So ganz langsam lese ich mich durch das Universum T.C. Boyles. Sein 2015 im Original als „The Harder They Come“ erschienener Roman „Hart auf Hart“ beleuchtet, so wie man es aus Boyles Romanen kennt, an drei Figuren, einen Aspekt US-amerikanischer Gesellschaft.
Wir sind in der Gegenwart mit den Stensons auf einer luxuriösen Kreuzfahrt, die sich einen Landgang genehmigen. Es soll in den Dschungel Costa Ricas gehen, als die kleine Reisegruppe, allesamt Pensionäre, in einen Hinterhalt gelangen und dort ausgeraubt werden. Sten, ehemaliger Schuldirektor und Vietnam-Veteran, fackelt nicht lange und wehrt sich gegen einen Räuber, wobei dieser zu Tode kommt. Zurück in Nordkalifornien wird Sten als Held gefeiert, was ihm ziemlich unangenehm ist. Doch bald holt ihn sein Alltagsleben ein und damit auch die Probleme mit seinem 25-jährigen Sohn Adam, der, um es milde zu formulieren, immer wunderlicher wird, bevorzugt durch den Wald streift, um seinem großen Vorbild, dem Trapper John Colter, nachzueifern. Adam trifft auf Sara, einer Anhängerin des Sovereign Citizen Movement, die davon überzeugt ist, dass der amerikanische Staat ihr schonmal gar nichts könne und sie als freier Bürger über die Straßen Kaliforniens brausen und zu ihren Jobs fahren könne und ob sie dabei angeschnallt ist, oder nicht, wäre einzig und allein ihr Problem und geht mit Sicherheit die Polizei nichts an. „T.C. Boyle – Hart auf hart“ weiterlesen
Autor: tommr
Puzzle
Jahr: 2018 | Regie: Marc Turtletaub | Drehbuch: Oren Moverman | Drama | Länge: 103min | Location: New England
Agnes (Kelly Macdonnald) lebt ein ruhiges Leben in Bridgeport / Connecticut. Ihr Mann Louie (David Denman) arbeitet in seiner eigenen Werkstatt und die Söhne Ziggy (Buba Weiler) und Gabe (Austin Abrams) sind kurz davor das eigene Haus zu verlassen. Agnes Leben ist vom Führen des Haushalts ausgefüllt, mit gelegentlichen Besuchen der Kirchgemeinde. Ihr großer Traum ist es, einmal nach Montreal zu kommen, doch eigentlich kommt sie kaum aus dem eigenen Haus. Zum Geburtstag erhält sie ein Handy, mit dem sie kaum etwas anzufangen weiß und ein 1000-teile Puzzle, was sie sehr schnell löst. Daraufhin ist ihre Begeisterung geweckt und sie fährt sogar nach New York City, um weitere Puzzle zu erwerben. Dort lernt sie Robert (Irrfan Khan) kennen, der ihr Puzzle Partner wird. „Puzzle“ weiterlesen
Uncle Frank
Jahr: 2020 | Regie & Drehbuch: Alan Ball | Spielfilm | Länge: 95min
Onkel Frank (Paul Bettany) ist der Außenseiter in der Familie der Bledsoes, die in der behaglichen Welt der 1970er Jahre in der Provinz der Südstaaten in South Carolina lebt. Obwohl er der älteste Sohn von Daddy Mac (Stephen Root) ist, über 40 Jahre alt und Literaturprofessor in New York, hat er insbesondere bei seinem Vater nicht viel zu melden, anders als beispielsweise sein jüngster Sohn Mike (Steve Zahn). Dafür weckt er die Aufmerksamkeit seiner Nichte Beth (Sophia Lillis), die als sie 18 Jahre wird, schließlich auch nach New York zieht und erkennt, dass Onkel Frank dort mit einem anderen Mann (Peter Macdissi) zusammenlebt, während er seiner Familie verheimlicht schwul zu sein. Als Daddy Mac schließlich stirbt, fahren Beth und Frank zusammen zurück nach Hause. „Uncle Frank“ weiterlesen
John Wick
Jahr: 2014 | Regie: Chad Stahelski, David Leitch | Neo-Noir-Actionfilm | Länge: 101min
