Kekulés Corona Podcast

Aus der (neuen) Reihe: „an-geHÖRT

Podcats spielen seit einigen Jahren in meinem Leben eine immer größere Rolle und das gilt wohl nicht nur für mich, sondern ist gerade eine neue Welle des Medienkonsums. Ich gehöre nun auch zu den Leuten, die in der Öffentlichkeit mit Kopfhörern unterwegs sind und sich von anderen Leuten aus dem Internet beschallen lassen, während man, wie in einem akustischen Kokon, durch die Straßen der Stadt zieht.[1] Dieses Abwenden von der eigentlichen Welt ist verbunden mit einem Eintauchen in ein Hörgelage, dass sich – so hoffe ich mindestens – vermeintlich tiefer mit der Welt beschäftigt.
Wie bei allen Medien ist es irgendwo eine Frage der Perspektive der Weltschau und ebenso zahlreich wie die Facetten unserer Zeit, sind dann auch die Themen von Podcasts. Er kann dich unterhalten, informieren (aber auch desinformieren) und amüsieren. Aber – und hier liegt ein Wesenskern des Mediums, er kann dies tun, während du unterwegs bist, oder etwas anderes machst, er lässt dir die Möglichkeit, den Podcast zusätzlich zu einer anderen Tätigkeit ablaufen zu lassen (was bei Lesen oder Fernsehschauen eben nicht möglich ist). Podcasts sind ein weiteres Puzzleteil für die vermeintliche Effektivierung unserer zeitlichen Ressourcen, für das Ausquetschen von Nützlichkeiten unseres Alltages und für eine Abwendung von der Möglichkeit direkter Kommunikation um uns herum. Sie sind – wie so viele Neuerungen – Gewinn und Verlust zur gleichen Zeit. „Kekulés Corona Podcast“ weiterlesen

Der tommr.de Jahresrückblick 2023

Das Jahr 2023 war eigentlich gar nicht so übel, wie man meinen könnte, wenn man auf die globalen Ereignisse schaut. Wie immer zum Jahresabschluss – oder besser zum Neujahrsbeginn – soll ein kurzer Blick folgen, auf meine besten hier im Blog dargebrachten Filme, Serien und Bücher, verbunden mit dem gewohnten Hinweis, dass hier der sehr begrenzte Horizont meiner intellektuellen Aufnahme nicht überschritten wird, weshalb es weiterhin auch keine Kommentarfunktion auf diesen Seiten gibt. „Der tommr.de Jahresrückblick 2023“ weiterlesen

Barbie

Jahr: 2023 | Regie & Drehbuch: Greta Gerwig (Drehbuch mit Noah Baumbach) | Komödie | 114min

Wie bereits erwähnt war der Sommer 2023 „Barbenheimer“. Zwei Filme dominierten die Wahrnehmung und die Kinokassen, zum einen Christopher Nolans „Oppenheimer“ und zum anderen Greta Gerwigs „Barbie“. „Oppenheimer“ hatte mich im August im Kino beeindruckt, doch irgendwie kam es nie zu einem Lichtspielhausbesuch[1] im Zusammenhang mit „Barbie“. So musste ich dies zwischen den Feiertagen am Fernseher nachholen.

„Barbie“ ist sicherlich (fast) jedem bekannt. Selbst meine Nichte hat eine Puppe der Firma Mattel, mit der sie aber eher weniger spielt (zumindest, wenn ich bei ihr bin). Trotzdem ist daraus ein wirtschaftliches Imperium gewachsen, dass gleichfalls einen Impuls im kulturellen Hintergrundmuster der modernen Gesellschaft geschaffen hat. Greta Gerwig nahm sich diesem Gegenstand an und spann ein filmisches Gewebe, das sehr humorvoll zwischen Ideologien wie Patriarchat, Feminismus und Individualismus aufgezogen wird.

