Yesterday

Jahr: 2019 | Regie: Danny Boyle | Drehbuch: Richard Curtis | Komödie | 117min |

Jack Malick (Himesh Patel) ist ein ziemlich erfolgloser Singer-Songwriter. Seine Managerin Ellie (Lily James) glaubt zwar an ihn, ist aber leicht verblendet von der Hit-Potenz seiner Songs, durch den Fakt, dass sie auch Jacks größter Fan ist. Doch es geschieht etwas wunderliches. Während eines Stromausfalls hat Jack einen Unfall, bei dem er zwei Zähne verliert. Die Welt jedoch verliert in jenem Moment viel mehr, denn die Existenz einiger Dinge des Lebens unserer Tage scheint ausgelöscht zu sein. Nur Jack scheint sich dieser zu erinnern und ist erstaunt, dass niemand mehr Coca-Cola oder die Songs der Beatles zu kennen mag. Schnell erkennt er das Potential dieser Situation und erfindet die Beatles Songs für die ahnungslose Welt neu. Ed Sheeran (Ed Sheeran als er selbst) wird auf Malick aufmerksam, macht ihn mit seiner Mangagerin Debra Hammer (Kate McKinnon) bekannt und Jacks Weg in den Pop Olymp beginnt. „Yesterday“ weiterlesen

Die Geldwäscherei

Originaltitel: „The Landromat“ | Jahr: 2019 | Regie: Steven Soderbergh | Drehbuch: Scott Z. Burns | Satire | 95min

Was ist heute eigentlich links? Das ist für mich, eine immer schwerer zu beantwortende Frage. Als ich 20 Jahre alt war, war es das nicht. Für mich war es die einzig richtige politische Richtung, die Guten, die die das Land oder vielleicht sogar die Welt voran bringen würden. Heute bin ich viel verwirrter. Das liegt selbstverständlich auch am Alter[1], aber nicht nur daran, nicht nur ich, auch die Zeiten haben sich geändert. Früher war für mich klar, was ich richtig zu finden hatte und damit auch richtig fand, heute hinterfrage ich mehr, weil es gefühlt viel mehr zu hinterfragen gibt.

Eine Beobachtung. Ich bin mir nicht sicher, ob man einer Diversität von biologischen oder Faktoren der sozialen Herkunft, per se in ihrer Wichtigkeit über die Diversität von Argumenten stellen sollte. Während die Offenheit der erstgenannten Diversität glücklicherweise immer weiter zunimmt, scheint mir die zweite Form der Diversität nicht unbedingt in neue tolerante Höhen abzugleiten[2]. Als liberaler Geist[3] ist man etwas verschreckt darüber, dass es Menschen gibt, die für eine von mir als richtige und wichtige Sache empfundene Sache, Mittel der Überzeugung oder besser des Protests wählen, welche die Totalität des eigenen Weltentwurfs als unhintergehbare Motivation betrachten. Solche geistigen Versteifungen scheinen mir keinem Anliegen auf unserem Planten förderlich zu sein, aber ich schweife ab.

Tatsächlich als links empfand ich neulich Stephen Soderberghs 2019er Film „Die Geldwäscherei“ und ich möchte kurz erklären warum. „Die Geldwäscherei“ weiterlesen

Christian Geulen – Geschichte des Rassismus

Erschien 2007 (hier in Neuauflage für Landeszentralen für politische Bildung 2021) | Sachbuch | 128 Seiten

In der Veröffentlichung meiner Gedanken zu Sachbüchern in diesem kleinen Blog, habe ich in letzter Zeit eine große Zurückhaltung geübt, denn darüber auch nur ansatzweiße kompetent zu schreiben, erfordert viel Einarbeitung und Zeit. Jedoch muss ich immer wieder feststellen, wieviel mir an angelesenen und nicht-verschriftlichten Wissen, im Laufe der Zeit wieder verloren geht, weshalb ich mit großer Freude verkünden kann, ein neues Tool gefunden zu haben, das es mir ermöglicht, festzuhalten, was ich gedanklich durchgearbeitet habe.
Das Werkzeug heißt Obsidian und kann wie ein zweites Gehirn angewendet werden (wobei das ein offensichtlicher Euphemismus der bereits damit arbeitenden User ist, es ist mehr wie ein persönliches Wikipedia). In dieses Programm pflegt man alles an Gedanken und Ideen ein, die man gelesen, gehört, gesehen und natürlich durchdacht hat. Diese trägt man in Obsidian in einer Art Zettelkasten ein. Der Clou an Obsidian ist es, dass man alle Ideen (oder Zettel) miteinander verknüpfen und in Beziehung setzen kann, was es nicht nur ermöglicht, sich seiner Gedanken zu erinnern, sondern diese auch zu neuen Einsichten zusammenzuführen.

