Ein gediegener Sofa-Samstagabend und das interessante Programm des NDR, brachten mir das große Vergnügen mal wieder „Das Boot“ zu sehen und zwar in der Director’s Cut Version aus dem Jahr 1997 (wobei der Originalfilm von 1981 ist), welche auch die Version war, die ich vor 16 Jahren erstmals sah. Besonders bemerkenswert an jenem Abend war, dass die ARD fast zeitgleich „Den Untergang“ brachte, was inhaltlich zumindest mal in denselben historischen Kontext passt und übrigens auch als Ersatztitel für „Das Boot“ gar nicht mal so unpassend wäre. „Das Boot“ weiterlesen
Was bleibt
„Was bleibt“ ist ein deutscher Film aus dem Jahr 2012 von Hans-Christian Schmid. Marko (Lars Eidinger) fährt mit seinem Sohn (Egon Merten) aus Berlin zu seinen Eltern und seinem Bruder ins Siebengebirge bei Bonn. Ein Familientreffen ist anberaumt worden, weil es wichtige Neuigkeiten gibt. Marko jedoch möchte seinen Eltern verheimlichen, dass seine Frau nur deshalb nicht mitkommt, weil er von ihr schon seit einiger Zeit getrennt lebt und er seinen Sohn zumeist nur am Wochenende sieht. Doch auch dem Rest der Familie geht es nicht gut. Bruder Jakob (Sebastian Zimmler) hat mit dem Geld seines Vaters Günter (Ernst Stötzner) eine Zahnarztpraxis eröffnet, die keine Patienten hat und nur seine Freundin Ella (Picco von Grote) ahnt die finanziellen Belastungen und den Druck der auf ihm liegt. Die Neuigkeit stellt sich als Verkauf von Günters Verlag heraus, der der Familie eine beträchtliche Summe einspielt und den Vater die Freiheit gibt, jetzt an seine schon immer erträumten Projekte denken lässt. Der eigentliche Paukenschlag ist aber das Mutter Gitte (Corinna Harfouch) erklärt, keine Medikamente mehr zu nehmen, da sie denkt mit alternativen Heilmethoden ihre psychischen Probleme in den Griff zu bekommen. „Was bleibt“ weiterlesen
Franz Kafka – Das Schloss
Mein Interesse an Franz Kafka geht eigentlich zurück am Roman als Gattung insgesamt. Um die Jahrtausendwende herum kaufte ich mir das Buch: „Wie interpretiert man einen Roman?“ In diesem Buch werden neben vielen theoretischen Erklärungen auch einige wegweisende Romane vorgestellt. Und ein relativ leicht zu beeindruckender Mensch wie ich, der sich seine Leseliste gern aus einem angeblichen Kulturkanon zusammenstellt, konnte feststellen, dass Franz Kafkas „Das Schloss“ in jenem Romaninterpretationsbuch als Musterbeispiel für die Literatur als Überwindung der Realität genannt wurde.
Diese Geschichte liegt allerdings weit über 10 Jahre hinter mir, was weder meiner Leselust huldigt, noch meine Bestrebungen die Kunstwerke der literarischen Welt zu verschlingen, unterstreicht. Im Winter jedoch war ich auf der Suche nach einem Roman und begab mich recht offenen Geistes in eine große Dresdner Buchhandlung. Letztendlich entschied ich mich für ein Buch von Faulkner, hatte aber auch für einige Zeit Kafkas „Schloss“ in der Hand, nur um allerdings gesagt zu bekommen, dass dieses Buch eher zu Nervosität führe, da der Hauptdarsteller eben jenes Schloss nie erreichen würde. Ich hielt seinerzeit diese Information für zu inhaltsreich, was sie aber – jetzt nach Beendigung des Werkes, kann ich es sagen – definitiv nicht ist.
Da ich nun aber Faulkner erwarb, war ich mit Leseaufgaben gut eingedeckt. Eine Diskussion mit meinem Arbeitskollegen brachte mich jedoch auf die Idee auch einmal eine neue – von mir skeptisch beobachtete – Form des Romanlesens auszuprobieren, das Lesen am Handy. Da ich sonst auch jede freie Sekunde auf ihm rumspiele, wäre dies gegebenenfalls eine nützliche Erweiterung meines Spektrums. Siehe da, „das Schloss“ war schnell gefunden und das sogar kostenlos.
