Erschien 2021 bei Rowohlt mit 352 Seiten
Manchmal, wenn man einfach fantastische Romane gelesen hat, hat es das nachfolgende Buch schwer. Nach Ben Lernerns „Transkription“ hatte es Steffen Kopetzkys „Monschau“ wirklich nicht leicht und meine Erwartungen waren auch nicht gerade hoch, zumal ich das Buch quasi fast von der Straße fischte. Allerdings wurden die Erwartungen dann doch nochmal deutlich unterboten, und so wie Lerners Roman einer der besten der letzten Jahre war, ist Kopetzkys „Monschau“ eines der schlechtesten Bücher, die ich je zu Ende gelesen habe.
Wir leben im Jahr 1962, und das beschauliche Eifel-Städtchen Monschau erlebt eine Pockenepidemie. Aus Düsseldorf kommend wird der junge griechische Arzt Niko Spyridakis als Betriebsarzt der Riether Werke eingestellt, in denen der erste Fall der Pocken festgestellt wurde. Seine Aufgabe ist es nun, Verdachtsfälle festzustellen, Quarantäne zu verordnen oder die Tochter des verstorbenen Unternehmenschefs, rebellische Journalistin und Alleinerbin Vera Riether zu beeindrucken. Doch da gibt es noch den scheinbar allmächtigen Betriebsdirektor Seuss, der den laufenden Betrieb keinesfalls gefährden möchte.
Ich möchte es kurz machen. Nicht nur ist die Story von „Monschau“ so schnell zusammengebastelt wie zu Zeiten seiner Veröffentlichung Infektionsschutzverordnungen, auch die dargestellten Personen sind so plump und eindimensional, dass man sich mehrmals fragt, was man hier gerade liest. Weil man aber durch den Text geradezu fliegt – weil einen wirklich gar nichts in Gedanken aufhält, außer die Frage, ob die Seichtigkeit der Sprache und das Klischee der verlaufenden Handlung vielleicht noch weiter gesteigert werden könnten –, ist man dann schnell auf den letzten 50 Seiten angekommen und muss feststellen, dass der Roman hier nochmal einen Zahn in nicht vorhandener Qualität drauflegt und man ein Ende vor sich hat, das gefühlt an einem Nachmittag zusammengeklimpert wurde.
„Monschau“ wird auch bei mir ganz schnell wieder in einer öffentlichen Bücherkiste verschwinden, nicht aber ohne den Hinweis: „Überlegen Sie es sich bitte gut, ob Sie dieses Buch lesen wollen, es ist wirklich schlecht.“