Pluribus

Originaltitel (stilisiert): PLUR1BUS | Idee: Vince Gilligan | Science-Fiction Dramaserie | 9 Folgen in der 1. Staffel | veröffentlicht 2025 auf Apple TV

Menschheit – Riesending, wenn sie mich fragen![1] Ich stelle mir „die Menschheit“ immer als eine große Idee vor, quasi als eine Einheit aus der Vielheit der Menschen. Sie erschien irgendwann auf diesen Planeten, baute um, erfand zahlreiche Dinge, bekriegte sich gegenseitig, rottete aus und vermehrte sich trotzdem ganz prächtig (bis jetzt), was zusammen mit einem ständigen zivilisatorischen Fortschritt zu einem erhöhten Problembewusstsein führt, so dass man heutzutage allenthalben innerhalb der Menschheit darüber diskutiert und vor der Frage steht, ob sie selbst eigentlich etwas Gutes ist? Schon weil ich da als Angehöriger parteiisch bin und weil ich gern Bücher lese, ins Museum gehe und mit anderen Menschen spreche, sage ich Ihnen geneigter Leser, dass ich die Menschheit ziemlich stark finde (mindestens global-historisch betrachtet). Aber die Menschheit als solche kollektive Idee ist abstrakt, denn sie läuft einem im Alltag (noch) nicht über den Weg. Das sind eher einzelne Individuen und die können manchmal schlecht gelaunt sein. „Pluribus“ weiterlesen

Task

Idee: Brad Ingelsby | Krimi-Miniserie | 7 Folgen | veröffentlicht 2025 auf HBO

Miniserien sind – anders als ihre großen Geschwister mit mehreren Staffeln – eine attraktive Alternative zu abendfüllenden Filmen und langjährigen Serien. Sie vereinen den Vorteil von Serien, die tiefere Charakterstudien ermöglichen, mit der Straffheit eines Films, der Handlung und Figuren in einem übersichtlichen Zeitrahmen abschließen muss. Gleichzeitig entfällt der Druck, sich ständig neu erfinden zu müssen, um eine weitere Staffel zu rechtfertigen. Besonders bei Krimis funktioniert dieses Format gut, wie etwa in der Miniserie „Task“ zu sehen. „Task“ weiterlesen

Der tommr.de Jahresrückblick 2025

Auch für das Jahr 2025 möchte ich wieder kurz die besten Filme, Bücher und Serien zusammenfassen, die mir in diesen 365 Tagen unter die Augen gekommen sind.

Literatur

Es ist mir nicht leichtgefallen, mich für das beste Buch des Jahres 2025 zu entscheiden. Umso mehr freut es mich, dass einige herausragende Werke der Belletristik in Erinnerung geblieben sind. Letztendlich habe ich mich für Peter Stamms Roman In einer dunkelblauen Stunde entschieden – nicht nur, weil 2025 so etwas wie ein „Peter-Stamm-Jahr“ für mich war (da ich drei Werke von ihm gelesen habe und damit so viele wie nie zuvor), sondern auch, weil dieser Roman ein außerordentlich tiefer Text ist, der in Stamms ruhiger Sprache dahinfließt. „Der tommr.de Jahresrückblick 2025“ weiterlesen

Interior Chinatown

Idee: Charles Yu | Comedy-Drama Miniserie | 10 Folgen | veröffentlicht 2024 auf Hulu (international bei Disney+)

Wie könnte man am besten einen Artikel zu einer wunderbaren Serie eröffnen? Man müsste schreiben, warum einen diese Serie persönlich so berührt hat, warum man auf sie gekommen ist. Vielleicht auch, in welchem Kontext die Serie steht, ob nun im Genre oder gesellschaftlich allgemein. Und vielleicht könnte man schon darauf anspielen, warum einem die Serie so gut gefallen hat. „Interior Chinatown“ weiterlesen

Paradise

Idee: Dan Fogelman | Polit-Thriller-Serie | 8 Folgen in 1.Staffel | veröffentlicht 2025 auf Hulu

Weltgeschichtlich war das Jahr 1989 ein ganz bedeutendes und ich muss ihnen an dieser Stelle, geneigter Leser, nicht erzählen warum. Tatsächlich war für mich 1989 ebenfalls sehr prägend, denn viele meiner frühen Erinnerungen, verknüpfen sich mit diesem Jahr. Eine davon war, dass ich erstmals in meinem seinerzeit jeher jungen Leben, einen gewissen Draht zu aktueller Musik in den Charts hatte und in eben diesen Phil Collins Hit „Another Day in Paradise“ Spitzenpositionen erlangte, also von mir nicht unentdeckt blieb. „Paradise“ weiterlesen

