Erschien 2015 bei S. Fischer mit 290 Seiten
Über meine Vorliebe zu Geschichten und Romanen von Alexander Osang habe ich hier bereits mehrfach geschrieben. Nun freue ich mich, als Teil meiner Sommer-Lektüre auch seinen vierten Roman „Comeback“ aus dem Jahr 2015 gelesen zu haben. In den 11 Kurzgeschichten erfahren wir etwas über die fiktive Ostrockband, die Steine. Diese hat gegen Ende der 1980er Jahre eine sehr hohe Popularität in der DDR erzielt, auch weil ihre Songs durchaus kritisch mit dem Alltag im Osten Deutschlands umgehen. Dabei besteht das Leben dieser DDR-Rockstars durchaus nicht nur aus Unterdrückung, Bespitzelung und subversiver Gegen-Kunst.
Wie so viele Bands haben es aber auch die Steine schwer, nach der Wende anzukommen. Bandauflösungen werden von erneuten Comebacks abgelöst. Osang erzählt hier aber nicht die Geschichte einer Band, er erzählt die Leben ihrer Mitglieder und der Menschen, die in tiefer Verbindung zur Band stehen. Da haben wir Nora, die Sängerin und der eigentliche Star der Band. Von ihr steht dem Roman ein Interview voran, welches dem Höhepunkt der Bandgeschichte gewidmet ist. Ihr gegenüber fungieren die anderen, allesamt männlichen Mitglieder der Band als Lebens- oder Sexualpartner, Songschreiber, Manager oder Groupies. Doch alle haben ihre eigene Geschichte zu erzählen, und die hat nur in einigen Fällen auch mit Nora zu tun, die ihr Glück in der Wendezeit in New York versucht. Da ist Alex, der Gitarrist und diplomatische Dienst der Band, oder Paul, der Schönling und sehr unvollkommene Vater, oder seine Tochter Emma, die nie Mitglied der Band ist, aber irgendwie immer ein Teil von ihr. In Geschichten, die jeweils an einem bestimmten und sehr wichtigen Zeitpunkt für die handelnden Personen ansetzen und sich über einen Zeitraum von 30 Jahren erstrecken, schafft es Osang nicht nur wieder, eine sehr glaubwürdige Geschichte Ostdeutschlands zu schreiben, die sich kitschiger Ostalgie ebenso verweigert wie heldenhaften Geschichten aus dem DDR-Widerstand. Ein wunderbares Buch über DDR-Geschichte, ostdeutsche Identität, über das Leben im Osten und im Allgemeinen, verblassenden Ruhm, Liebe, Freundschaft, Musik und so etwas wie einen Zusammenhalt, der mal tiefer und mal schwächer ist.