Es sind turbulenten Zeiten, in die uns T.C. Boyles Debütroman aus dem Jahr 1982 einlädt. Er führt uns in die Epoche kurz nach der französischen Revolution, wobei sich der Blick auf England richtet. Dort überzeugt Mungo Park die hiesige Afrikagesellschaft, der richtige Kandidat zu sein für eine waghalsige Expedition auf den schwarzen Kontinent. An der Wende zum 19. Jahrhundert war der Fluss Niger, übrigens der Drittlängste des Erdteils, zwar in Europa bekannt, aber kein Weißer war je zu ihm vorgestoßen und man war sich geografisch vollkommen unschlüssig, wohin dieser geheimnisvolle Strom fließen würde. Vorherige Expeditionen war aus diversen Gründen gescheitert – jedoch immer tödlich gescheitert – und so ruhen die Hoffnungen auf den jungen Schotten Parks, der seine Verlobte Allie in Nord-Britannien zurücklässt, um sich ins afrikanische Abenteuer zu stürzen, wo er die Hilfe von Johnson in Anspruch nehmen kann, einen durch seine, teilweise sehr tragischen Lebensumstände, mit der europäischen Kultur in intensiven Kontakt gekommenen, Mandingo-Einwohner.
Ned Rise wiederum lebt auf den Straßen Londons, auf denen es in jenen Jahren hart, rau und schmutzig zuging. Seine notleidende Kindheit macht ihn erfinderisch und so lebt und überlebt er den keinesfalls einfachen Alltag der Jahrhundertwende. Doch immer wenn sich für ihn ein Ausweg aus Armut und Hunger zu eröffnen scheint, stürzt er wieder in ein anderes Unglück, denn sein größtes Talent scheint zu sein, zu überleben. „T. C. Boyle – Wassermusik“ weiterlesen
The Killing of a Sacred Deer
Jahr: 2017 | Regie: Giorgos Lanthimos | Drehbuch: Giorgos Lanthimos & Efthymis Filippou | Horror-Drama| Länge: 121min
Der Herzchirurg Steven Murphy (Colin Farrell) hat seit einiger Zeit einen neuen Freund. Nicht das er neue Freunde bräuchte. Er hat eine gut funktionierende Familie, seine Frau Anna (Nicole Kidman) ist ebenfalls Ärztin, die beiden Kinder Bob (Sunny Suljic) und Kim (Raffey Cassadi) zeigen sich wohlerzogen und das obwohl Kim schon in der Pubertät ist. Der neue Freund heißt Martin (Barry Keoghan), ist 16 Jahre alt und ist er Sohn eines ehemaligen Patienten von Steven. Dieser geht zweifellos Schuldgefühle und diese Schuld an Martin möchte er irgendwie wieder gut machen und auf Martins Wunsch hin, lässt Steven ihn näher an seine Familie heran. „The Killing of a Sacred Deer“ weiterlesen
Broadchurch
Idee: Chris Chibnall | Krimi-Serie in 3 Staffeln zu je 8 Folgen, hier nur 1.Staffel gesehen | Erstausstrahlung 2013 auf ITV
Krimiserien sind ja eigentlich immer ein netter Zeitvertreib, gerade im Fernsehen. Und wenn es momentan einen kleinen Hype um die wunderbare Olivia Colman und ihren berechtigten Oscar 2019 für ihre Rolle in „The Favourite“ gab, dann bietet es sich geradezu an, in die ziemlich gefeierte britische Serie „Broadchurch“ zu schauen, wo sie eine Hauptrolle spielt. „Broadchurch“ weiterlesen
The Favourite
Jahr: 2018 | Regie: Giorgos Lanthimos | Drehbuch: Deborah Davis, Tony McNamara | Historienfilm | Länge: 120min | Location: England
Es ist der Beginn des 18. Jahrhunderts und der spanische Erbfolgekrieg lässt die Armeen der europäischen Königshäuser in den Krieg ziehen. Die britische Monarchie wird von Queen Anne (Olivia Colman) angeführt, aber es ist ihre engste Vertraute Sarah Churchill, die Herzogin von Marlborough, (Rachel Weisz) die eigentlich über die Geschicke des Landes bestimmt, denn ihr Einfluss auf die Königin ist so groß, dass sie diese nach eigenem Gutdünken manipulieren kann. So scheitert auch Oppositionsführer Robert Harley (Nicholas Hoult) immer wieder mit seinem Bemühen, eine geplante Steuererhöhung zu verhindern, welche die Herzogin, ebenso wie die Regierung für die Weiterführung des Krieges beschließen wollen. Während im Palast trotzdem dem dekadenten Treiben nachgegangen wird, erreicht eine verarmte Cousine der Herzogin am Hof. Abigal Masham (Emma Stone) erbittet von Sarah eine Anstellung und kann sich schnell nach oben arbeiten bis hin zur Queen. „The Favourite“ weiterlesen
Wer singt da?