Mit dem Tod seiner Frau verfällt John Wick (Keanu Reeves) in eine tiefe Lebenskrise und nur sein neuer Hund, eine Art Abschiedsgeschenk der verschiedenen Gattin, hält in mental in einigermaßen erträglicher Verfassung. Doch dann kommt der Nachwuchsmafiosi Josef (Alfie Allen) um die Ecke und der Hund folgt dem Schicksal seiner Beschafferin. Doch John Wick ist nur anfangs deprimiert, er schwört lieber Rache! Hierbei ist es förderlich das Wick früher nicht Hustenbonbonverkäufer war, sondern Auftragskiller und sein Plan ist es Josef zu töten. Dieser wiederum ist der Sohn des Obermafiosis Viggo (Mikael Nyqvist), der zwar nicht wirklich stolz auf seinen Sohn ist, aber ihn durchaus am Leben sehen möchte. Doch Wick ebnet sich den Weg zu Josef und Leichen pflastern eben diesen Weg. „John Wick“ weiterlesen
Angus Deaton – Der große Ausbruch. Von Armut und Wohlstand der Nationen
Angus Deaton ist schottischer Wirtschaftshistoriker und Armutsforscher und erklärt in seinem 2013 erschienen Buch „Der große Ausbruch“, wie es erst einzelne und dann mehrere Staaten geschafft haben, aus dem menschheitsgeschichtlichen Kreislauf von Armut, Elend und Tod auszubrechen und den Reichtum des Landes und seiner Bevölkerung zu steigern und deren Gesundheit zu verbessern. Dabei betrachtet er insbesondere die Entwicklung des Nationaleinkommens und der Lebenserwartung und schildert sehr detailliert, was einige dieser Daten aussagen können und was nicht und was wir damit über den Zustand der Menschen sagen können. Er legt dann seinen Fokus auf die Frage, wie ärmeren Staaten der 3.Welt geholfen werden kann und kommt zu der Einsicht, das Entwicklungshilfe in der Form der letzten 50 Jahre nicht nur nicht zielführend, sonders sogar schädlich für die armen Länder ist, weil sie den Ausbruch aus Armut und Elend verzögert. „Angus Deaton – Der große Ausbruch. Von Armut und Wohlstand der Nationen“ weiterlesen
American Crime Story 1: The People v. O.J. Simpson
Idee: Scott Alexander und Larry Karaszewski | Krimi-Anthologieserie | 10 Folgen in der ersten Staffel | Erstausstrahlung 2016 auf FX
Ich befand mich in den Irrungen und Wirrungen des Teenager-Daseins, als ich vom O.J. Simpson Prozess in den USA hörte. Ich kannte Simpson aus den von mir damals sehr bewunderten „Nackte Kanone“ Filmen (und nicht als den American Football Star der 70er Jahre, der er wirklich war) und um ehrlich zu sein, hatte ich keine Ahnung, was da genau passierte, aber ich erinnere mich, dass ich froh war, dass Simpson freigesprochen wurde. Diese Freude war nur gefühlsmäßig, und ich kann mir die Richtung der Gefühle nicht mehr klar machen, denn ich hatte keine Ahnung von den Fakten des Falls (außer natürlich, dass er unter Verdacht stand, zwei Menschen umgebracht zu haben). „American Crime Story 1: The People v. O.J. Simpson“ weiterlesen
Stirb langsam
Jahr: 1988 | Originaltitel: „Die Hard“ | Regie: John McTirnan | Action-Thriller | Länge: 131min | Location: Los Angeles
Meiner persönlichen und bisher nicht erzählten Legende nach, war „Stirb langsam“ der erste Film, den ich mal allein nach dem Zubettgehen meiner Eltern im Fernsehen gesehen hatte. Es war ein Samstagabend und es war nach 22 Uhr, als auf Pro7 oder Sat.1 irgendwann zu Beginn der 90er Jahre „Stirb langsam“ gezeigt wurde. Damals war es für mich, der beste Actionfilm aller Zeiten und Bruce Willis wurde sofort zu meinem absoluten Lieblingsschauspieler und das blieb durchaus so für ein paar Jahre. Heute hat sich „Stirb langsam“ zu einem Weihnachtsfilm gewandelt, der regelmäßig am 24.12. im Abendprogramm gezeigt wird.