Strike – 6.Staffel

Originaltitel: „C.B. Strike“ | Showrunner: Ben Richards | Staffel 6 „The Ink Black Heart“ mit 4 Folgen | veröffentlicht 2024 auf BBC1

Der 6. Fall der Kriminaldetektei von C.B. Strike (Tom Bruke) und seiner Partnerin Robin Ellacot (Holliday Grainger) startet mit der immer wieder auf kleiner Flamme flackernden möglichen Liebesbeziehung zwischen Strike und Ellacot. Wie für gute Serien üblich, wird auch in dieser britischen Krimiserie ein vermeintliches „sie kriegen sich“ von Staffel zu Staffel hinausgezögert, was – wenn wir ganz ehrlich sind – auch zum Weiterschauen animiert. Doch das ist nur die Nebenhandlung eines, wie immer vernetzt und kompliziert aufgezogenen Falls, um eine junge Autorin Edie Ledwell (Mirren Mack), die erst Hilfe bei Robin Ellacot sucht, von dieser aber wegen Auftragsfülle nicht angenommen werden kann. Als Ledwell dann Tod aufgefunden wird, sucht die Polizei um Mithilfe, doch erst als reiche Erben die Detektei beauftragen, um den geheimen Computerspieledesigner Anomie zu finden, der wahrscheinlich hinter dem Mord steht, schalten sich Ellacot und Strike ein (jetzt scheinen sie mehr Zeit zu haben). „Strike – 6.Staffel“ weiterlesen

Undercover im Seniorenheim

Originaltitel: „The Man on the Inside“| Idee: Michael Schur |  Comedy-Serie | Staffel 1 mit 8 Folgen | veröffentlicht 2024 auf Netflix

In schweren Zeiten hilft manchmal leichte Unterhaltung und wenn sich diese leichte Unterhaltung als gut gemachte Comedy herausstellt, ist das gar nicht übel, so wie in „Undercover im Seniorenheim“. [1]

Der verwitwete und pensionierte Professor Charles Nieuwendyk (Ted Danson) ist vor allem eins, er ist ziemlich allein. Seine Tochter Emily (Mary Elisabeth Ellis) wohnt mit ihrer 5-köpfigen Familie außerhalb von San Francisco, der Heimatstadt von Charles, die er über alles schätzt und über deren Wahrzeichen, die Golden Gate Bridge, er ein Buch geschrieben hat. Auf den Hinweis hin, sich eine neue Beschäftigung zu suchen, meldet sich Charles bei einer Detektei an, deren Chefin Julie (Lilah Richcreek Estrada) einen älteren Mann als Spion sucht, der in einem Altenheim einen Diebstahl aufklären soll. Charles übernimmt und findet im Altenheim vor allem eines, einen beschwingten und abwechslungsreichen neuen Alltag mit neuen Freunden wie Calbert (Stephen McKinley Henderson) und einer sich stets kümmernden Leiterin Didi (Stephanie Beatriz), die Ordnung in das leichte Chaos der recht noblen Einrichtung bringt. „Undercover im Seniorenheim“ weiterlesen

Cristóbal Balenciaga

Idee: Aitor Arregi, Jon Garaño, José Mari Goenaga, Lourdes Iglesias | Mini-Bio-Serie | 6 Folgen | veröffentlicht 2024 auf Disney +

Verlassen wir nicht so schnell die Welt des guten Geschmacks. Während man sich in Deutschland gern mit der Mini-Serie über Karl Lagerfeld beschäftigt, gibt es auf der Plattform von Disney+ auch eine etwa gleichlange Mini-Serie über Cristóbal Balenciaga, einem Modeschöpfer, der von seinem Einfluss auf die Modebranche sicherlich noch mal eine Stufe höher als Lagerfeld anzusiedeln ist.

In dieser spanischen Serie (in der neben Spanisch, auch Französisch und Baskisch gesprochen wird) begleiten wir den Aufstieg des baskischen Modedesigners Cristóbal Balenciagas (Alberto San Juan) in der Modehauptstadt der Welt, Paris von den 1930er Jahren an. Gemeinsam mit seinem Geliebten den polnisch-französischen Millionär Wladzio D’Attainville (Thomas Coumans) und dem baskischen Unternehmerpaar Nicolás Bizkarrondo (Josean Bengoetxea) und Virgilia Mendizabal (Cecilia Solaguren) arbeiten sie am Aufstieg der Maison Balenciaga zum angesagtesten Modelabel der Welt. Erzählt wird die Geschichte als Rückblick Balenciagas gegenüber der Journalistin Prudence Glynn (Gemma Whelan) nach dem Ende seiner Karriere, in der er mit Coco Chanel (Anouk Grinberg) befreundet war, mit Christian Dior (Patrice Thibaud) einen sehr freundlichen, aber was Mode betrifft, erbitterten Rivalen hatte und sich als Förderer von Hubert de Givinchy (Adrien Dewitte), einen attraktiven Freund schaffte. „Cristóbal Balenciaga“ weiterlesen