Ich empfehle das Lesen eines Romans am mobilen Endgerät jedoch nicht, zumindest nicht auf dem Handy. Mir fehlte während der Lektüre zu sehr eine Seite umzublättern, das Gefühl gebundenes Papier in den Händen zu haben oder eine Zeile unterstreichen zu können. Zusätzlich muss ich vermelden, dass die von mir benutzte App zahlreiche Programmprobleme hatte (Lesezeichen ließen sich nicht richtig setzen, der Text war schlecht formatiert, die Vorlesefunktion war ein Witz) so das viel Zeit ins Land ging, ehe ich ein relativ dünnes Buch wie „Das Schloss“ beendete. Allerdings lag dies tatsächlich nur an der Darreichungsform, nicht am Inhalt. „Franz Kafka – Das Schloss“ weiterlesen
Die Sopranos – Staffel 1
Ich bin meiner Schwester zu Dank verpflichtet, denn sie schaut seit geraumer Zeit die Serie „Sopranos“ auf DVD. Nun übergab sie mir die erste Staffel mit der Bemerkung, das dies ein großes Vergnügen sei. Ich erinnere mich an meine Zeit in England kurz nach der Jahrtausendwende, als diese Serie irgendwie in aller Munde war, aber von mir nicht gesehen wurde (warum weiß ich nicht mehr, aber es ging mir dabei genauso wie mit „Six Feet Under“, was ich dann aber zum Deutschland-Start hierzulande sah und mich restlos begeisterte). Jetzt über 10 Jahre danach beginne ich mit den „Sopranos“ und stelle fest, meine Schwester hat Recht. „Die Sopranos – Staffel 1“ weiterlesen
William Faulkner – Licht im August
Da ich, dass mir selbst nicht immer ganz geheuere, Verlangen habe, Werke der Weltliteratur zu lesen (was mir nicht geheuer ist, ist die Frage wie ich mir selbst klar mache, dass eben jenes Werk, dass ich als nächstes lesen möchte, Weltliteratur ist), ist vor einiger Zeit mein Augenmerk auf William Faulkner gefallen, einen der großen amerikanischen Schriftsteller der Moderne und Nobelpreisträger von 1950. „Licht im August“ gilt als das berühmteste und wohl am meisten gelesene Werk Faulkners, also warum nicht damit beginnen, auch wenn gerade Winter ist. Doch so dramatisch ist das nicht, denn wir haben es hier nicht mit einem Sommerbuch zu tun. Vielmehr ist es ein Werk über Rassismus, die Südstaaten der USA und über das Vergangene, das uns prägt. „William Faulkner – Licht im August“ weiterlesen
Sherlock
„Sherlock“ ist eine britische Krimi-Serie. Bisher lief sie in zwei Staffeln zu je drei Folgen. Die Idee zur Serie stammt von Steven Moffat (dem ein oder anderen vielleicht auch von „Coupling“ bekannt) und von Mark Gatiss (der auch gleich die Nebenrolle des Bruders von Sherlock – Mycroft – übernimmt). Im Mittelpunkt der Handlung steht Sherlock Holmes (Benedict Cumberbatch) ein Detektiv, der beratend für die Polizei arbeitet. Im zur Seite steht sein Mitarbeiter Dr.Watson (Martin Freeman), ein ehemaliger Militärarzt. Gemeinsam lösen sie vertrackte Fälle, in welchen sich Sherlock als brillanter Beobachter herausstellt, der in höchster Geschwindigkeit Schlussfolgerungen erzielt. Dabei steht für ihn immer nur das Rätsel im Vordergrund, die Opfer sind ihm egal und der Täter nur insofern wichtig, als dieser ein Denkspiel aufgibt. Sherlock ist ein Soziopath, der nur wenige Menschen näher an sich heranlässt. Eine davon ist seine Vermieterin – und heimliche Haushälterin – Mrs. Hudson (Unna Stubbs) oder Detective Inspector Lestrade (Rupert Graves). Am nächsten steht im aber Dr. Watson, quasi das menschliche Gegenstück zu Sherlock. Bei weitem nicht mit einem so vollkommenen Geist wie Sherlock ausgestattet, ist er doch ein großer Bewunderer seines Freundes und ignoriert die Arroganz und die Kühle die dieser ausstrahlt. Sherlocks großer Gegenspieler ist Moriarty (Andrew Scott), welcher zumeist im Hintergrund arbeitet, aber in zwei Folgen auch sein direkter Gegenspieler ist. „Sherlock“ weiterlesen
TV in Serie – Vorbemerkungen
Eine ähnlich reichhaltige und faszinierende Welt wie der Kinofilm, stellt das Reich der Fernsehserien dar. Auch wenn natürlich große Unterschiede bestehen. Fernsehserien laufen im TV und zwar ohne den Umweg, erst in die Lichtspielhäuser zu gehen. Weiterhin bestehen sie aus mehreren Folgen und nicht nur einem einzigen Film, dass kann bei 15 Folgen wie bei „Fackeln im Sturm“ stehen bleiben, oder sich über 1000 Folgen ausdehnen, wie bei der „Lindenstraße“. Aber Serien können trotzdem hohe bis höchste Qualität abliefern, aber wie auch im Kino gibt es jede Menge Schund. Auch sind keine Verkaufszahlen für den wirtschaftlichen Erfolg und Weiterführung einer Serie verantwortlich, sondern die Einschaltquote beim ausstrahlenden Sender.
