Javier Marías – Die sterblich Verliebten

Da von Zeit zu Zeit ein Roman von Javier Marías sehr anregend wirken kann, war im sich fortsetzenden Frühjahr sein letzter Kassenschlager „Die sterblich Verliebten“ dran, aus dem Regal gezogen zu werden (wo das Buch schon seit dem Herbst lag).
Der Leser begleitet Maria Dolz, eine Verlagslektorin in der Mitte ihrer 30er Jahre, die jeden Tag im selben Cafe ihr Frühstück einnimmt. Dabei beobachtet sie Tag ein, Tag aus, ein verheiratetes Paar, welches der gleichen Routine nachgeht. Obwohl man nie miteinander spricht, nicht mal grüßt, kennt man sich vom Sehen. Bis das Paar nicht mehr kommt und Maria erfährt, dass der Mann einem Mord zum Opfer gefallen ist. Noch einmal sieht Maria die jetzt in Trauer lebende Witwe, und erfährt deren Namen, Luisa. Diese lädt sie zum Abendessen ein, wo Maria den guten Freund der Familie Javier Diaz-Varela kennenlernt. „Javier Marías – Die sterblich Verliebten“ weiterlesen

Der Tatortreiniger

Seit ich bei watchever (ein kostenpflichtiges Streamingportal im Internet) bin, kommen mir (Fernseh-) Serien mehr und mehr wie Bücher vor. Es ist ein wenig, wie wenn man vor einem großen Regal steht (also dem Angebot des Portals) und darin lauter Romane findet. Während Filme meist über rund zwei Stunden unterhalten, haben Romane und Serien nicht nur gemeinsam, dass es erheblich mehr Zeit kostet, sie von Anfang bis Ende den Inhalt zu verfolgen. Man legt Pausen ein und setzt sich nur dann vor den Bildschirm, wenn man Zeit und Lust hat, genauso wie man es sich auf seiner Coach gemütlich macht, wenn man ein gutes Buch lesen möchte. Weiterhin ist beiden gemeinsam, dass mit zunehmender Sehdauer, sich der Rezipient mehr und mehr mit den dargestellten Charakteren identifiziert und er in die Handlung hinein gesogen wird.
Früher, als ich Serien noch im Fernsehen gesehen habe, musste man immer eine Woche warten, ehe die nächste Folge begann. Als ich die Sopranos auf DVD sah, musste ich mir jede weitere Folge aufteilen, wenn ich noch nicht die nächste Staffel ausgeliehen hatte und nur noch wenige Folgen übrig waren. Mit dem Internet und dessen Steamingangeboten ist das anders geworden. Man steht vor einer riesigen Auswahl voller Sachen, von denen man schon mal was gehört hat und man greift zu. Dabei geht man ähnlich wie bei Büchern im Regal vor. Einige sind einem wichtig und man benötigt eine spezielle Atmosphäre, um sie zu schauen, vielleicht abends mit einer Flasche Bier, um den Tag eine abschließende und spannende Note zu geben. Andere nimmt man für eine Pause zwischendurch, während einer Reise im Zug oder des Mittag- oder Abendessens. Man muss dabei nicht die gesamte Folge ansehen, sondern nur ein paar Minuten zur Ablenkung, um dann später irgendwann wieder fortzusetzen. Meine momentane Hauptserie heißt „Breaking Bad“ und ich pflege sie mir nicht zwischendurch anzusehen, sondern eine Folge am Stück zu genießen, denn jede von ihnen sind ganz wunderbar. Nebenher hörte ich von der deutschen Serie „Der Tatortreiniger“, fand sie in meinem Streamingregal und klickte mal rein.
Da diese Serie der Form einer Reihe gleicht, ist es im Grunde gleich mit welcher Folge man anfängt, denn es gibt mehr oder weniger keine folgenübergreifende, fortlaufende Handlung. Im Mittelpunkt steht immer Tatortreiniger Schotty (Bjarne Mädel) der genau das tun soll, was sein Arbeitstitel aussagt, nämlich Leichenreste wegputzen. „Der Tatortreiniger“ weiterlesen

Sushi in Suhl

Manchmal ist es Zeit für einen Heimatfilm. Schon seit seiner Veröffentlichung 2012 erregte „Sushi in Suhl“ meine Aufmerksamkeit, handelte er doch von einem japanischen Restaurant, dass in den 1960ern in Suhl aufgemacht wurde, was für die DDR-Zeit eine eher ungewöhnliche Geschichte ist, aber trotzdem so passierte. Horst Anschütz (Uwe Steimle) kocht zusammen mit seiner Frau Ingrid (Julia Richter) im Suhler HO-Restaurant „Waffenschmied“, welches traditionelle thüringische Speisen anbietet. Seine Aufmerksamkeit fällt auf die japanische Küche und für Freunde gestaltet er einen traditionellen japanischen Abend, den ein Freund in der Zeitung publik macht. Daraufhin steigt die Aufmerksamkeit für das Projekt, das zuerst von der HO-Leitung, um Kreisdirektor Lothar Jäger (Michael Kind) abgelehnt wird. Jedoch ändert der Besuch eines japanischen Gastes (Gen Seto) alles. „Sushi in Suhl“ weiterlesen

