Jan 19 2012

Eine kurze Notiz zu: Rescue Dawn”

„Rescue Dawn” ist ein amerikanischer Kriegsfilm des deutschen Regisseurs Werner Herzog aus dem Jahr 2006. Der Deutsch-Amerikaner Dieter Dengler (Christian Bale) ist Pilot bei der US Navy und wird bei einer Geheimmission im Vorfeld des Vietnamkriegs abgeschossen. Unter unwürdigen Bedingungen wird er in ein Gefangenenlager mitten im Dschungel gebracht, wo er versucht seine Mithäftlinge zum Ausbruch zu überreden.

Herzogs Film beginnt atemberaubend mit der Luftaufnahme aus einem Bomber, der Dörfer in Ostasien bombardiert. Genau das macht auch Dengler (auch wenn er selbst immer betont er wolle nur fliegen) bevor er gefangen genommen wird. Diese Gefangenschaft ist das zentrale Thema des Films, das ist nicht unbedingt neu, aber doch sehr überzeugend vom immer dünner werdenden Bale und seinen fast schon geisterhaft anmutenden Schauspielkollegen Jeremy Davies und Steve Zahn zweifellos beeindruckend dargestellt. Das macht „Rescue Dawn” zu einem sehenswerten Film, der allerdings sonst sehr dem Schema Gut-Böse verhaftet ist.


Jan 8 2012

The Fighter

„The Fighter” ist ein amerikanisches Sport-Drama von David O. Russell aus dem Jahr 2011. Erzählt wird nach einer wahren Geschichte der Aufstieg des Boxers Micky Ward (Mark Wahlberg). Dieser lebt in Lowell, Massachusetts, einst einem der Geburtsorte der amerikanischen Industriellen Revolution, heute aber eher ein etwas heruntergekommenes Städtchen. Ebenso heruntergekommen ist Mickys Familie, allen voran sein cracksüchtiger Bruder und Trainer Dicky Eklund (Christian Bale). Dicky war einst auch Boxer und hatte es immerhin mal geschafft, den großen Sugar Ray Leonard auf die Bretter zu schicken (böse Gerüchte behaupten aber er wäre ausgerutscht). Doch dieser Erfolg ist lange her und Dicky ist nicht mehr viel geblieben, außer seinem Sohn, der Position des Trainers (und ehemaligen Vorbilds) von Micky und der Position des Lieblingskindes in der Großfamilie der Frau Mutter Alice (Melissa Leo). Diese ist auch Managerin von Micky, der scheinbar die einzige Geldquelle der Familie ist und zu einem vom Sportsender ESPN übertragenen Fight nach Las Vegas reisen soll. Leider ist Bruder Dicky durch drogenkonsumierendes Verhalten unpünktlich und die Vorbereitungen auf den Kampf werden empfindlich gestört.  Der negative Höhepunkt ereignet sich aber direkt vor dem Duell, als der Familie gesagt wird, der ursprüngliche Gegner hätte die Grippe und Micky müsse gegen einen erheblich gewichtigeren Gegner ran (höhere Gewichtsklasse). Doch wegen des Geldes sagt die Familie zu und Micky bezieht ordentlich Prügel. Seine neue Freundin Charlene Fleming (Amy Adams) überzeugt Micky danach, sich von seiner Familie zu lösen und endlich professionell zu arbeiten, so wie es ihm am Rande des Kampfes in Las Vegas angeboten wurde. Weiterlesen


Mrz 10 2009

The Dark Knight

Achtung: Innerhalb der Filmbeschreibung wird schon das Ende des Streifens erwähnt!

Ein paar Bemerkungen muss ich an dieser Stelle voran stellen. Ich finde in der Regel Superhelden-Filme nicht besonders anziehend, ob nun Superman, X-Man oder was sonst noch. Eine Ausnahme bildet da Batman. Schon der erste Batman von Tim Burton hat mich begeistert, der zweite Teil war dann fast noch besser, doch danach (die beiden Teile von Joel Schumacher) wurde es von mal zu mal schlechter und über „Batmann and Robin“ sollte man wohl lieber den Mantel (oder sollte ich Umhang sagen) des Schweigens legen.

Ebenso macht es wenig Sinn, über „The Dark Knight“ zu reden, ohne – wenigstens kurz – über den Filmvorgänger „Batman Begins“ zu schreiben. Denn dieser Film ließ mich eine vollkommen neue Facette am Superhelden-Genre erkennen. Zum ersten mal gelang es jemanden (und zwar dem von mir überaus geschätzte Christopher Nolan), einen Film zu machen, der sowohl gleichzeitig spannender Actionfilm und hintergründige Studie über Actionhelden per se ist. „Batman Begins“ war nicht nur ein fantastischer Film mit Batman, sondern gleichzeitig ein Meisterwerk über Superheldenfilme überhaupt. Stellt sich noch ein kleines Problem; was soll danach kommen? Nun könnte man natürlich einwenden, dass in in „Batman Begins“ schon auf den nächsten Teil hingewiesen wurde (mit dem Zeigen der Joker Spielkarte in der letzten Szene), aber diese hätte durchaus auch als Ende des Entstehens des Mythos Batman gelten können und ihn quasi in seinen Alltag entlassen können. Wie dem auch sei, ich saß ein klein wenig skeptisch in der Lounge des Kinos und wartete auf den Einlass zu „The Dark Knight“