Das liegt wohl weniger an der wenig festlichen Thematik zu tun, dass eine Bande von Terroristen, angeführt von Jack Gruber (Alan Rickman), dass fast menschenleere Nakatomi Building ausrauben möchte, weil sich in dessen Keller über 600 Millionen Dollar befinden sollen. Nur im 30. Geschoss gibt es noch eine Weihnachtsfeier der Nakatomi Group, denn es ist Heilig Abend, was dann auch erklärt, warum der Film es ins Weihnachtsprogramm geschafft hat (es kommt nicht ein Weihnachtsmann im Film vor). Bei eben jener Festivität der Unternehmensspitze befindet sich auch Holly Genaro (Bonnie Bedelia), die eine aufstrebende Karriere im Unternehmen macht, unter den Gästen, während ihr Mann, John McClane (Bruce Willis) der als Polizist in New York weiterlebt, was dem Familienleben nicht gut getan hat, als Überraschungsgast kommt. McClane kann dem Überfall auf die Weihnachtsfeier entkommen und sieht sich allein im Kampf gegen die professionell organisierten Kriminellen. „Stirb langsam“ weiterlesen
Undine
Jahr: 2020 | Regie & Drehbuch: Christian Petzold | Liebesdrama | Länge: 90 min | Location: Berlin
Undine ist eine Figur alter deutscher Sagen. Sie ist ein Wassergeist, der erst dann eine Seele bekommt, wenn sie mit einem Menschen vermählt ist. Wenn der Ehepartner jedoch untreu wird, dann wird Undine ihn töten.
Als Johannes (Jakob Matschenez) die Museumsführerin Undine Wibeau (Paula Beer) verlässt, droht sie ihm umzubringen, ganz wie der Mythos es sagt. Doch er verlässt das Café, Undine sucht ihn und findet dabei Christoph (Franz Rogowski), der gerade Undines Vortrag über Berliner Stadtmodelle anhörte. Und während der etwas tollpatschige Christoph noch kurz erwähnt, er wäre Industrietaucher, fällt auch schon das große Aquarium auf beide herab und ergießt sich über das neu entstehende Liebespaar. „Undine“ weiterlesen
Philip Roth – Empörung
Loslassen ist bekanntlich nicht nur eine physische Tätigkeit, in dem Sie beispielsweise ihr Handy loslassen, sondern es ist auch das Kappen von emotionalen menschlichen Verbindungen. Ein solches Loslassen fordert der junge Student Marcus von seinem Vater ein. Marcus, dem man sich als vorbildlichen Sohn vorstellen kann, der ein klares Verständnis vom Leben hat, von Recht und Pflicht und der dazu neigt sehr zurückhaltend zu sein, wenn es um den Genuss der Abenteuer des Lebens geht. Aber sein Vater engt ihn zunehmend ein, will ihn beschützen, wie eine Glucke ein Küken. Zugegeben fällt mir Loslassen wohl ebenso schwer, wie Marcus Vater, aber symphatisch macht es ihn deshalb trotzdem nicht.
Vom ihm aus Newark entfliehend, setzt Marcus seine universitäre Ausbildung in Ohio fort, viele Busstunden von der väterlichen Metzgerei und seinem Einfluss entfernt. Wir schreiben das Jahr 1950 und während in Korea ein schlimmer Krieg tobt, der ersten gewaltsamen Auseinandersetzung des Kalten Kriegs, versucht Marcus sich auf dem neuen College zurecht zu finden, einer sehr religiösen Einrichtung, die durch strenge konservative Regeln geprägt ist. „Philip Roth – Empörung“ weiterlesen
Triple Frontier
Jahr: 2019 | Regie & Drehbuch: J.C. Chandor | Action-Thriller | Länge: 125min
Seit ich eines Samstags nachts „Margin Call“ von J.C. Chandor sah, bin ich ein großer Fan des amerikanischen Regisseurs. Und da mal wieder Samstag war und Netflix Chandors 2019er Film im Programm hat, lag die Besichtigung einer dreifachen Grenze nahe.
Santiago „Pope“ Garcia (Oscar Issac) sucht als Militärberater im kolumbianischen Dschungel nach Drogenboss Lorea. Seine Informantin Yovanna (Adria Arjona) gibt ihn den Hinweis das Loreas Millionen in seinem Haus mitten im Dschungel versteckt sind. Pope heuert alte Bekannte aus gemeinsamen Militärzeiten an, Tom „Redfley“ Davies (Ben Affleck), der die Planung der Erstürmung des Hauses übernehmen soll, die Brüder „Ironhead“ (Charlie Hunnam) Ben Miller (Garrett Hedlund) sowie Pilot „Catfish“ Morales (Pedro Pascal) sollen helfeb im Anwesen das Geld zu rauben, Lorea zu töten und mit möglichst vielen Millionen wieder zu verschwinden. „Triple Frontier“ weiterlesen