Achtung: Innerhalb der Filmbeschreibung wird schon das Ende des Streifens erwähnt!
Ein paar Bemerkungen muss ich an dieser Stelle voran stellen. Ich finde in der Regel Superhelden-Filme nicht besonders anziehend, ob nun Superman, X-Man oder was sonst noch. Eine Ausnahme bildet da Batman. Schon der erste Batman von Tim Burton hat mich begeistert, der zweite Teil war dann fast noch besser, doch danach (die beiden Teile von Joel Schumacher) wurde es von mal zu mal schlechter und über „Batmann and Robin“ sollte man wohl lieber den Mantel (oder sollte ich Umhang sagen) des Schweigens legen.
Ebenso macht es wenig Sinn, über „The Dark Knight“ zu reden, ohne – wenigstens kurz – über den Filmvorgänger „Batman Begins“ zu schreiben. Denn dieser Film ließ mich eine vollkommen neue Facette am Superhelden-Genre erkennen. Zum ersten mal gelang es jemanden (und zwar dem von mir überaus geschätzte Christopher Nolan), einen Film zu machen, der sowohl gleichzeitig spannender Actionfilm und hintergründige Studie über Actionhelden per se ist. „Batman Begins“ war nicht nur ein fantastischer Film mit Batman, sondern gleichzeitig ein Meisterwerk über Superheldenfilme überhaupt. Stellt sich noch ein kleines Problem; was soll danach kommen? Nun könnte man natürlich einwenden, dass in in „Batman Begins“ schon auf den nächsten Teil hingewiesen wurde (mit dem Zeigen der Joker Spielkarte in der letzten Szene), aber diese hätte durchaus auch als Ende des Entstehens des Mythos Batman gelten können und ihn quasi in seinen Alltag entlassen können. Wie dem auch sei, ich saß ein klein wenig skeptisch in der Lounge des Kinos und wartete auf den Einlass zu „The Dark Knight“
Vorweg muss man Nolan für einen zweiten wirklich ganz herausragenden Batman-Film gratulieren. Doch was macht seinen zweiten Film so gut? Da sind die großartigen Schauspieler. Christian Bale als Batman kann ebenso überzeugen wie als Millionär Bruce Wayne. Selten konnte man einen so hintergründigen Superhelden sehen, einen Menschen, der aus welchen Gründen auch immer (Frau, ständige Klamottenwechsel oder aber auch böse Schmerzen beim Verbrechernahkampf) einen Nachfolger sucht. Und dabei geht es ihm nicht um eine Kopie von ihm (seine Nachahmer sind Batman im Film nur lästiger Ballast), sondern es geht um seine Symbolkraft. Es geht – vereinfacht gesagt – um das Gute. Dem steht, wie sollte es im Film auch anders sein, das Böse gegenüber. In „The Dark Knight“ verkörpert durch den Joker, der wiederum von Heath Ledger gespielt wird. In Spanien kam mir zu Ohren, das man ihm postum den Oscar für seine Leistung in diesem Film überreichen sollte und obgleich ich nicht mit einigen vergangen Entscheidungen der Jury einverstanden bin, so kann ich es doch nur bedingungslos unterstützen. Ledger erreicht in seiner leider letzten Rolle wohl seinen Karrierehöhepunkt. Ich habe bisher noch nie einen so psychopathischen Bösewicht in einem Comicabenteuer gesehen wie den Joker Ledgers. An dieser Stelle sei übrigens noch empfohlen den Film im englischen Original zu hören (am Besten mit deutschen Untertiteln), da der volle Reiz dieses Bösewichtes gerade darin liegt, wie er spricht, wie er die Worte betont und vor allem wie er schmatzt.
Nolan setzt in diesem, wie auch in seinem ersten Batman Film, auf eine realistische Kulisse, gedreht wurde in Chicago und Hongkong und darin liegt auch ein nicht unerheblicher Reiz des Films. Wenngleich die comicartige Gigantomanie Gotham Citys (dem fiktiven Metropolis der Geschichte) in dieser Darstellung Einhalt geboten wird, so besitzt doch das Zusammenspiel der realistischen Darstellung des fiktiven Superhelden Batmans und einer so gar nicht comichaften Kulisse einen sehr großen Reiz, der es ermöglicht intensiver auf die Interpretationen und Hintergründe einzugehen.
Eine solche Interpretation möchte ich an dieser Stelle auch gleich versuchen. Es geht mir dabei um das Hauptduell des Films, das zwischen Batman und Joker. In diesen Zusammenprall von Gut und Böse gerät Harvey Dent (gespielt von Aaron Eckhart). Batman-Experten wissen, was jetzt kommt; Dent der Staatsanwalt verwandelt sich in den Verbrecher Two-Face (dem bei einem im Filmverlauf stattfindenden Mordanschlag eine Gesichtshälfte verstümmelt wird). Der sich öffentlich wirksam für Gerechtigkeit einsetzende Dent wird von Wayne bzw. Batman als potentieller Nachfolger in Betracht gezogen (als Gewalt ablehnender, friedlicher Kämpfer der Justiz für das Recht). Doch durch den Mord an Dents und Waynes großer Liebe Rachel Dawes (diesmal nicht von Katie Holmes, sondern von Maggie Gyllenhaal) – transformiert Dent in Two-Face. Dieser verschreibt sich, angeleitet von Joker, der Anarchie und rächt den Tod seiner Geliebten. Der Joker, so scheint, es gewinnt, er überwältigt den tugendhaften Charakter Dents und befreit den bösen Two-Face. Das Gute im Menschen verliert (verkörpert durch den etwas überkorrekten Staatsanwalt) gegen seinen Racheinstinkt und den Wunsch, alle auch noch so entfernt Beteiligten des Mordplans zu liquidieren. Dieser Ausbruch des Bösen wird von Nolan in der Versinnbildlichung des zufälligen Münzurteils gewählt. War es für den Staatsanwalt Dent ein netter kleiner – und manchmal auch nützlicher – Gag, eine Münze mit exakt denselben Seiten (nämlich beide Seiten Kopf) zu werfen, so veränderen sich mit seiner linken Gesichtsseite ebenso Aussehen und Strategie des Münzwurfes. Eine Seite der Münze ist schwarz verbrannt, eine andere unverändert rein. Wurde die Münze vorher von Dent als vermeintlicher „Trick“ benutzt, um die Menschen von seinen Zielen zu überzeugen, so ist sie für Two-Face einzig wahres, weil zufälliges, Entscheidungskriterium über Leben oder Tod seiner Opfer. Im finalen Showdown stellt Batman nicht nur den Joker, sondern erledigt ebenso Two-Face. Was bleibt, ist Batmans Problem, dass der Joker letztendlich gewann, indem er das Symbol Dent zum Bösewicht transformierte. Hier erweitert Nolan das Profil Batmanns um eine Facette des Heldentums. Dieser nimmt die Missetaten des Two-Face auf sein Konto, erhält damit Dents Symbol des Märtyrers für das Gute für die Öffentlichkeit und zerstört sein eigenes Heldenimage. Batman wird zum schwarzen Ritter. Das gibt eine Menge interessanten Spielraum für den nächsten Batman. Man darf gespannt sein.