Originaltitel: „Quién te cantará?“ | Regie und Drehbuch: Carlos Vermut | Jahr: 2018 | Drama | Länge: 119min | Location: Andalusien
Lila Cassen (Najwa Nimri) ist eine legendäre Sängerin, die nach dem Tod ihrer Mutter vor 10 Jahren ihre Karriere beendete. Da die finanziellen Mittel aber langsam knapp werden plant, ihre Managerin Blanca (Carme Elias) eine Comeback-Tour. Doch ein Badeunfall führt zu einer Amnesie bei Lila, die sich an ihr Leben nicht mehr erinnern kann. Auf der Suche nach sich selbst, sieht sie ein Karaoke-Video einer ihrer Lieder, gesungen von Violeta (Eva Llorach), einem, vielleicht dem, größten Fan von Lila. Violeta wiederum arbeitet in einer Bar, doch ihr scheinbar größtes Problem ist die 23-jährige Tochter Marta (Natalia de Molina), deren Wutausbrüche (selbst-) zerstörerische Dimensionen annehmen, die dringend behandelt werden müssten. „Wer singt da?“ weiterlesen
Matrjoschka
Idee: Natasha Lyonne, Amy Poehler, Leslye Headland | Originaltitel: Russian Doll | Dramedy-Miniserie | Erstausstrahlung 2019 auf Netflix
Nadia (Natasha Lyonne) feiert ihren 36. Geburtstag im Loft ihrer besten Freundin Maxine (Greta Lee). Gäste sind reichlich erschienen und es steigt eine Party wie man sie sich für New York vorstellt, alles ist locker, alles ist nett, alles ist folgenlos. Nadia’s Ex-Freund (Yul Vazquez) taucht überraschend auf, doch sie weist ihn schnell ab und verbringt die Nacht mit Mike (Jeremy Lowell Bobb) und beide verstehen klar, dass es um nicht mehr gehen wird, als um diese Nacht. So ist die Katze Haferflocke Nadias eigentliche Liebe, diese ist jedoch seit 72 Stunden verschwunden und just in dem Moment als sie Haferflocke wiederfindet, wird Nadia überfahren und stirbt … und erwacht wiederum auf ihrer Geburtstagsparty. Nadia versucht zu erfahren, was passiert ist und muss feststellen, dass Unfälle sie magisch anziehen. Doch was auch immer für ein Trip dies ist, es gibt einen Menschen in ihrer Nachbarschaft (Charlie Barnett) dessen Trip ist schlimmer. „Matrjoschka“ weiterlesen
7 Psychos
Jahr: 2012 | Komödie | Drehbuch & Regie: Martin McDonagh | Originaltitel: Seven Psychopaths | Location: Los Angeles
Drehbuchautor Marty (Colin Farrell) hat einen Titel für sein neuestes Werk. „Seven Psychopaths“ soll es heißen. Leider war es das aber schon, denn außer der Überschrift hat Marty leider keine weiteren Ideen. Glücklicherweise ist da sein bester Freund Billy (Sam Rockwell), der ihn mit Geschichten über Psychopathen füttert, die Marty inspirieren sollen und sogar eine Anzeige schaltet, auf die sich der Serienmörder Zachariah (Tom Waits) meldet. Billy verdient derweil seinen Unterhalt mit der Entführung von Hunden, die sein Kumpel Hans (Christopher Walken) den überglücklichen und gute Belohnung zahlenden Herrchen zurückbringt. Doch da ist auch Gangsterboss Charlie (Woody Harrelson) der seinen Shih Tzu über alles liebt. „7 Psychos“ weiterlesen
The Nice Guys
Jahr: 2016 | Regie & Drehbuch: Shane Black | Neo-Noir Filmkomödie | Länge: 116min | Location: Los Angeles 1977