In den letzten Jahren ist der Erfolg und die Präsenz von Serien im deutschen Fernsehen deutlich steigend. Wobei es Serien in vielfältigen Formaten und Inhalten gibt. Neben beliebten Themen wie Arztserien (in welchen sich die unterschiedlichsten Serien wie bspw. „Schwarzwaldklinik“, „In aller Freundschaft“, „House“ oder „Scrubs“ versammeln) oder Krimi (bspw. „Tatort“, „NYPD blue“, „Magnum“ oder „Der Bulle von Tölz“) können Serien aber auch ganz ausgefallene Sachen in den Mittelpunkt stellen, wie ein Beerdigungsinstitut (wie in: „Six Feet Under“, wobei die Serie den Schauplatz zum Anlass nimmt und eine der wohl besten Serien zum Thema Familie, Leben und Sterben zu sein) oder das Team einer Fernsehserie (in: „30 Rock“, einer Comedyserie, die den Alltag hinter den Kulissen des Fernsehens höchst amüsant erzählt).
Wichtig sind bei einer Serie zumeist, die Charaktere, die man als Zuschauer im wöchentlichen Rhythmus wiedertrifft (auch das ist wichtig, Serien verlangen vom Zuschauer eine wöchentliche Fixierung auf ein bestimmtes Zeitfenster, es sei denn man kauft sich die Serie auf DVD, was heutzutage immer mehr in Mode kommt) immer wieder neu erlebt und deren Eigenarten und Veränderungen durchaus den Reiz vieler Serien ausmacht (was wären die Simpsons ohne ihre Charaktere und damit ist nicht nur Homer, Marge, Bart und Lisa gemeint sondern eben auch Mr. Burns, Moe oder der Schweizer Ausstauschüler Uter). Anders auch als beim Film müssen Serien keine abgeschlossene Handlung haben, was sowohl für eine einzelne Folge, als auch für die Serie an und für sich gilt.
Wir könnten hier noch auf die zahlreichen Genres eingehen (von der Actionserie bis zur Western-Serie) oder über die Vormachtstellung amerikanischer Serien reflektieren, aber darum soll es hier nicht gehen. In losen Abständen sollen im Folgenden Serien präsentiert werden, welche meine Aufmerksamkeit erhielten und welche sich lohnen, den geneigten Leser nähergebracht zu werden.
The Tree of Life
„The Tree of Life“ ist ein amerikanischer Spielfilm von Terrence Malick, der im Jahr seiner Veröffentlichung 2011, die Goldene Palme in Cannes gewann.
Im Mittelpunkt der gar nicht mal so komplizierten Handlung steht die Familie O’Brien. Vater O’Brien (Brad Pitt) erzieht seine Söhne mit großer Strenge und versucht sie damit auf die Tücken des Lebens vorzubereiten. Mutter O’Brien (Jessica Chastain) dagegen ist sanftmütig, still und voller Liebe. Erzählt wird die Geschichte vom ältesten Sohn der Familie, Jack (Sean Penn als Erwachsener, Hunter McCracken als Junge). Sie wird aber nicht chronologisch berichtet, sondern beginnt mit dem Tod eines Bruders und der Reaktion der Eltern. Dieser Tod bedrückt noch heute den älteren Jack, welcher inzwischen ein scheinbar recht erfolgreicher Architekt ist. Die Story verläuft dann in einer Abhandlung über das Leben an sich bevor sie wieder zurück zur Familie O’Brien kommt und zeigt, wie sie größer wird und die Jungen langsam älter. In der beginnenden Adoleszenz sieht man die innere Zerrissenheit von Jack, dem autoritären Vater gegenüber, den man gleichzeitig verehrt und hasst und der liebevollen Mutter, die sich nicht gegen den Vater durchsetzt.