In der vom Mattel-Konzern (dessen CEO: Will Ferrell) erzeugten Spielwelt „Barbieland“ ist jeder Tag für die „stereotypische Barbie“ (Margot Robbie) der beste Tag überhaupt. Sie steht in ihrem Traumhaus auf, grüßt alle anderen Barbies, die alle möglichen Berufe oder Fähigkeiten oder gar Einschränkungen haben (von der Präsidentin zur Nobelpreisgewinnerin zur Rollstuhlfahrerin) und fährt zum Strand, um abzuhängen. Dort trifft sie auf Ken (Ryan Gossling), dessen Funktion es ist, am Strand irgendwie bei Barbie zu sein (mit Wasser hat er es nicht so). Während es auch zahlreiche andere Kens für andere Orte gibt, so sind diese immer nur hübsches Beiwerk in der die Barbiewelt beherrschenden Barbies. Sterotyp-Barbie hat leider ein kleines Problem, denn sie spricht plötzlich vom Tod und bekommt Cellulitis. Da hilft nur eins, bei der komischen Barbie (Kate McKinnon) nachfragen, die über alle möglichen Probleme in der Barbiewelt informiert zu sein scheint. Doch ihr Ratschlag ist abenteuerlich. Stereotyp-Barbie soll in die reale Welt hinaus und dort das Mädchen finden, was mit ihr spielt. Denn diese Nutzerin hat Probleme und wenn man dank Barbie-Kraft diese Probleme löst, dann sind auch Stereotyp-Barbies Probleme verschwunden. Gesagt, getan und auf geht’s in die Realwelt!
Doch Beach-Ken hat sich heimlich ins Auto geschmuggelt und kommt mit auf die Reise und angekommen in der Realwelt stellen beide fest, dass diese dann doch recht unterschiedlich zur Barbie-Traumwelt ist. Während Barbie das vermeintliche Mädchen sucht und in Sasha (Ariana Greenblatt) und ihrer Mutter Gloria (America Ferrara) findet, stellt Ken etwas ganz anderes fest, in der realen Welt haben Männer (und vermeintlich auch Pferde) das Sagen! „Barbie“ weiterlesen

Frank Sieren – Zukunft? China! Wie die neue Supermacht unser Leben, unsere Politik und insere Wirtschaft verändert

Aus der Reihe: our pathetic age

Erschien 2018 bei Penguin | hier in der Sonderausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung mit 366 Seiten

Ich möchte an dieser Stelle ankündigen, dass dieser kleine Blog in Zukunft ein weiteres Themenfeld aufnehmen soll, dass mich zunehmend prägt; nämlich Podcasts! In einem „meiner“ Podcasts, hörte ich erstmals von Frank Sieren, einem deutschen Autor, der nicht nur in China lebt, sondern auch über China berichtet. Als Europäer – und so verlief meine Hinwendung an gerade genannten Autor – sollte man sich der zunehmenden weltpolitischen Bedeutung Chinas bewusst werden und mehr über die vermeintlich neue Weltmacht erfahren. Hatte ich mich vor einigen Jahren zur Frage welche Geschichte und Kultur China hat etwas belesen, wozu Stefan Baron und Guangyan Yin-Baron sowie Marcus Hernig Auskunft gaben, waren meine Erwartungen bei Sieren hoch, denn er wurde im Podcast von „Lanz&Precht“ erwähnt, über den ich eigentlich auch mal ein paar Zeilen schreiben sollte. „Frank Sieren – Zukunft? China! Wie die neue Supermacht unser Leben, unsere Politik und insere Wirtschaft verändert“ weiterlesen

Frau im Dunkeln

Originaltitel: „The Lost Daughter“ | Jahr: 2021 | Drehbuch & Regie: Maggie Gyllenhaal | Drama | 122min | Location: Insel Spetses (Griechenland)

Wenn ich, in meinem dafür vielleicht zu hohem Alter, nochmal mein Berufsleben komplett ändern und Schriftsteller werden sollte, dann will ich so werden wie Thomas Pynchon oder Elena Ferrante. Jetzt dürfen Sie das, geneigte Leser, nicht missverstehen. Ich würde mich künstlerisch nie auf so ein Niveau steigern können, aber ich bewundere den Amerikaner und die Italienerin dafür, dass sie als Privatpersonen komplett anonym geblieben sind als. Man weiß nicht, wie sie aussehen und wo sie Leben und sie bewerben ihre neuesten Bücher nie selbst. Ihre Werke stehen damit quasi für sich und etwas Besseres kann ich mir für ein Buch (das ich hoffentlich trotzdem irgendwann mal schreiben werde und wenn nur ich es lese) kaum vorstellen. „Frau im Dunkeln“ weiterlesen

Pain Hustlers

Jahr: 2023 | Regie: David Yates | Spielfilm | 122min | Location: Süden der USA 2011

Bei manchen Filmen weiß man nie so genau, wie man auf sie kommt. Bei „Pain Hustlers“ würde ich vermuten, lag es an der bezaubernden Emily Blunt, die mir mein Instagram Algorithmus im Zuge eines Auftritts bei Graham Nortons BBC Talkshow in Ausschnitten anzeigte. Als dann der Netflix Algorithmus mir den neuen Film mit Emily Blunt schmackhaft machte, sagte ich mir, irgendwann könne man ja mal den Film schauen. Und so passierte es neulich.

