One Battle After Another

Regie & Drehbuch: Paul Thomas Anderson | Jahr: 2025 | Spielfilm | Länge: 162min |

Es gibt verschiedene Dinge, die mich schnell einfangen. Dazu gehört zum Beispiel, wenn man mir erzählt, dass ein Film auf einer Romanvorlage von Thomas Pynchon basiert. Paul Thomas Anderson, der 2014 schon Pynchons „Inherent Vice“ verfilmte, nahm sich nun Pynchons Roman „Vineland“ als Filmvorlage für seinen neuesten Film „One Battle After Another“, der gerade in den Kinos läuft. „One Battle After Another“ weiterlesen

Christian Kracht – Air

Erschien 2025 bei Kiepenheuer & Witsch mit 224 Seiten

Aus der Reihe: aus fremden Regalen

Der neue Kracht liegt vor mir. Ein wunderschönes Buch, ein hervorragendes Cover auf dem Schutzumschlag, die drei Buchstaben in ausgewählten Lettern verzieren den Einband. Wieder dieses Format von 21 mal 14,5 cm, das ich schon bei Lethem so gemocht habe. Es fühlt sich wie ein Privileg an, dass Buch lesen zu können, weil Inhalt vielleicht mit Haptik korrespondieren könnte.[1] Ich starte zu lesen und Hoch über den Wolken Frankreichs erfahre ich,[2] dass ein von mir gern gehörter Podcast eine eigene Episode dem Roman gewidmet hat.[3] Das muss ein bedeutendes Buch sein. „Christian Kracht – Air“ weiterlesen

Grey Gardens

Regie & Drehbuch: Michael Sucsy | Jahr: 2009 | Bio-Pic Drama | 104min

„Grey Gardens“ ist ein Spielfilm des Anbieters HBO von Michael Sucsy, der wiederum auf einen Dokumentarfilm referiert, welcher 1975 veröffentlicht wurde und zu einer der besten Dokus des 20. Jahrhunderts zählen soll (mehr kann ich dazu nicht sagen, da ich diese Dokumentation noch nicht gesehen haben). Darin geht es um eine ältere Frau, Big Edie Bouvier (Jessica Lange) und ihre ebenso in die Jahre gekommene Tochter „Little Edie“ (Drew Barrymore), die in den wohlbegüterten Hamptons in ihrem heruntergekommenen Anwesen residieren und die insbesondere für die Nachbarschaft wunderlich erscheinen, die aber einen markanten Anziehungspunkt der Aufmerksamkeit haben. Sie sind eng mit der ehemaligen First Lady Jackie Kennedy (Jeannie Tripplehorn) verwandt. „Grey Gardens“ weiterlesen

Wolf Haas – Wackelkontakt

Erschien 2025 bei Carl Hanser mit 240 Seiten

Sich selbst Geschenke zu machen, hat den entscheidenden Vorteil, dass man sich nichts Falsches schenken kann – und so schenkte ich mir zum Geburtstag den neuen Roman von Wolf Haas. Haas legte Anfang des Jahres sein neuestes Buch vor. Es ist ein Werk, das von den Bildern M. C. Eschers geprägt zu sein scheint. Ich muss Ihnen das sicherlich nicht erklären, geneigter, der Kunstwelt zugetaner Leser, aber Eschers Bildwelten waren immer Ausflüge in eigentümliche gestalterische Paradoxien, die Sehgewohnheiten infrage stellten. „Wackelkontakt“ könnte man als die Romanform von Eschers Lithografie „Drawing Hands“[1] sehen, und wie die Zeichnungen des Niederländers ist auch Haas’ Romankonstruktion ein intelligenter Genuss. „Wolf Haas – Wackelkontakt“ weiterlesen

The Batman

Regie & Drehbuch: Matt Reeves (Drehbuch mit Peter Craig) | Jahr: 2022 | Comicverfilmung | Länge: 177min

Eigentlich dachte ich, dass mit dem Ende von Christopher Nolans Batman-Filmtrilogie über den Fledermaus-Superhelden ich mir keinen Batman mehr ansehen müsste – zumal der letzte Teil von Nolans Arbeit, „The Dark Knight Rises“, mich alles andere als umgehauen hat (die beiden ersten Teile waren jedoch sehr, sehr gut). Aber wenn man, wie ich, eigentlich nur die großen Batman-Filme seit Tim Burton verfolgt hat (und die eher als putzig zu bezeichnende Serie mit Adam West), dann hat man schon beträchtliche Bildungslücken, gerade wenn man sich ansieht, was an Batman-Adaptionen überhaupt alles existiert.[1]

„The Batman“ weiterlesen

High Life

Regie & Drehbuch: Claire Denis | Jahr: 2018 | Science-Fiction Film | Länge: 112min