Ian McEwan – Solar

Erst vor wenigen Tagen habe ich in den Nachrichten gelesen, dass der Zustand unserer Welt klimatechnisch betrachtet sehr ernst ist (als Neuigkeit kam bei mir diese Information nicht an, eher als Bestätigung des schon Gewussten). Es sieht überhaupt nicht gut aus, aber wenn wir uns radikal ändern ist noch etwas zu machen, so könnte man es kurz zusammen fassen.
Nimmt man sich den Roman „Solar“ von Ian McEwan zur Hand, so stößt man auf eine wunderbare Allegorie für diesen Zustand der Erde beim Haupthelden der Handlung des Buches. In „Solar“ steht der Nobelpreisträger Michael Beard im Mittelpunkt und wir begleiten ihn dabei, wie er auf der einen Seite mit einem neuen revolutionären Projekt das Klima auf unserer Welt retten möchte und lesen auf der anderen Seite die Verfallsgeschichte eines in die Jahre gekommenen Physikers.
Beard hat nun schon vor einigen Jahren den Nobelpreis erhalten, statt zu Forschen, organisiert er Projekte, treibt Fördergelder auf und stellt seinen Namen zur Verfügung, um erfolgreich zu erscheinen. Gleichzeitig lebt er sein individualisiertes Leben so gut er kann. Gerade scheint seine fünfte Ehe zu scheitern, weil der eher zu klein geratene Beard, der alles andere als ein attraktives Äußerliches hat, mal wieder die eine Affäre zu viel hatte. Glücklich ist er darüber, dass bei all den Beziehungen, nie ein Kind zur Welt kam, was ihn mit Verpflichtungen einschränken würde. Sein Lebensziel scheint zu sein, wann immer es notwendig wird, sich zurückziehen zu können. „Ian McEwan – Solar“ weiterlesen

her

Ich kann mich kaum daran erinnern, je aus einem Kino so verwirrt gekommen zu sein, wie bei „her“ von Spike Jonze. Meine Erwartungen waren eigentlich klar, Jonze, der bei den beiden wunderbaren Filmen „Being John Malkovich“ und „Adaptation“ Regie führte, brachte mit „her“ einen Science-Fiction Film heraus, bei dem sich sein Hauptdarsteller Theodore Twombly (Joaquín Phoenix) in ein Handy verliebt, wobei genauer gesagt in dessen Operating System (kurz: OS, auf Deutsch: Betriebssystem). Was hier fatal nach einer Studie für Objektliebe klingt (und bei der ich mich frage, wie stark meine Beziehung zu meinem Smartphone ist) ist aber eigentlich der Versuch, die etwas ältere Story Mensch versus Maschine neu zu definieren. Denn das Operating System (gesprochen von Scarlett Johansen, daher unbedingt im Original sehen!) ist nicht nur ein einfacher Dienstleister, sondern in der Zukunft von „her“ hat es ein eigenes Bewusstsein, getrieben von einer künstlichen Intelligenz.
Bekannt sind solche Erzählungen von Filmen wie Terminator, in welchen sich die Maschinen selbstständig machen bzw. dies schon lange gemacht haben und nun die Menschen unter ihre Kontrolle bringen wollen. In „her“ schauen wir auch in eine ähnliche Zukunft, nur dass sie viel realistischer aussieht, als bei Terminator und viel weniger aggressiv oder besser eher vom Gegenteil beseelt ist, statt Hass geht es um Liebe. „her“ weiterlesen

David Foster Wallace – Der bleiche König

Am 7. November 2013 kam David Foster Wallace letzter Roman in der deutschen Übersetzung in die Buchläden. Seit Weihnachten liegt das Buch in meinem Regal und pünktlich zum neuen Jahr fing ich an den „bleichen König“ zu lesen. Was konnte ich erwarten? Schwer zu sagen, denn als DFW am 12. September 2008 starb, war dieser Roman noch nicht fertig, sondern lag in zahlreichen Manuskripten, Anmerkungen und Notizen in des Autors Garage. Sein Verleger Michael Pietsch entschied sich, gemeinsam mit Wallace Witwe Karen Green und seiner Agentin Bonnie Badell das Material zu veröffentlichen, was für DFW mit Sicherheit ein riesiger Graus gewesen wäre, denn er hasste es unfertige Arbeiten jemanden zu zeigen, geschweige denn sie zu veröffentlichen. Ich teile aber Pietschs in den Anmerkungen zum Roman getätigter Argumentation, dass es zu viele DFW Fans (zu denen, wie sie wissen ich mich auch zähle) gibt, die eben nicht die Chance haben, seinen Nachlass in einer speziellen Bibliothek der University of Texas zu lesen. Ich möchte den letzten Satz seiner Anmerkungen zitieren: „David ist leider nicht mehr da, um uns am Lesen zu hindern oder uns zu vergeben, dass wir ihn lesen wollen.“ (S.625) „David Foster Wallace – Der bleiche König“ weiterlesen

