Lucy

Ich gebe zu, ich hielt mal viel von Luc Besson. Als Teenager fand ich „Leon – Der Profi“ ziemlich gut und später konnte ich auch dem „Fünften Element“ etwas abgewinnen. Also warum nicht die Gelegenheit nutzen, um bei etwas ungenutzter Zeit „Lucy“ zu sehen, Bessons neuesten Film. Gleich vorweg, das Beste an Lucy ist seine Länge von 89min, denn viel länger ist dieser Schwachsinn kaum auszuhalten. Worum geht es? Lucy (Scarlett Johanssen) gerät in Taiwan in die Hände einer gewalttätigen Drogenmafia und wird gezwungen eine neue Droge zu schmuggeln, indem man ihr diese Droge in den Bauchraum einnäht. So weit, so brutal. Währenddessen hält Prof. Norman (Morgan Freeman) einen wichtigen Vortrag in Paris, über die Nutzung des menschlichen Gehirns. Dabei steht im Mittelpunkt, dass wir Menschen nur 10% unseres Gehirns nutzen und Prof. Norman spekuliert wie viel mehr möglich wäre, wenn man diese Effektivität auch nur geringfügig erhöhen würde. Und nun kommst: Lucy kann es, wenn auch nicht freiwillig. Denn ihr Bauchimplantat platzt und führt dazu, dass sich ihre Hirnkapazität auf 100% steigert. Jetzt will sie den Professor finden, um zu zeigen was sie alles kann. „Lucy“ weiterlesen

Daniel Kehlmann – F

Nachdem ich zweimal hintereinander an Büchern scheiterte (Le Clézios „Das Fieber“, das mir wieder mal zeigte das die Auswahl des Nobelkomitees nicht immer auch meine Wahl ist und an Christa Wolfs „Nachdenken über Christa T.“, über der bei mir ein Fluch liegt, denn schon zu Schulzeiten war ihre „Kassandra“ das am schwierigsten zu lesende Buch für mich und eine schmerzliche Erinnerung an meinen Deutsch-Grundkurs), wollte ich auf bewährte, aber intelligente Lektüre zurückgreifen. Was liege da näher als der mittlerweile schon ein Jahr alte, neue Kehlmann. „Daniel Kehlmann – F“ weiterlesen

Gone Girl

Man kann nicht immer nur Serien schauen, also ist es auch mal wieder an der Zeit sich den ein oder anderen Kinofilm anzusehen. So wie der momentan schon recht lange laufende Thriller „Gone Girl“ (dessen blöden deutschen Nebentitel „Das perfekte Opfer“ wir hier gleich vergessen möchten) von David Finscher. An ihrem 5. Hochzeitstag verschwindet Amy (Rosamund Pike)die Ehefrau von Nick Dunne (Ben Affleck). Schnell sieht es wie ein Verbrechen aus, nur taucht weder eine Lösegeldforderung, noch eine Leiche auf. Vielmehr zeigt sich, dass die eigentlich so perfekte Ehe der Dunns doch vielmehr kriselte als von außen angenommen. Damit gerät Nick ins Fadenkreuz der Ermittlungen von Detective Rhonda Boney (Kim Dickens). Nur seine Zwillingsschwester Margo (Carrie Coon) hält noch zu ihm, wenngleich auch sie über Nicks geheimes Leben erstaunt ist. „Gone Girl“ weiterlesen

Wolfgang Herrndorf – Sand

Als Kind habe ich gern Sand in eine Hand genommen und ihn langsam aus ihr herausgleiten lassen. Wie viele kleine Körner dabei zurück flossen und wie viele in der Hand blieben, war mir immer ein unberechenbares Rätsel. Die Körner waren zu klein, um sie zu zählen, und sie waren zu schnell verschwunden um sie festzuhalten.

Wolfgang Herrendorfs Roman „Sand“ ist das letzte zu Lebzeiten des viel zu früh verstorbenen Autors herausgekommene Buch, ein Roman, der so ganz und gar nicht zu seinem großen Erfolg „Tschick“ passt, und auch nicht mit „In Plüschgewittern“ zu vergleichen ist. „Sand“ ist ein um einiges rätselhafterer Roman, aber ein Abenteuer auf das man sich unbedingt einlassen sollte. „Wolfgang Herrndorf – Sand“ weiterlesen

David Foster Wallace – Vergessenheit

Am 12.9.2014 habe ich begonnen „Vergessenheit“ zu lesen. Das ist rein zufällig genau sechs Jahre nach dem freiwilligen Tod von David Foster Wallace (das ich an jenem grauen Nachmittag, an dem der Niesel die ohnehin schon trostlose Haltestelle am Bahnhof Mitte noch grauer und unangenehm feuchter machte und den Lesenden nur Schutz unter der Brücke gewährte, die letzten drei Erzählungen begann, die ich noch nicht von Ihm kannte, war tatsächlich nicht geplant. Ein Zufall, keine geplante Entscheidung, kein feierliches Beginnen an einem Jahrestag, einfach nur Zufall). Es ist das letzte belletristische Buch das mir von DFW blieb. Gestern habe ich es beendet. Es war großartig.