Das Privatdetektivwesen ist Ende der 1970er Jahre in einer wirtschaftlichen Schwächephase. Holland March (Ryan Gosling), dessen detektivisches Niveau zwischen den Polen Genie und Wahnsinn pendelt, mit einer stärkeren Anziehung für Erstgenanntes, nimmt Aufträge an deren Seriosität von vornherein bezweifelt werden kann. So wie die Suche einer fast erblindeten älteren Dame, die ihre Nichte zwei Tage nach deren Tod gesehen haben möchte. Jackson Healy (Russell Crowe) muss noch deprimierender Arbeiten annehmen und vermöbelt Männer, die versuchen mit nicht volljährigen Mädchen anzubandeln. So führt in seine Spur zu March, denn dieser sucht gerade die nicht-volljährige Nichte der alten Dame und schnell stellt sich heraus, dass die Suche nach der ominösen Amalia (Margaret Qualley) komplizierter, verwickelter und vor allem gefährlicher ist, als man das erwarten könnte. Zu allem Überfluss mengt sich in die Detektivarbeit der beiden auch noch March ebenso nicht-volljährige Tochter Holly (Angourie Rice) ein. „The Nice Guys“ weiterlesen
In den Gängen
Jahr: 2018 | Melodram | Regie: Thomas Stuber | Drehbuch: Thomas Stuber, Clemens Meyer | Länge: 120min | Location: Großmarkt
Irgendwo zwischen Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt liegt ein Großmarkt, direkt an der Fernverkehrsstraße. Wie jeder Einkaufsort ist er voller Träume, doch „In den Gängen“ erzählt uns von den Träumen und dem Leben der Beschäftigten des Großmarktes, nicht von denen seiner Kunden. Christian (Franz Rogowski) kommt als Frischling in den Markt und wird in die Getränkeabteilung von Bruno (Peter Kurth) angeleitet. Er erweist sich als guter Mentor des neuen Angestellten, welcher lieber kein Wort zu viel sagt und nicht unbedingt zu den aufnahmeschnellsten Mitarbeitern des Jahres gehört, aber seine Arbeit sehr solide macht und ein guter Kollege ist. Wenn Christian Marion (Sandra Hüller) sieht, die in der Süßwarenabteilung arbeitet, hört er immer das Rauschen des Meeres, was ein untrügliches Zeichen für Sympathie ist. Die Tage vergehen, die Kunden kommen und gehen und die Fernlaster kreuzen um den Markt am Rande der Stadt und schnell steht fest, dass der Großmarkt mehr als ein Arbeitsumfeld ist, er ist eine Familie, eine Bindung, ein Halt und vielleicht mehr das wahre Leben, als das was die Mitarbeiter zu Hause leben. „In den Gängen“ weiterlesen
Jörg Lauster – Die Verzauberung der Welt. Eine Kulturgeschichte des Christentums
Unser – scheinbar momentan ständig vom Untergang bedrohtes, wenn man zeitgeistigen Mahner Gehör schenken sollte – Abendland ist geprägt von der christlichen Religion, welche die letzten 2000 Jahre maßgeblich zur kulturellen Formung in Europa und weit darüber hinaus beigetragen hat. Jörg Lauster hat dazu eine Kulturgeschichte vorgelegt, die für alle (ob nun Christen oder Nicht-Christen) äußerst lesenswert ist. „Jörg Lauster – Die Verzauberung der Welt. Eine Kulturgeschichte des Christentums“ weiterlesen