bahnhof Friedrichstraße“ weiterlesen

Alexander Osang – Winterschwimmer

Erschien 2017 bei Aufbau | hier vorliegend als Aufbau Taschenbuch mit 240 Seiten

Das Weihnachtsfest rückt immer näher, und für gewöhnlich ist die Adventszeit mit allerlei Besorgungen verbunden, damit das Fest etwas ganz Besonderes wird und man dann in besinnliche Weihnachtsstimmung abdriftet. Soweit die Idee, die nicht immer in der Realität umzusetzen ist. Eine Maßnahme, um die atmosphärischen Schwingungen des heiligen Festes besser aufzunehmen, sind Alexander Osangs 14 Weihnachtsgeschichten, die im Band „Winterschwimmer“ zu finden sind. Sie erinnern einen nicht nur daran, dass der 24.12. doch irgendwie ein besonderer Tag ist, sondern funktionieren vor allem als wundervolle Kurzgeschichten, die eine Menge über das Leben aussagen. „Alexander Osang – Winterschwimmer“ weiterlesen