303

Jahr: 2018 | Regie und Drehbuch: Hannes Weingartner | Roadmovie | 145min

Jule (Mala Emde) verhaut ihre letzte Biologieprüfung am Ende des Sommersemesters, auch weil ihr Leben gerate etwas aus den Fugen gerät. Sie ist ungewollt schwanger und kann nicht sagen, wie sie mit dieser Nachricht umgehen soll. Sie fährt mit ihrem zum Wohnmobil umgebauten Mercedes 303 von Berlin aus nach Portugal, um mit dem Kindsvater Alex, ihrem Freund, der dort gerade seine Doktorarbeit schreibt, darüber zu reden. Auf dem recht langen Weg dahin nimmt sie Jan (Anton Spieker) mit, der auf der Suche nach seinem leiblichen Vater ist, der in Bilbao wohnen und arbeiten soll.

Beide reisen nun über Belgien und Frankreich auf die iberische Halbinsel und verbringen die Reise, um über Beziehungen, das Leben und die Natur des Menschen zu sprechen und stellen dabei fest, dass sie trotz recht gegensätzlicher Meinungen immer größere Sympathien füreinander hegen.

„303“ ist ein wunderschönes Roadmovie, das einen Lust macht, das Auto oder gar das Wohnmobil zu nehmen und durch das sommerliche Europa zu fahren. Der Film fängt den Gedanken, dass der Weg das Ziel ist, sehr authentisch ein. Gleichzeitig ist „303“ aber auch ein Liebesfilm, oder besser ein Film über das Verlieben zweier Mitzwanziger. Das funktioniert weniger nachvollziehbar. Der Streifen stellt dabei eine mehr oder weniger fein-geistige Diskussion über das Leben in den Mittelpunkt, den Zusammenprall von zwei unterschiedlichen Lebensvorstellungen und es ist kaum anzuzweifeln, dass man sich natürlich bei langen und intensiven Gesprächen verlieben kann und das sich Gegensätze anziehen. Aber „303“ wirkt hier viel zu theoretisch. So sehr ich mich in meine Lebensvorstellungen meiner 20er Jahre zurückversetzt fühle, so sehr finde ich doch viele Dialoge eben gerade nur auf dieses Lebensalter zugeschnitten. Wichtiger erscheint mir aber, dass der Film die kleinen praktischen zwischenmenschlichen Dinge zugunsten des theoretischen Konstrukts des Abkloppens der eigenen Lebensweisheit vernachlässigt. So verfolgt man als Zuschauer die hundertste Diskussion der beiden, was nun Beziehungen schwächt oder stärker macht, nimmt aber nicht die kleinen Ausreden und Ideen wahr, warum man so gern Zeit miteinander verbringt, warum man unbedingt länger nebeneinander sitzen muss, wieso man sich so gern eine kleine Aufmerksamkeit dem anderen gewährt. Gerade gegen Ende des Films wirkt das ziemlich zerstückelt und manchmal geradezu willkürlich und man kann sich des Gefühls nicht erwehren, dass es dem Film mehr um das Aufzeigen von Lebensentwürfen geht, als um das Aufzeigen der kleinen zwischenmenschlichen Gesten und Worte, die Kommunikation genauso ausmachen. Zusammenfassend kann man wohl sagen, als europäisches Roadmovie funktioniert „303“ wirklich gut, als Liebesfilm leider weniger.

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