Das Jahr 2024 war persönlich mindestens so aufregend, wie die globalen Ereignisse, von denen man die Vermittlung der jährlichen Steigerungen der Boshaftigkeit ja schon fast erwarten muss. Aber selbstverständlich ist nicht alles schlecht, ganz im Gegenteil, es gab auch sehr viel Wahres, Schönes und Gutes im Jahr 2024.
Wie gewohnt folgt an dieser Stelle ein kurzer Rückblick auf das vergangene Jahr unter Berücksichtigung der Bücher, Filme und Serien, die ich auf dieser Seite besprochen habe. „Der tommr.de Jahresrückblick 2024“ weiterlesen
Autor: tommr
Paul Auster – Baumgartner
Aus der Reihe: aus fremden Regalen
Erschien 2023 im englischen Original gleichen Titels | in deutscher Übersetzung von Werner Schmitz 2023 bei Rowohlt erschienen mit 204 Seiten
Es gehört mit einer gewissen Ritualisierung dazu am Ende eines Jahres auf die Menschen zu schauen, die von uns gegangen sind. Dazu gehört 2024 auch Paul Auster, einer der vielleicht größten amerikanischen Romanciers, der letzten 30 Jahre. Ich bin sehr froh mir seinen letzten Roman „Baumgartner“ ausgeliehen zu haben, denn tatsächlich habe ich seine drei vorhergehenden Romane (4321, Sunset Park, Unsichtbar) in den letzten Jahren sehr gern gelesen, wenngleich ich sie unterschiedlich bewerten würde und irgendwie wollte ich mit „Baumgartner“ auch so etwas wie Abschied von ihm nehmen. „Paul Auster – Baumgartner“ weiterlesen
The Substance
Jahr: 2024 | Regie & Drehbuch: Coralie Fargeat | Horrorfilm | 141min | Location: Hollywood
Ein viel diskutierter und auch häufig gelobter Film der letzten Monate war „The Substance“, der im September in die Kinos kam. Nachdem mein neuer Filmanbieter diesen Film im Portfolio hält, habe ich ihn mir angesehen und wollte eigentlich nicht viele Zeilen auf diesen Streifen verwenden, will es aber trotzdem machen, weil die Qualität des Filmes durchaus kontrovers diskutiert werden kann
Elisabeth Sparkle (Demi Moore) ist eine immer noch blendend aussehende, aber etwas alternde Hollywood Größe, die statt großer Filme nun nur noch in Fitnessvideos auftritt. An ihrem 50.Geburtstag (zum Zeitpunkt des Drehs wurde Demi Moore bereits 60 Jahre alt) erfährt sie vom, als äußerst schleimig zu bezeichnenden, Manager Harvey (Dennis Quaid), dass ihre Aerobic Show abgesetzt wird, weil sie nicht mehr jung genug und sexy enough ist. Der Schock darüber und die Versinnbildlichung ihres Niedergangs – in Form der Abhängung von Plakaten mit ihrem Konterfei – führen zu einem Unfall. Im Krankenhaus bekommt Elizabeth einen Umschlag mit einer geheimnisvollen Botschaft, die von einer Substanz berichtet.[1] Diese Substanz verspricht die Wiedereroberung der Jugend in Form eines Körpers, den man mit Anfang 20 hatte. Elisabeth besorgt sich das Starter Kit der Substanz und nimmt diese ein und gebiert (ähnlich den Gremlins) ein jüngeres Ich aus ihrem Rücken, während sie Scheintod in der Ecke zurückbleibt. Aber nach einer Woche muss der Körper per switch (eine Art Bluttransfusion) zurück gewechselt werden. Daher eine Woche existiert das junge Wesen und eine Woche das Original. Die jugendliche Sparkle nennt sich Sue (Margaret Qualley) und erobert in ihrer Woche die Welt, in dem sie den vakanten Aerobic-TV-Host-Job annimmt. „The Substance“ weiterlesen
Cristóbal Balenciaga
Idee: Aitor Arregi, Jon Garaño, José Mari Goenaga, Lourdes Iglesias | Mini-Bio-Serie | 6 Folgen | veröffentlicht 2024 auf Disney +
Verlassen wir nicht so schnell die Welt des guten Geschmacks. Während man sich in Deutschland gern mit der Mini-Serie über Karl Lagerfeld beschäftigt, gibt es auf der Plattform von Disney+ auch eine etwa gleichlange Mini-Serie über Cristóbal Balenciaga, einem Modeschöpfer, der von seinem Einfluss auf die Modebranche sicherlich noch mal eine Stufe höher als Lagerfeld anzusiedeln ist.