Anders als im Original „Oblivion“, ist der Erzählband im Deutschen in zwei Ausgaben erschienen, zum einen in „In aller Vertrautheit“ und zum anderen in „Vergessenheit“. Dieser Band hat nur drei Geschichten, doch die haben es in sich. War die ein oder anderen Story von „In aller Vertrautheit“ noch manchmal etwas kompliziert zu lesen, sind jene durchgängig und problemlos für den Leser aufnehmbar, auch wenn das ein oder andere Fremdwort von DFW immer eingestreut wird, aber dadurch wird man allenfalls klüger. „David Foster Wallace – Vergessenheit“ weiterlesen

Martin Walser – Ein fliehendes Pferd

Der Mensch unterscheidet sich vom Tier durch einen Jahrtausende währenden Prozess den man unterschiedlich bezeichnen kann; als Entfremdung von der Natur oder auch als Zivilisationsprozess. Der Mensch erschafft sich darin Sprache, Zeichen und er ummantelt sein Verhalten mit sozialen Kodierungen und Regeln, er hemmt seine natürlichen Triebe und kontrolliert sich selbst. Mit Erving Goffman könnte man sagen: „Wir spielen alle Theater“. „Martin Walser – Ein fliehendes Pferd“ weiterlesen

Ian McEwan – Amsterdam

Molly Lane ist gestorben. Die Krankheit kam schnell, ließ sie zu einem Frack werden, nicht mehr sie selbst sein. Auf der Trauerfeier treffen sich Clive Linley und Vernon Halliday, älteste Freunde und beides ehemalige Geliebte von Molly, deren Wirkung auf Männer vor ihrer Krankheit man als ekstatisch magnetisch bezeichnen kann. Ebenso anwesend ist der recht farblose Ehemann von Molly, George Lane, der seine geliebte Frau in ihren letzten Tagen hermetisch von der Umwelt abriegelte. Auch zugegen ist Julian Garmony, Außenminister und rechtsgerichteter Polemiker mit dem Ziel, bald Premierminister werden zu wollen. Clive und Vernon hassen sowohl George, der Molly hatte heiraten dürfen, als auch Garmony, nicht nur weil auch er ein Liebhaber der Verstorbenen war, sondern gleichfalls wegen seiner Politik. Einen Grund warum eine solche Klassefrau mit diesen beiden Menschen näheren Kontakt gehabt hatte, scheint insbesondere Clive ziemlich unergründlich.
Doch irgendwann ist die Trauerfeier beendet und es geht zurück ins Leben, das jetzt ohne Molly weitergehen muss. Der Komponist Clive soll seine Millenniumssymphonie beenden, welcher der Staat bei ihm in Auftrag gegeben hat, um den Jahrhundertwechsel mit ausgesuchter Musik zu untermalen. Vernon wiederum richtet die Aufmerksamkeit auf seine Rolle als Chefredakteur des „Judge“, einer schrumpfenden Qualitätszeitung, deren intellektuelles Credo nicht nur dem korrekten Syntax, sondern insbesondere der kritischen Hinterfragung der Regierung gilt und dabei insbesondere des Außenministers. Da kommt ein Anruf von George in Vernons Büro eigentlich gerade recht,  der ihm, von Molly gemachte, kompromittierende Fotos von Garmony anbietet, welche nicht nur die Auflage des „Judge“, dessen Anteilseigner George ist, steigern, sondern auch die politische Karriere von Julien ruinieren könnte. „Ian McEwan – Amsterdam“ weiterlesen

Thomas Glavinic – Lisa

Es ist Sommer und die Nacht bricht herein. Sie suchen im Internet nach Unterhaltung und sie finden eine Radiostation. Dort spricht ein Mann, wohl so Mitte 30. Er sendet von einem Ort, den er nicht verraten will. Er ist dort mit seinem acht Jahre alten Sohn und versteckt sich, weil er Angst hat gefunden zu werden.