Dallas Buyers Club

Wenn ein Film sowohl einen Oscar für den besten Hauptdarsteller, als auch für den besten Nebendarsteller bekommt, dann ist man verleitet dafür ins Kino zu gehen. So geschehen bei „Dallas Buyers Club“ des kanadischen Regisseurs Jean-Marc Vallée. Im Mittelpunkt der Handlung steht Ron Woodroof (Matthew McConaughey). Dieser ist ein Cowboy aus Texas und führt ein eher ungesundes Leben in den 1980ern. Er schläft gern, häufig und ungeschützt mit Frauen und ist sich seiner Männlichkeit so bewusst, dass er überall und besonders vor seinen Freunden gern damit prahlt und sich mit ihnen gemeinsam der gemeinsamen Abneigung gegen alles Homosexuelle versichert. Leider führt Woodroofs Lebensstil aber dazu, dass er alles andere als Gesund aussieht und es letztendlich auch nicht ist. Soll heißen, im Krankenhaus teilt im Dr. Eva Sacks (Jennifer Garner) mit, das er AIDS hat. Für Woodroof ist dies unvorstellbar, schließlich sei dies doch eine Schwulen-Krankheit und er sei ja nun ganz gewiss nicht schwul. Doch Woodroof fängt an sich zu informieren und muss nicht nur feststellen, dass er die Krankheit tatsächlich hat, sondern auch, dass das bisher einzige in den USA im Experimentierfeld befindliche Medikament AZT eher eine Verschlechterung der Gesundheit bedeutet, als eine Verbesserung. Angeleitet von einem mexikanischen Arzt entschließt er sich zu einer alternativen Behandlungsform mit Medikamenten die das Immunsystem stärken, aber nicht den Virus angreifen. So erholt sich Woodroof spürbar. Da er auch ein Gespür für Geld hat und gleichfalls anderen Patienten helfen möchte, gründet er eine Selbstversorgergemeinschaft, den Dallas Buyers Club, um sich mit in den USA nicht zugelassenen Medikamenten einzudecken. Seine Zielgruppe sind dabei natürlich AIDS Kranke, und der Großteil davon ist Homosexuell. Woodroof öffnet seinen Geist und seine homophoben Ansichten verschwinden. Sein Businesspartner wird die aidskranke Transfrau Rayon (Jared Leto), der sich auch zu seinem Freund entwickelt. Die für die Zulassung von Medikamenten zuständige Behörde FDA ist aber immer weniger mit dem Geschäftsmodell eines Buyers Clubs einverstanden und Woodroof bekommt Probleme. „Dallas Buyers Club“ weiterlesen

Grand Budapest Hotel

Was soll ich über einen Film sagen, der mit so vielen Hollywoodstars gespickt ist, dass man den Überblick verliert, der noch dazu in meiner (etwas weiter gefassten) Heimat gedreht wurde und der von einer Welt handelt, die mich nicht nur fasziniert und die ich versuche zu bereisen, die es aber gar nicht gibt? Diese Frage zu beantworten ist zweifelsfrei komplex, weshalb wir sie ein wenig zurückstellen.

Wes Andersons neuster Film „Grand Budapest Hotel“, der momentan in den Kinos läuft, hat für mich schon eine über ein Jahr liegende Vorgeschichte. Diese liegt zum einen darin, dass ich Filme von Anderson sehr schätze und mir seinen neusten Streifen auch angesehen hätte wenn er – und hier kommen wir zum eigentlichen Teil der Vorgeschichte – nicht gerade hauptsächlich in Görlitz gedreht worden wäre. Davon erfuhr ich bei einer Geburtstagsfeier eines sehr guten Görlitzer Freundes im Januar letzten Jahres und ich gebe zu, ich bedauerte ein wenig zu erfahren, dass die Castings für Statistenplätze schon vorbei waren, denn das wäre bestimmt ein großer Spaß geworden, mal an einem Hollywood (oder sollte ich Görlywood, sagen) Set stehen zu dürfen. Erst vor ungefähr einem Monat lernte ich bei einer Wanderung durch das Zittauer Gebirge einen weiteren Görlitzer kennen, der eine solche Statistenrolle bekam und der mir etwas vom Dreh und insbesondere von der Nach-Dreh-Fatsche erzählte und ich gebe zu, auch ich hätte gern mit Ralph Finnes angestoßen und die ein oder andere Spirituose privat mit den Stars geleert. „Grand Budapest Hotel“ weiterlesen