In dieser spanischen Serie (in der neben Spanisch, auch Französisch und Baskisch gesprochen wird) begleiten wir den Aufstieg des baskischen Modedesigners Cristóbal Balenciagas (Alberto San Juan) in der Modehauptstadt der Welt, Paris von den 1930er Jahren an. Gemeinsam mit seinem Geliebten den polnisch-französischen Millionär Wladzio D’Attainville (Thomas Coumans) und dem baskischen Unternehmerpaar Nicolás Bizkarrondo (Josean Bengoetxea) und Virgilia Mendizabal (Cecilia Solaguren) arbeiten sie am Aufstieg der Maison Balenciaga zum angesagtesten Modelabel der Welt. Erzählt wird die Geschichte als Rückblick Balenciagas gegenüber der Journalistin Prudence Glynn (Gemma Whelan) nach dem Ende seiner Karriere, in der er mit Coco Chanel (Anouk Grinberg) befreundet war, mit Christian Dior (Patrice Thibaud) einen sehr freundlichen, aber was Mode betrifft, erbitterten Rivalen hatte und sich als Förderer von Hubert de Givinchy (Adrien Dewitte), einen attraktiven Freund schaffte. „Cristóbal Balenciaga“ weiterlesen
Evil Does Not Exist
(im japanischen Original: Aku wa Sonzai Shinai) | Jahr: 2023 | Regie & Drehbuch: Ryūsuke Hamaguchi | Spielfilm | 106min |
Schon lange stand bei mir Ryūsuke Hamaguchis (dem Regisseur des von mir am besten befundenen Films des Jahres 2022; „Drive My Car“) neuester Spielfilm auf der Watchlist „Evil Does Not Exist“. 2023 beim Filmfestival von Venedig uraufgeführt, gewann er dort den 2.Preis (wenn man das so sagen kann, genau genommen war es der „Silberne Löwe“) hinter „Poor Things“. Nun ergab es sich, dass ich auf einen neuen Streamingdienst aufmerksam wurde, der hauptsächlich alternative Titel im Angebot hat. Da auch „Evis Does Not Exist“ dazu gehörte, stand einem Probe-Abo nichts mehr im Weg. „Evil Does Not Exist“ weiterlesen
Alpen
Jahr: 2011 | Regie & Drehbuch: Giorgos Lanthimos | Drama | 93min
Lange stand schon „Alpen“ von Giorgos Lanthimos auf meiner Film-Watchlist und die Erweiterung meiner Möglichkeiten über das neue Filmportal Mubi, machte es nun möglich den Vorgängerfilm von „The Lobster“ zu sehen, einen fast schon Klassiker zu nennenden Film, den ich für einen der besten der 2010er Jahre halte. „Alpen“ weiterlesen
Christian Kracht – Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten
Erschien 2008 bei Kiepenheuer & Witsch | hier vorliegend im dtv Taschenbuch mit 150 Seiten
Es ist eine ganze Menge Wasser an den neuen, von den Abrissbauarbeiten der Ruine der Carolabrücke ausgelösten, Stromschnellen der Elbe heruntergeflossen, seit ich meinen letzten Roman beendet habe. Das lag zu großen Teilen an jeder Menge Sachbücher, die ich in völliger Ignoranz meines diesjährigen (letztlich vollkommen verfehlten) Tsonduku-Anspruches erworben und ansatzweise gelesen habe, aber an dieser Stelle nicht mehr besprechen möchte. „Christian Kracht – Ich werde hier sein im Sonnenschein und im Schatten“ weiterlesen
Nada
Idee: Gastón Duprat, Mariano Cohn | Dramedy – Miniserie | 5 Folgen | veröffentlicht 2023 auf Star + (in Europa auf Disney +)
Die Berufsbezeichnung Dandy finde ich ausgesprochen reizvoll. Das liegt vielleicht weniger am Wort „Dandy“, das wohl dem 18. Jahrhundert entsprang und in Kluges etymologischem Wörterbuch als „junge Leute, die in auffälliger Bekleidung Kirche oder Jahrmarkt besuchen“ bezeichnet wird. Im Begriff des Dandys steckt eine ästhetische Dimension, die sich recht grundlegend um die eigene Erscheinung dreht, die auffällig gezeigt werden muss (ähnlich dem Influencer, der das aber digitalisieren muss, weil Reichweite hier wichtiger wird als Erscheinung). Wenn man bei Wikipedia dann als Lebensbeschreibung Dandy liest, wie beispielsweise bei Jaques de Bascher, den wir vor kurzem in der Serie „Becoming Karl Lagerfeld“ kennengelernt haben, dann steckt für mich noch ein weiterer Aspekt dahinter, der sich vielleicht heutzutage zum Begriff beigemischt hat. Es geht um eine gewisse, wenngleich in ihrer Existenz unklare, finanzielle Sicherheit, die dem Dandy ein Leben ermöglicht, die volle Konzentration auf die eigene (ästhetische) Botschaft zu legen.