Das ist das Szenario von Thomas Glavinics Roman „Lisa“. Wir lesen, wie ein Mann im selbstgemachten Radio spricht (genau genommen wissen wir nicht, ob der immer wieder stockende Text dadurch bedingt ist, dass der Radiomacher teilweise auch anderen Tätigkeiten nachgeht, oder sein Mikro fehlerhaft ist, oder ob die das Radio hörende Person zwischenzeitlich eine andere Station einschaltet, aber das sind recht unwichtige Details). Dieser Mann, der von seinem Laptop aus sendet, hat große Angst. Er flieht vor einer Unbekannten.
Die Angst hat er, weil vor drei Jahren bei ihm eingebrochen wurde. Alles war harmlos, aber wie sich später rausstellt, wurden DNA-Spuren gefunden, welche zu mehreren anderen Tatorten passten. Die Spuren sind von einer Frau und die weiteren Verbrechen, bei denen diese Spuren noch gefunden wurden, sind grausig, brutal und auf der Welt verstreut. Hilgert, der damals zuständige Kriminalist, verfolgt die Spur der geheimnisvollen Kriminellen und so werden unser Radiomacher und er Freunde, mit dem Ergebnis, dass Hilgert immer mehr verwirrende Spuren ausfindig macht und schlussendlich, als unser Hauptheld nichts mehr vom ihm hört, auch diesen so sehr dadurch ängstigt, dass er fortfährt und sich versteckt, trinkt und kokst und zu seiner Ablenkung und weil er etwas zum reden benötigt, sein Internet anstellt und Radio macht. „Thomas Glavinic – Lisa“ weiterlesen

Martin Walser – Ein liebender Mann

Wir schreiben das Jahr 1823. Es ist Sommer und die „feine“ Gesellschaft trifft sich in Marienbad. So auch Goethe, mittlerweile 73 Jahre alt. Der von allen gefeierte Dichterfürst widmet sich in diesem Sommer aber weniger den Arbeiten an neuen literarischen Werken oder seiner mehr als umstrittenen Farbenlehre, sondern seine gesamte Aufmerksamkeit wird gefangen von der erst 19 jährigen Ulrike von Levetzow, die er schon seit zwei Sommerkurreisen kennt, doch erst in diesem Jahr wird die Beziehung intensiver. Goethe fasziniert die Tochter eines im Kriege gegen Napoleon gefallenen Generals und der sich in höchsten Kreisen auskennenden Mutter von Levetzow, die sich natürlich geschmeichelt fühlt, dass ihre Tochter das Interesse, des wohl bekanntesten Intelektuellen seiner Zeit gefunden hat. Jedoch hält sie von einer tiefergehenden Beziehung nichts. Aber Goethe umso mehr, der sich jeden Tag mehr, tiefer und wohl auch hoffnungsloser in Ulrike verliebt. Obwohl bald schon 74 wird er sie noch ein letztes Mal finden, die große Liebe. Dieser jedoch scheint keiner Zukunft beschienen. Zwar ist Ulrike von Goethe fasziniert, aber ihre Mutter hält eine engere Bindung zum Diamantenhändler de Rohr für realistischer für sie. Und so geht der Sommer zu Ende und Goethe ist zurück in Weimar, allein, wie in einer anderen Welt, in der es Ulrike nur noch in Gedanken gibt. „Martin Walser – Ein liebender Mann“ weiterlesen

Manhattan

Erst neulich wurde an dieser Stelle, das Thema Schauplatz und filmische Umsetzung angeschnitten, am Beispiel von Baltimore und der Serie „The Wire“. Natürlich ist Woody Allens Film „Manhattan“ aus dem Jahr 1979 schon wegen seines Titels eine wundervolle Ergänzung für diesen Ideenbereich. Schauplatz ist New York, das Thema ist: Beziehungen von Intelektuellen in der Großstadt. In wunderbaren schwarz-weiß Bildern lernen wir zwei Pärchen kennen, zum einen Issac (Woody Allen), inzwischen 42 jährig, dessen Frau ihn für eine andere Frau verließ und die 17-jährige Tracy (Mariel Hemmingway) deren reine Jugendlichkeit nichts zuungunsten fehlender Lebenserfahrung verliert. Zum anderen Yale (Michael Murphy), verheirateter Universitätsdozent und seine Geliebte Mary (Diane Keaton) die mit der Situation von Yales Beziehungsstatus alles andere als zufrieden ist. „Manhattan“ weiterlesen