Warum langweile ich Sie, geneigter Leser, mit solchen Informationen? Weil ich hoffe damit auch kompetentere Aussagen für diesen kleinen Blog treffen zu können. Bisher galt mir dieser, als mein Gedächtnis für Bücher, Filme, Serien und etwas mehr. Mit Obsidian hoffe ich ein Programm gefunden zu haben, dass die begrenzte Funktionalität dieses Blogs einerseits ersetzt und andererseits erweitert. Ich möchte sie nun aber nicht mit den digitalen Verknüpfungsrichtlinien meiner Gedanken langweilen, die Konsequenz, die ich aus Obsidian ziehe, soll für „tommr.de“ die sein, hier weiterhin meine Ideen zu den oben genannten Themen zu erläutern, diese jedoch in einen breiteren Kontext zu stellen und damit auch wieder fundierte Aussagen über gesellschaftliche Themen treffen zu können und dem hier zufällig hineinklickenden Leser zur Verfügung zu stellen.

Deshalb möchte ich an dieser Stelle Christian Geulens Einführungsbändchen zur Geschichte des Rassismus thematisieren, denn es ist das erste Buch, dass ich versucht habe, vollständig in Obsidian einzubauen. „Christian Geulen – Geschichte des Rassismus“ weiterlesen

Tár

Jahr: 2022 | Regie & Drehbuch: Todd Field | Spielfilm | Länge: 158min | Location: Berlin und New York

Der kleine Saal in einem neustädtischen Kino ist samstagabends sehr gut gefüllt. Ob dies daran liegt, dass „Tár“ als einer der besten Filme des Jahres gilt, an seinen sechs Oscar Nominierungen, von denen nicht eine Kategorie gewonnen wurde, oder am simplen Fakt, dass Samstagabend-Kinobesuche einfach mal populär sind, mag ich nicht einschätzen, ich jedenfalls wollte „Tár“ unbedingt noch sehen, bevor seine Zeit in den Lichtspielhäusern abläuft.[1]

Lydia Tár (Cate Blanchett) ist ein Star unter den Dirigenten. In einer von Männern dominierten Welt ist sie die erste Frau, die Chefdirigentin eines deutschen Orchesters ist. Sie ist eine der wenigen EGOT Gewinner und man meint, ihre Karriere erklimme immer weitere Höhepunkte. Ihre Autobiographie soll bald erscheinen und gemeinsam mit ihrem Orchester steht sie vor der Aufnahme der 5.Symphonie von Gustav Mahler.[2] Tár ist ehrgeizig, sie verfolgt ihre Ziele mit Energie und Präzision. Sie liebt Musik und sie liebt es, zu dirigieren. Sie geht auf darin, ein musikalisches Werk zu erforschen, es zu interpretieren und es mit einem Orchester zu erarbeiten und nach ihrem Empfinden aufzuführen. Und Tár liebt Frauen. In erster Linie ihre kleine Tochter Petra (Mila Bogojevic), die sie gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin und Kollegin am Orchester, Sharon (Nina Hoss) hat. Doch über die Familie hinaus ist Tár auch dazu geneigt, Frauen, die ihr optisch oder intellektuell gefallen, näher an sich zu binden. Ihre Assistentin Francesca (Noémi Merlant) ist ständig an ihrer Seite, kann sich Hoffnung machen, die Rolle des Kapellmeisters des Orchesters zu erhalten und hat eine nicht näher beschriebene intime Vergangenheit mit Tár, zu der auch die psychologisch instabile Musikerin Krista zu gehören schien. Und da ist eine neue Cellistin Olga (Sophie Kauer), welche die Aufmerksamkeit von Tár erregt.[3]

„Tár“ weiterlesen

Alice Munro – Liebes Leben

aus der Reihe: aus fremden Regalen

veröffentlicht 2012 unter dem englischen Originaltitel: „Dear Life“| deutsche Übersetzung von Heidi Zernig erschien 2013 bei Fischer | hier gelesen in der Taschenbuchausgabe mit 368 Seiten

Alice Munros Erzählband „Liebes Leben“ lag nun schon seit Jahren bei meiner Mutter im Regal, neu und ungelesen, einst von meiner Schwester geschenkt. Also mopste ich mir das Buch, um die kanadische Literaturnobelpreisträgerin von 2012 für mich zu entdecken. Das war kein schlechter Diebstahl, obwohl es eigentlich kein Diebstahl war, denn ich werde das Buch meiner Mutter sofort zurückgeben, allerdings unter der Begleitbemerkungen, dass diese Erzählungen wunderbare Literatur sind und unter dem optischen Eindruck, dass das Buch jetzt schon durchgelesen aussieht.
Bei „Liebes Leben“ sollte man vielleicht den Titel des Buches spezifizieren, denn es geht nicht um irgendwelche Liebesleben, sondern um die Anrede an das Leben im Allgemeinen, so wie wenn man einen Brief an das Leben schreiben würde.[1]

„Alice Munro – Liebes Leben“ weiterlesen

Max Raabe – Es wird wieder gut

aus der Reihe: Musik liegt in der Luft

Der Sinn, oder besser der Ablauf eines Lebens ist im Regelfall ein ständiges emotionales Auf und Ab. Wäre es das nicht, wäre das Leben wohl eine recht langweilige Abfolge von mehr oder minder dahintreibenden Ereignissen. Heutzutage tendiert uns die Instagram-Welt, von einigen kritischen Analysen, auch das „Zeitalter des Überwachungskapitalismus“ genannt,[1] zu suggerieren, dass wir im Zuge bestmöglicher Selbsteffektivierung (körperlich, geistig, intellektuell, sozial, sexuell, emotional, …) ein verdammt duftes Leben führen. Wie Sie wissen, geneigter Leser, ist dem nicht immer so (und vielleicht noch nicht mal immer öfters). „Max Raabe – Es wird wieder gut“ weiterlesen