„Pain Hustlers“ weiterlesen

Reptile

Jahr: 2023 | Regie & Drehbuch: Grant Singer | Krimi | 134min | Location: New England

Der Immobilienhändler Will Grady (Justin Timberlake) muss feststellen, dass seine Freundin Summer Elswick (Matilda Lutz) in einem Verkaufsobjekt grausam ermordet wurde. Polizist Tom Nichols (Benicio del Toro) nimmt gemeinsam mit seinem Partner Dan Cleary (Ato Essandoh) die Ermittlungen auf und schnell gerät der Ex-Freund des Opfers Sam Gifford (Sam Glusman) unter Verdacht, wobei auch ein rotes Fluchtauto gesucht wird, dass nur durch den Hinweis von Nichols Frau (Alicia Silverstone) als Chrysler Imperial identifiziert werden kann. „Reptile“ weiterlesen

ISMO in Berlin

Gesehen am 12.10.2023 im Humboldt Sall der Urania Berlin

aus der Reihe: „Bretter der Welt

Das Internet ist ein riesiges, nicht mal im Ansatz zu überblickendes Feld für menschliche Unterhaltung (und mehr). Es erschafft und ersetzt viele traditionelle Inhalte und es führt dazu, dass sich neue Gewohnheiten der Konsumtion von audiovisuellen Inhalten etablieren. Und es führt uns dazu, Sachen zu machen.

Ich habe im Oktober das erste Mal einen Künstler besucht, den ich nur aus dem Internet, noch genauer, den ich nur aus Instagram kenne. In eben jener Social-Media Anwendung, fiel mir der finnische Stand-Up Comedian Ismo auf, weil er auf naive, aber lustige, Weise sich mit der amerikanischen Sprache und Lebensart auseinandersetzte. Seine Clips spielen gefühlt immer irgendwo in Kleinkunstbühnen in Kalifornien (obwohl das nur eine Annahme ist, so ganz genau bekommt man es nicht raus). Dort erscheint er verwirrt von der Benutzung der englischen Sprache, die für den Finnen, genauso wie mich, die erste Fremdsprache ist. Das Ganze präsentiert er, nicht ohne seine neue Heimat (denn Ismo zog aus Finnland aus, um in dieser neuen Heimat Amerika die Welt zu erobern) ironisch durch den Kakao zu ziehen. „ISMO in Berlin“ weiterlesen

Heinz Bude – Das Gefühl der Welt. Über die Macht von Stimmungen

aus der Reihe: „our pathetic age

Erschien 2016 bei Carl Hanser | hier in der Sonderausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung vorliegend mit 144 Seiten

Meine Stimmung geht gegen Ende des Sommers immer eine Winzigkeit in Richtung Melancholie. Die Freibäder schließen, die Tage werden kürzer, sommerlichen Hitzetage werden seltener und bald danach wird es zu kalt werden, sich auf die Wiese zu legen und Bücher zu lesen. Erst gestern erzählte mir mein Opa von einem ähnlich melancholischen Gefühl, wobei er die Stimmung im Lande meinte, die nach seiner Einschätzung immer schlechter würde und nachdem ich danach den letzten Tag der Leichtathletik Weltmeisterschaft sah und man feststellen musste, dass niemand vom DSV[1] eine einzige Medaille, in der vergangenen Woche, gewonnen hatte war mir für einen Moment so, den Gedanken das alles immer schlechter wird zuzulassen. „Heinz Bude – Das Gefühl der Welt. Über die Macht von Stimmungen“ weiterlesen

Thomas Piketty – Eine kurze Geschichte der Gleichheit

Aus der Reihe – our pathetic age

Erschien 2021 im französischen Original „Une brève histoire de l’egalitè“ bei Editions du Seuli | in deutscher Übersetzung von Stefan Lorenzer in der Sonderausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung 2022 mit 264 Seiten

Die Prominenz und Aktualität von Themen ist immer eine Aussage über die Zeiten, in welchen wir Leben, den Geist der sie bestimmt. Dafür ist auch Thomas Pikettys „kurze Geschichte der Gleichheit“ ein schönes Beispiel. Pikettys „Kapital im 21. Jahrhundert“ war 2015 für mich eines der anregendsten Sachbücher, dass viel über die Ungleichheit in der Leitungsgesellschaft des Kapitalismus zu sagen hatte. Mit großer Freude sah ich dann, dass die Bundeszentrale für politische Bildung sein neuestes Buch „Eine kurze Geschichte der Gleichheit“ im Angebot hatte. „Thomas Piketty – Eine kurze Geschichte der Gleichheit“ weiterlesen