Im Sortiment des Anbieters Disney + befindet sich eine argentinische Serie über einen alternden Dandy, der eine große Leidenschaft für gutes Essen hat, quasi eine Verbindung meiner beiden letzten Serien „The Bear“ und „Becoming Karl Lagerfeld“. Die Serie wurde vom Duo Gastón Duprat und Mariano Cohn umgesetzt, die wir an dieser Stelle schon mit den beiden Filmen „Der Nobelpreisträger“ und „Der beste Film aller Zeiten“ würdigen konnten. Und Robert de Niro soll in dieser Mini-Serie auch mitspielen! Das sind sehr erwartungsvolle Voraussetzungen. „Nada“ weiterlesen
Another World
Jahr: 2011 | Regie & Drehbuch: Mike Cahill | Drama | 93min
„Another Earth“ erzählt die Geschichte von Rhonda Williams (Brit Marling) deren Leben ihr zu Füßen liegt. Sie ist am MIT für ein Studium zugelassen, einer Karriere scheint nicht viel im Weg zu stehen. Sie feiert das Ereignis mit Freunden und fährt leicht angetrunken nach Hause, als im Radio von einem neuen Planeten gesprochen wird, der wie die Erde aussieht und tatsächlich auch mit bloßem Auge von dieser aus, gesehen werden kann. Da lohnt sich ein Blick aus dem fahrenden Auto, doch unglücklicherweise rammt sie damit, ein an einer Kreuzung stehendes Auto des Musikprofessors John Burroughs (William Mapother), der bei diesem Unfall seinen Sohn und seine Frau verliert.
Vier Jahre später wird Rhonda aus dem Gefängnis entlassen und erfährt davon, dass John Burroughs noch lebt, der jedoch an seiner Existenz zu zerbrechen scheint. Sie will sich bei ihm entschuldigen, schafft dies aber nicht und wird seine Putzfrau. Währenddessen ist der sichtbare Planet immer noch da und die Vermutungen scheinen sich zu bestätigen, dass er so etwas wie eine gespiegelte Erde ist. „Another World“ weiterlesen
Boston Strangler
Jahr: 2023 | Regie & Drehbuch: Matt Ruskin | Thriller | 112min | Boston in den 1960er Jahren
Früher unterschied man gern zwischen Kino- und Fernsehfilmen. Das vermeintlich gehaltvollere Produkt mit dem größeren Budget wurde erst im Kino gezeigt und kam dann irgendwann mal ins Fernsehen. Dieses Medium wollte aber nicht so lange auf alle Kinofilme warten und produzierte gern auch mal eigene Sachen (den wohl hübschesten Namen dafür hat das ZDF mit dem „Kleinen Fernsehspiel“ erfunden). In der neuen Welt der Streaminganbieter hat sich das Gewicht nun etwas verschoben, denn sowohl Kino als auch Fernsehen leiden etwas unter dem Internetzeugs. Die finanzstarken Streaminganbieter produzieren nicht nur eigene Serien, sondern auch Filme. Wenn diese besonders teuer sind, werden auch einige Filmrollen ins Kino geschickt, aber der wichtigste Punkt ist, die eigenen Konsumenten beim Internetabspieldienst zu erfreuen. „Boston Strangler“ weiterlesen