Brian May, Patrick Moore, Chris Lintott – Bang! Die ganze Geschichte des Universums

aus der Reihe: aus fremden Regalen

Erschien 2006 mit dem Originaltitel: „BANG“ | deutsche Übersetzung: Hermann-Michael Hahn erschien 2007 bei Kosmos | 192 Seiten

Wie bei so vielen Dingen, kann ich nicht mehr genau sagen, wie es angefangen hat. Aber seit einiger Zeit, es mag sich bereits um einige Jahre handeln, habe ich ein Prozedere, um einen bestmöglichen Nachtschlaf zu erhalten. Er beinhaltet das Studium der Astrophysik. Ich finde den Kosmos, das Werden und Verstehen von Sternen, Planeten, die Regeln die alles zusammenhält (bzw. eben gerade nicht) höchst interessant UND gleichzeitig so komplex, dass mein Bewusstsein regelmäßig nach einigen Minuten auf Schlaf umstellt.[1] Böse Geister könnten nun behaupten, ich benutze die Kosmologie nur um mich auszuruhen, aber ich habe nicht nur einige Sachen bereits gelernt über den Urknall, die riesige Zahl an Sternen und Universen (das ist tatsächlich und im wahrsten Sinne des Wortes unfassbar!) oder die kosmologische Konstante. Neulich kam ich mit meinem Schwager ins Gespräch über das Thema und er wiederum erwähnte ein Buch des ehemaligen Queen-Gitarristen Brian May, der ein höchst lesenswertes Buch zum eben beschriebenen Thema schrieb, dass mein Schwager dankenswerterweise nicht nur aus seinem Regal zog, sondern mir auch zum Studium überließ.[2]

„Brian May, Patrick Moore, Chris Lintott – Bang! Die ganze Geschichte des Universums“ weiterlesen

Strike

Showrunner: Ben Richards | Krimi-Serie | 5 Staffeln bis heute mit insgesamt 15 Folgen |  veröffentlicht 2017 auf BBC One

Ich würde mich nicht als J.K. Rowling Fan bezeichnen, habe nie Harry Potter gelesen oder geschaut und auch andere Werke der Britin sind mir unbekannt. Selbstverständlich war mir auch der Name Robert Galbraith unbekannt. Unter diesem Pseudonym veröffentlichte Rowling 2013 eine Krimiromanreihe, die sich um den Privatdetektiv Cormoran Strike drehen. Nur wenige Jahre später entschied sich die BBC, eine eigene Krimiserie daraus zu machen und holte sich Rowling als Produzentin mit an Bord. „Strike“ weiterlesen

The Highwaymen

Jahr: 2019 | Regie: John Lee Hancock | Drehbuch: John Fusco | Krimi | Länge: 132min | Location: Texas im Jahr 1934

Von „Bonnie & Clyde“ haben wohl die meisten schon etwas gehört. Dieses raubende und mordende Pärchen ist nicht nur eines, der am häufigsten zitierten Motive der Popkultur der letzten Dekaden (sicherlich am bekanntesten mit dem gleichnamigen Film von Arthur Penn mit Faye Dunaway und Warren Beatty) für sozial abweichendes Verhalten. Bonnie Parker und Clyde Barrow sind reale Menschen gewesen, die ab dem Jahr 1930, in den Jahren der Weltwirtschaftskrise im Süden der USA, Banken überfielen und (mehrheitlich, aber nicht nur) Polizisten ermordeten. Erstaunlich ist vielleicht nicht unbedingt, dass es Hunderte von romantisierenden Verweisen der Pop-Kultur gibt (ob nun als eigene Pop-Songs, Theaterstücke oder nur als Referenzen), sondern das die beiden tatsächlich auch als lebende Menschen einige Sympathien ihrer Zeitgenossen erhielten und eine Art „Robin Hood Image“ hatten. „The Highwaymen“ weiterlesen

The Midnight Sky

Jahr: 2020 | Regie: George Clooney | Drehbuch: Mark L. Smith | Science-Fiction-Film | Länge: 117min | Location: Die Arktis und der Weltraum in einer postapokalyptischen Zukunft

Im Zeitalter der großen globalen Krisen liegt es eigentlich nahe, sich zwei Dinge klarzumachen;
1. Nichts ist für die Ewigkeit, auch die Menschheit nicht und daraus folgend;
2. Wie könnte das Ende der Menschheit aussehen, wenn nichts für die Ewigkeit ist.
George Clooneys mittlerweile siebte Filmregie widmet sich diesem Thema, dass vom Roman „Good Morning, Midnight“ von Lily Brooks-Dalton inspiriert wurde[1]. „The Midnight Sky“ weiterlesen