Nada

Idee: Gastón Duprat, Mariano Cohn | Dramedy – Miniserie | 5 Folgen | veröffentlicht 2023 auf Star + (in Europa auf Disney +)

Die Berufsbezeichnung Dandy finde ich ausgesprochen reizvoll. Das liegt vielleicht weniger am Wort „Dandy“, das wohl dem 18. Jahrhundert entsprang und in Kluges etymologischem Wörterbuch als „junge Leute, die in auffälliger Bekleidung Kirche oder Jahrmarkt besuchen“ bezeichnet wird. Im Begriff des Dandys steckt eine ästhetische Dimension, die sich recht grundlegend um die eigene Erscheinung dreht, die auffällig gezeigt werden muss (ähnlich dem Influencer, der das aber digitalisieren muss, weil Reichweite hier wichtiger wird als Erscheinung). Wenn man bei Wikipedia dann als Lebensbeschreibung Dandy liest, wie beispielsweise bei Jaques de Bascher, den wir vor kurzem in der Serie „Becoming Karl Lagerfeld“ kennengelernt haben, dann steckt für mich noch ein weiterer Aspekt dahinter, der sich vielleicht heutzutage zum Begriff beigemischt hat. Es geht um eine gewisse, wenngleich in ihrer Existenz unklare, finanzielle Sicherheit, die dem Dandy ein Leben ermöglicht, die volle Konzentration auf die eigene (ästhetische) Botschaft zu legen.
Im Sortiment des Anbieters Disney + befindet sich eine argentinische Serie über einen alternden Dandy, der eine große Leidenschaft für gutes Essen hat, quasi eine Verbindung meiner beiden letzten Serien „The Bear“ und „Becoming Karl Lagerfeld“. Die Serie wurde vom Duo Gastón Duprat und Mariano Cohn umgesetzt, die wir an dieser Stelle schon mit den beiden Filmen „Der Nobelpreisträger“ und „Der beste Film aller Zeiten“ würdigen konnten. Und Robert de Niro soll in dieser Mini-Serie auch mitspielen! Das sind sehr erwartungsvolle Voraussetzungen. „Nada“ weiterlesen

Becoming Karl Lagerfeld

Idee: Isaure Pisani-Ferry, Jennifer Have, Raphaëlle Bacqué | Mini- Bio-Serie | 6 Folgen | veröffentlicht 2024 auf Disney +

Ich schreibe diese Zeilen und habe die Kontrolle über mein Leben verloren! Diese Aussage gilt jedoch nur, wenn man dem großartigen Karl Lagerfeld glauben kann, der einmal sinngemäß sagte, wer Jogginghosen trägt haben eben jene Kontrolle über sein Leben verloren. Ich gebe zu, ich würde nie aus dem Haus mit diesen labbrigen, aber komfortablen Baumwoll-Polyester Mischungen mit den Schlaufen als Hosenknopf gehen, aber eine nicht unerhebliche Anzahl zumeist jüngerer Mitbürger, stört dies gar nicht und sie sind selbst zu etwas feierlicheren Anlässen mit feineren Jogginganzügen unterwegs (die Zeiten des in den 1980er und 90er Jahren beliebten Trilubalgarns sind jedoch scheinbar endgültig vorbei).
Ich oute mich aber gern als Lagerfeld Fan (weniger was seine Kleidung betrifft, die 1. eher für Frauen gedacht ist und 2. mein Budget sprengt) sondern als Celebrity, dessen Bonmots und Interviews ich gern las und hörte.
Nun hat Disney+ eine kleine Serie über Lagerfelds Aufstieg in die Haute-Couture mit dem eigentlich stets sehenswerten Daniel Brühl als Lagerfeld veröffentlicht. Wir erleben darin den nicht mehr ganz jungen Designer Lar Lagerfeld (Daniel Brühl), einen Workaholic, der sich mit den besten der Branche messen will, was in den 1970er Jahren wohl Yves Saint-Laurent (Arnaud Valois) ist. Dessen Partner Pierre Bergé (Alex Lutz) ist so etwas wie der Pate der Modewelt und wird von Lagerfeld verabscheut. Bergé wiederum muss zusehen, wie Yves starkes Verlangen nach dem Dandy Jacques de Bascher (Théodore Pellerin) verspürt und dieses Verlangen auch kräftigst auslebt. Doch Lagerfeld gewinnt das Rennen um Jaques, auch wenn sein Lebensstil so rein gar nicht zu dem seines Partners zu passen scheint. „Becoming Karl Lagerfeld“ weiterlesen