Lady Bird

Jahr: 2017 | Regie und Drehbuch: Greta Gerwig | Länge: 95min | Location: Sacramento

Jeder schrammt durch seine Adoleszenz irgendwie anders durch und doch ist sie für viele im Großen und Ganzen gleich. Man lernt, dass es so etwas wie Unabhängigkeit von den Eltern gibt, das man sich verlieben kann und vor allem, dass das Leben vor einem liegt und man nun loslaufen kann, weil man irgendwie alt genug ist, allein seine Runden zu drehen. Dabei sind die Vorgehensweisen natürlich unterschiedlich.

Christine McPherson (Saoirse Ronan) hat mit ihren 17 Jahren beschlossen, dass der Name „Lady Bird“ viel besser zu ihr passt als der von ihren Eltern gegebene und möchte von nun an auch so genannt werden. Das letzte Jahr der Highschool ist dafür da, ihre Freiheit auszutesten. Sie will ihre Kreativität ausleben, sich verlieben und ihre Sicht auf die Dinge in der Welt finden. Das alles unterscheidet sie nicht wirklich von ihren Mitschülern an der katholischen Schule in ihrer Heimatstadt Sacramento, nur vielleicht insofern, dass Lady Bird den Ort als sehr provinziell ansieht und lieber ins glitzernde und trendige New York gehen würde. Das sieht ihre Mutter Marion (Laurie Metcalf) gar nicht gern. Erstens hat die Familie finanziell den Gürtel enger zu schnallen, weil der Job von Vater Larry (Tracy Letts) alles andere als gut läuft und zweitens möchte sie doch nur sehen, dass ihre Tochter mehr aus ihrem Leben herausholen kann, als nur ein rebellischer Teenager zu sein. „Lady Bird“ weiterlesen

Big Eyes

„Big Eyes“ ist Tim Burtons neuester Film und mit einigem Überraschen musste ich feststellen, dass ich seit “Charlie und die Schokoladenfabrik” (und das war 2005) keinen Film mehr des Meisters des schrägen und optisch eindrücklichen Filmes mehr gesehen habe. Da kommt „Big Eyes“ gerade recht. „Big Eyes“ weiterlesen

Frances Ha

Den letzten Film, den ich auf meiner alten Online Videothek sah, bevor das Abo auslief, war gleichzeitig einer der besten Filme der letzten Monate. „Francis Ha“ ist ein amerikanischer Independent Film aus dem Jahr 2012 von Noah Baumbach, den man vielleicht aus Filmen wie „Greenberg“ (muss ich mir mal ansehen) oder „Life Aquatic“ (als Drehbuchautor) kennt. Frances Halladay (Greta Gerwing) kommt aus Sacramento und macht eine Tanzausbildung in New York, wobei sie zur Finanzierung der Ausbildung kleinere Jobs annimmt und in einer WG mit ihrer Freundin Sophie (Mickey Sumner) lebt. Der Film begleitet Frances durch die ihre Verhältnisse zu Männern, die Höhen und Tiefen der Beziehung zu ihrer besten Freundin Sophie und ihrem beruflichen Werdegang, der nicht unbedingt zwei Stufen auf einmal auf der Karriereleiter nimmt. Der Aufhänger der Handlung ist aber die Wohnungssuche von Frances, die sie immer wieder mit interessanten, ungewöhnlichen und manchmal auch unsympathischen Menschen zusammenbringt. „Frances Ha“ weiterlesen

Somewhere

„Somewhere“ ist ein Spielfilm von Sofia Coppola aus dem Jahr 2010. Johnny Marco (Stephen Dorff) ist ein allseits bekannter Hollywoodschauspieler der, obwohl Mitten in seinen 30er Jahren, noch ein recht unselbstständiges Leben führt, dass von Partys, beliebigen Frauenbekanntschaften und PR-Terminen gefüllt ist. Doch all das, weiß Johnny nicht mehr recht zu würdigen oder gar zu genießen, vielmehr scheint sein Dasein wie an ihm vorbei zu ziehen und nichts anderes zu sein, als eine große Leere. Erst als seine 11-jährige Tochter Cleo (Elle Fanning) in sein Leben tritt, schwindet diese Leere ebenso wie die seelenruhige Verantwortungslosigkeit die Johnnys Leben bisher auszeichnete und die zweifelsfrei von hohem Komfort für ihn war. „Somewhere“ weiterlesen

The Tree of Life

„The Tree of Life“ ist ein amerikanischer Spielfilm von Terrence Malick, der im Jahr seiner Veröffentlichung 2011, die Goldene Palme in Cannes gewann.

Im Mittelpunkt der gar nicht mal so komplizierten Handlung steht die Familie O’Brien. Vater O’Brien (Brad Pitt) erzieht seine Söhne mit großer Strenge und versucht sie damit auf die Tücken des Lebens vorzubereiten. Mutter O’Brien (Jessica Chastain) dagegen ist sanftmütig, still und voller Liebe. Erzählt wird die Geschichte vom ältesten Sohn der Familie, Jack (Sean Penn als Erwachsener, Hunter McCracken als Junge). Sie wird aber nicht chronologisch berichtet, sondern beginnt mit dem Tod eines Bruders und der Reaktion der Eltern. Dieser Tod bedrückt noch heute den älteren Jack, welcher inzwischen ein scheinbar recht erfolgreicher Architekt ist. Die Story verläuft dann in einer Abhandlung über das Leben an sich bevor sie wieder zurück zur Familie O’Brien kommt und zeigt, wie sie größer wird und die Jungen langsam älter. In der beginnenden Adoleszenz sieht man die innere Zerrissenheit von Jack, dem autoritären Vater gegenüber, den man gleichzeitig verehrt und hasst und der liebevollen Mutter, die sich nicht gegen den Vater durchsetzt.

Beachtet man nun, das fast alles Gesprochene des Films aus dem Off kommt und Dialoge im ersten Teil des Films gar nicht und im zweiten Teil selten vorkommen, so könnte man glatt denken, „The Tree of Life“ sei ein furchtbar langweiliger Streifen. Doch das ist er ganz und gar nicht. Vielmehr überzeugt er durch eine wahre Bilderflut, gigantisch, atemberaubend, wunderschön und man wünscht sich die ganze Zeit einen größeren Bildschirm. Für die Texte aus dem Off benötigt man einen kleinen Hang zur Poesie, was aber keinesfalls negativ aufgefasst werden sollte, aber vielleicht wirkt es für einige etwas zu pathetisch (für mich jedoch nicht). Weiterhin beeindrucken einige Szenen ungemein, Brad Pitt glänzt, Jessica Chastain ist ebenso so schön wie wunderbar, nur Sean Penn hat vielleicht eine etwas unglückliche Rolle abbekommen. „The Tree of Life“ ist ein zweifellos würdiger Gewinner der Goldenen Palme.