Gut gemachte Science-Fiction kann uns in fremde, kaum vorstellbare und spannende Welten führen, zumeist irgendwo im Weltall unserer Fantasien. Wenn wir in diesen fernen Zeiten einer vermeintlichen Zukunft etwas erkennen, dass wir als Abbild unserer Welt interpretieren können, dann hat die Science-Fiction Darstellung nicht nur unterhaltenden, sondern sogar erkennenden Wert. Frühere Darstellungen des Genres von Jules Verne bis zu Star Trek waren immer dabei technikbegeistert und man musste einige Abstriche bei den physikalischen Grundlagen der Darstellung machen (z.B. in Star Trek bei der Frage der Überlichtgeschwindigkeit, des Worp-Speeds, die einfach mal unmöglich ist, auch wenn die Menschheit daran noch eine Millionen Jahre bastelt[1]). Heute hat sich die Science-Fiction gewandelt und versucht ein Mindestmaß an Anschlussfähigkeit herzustellen, das heißt, der Science-Fiction Plot muss irgendwie eine nachvollziehbare Zukunft und Technik zeigen. Claire Denis zeigt in „High Life“, jedoch, dass letztgenannten Aussage nicht immer stimmt, denn ihr Film „High Life“ ist Science-Fiction mit einer möglichst unlogischen und sozial absolut nicht nachvollziehbaren Dimension. „High Life“ weiterlesen

Jonathan Lethem – Der Stillstand

Erschien 2020 im amerikanischen Original als „The Arrest“ bei HarperCollins | deutsche Übersetzung von Ulrich Blumenbach 2024 bei Tropen mit 328 Seiten

Jonathan Lethem gehört zu den großen amerikanischen Romanautoren, die etwas zu selten auf meiner Leseliste auftauchen. Nachdem mir Chronic City als wundervoller Roman in Erinnerung geblieben ist, wollte ich mit „Der Stillstand“ einen Teil meines Freibadsommers verbringen. „Jonathan Lethem – Der Stillstand“ weiterlesen

Charles Yu – Handbuch für Zeitreisende

Erschien 2010 im englischen Original als „How to Live Safely in a Science Fictional Universe“ bei Pantheon Books | deutsche Übersetzung von Peter Robert hier vorliegend in der 2012 erschienen Taschenbuchausgabe bei rowohlt mit 272 Seiten

Im Frühjahr hatte ich auf diesen in Schwarz und Weiß gehaltenen digitalen Seiten über die Serie Interior Chinatown geschrieben und meine große Begeisterung kundgetan. Solche Begeisterung verleitet mich schnell dazu, mich mit den Machern solcher Serien auseinanderzusetzen – in diesem Fall mit Charles Yu, von dem ich wahrnahm, dass er einen Roman veröffentlicht hatte. Dieser landete daraufhin auf meiner Sommerleseliste (weil ich ihn darauf gesetzt hatte und ich auf dieser nicht immer nur alte Bekannte wiederfinden möchte). „Charles Yu – Handbuch für Zeitreisende“ weiterlesen

Knight of Cups

Regie & Drehbuch: Terrence Malick | Jahr: 2015 | Spielfilm | Länge: 118min

Der Alltag ist die Abfolge routinisierter Tätigkeiten, Aufgaben, die wir erledigen müssen, weil irgendetwas ansteht: Arbeit, Familie, Einkäufe, Arzttermine, Behördengänge, auf dem Handy nachschauen, ob die Welt, wie wir sie kennen, noch existiert, und andere Dinge, die zum Rahmenhandlungsplan der Ersten Welt gehören. Aus diesem Bewusstseinsstrom auszubrechen – etwa auf einer Wiese liegend, die Wolken beobachtend und über die eigene Existenz, den eigenen Seinszustand, die Welt oder das Nichts nachzudenken und einfach nur biologisch zu existieren – ist eine wertvolle, aber wahrscheinlich viel zu selten ausgeübte Tätigkeit des Daseins.
Wim Wenders hat versucht, dies filmisch darzustellen, und zwar im „Himmel über Berlin“. Wer diesen Klassiker gesehen hat, wird vermutlich auch an den Filmen von Terrence Malick interessiert sein. Malick schuf mit Der schmale Grat vielleicht den besten, weil existentiellsten Kriegsfilm, den ich kenne, oder mit The Tree of Life ein bildgewaltiges Werk über das Leben. 2015 legte er „Knight of Cups“ vor, einen Film, der Malicks Technik, bewegte Bilder zu zeigen und dabei eine Stimme aus dem Off reflektierende Dinge sagen zu lassen, fast schon ins Extreme treibt. „Knight of Cups“ weiterlesen

Anora

Regie & Drehbuch: Sean Baker | Jahr: 2024 | Dramedy | Länge: 139min | Location: New York City

Als ich noch Soziologie studierte (also irgendwann um und nach der Jahrtausendwende), gab es verschiedene Thesen darüber, in welchem Zustand sich unsere Gesellschaft gerade befand. Eine Diagnose war, dass unsere Gesellschaft, die aus verschiedenen Teilen mit unterschiedlichen Logiken besteht (Recht, Wirtschaft, Politik, Familie, Liebe …), zunehmend von einer wirtschaftlichen Logik durchdrungen wird. Anders gesagt: Die Logik der Wirtschaft schien mehr und mehr alle Bereiche der Gesellschaft zu erobern, und diese wurden vom ökonomischen Denken immer stärker unterjocht.
Sean Baker erzählt in seinem Film „Anora“ eine Geschichte, die dieser Diagnose irgendwie nahekommt – was ich im Folgenden für Sie, geneigter Leser, zu beschreiben versuche. „Anora“ weiterlesen