Beachtet man nun, das fast alles Gesprochene des Films aus dem Off kommt und Dialoge im ersten Teil des Films gar nicht und im zweiten Teil selten vorkommen, so könnte man glatt denken, „The Tree of Life“ sei ein furchtbar langweiliger Streifen. Doch das ist er ganz und gar nicht. Vielmehr überzeugt er durch eine wahre Bilderflut, gigantisch, atemberaubend, wunderschön und man wünscht sich die ganze Zeit einen größeren Bildschirm. Für die Texte aus dem Off benötigt man einen kleinen Hang zur Poesie, was aber keinesfalls negativ aufgefasst werden sollte, aber vielleicht wirkt es für einige etwas zu pathetisch (für mich jedoch nicht). Weiterhin beeindrucken einige Szenen ungemein, Brad Pitt glänzt, Jessica Chastain ist ebenso so schön wie wunderbar, nur Sean Penn hat vielleicht eine etwas unglückliche Rolle abbekommen. „The Tree of Life“ ist ein zweifellos würdiger Gewinner der Goldenen Palme.
Hans Fallada – Kleiner Mann, was nun?
Nach der Begeisterung die Fallads „Damals bei uns daheim“ bei mir auslöste, musste ich gleich noch ein Buch des Berliner Schriftstellers aus dem alten Bücherregal ziehen. Diesmal war „Kleiner Mann – was nun?“ in meine Hände geraten, ein Buch mit dem Fallada ein bekannter Autor wurde.
Die Geschichte handelt vom jungen Pärchen Lämmchen und Pinneberg. Beide heiraten, da Lämmchen von ihrem „Jungen“ schwanger wurde und ziehen in Pinnebergs Wohnung in der Kleinstadt. Doch Pinneberg ist nicht gerade ein Gewinnertyp. Das Geld reicht nicht und ein Unglück nach dem anderen ereilt die junge Familie, die bald einen kleinen Murkel erwartet. „Hans Fallada – Kleiner Mann, was nun?“ weiterlesen
Vergiss mein nicht!
Wie sollte man sich bei „schlechten Erinnerungen“ verhalten? Erinnerungen die Schmerz hervorrufen, vielleicht auch Demütigung und mit Sicherheit Trauer. Emotionen die man eigentlich lieber gar nicht erst hätte und wenn sie schon im Kopf herumschwirren, dann möchte man sie wohl am liebsten loswerden.
Michel Gondrys Film „Vergiss mein nicht!“ (Original: „Eternal Sunshine of the Spotless Mind“) präsentiert eine Lösung. Warum nicht die verhassten Erinnerungen einfach löschen, wie auf einer Festplatte. So geht es auch Joel (Jim Carrey) der seine verflossene Liebe Clementine (Kate Winslet) vergessen will und sich diesbezüglich an den Spezialisten Dr. Mierzwiak (Tom Wilkinson) wendet. Dank hochmoderner computerunterstützter Gedächtnis-Löschung verliert sich jede Erinnerung an sie.
„Vergiss mein nicht!“ beleuchtet den Löschungsprozess, der beim schlafenden Joel vorgenommen wird und reflektiert dabei in einer fast schon philosophisch zu nennenden Art und Weise die Bedeutung von Erinnerungen, um zum Schluss zu kommen, dass sie elementare Bestandteile unseres Lebens sind, derer man sich nicht berauben sollte. Doch das ist bei weitem nicht die einzige Message. Der Film entwickelt sich zu einem der schönsten Liebesfilme und fließt dabei noch vollkommen kitschfrei über den Bildschirm. Dafür verantwortlich sind neben Charlie Kaufman, der ein brilliantes Drehbuch schrieb und Regisseur Gondry auch die tollen Darsteller. Angefangen bei den Nebenrollen (Wood, Dunst, Wilkinson) über den wirklich außergewöhnlich guten Jim Carrey (der mit schlechten Filmen den Erwartungsdruck unten hält, um dann in einigen Streifen zu brillieren, so wie hier) und der alles überragenden Kate Winslet, die nicht zu Unrecht 2005 für diese Rolle für den Oscar nominiert wurde (ihn aber zu Unrecht nicht bekam und dem „Millionen Dollar Baby“ den Vortritt lassen musste). Die Schauspieler, ein tolles Drehbuch und ein zurückhaltender doch immer passender Soundtrack machen „Vergiß mein nicht!“ zu einem absoluten Highlight, auch wenn man über das an dieser Stelle nicht verratende Ende diskutieren kann, nur eins vielleicht sei verraten; kitschig ist es nicht.