Günter Heribert Münzberg – Mayday über Saragossa. Heinz-Dieter Kallbach – Deutschlands legendärster Flugkapitän

Nachdem ich Cornelius Maschmanns Buch gelesen hatte, das aus dem Leben eines Flugkapitäns erzählt und ich ein wenig enttäuscht war, über die zeitweilige Ereignislosigkeit des Inhalts, lag es nahe bei meinem Opa das Buch über Heinz-Dieter Kallbach auszuleihen. Dieser ist sicherlich dem ein oder anderen bekannt von seiner spektakulären Landung mit einer IL62 auf einem Rasen bei Stölln (siehe Video unten).

Das Lesen der ersten Kapitel überrascht dann schon und zwar weniger wegen des Inhaltes, mehr wegen der Form und dem eigenwilligen Schreibstil. Das Buch wurde von Günter Heribert Münzberg geschrieben, der zweifellos kein großer Literat ist und bei dessen Zeilen man immer denkt, seine eigentliche Absicht war es, ein 450 Seiten starkes Arbeitszeugnis für Kallbach zu verfassen. Begriffe wie „fliegerische Tätigkeit“ fallen dabei dutzendweise und wenn man sich heute vorstellen möchte wie in der DDR offizielle Berichte verfasst wurden, so fühlt man sich bei diesem Buch daran erinnert. Außerdem wird die Hauptperson auch nach 400 Seiten noch ganz offiziell „Flugkapitän Heinz-Dieter Kallbach“ genannt. Münzberg findet großen Gefallen daran, Qualifikationen aufzuschreiben und man fühlt sich an die „Aktuelle Kamera“ erinnert, bei der dauernd alle, aber auch wirklich alle Titel von Erich Honecker immer und immer wieder mit erwähnt wurden, als hätte man das nicht schon gestern, vorgestern, letzte Woche und letztes Jahr gehört. Außerdem lastet vielen Erklärungen ein gewisser archivarischer Ton an. Flugrouten werden präzise wiedergegeben und wir erfahren auch vom letzten Winkel, den Kallbach bei seinen Reisen überflog. Gern wird auch das komplette Personal von einzelnen Flügen aufgezählt, auch wenn die, als dritte aufgeführte Stewardess überhaupt keine Rolle für den Abschnitt spielt, wird sie dem Leser nicht verheimlicht. Interessant ist, dass Menschen, die Kallbach so gar nicht mag, gern nur mit einem Großbuchstaben erwähnt werden, daher M. oder ähnlich, was dann im Gegensatz zu der sonst praktizierten Ausführlichkeit steht. Aber genug zum Stil des Buches, wie schon erwähnt ist dieser eigenwillig, irgendwie antiquiert aber, und das ist sicherlich am wichtigsten, lesbar (auch wenn manchmal Zusammenhänge nicht immer für Leser ohne Vorkenntnisse zu verstehen sind, hier verfällt das Buch eher der Logik, warum an den Leser denken, Hauptsache man hat aufgeschrieben wie man es erlebt hat). „Günter Heribert Münzberg – Mayday über Saragossa. Heinz-Dieter Kallbach – Deutschlands legendärster Flugkapitän“ weiterlesen

The Ides of March

“The Ides of March – Tage des Verrats“ ist ein amerikanischer Politthriller von George Clooney aus dem Jahr 2011. Stephen Meyers (Ryan Gossling) ist Leiter der Medienabteilung im Wahlkampfteam des demokratischen Präsidentschaftsbewerbers Mike Morris (George Clooney). Die Vorwahl im Staat Ohio steht an, sie kann vorentscheiden, ob Morris gegen seinen letzten parteiinternen Gegenkandidaten Pullman gewinnt.
Meyers ist mit seinen 30 Jahren ein riesiges Talent im Geschäft der „spin-doctors“ und besitzt einigen Einfluss im Team von Morris, das vom alten Polit-Strategen Paul Zara (Philip Seymour Hoffman) geleitet wird. Dieser versucht einen Deal mit dem einflussreichen demokratischen Senator Thompson (Jeffrey Wright) um dessen Wahlmänner auszuhandeln und steckt der Times Journalistin Ida Horowicz (Marisa Tomei) schon mal ein paar Details. Währenddessen erregt die junge Praktikantin Molly Stearns (Evan Rachel Wood) die Aufmerksamkeit von Meyers, während er von Pullmans Wahlkampfleiter Tom Duffy (Paul Giamatti) einen Anruf erhält. „The Ides of March“ weiterlesen