Vorweg muss man Nolan für einen zweiten wirklich ganz herausragenden Batman-Film gratulieren. Doch was macht seinen zweiten Film so gut? Da sind die großartigen Schauspieler. Christian Bale als Batman kann ebenso überzeugen wie als Millionär Bruce Wayne. Selten konnte man einen so hintergründigen Superhelden sehen, einen Menschen, der aus welchen Gründen auch immer (Frau, ständige Klamottenwechsel oder aber auch böse Schmerzen beim Verbrechernahkampf) einen Nachfolger sucht. Und dabei geht es ihm nicht um eine Kopie von ihm (seine Nachahmer sind Batman im Film nur lästiger Ballast), sondern es geht um seine Symbolkraft. Es geht – vereinfacht gesagt – um das Gute. Dem steht, wie sollte es im Film auch anders sein, das Böse gegenüber. In „The Dark Knight“ verkörpert durch den Joker, der wiederum von Heath Ledger gespielt wird. In Spanien kam mir zu Ohren, das man ihm postum den Oscar für seine Leistung in diesem Film überreichen sollte und obgleich ich nicht mit einigen vergangen Entscheidungen der Jury einverstanden bin, so kann ich es doch nur bedingungslos unterstützen. Ledger erreicht in seiner leider letzten Rolle wohl seinen Karrierehöhepunkt. Ich habe bisher noch nie einen so psychopathischen Bösewicht in einem Comicabenteuer gesehen wie den Joker Ledgers. An dieser Stelle sei übrigens noch empfohlen den Film im englischen Original zu hören (am Besten mit deutschen Untertiteln), da der volle Reiz dieses Bösewichtes gerade darin liegt, wie er spricht, wie er die Worte betont und vor allem wie er schmatzt.

Nolan setzt in diesem, wie auch in seinem ersten Batman Film, auf eine realistische Kulisse, gedreht wurde in Chicago und Hongkong und darin liegt auch ein nicht unerheblicher Reiz des Films. Wenngleich die comicartige Gigantomanie Gotham Citys (dem fiktiven Metropolis der Geschichte) in dieser Darstellung Einhalt geboten wird, so besitzt doch das Zusammenspiel der realistischen Darstellung des fiktiven Superhelden Batmans und einer so gar nicht comichaften Kulisse einen sehr großen Reiz, der es ermöglicht intensiver auf die Interpretationen und Hintergründe einzugehen.

Eine solche Interpretation möchte ich an dieser Stelle auch gleich versuchen. Es geht mir dabei um das Hauptduell des Films, das zwischen Batman und Joker. In diesen Zusammenprall von Gut und Böse gerät Harvey Dent (gespielt von Aaron Eckhart). Batman-Experten wissen, was jetzt kommt; Dent der Staatsanwalt verwandelt sich in den Verbrecher Two-Face (dem bei einem im Filmverlauf stattfindenden Mordanschlag eine Gesichtshälfte verstümmelt wird). Der sich öffentlich wirksam für Gerechtigkeit einsetzende Dent wird von Wayne bzw. Batman als potentieller Nachfolger in Betracht gezogen (als Gewalt ablehnender, friedlicher Kämpfer der Justiz für das Recht). Doch durch den Mord an Dents und Waynes großer Liebe Rachel Dawes (diesmal nicht von Katie Holmes, sondern von Maggie Gyllenhaal) – transformiert Dent in Two-Face. Dieser verschreibt sich, angeleitet von Joker, der Anarchie und rächt den Tod seiner Geliebten. Der Joker, so scheint, es gewinnt, er überwältigt den tugendhaften Charakter Dents und befreit den bösen Two-Face. Das Gute im Menschen verliert (verkörpert durch den etwas überkorrekten Staatsanwalt) gegen seinen Racheinstinkt und den Wunsch, alle auch noch so entfernt Beteiligten des Mordplans zu liquidieren. Dieser Ausbruch des Bösen wird von Nolan in der Versinnbildlichung des zufälligen Münzurteils gewählt. War es für den Staatsanwalt Dent ein netter kleiner – und manchmal auch nützlicher – Gag, eine Münze mit exakt denselben Seiten (nämlich beide Seiten Kopf) zu werfen, so veränderen sich mit seiner linken Gesichtsseite ebenso Aussehen und Strategie des Münzwurfes. Eine Seite der Münze ist schwarz verbrannt, eine andere unverändert rein. Wurde die Münze vorher von Dent als vermeintlicher „Trick“ benutzt, um die Menschen von seinen Zielen zu überzeugen, so ist sie für Two-Face einzig wahres, weil zufälliges, Entscheidungskriterium über Leben oder Tod seiner Opfer. Im finalen Showdown stellt Batman nicht nur den Joker, sondern erledigt ebenso Two-Face. Was bleibt, ist Batmans Problem, dass der Joker letztendlich gewann, indem er das Symbol Dent zum Bösewicht transformierte. Hier erweitert Nolan das Profil Batmanns um eine Facette des Heldentums. Dieser nimmt die Missetaten des Two-Face auf sein Konto, erhält damit Dents Symbol des Märtyrers für das Gute für die Öffentlichkeit und zerstört sein eigenes Heldenimage. Batman wird zum schwarzen Ritter. Das gibt eine Menge interessanten Spielraum für den nächsten Batman. Man darf gespannt sein.