The Nice Guys

Jahr: 2016 | Regie & Drehbuch: Shane Black | Neo-Noir Filmkomödie | Länge: 116min | Location: Los Angeles 1977

Das Privatdetektivwesen ist Ende der 1970er Jahre in einer wirtschaftlichen Schwächephase. Holland March (Ryan Gosling), dessen detektivisches Niveau zwischen den Polen Genie und Wahnsinn pendelt, mit einer stärkeren Anziehung für Erstgenanntes, nimmt Aufträge an deren Seriosität von vornherein bezweifelt werden kann. So wie die Suche einer fast erblindeten älteren Dame, die ihre Nichte zwei Tage nach deren Tod gesehen haben möchte. Jackson Healy (Russell Crowe) muss noch deprimierender Arbeiten annehmen und vermöbelt Männer, die versuchen mit nicht volljährigen Mädchen anzubandeln. So führt in seine Spur zu March, denn dieser sucht gerade die nicht-volljährige Nichte der alten Dame und schnell stellt sich heraus, dass die Suche nach der ominösen Amalia (Margaret Qualley) komplizierter, verwickelter und vor allem gefährlicher ist, als man das erwarten könnte. Zu allem Überfluss mengt sich in die Detektivarbeit der beiden auch noch March ebenso nicht-volljährige Tochter Holly (Angourie Rice) ein. „The Nice Guys“ weiterlesen

In den Gängen

Jahr: 2018 | Melodram | Regie: Thomas Stuber | Drehbuch: Thomas Stuber, Clemens Meyer | Länge: 120min | Location: Großmarkt

Irgendwo zwischen Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt liegt ein Großmarkt, direkt an der Fernverkehrsstraße. Wie jeder Einkaufsort ist er voller Träume, doch „In den Gängen“ erzählt uns von den Träumen und dem Leben der Beschäftigten des Großmarktes, nicht von denen seiner Kunden. Christian (Franz Rogowski) kommt als Frischling in den Markt und wird in die Getränkeabteilung von Bruno (Peter Kurth) angeleitet. Er erweist sich als guter Mentor des neuen Angestellten, welcher lieber kein Wort zu viel sagt und nicht unbedingt zu den aufnahmeschnellsten Mitarbeitern des Jahres gehört, aber seine Arbeit sehr solide macht und ein guter Kollege ist. Wenn Christian Marion (Sandra Hüller) sieht, die in der Süßwarenabteilung arbeitet, hört er immer das Rauschen des Meeres, was ein untrügliches Zeichen für Sympathie ist. Die Tage vergehen, die Kunden kommen und gehen und die Fernlaster kreuzen um den Markt am Rande der Stadt und schnell steht fest, dass der Großmarkt mehr als ein Arbeitsumfeld ist, er ist eine Familie, eine Bindung, ein Halt und vielleicht mehr das wahre Leben, als das was die Mitarbeiter zu Hause leben. „In den Gängen“ weiterlesen

Under the Silver Lake

Jahr: 2018 | Regie und Drehbuch: David Robert Mitchell | Neo-Noir-Thriller | Länge: 139min | Location: Los Angeles

Sam‘s (Andrew Garfield) Tag besteht im Abmatten auf dem Balkon, wo sich gute Aussichten auf den Innenhof der Wohnanlage mit Pool bieten. Dort erscheint die neue und attraktive Mitbewohnerin Sarah (Riley Keough), die Andrews Aufmerksamkeit erregt. Doch schon am nächsten Tag ist Sarah verschwunden, was Andrew mehr beunruhigt, als die Tatsache das er seine Miete nicht zahlen kann und vorm Rauswurf aus seinem Apartment steht. Sam beginnt statt nach Geld, nach Sarah zu suchen und gerät in eine geheimnisvolle Welt von Filmen, Schauspielern, Musik, die ihm alle versteckte Zeichen geben und auf ein mysteriöses Geheimnis verweisen, dass nur wenige Menschen wissen sollen. „Under the Silver Lake“ weiterlesen

Time Share

Jahr: 2018 | Originaltitel: „Tiempo compartido“ | Regie: Sebastián Hofmann | Drama | Länge: 96min | Location: ein Ferienressort in Mexiko

Die Algorithmen des Internets sind nur schwer zu ergründen und sie sind gleichfalls wirkmächtig. Netflix beispielsweise, bemüßigt sich mir ständig neue Filme und Serien anzubieten, über deren Konsum ich doch mal dringend nachdenken sollte. So lief mir das Thumbnail des Filmplakates zu „Time Share“ über meine netflix-Suchleiste (und ich frage mich warum, vielleicht weil ich gerade vorher erst einen mexikanischen Film mit „Roma“ sah?). Da der Titel und das Thumbnail vielversprechend aussahen, habe ich daraufgeklickt (vielleicht auch aus anderen Gründen, die gegebenfalls der Algorithmus besser erkennen kann als ich selbst).

Pedro (Luis Gerado Méndez) hat für sich und seine Familie einen kostengünstigen und vielversprechenden Urlaub in einem Ressort erworben, der sich jedoch als weniger erholsam herausstellt als insbesondere von ihm erhofft, da die Angestellten des Ressort nicht nachlassen ein Time Share Angebot aufzuschwatzen. Der zum Personal gehörende Andres wiederum (Miguel Rodarte), verlor vor 5 Jahren seinen Sohn und hat sich seitdem von diesem Schock nicht mehr erholt. Fast zum Geist geworden arbeitet er noch in der Wäsche- und Putzabteilung des Ressorts, das seit neuestem andere Besitzer hat, die von Tom (RJ Mitte) vertreten werden. „Time Share“ weiterlesen

Roma

Jahr: 2018 | Drehbuch und Regie: Alfonso Cuarón | Filmdrama | Länge: 135min | Location: Mexiko-Stadt

Mexiko-Stadt ist eine der größten Städte der Welt und es wäre falsch anzunehmen, die Stadt wäre ein einziger Slum. Im Stadtteil Roma jedenfalls wohnt eine bürgerliche obere Mittelschicht, der es im Jahr 1970 nicht wirklich schlecht geht. Sra. Sofía Antonio (Marina de Tavira) managet den Haushalt eines durchaus repräsentablen Stadthauses mit vier Kindern und der Großmutter, da ihr Mann Dr. Antonio (Fernando Gradiaga) selten zu Hause verweilt und lieber Kongresse besucht. Unterstützt wird Sofía von zwei Haushälterinnen. Beide sind mexikanische Ureinwohnerinnen und wenn man ehrlich ist, schmeißen eigentlich sie den Haushalt. Insbesondere Cleo (Yalitza Aparicio) wird von den Kindern sehr geliebt und ist zum Teil der Familie geworden. In ihrer äußerst begrenzten Freizeit geht sie gern ins Kino und lernt dabei den jungen Kampfkunstbegeisterten Fermín (Jorge Antonio Guerrero) kennen. „Roma“ weiterlesen

Passengers

Jahr: 2016 | Regie: Morton Tyldum | Drehbuch: John Spaiths | Science-Fiction-Romanze | Länge: 116min | Location: ein Raumschiff

Wirklich selten habe ich einen Film gesehen, der so viel Potential an Erzählung mitbringt und so katastrophal wenig daraus macht, wie„Passangers“. Es ist erschütternd, wie platt dieser Streifen, der wirkliche große Themen wie Einsamkeit, menschliche Beziehungen, Lebensentwürfe und Liebe verhandeln möchte auf simple Klischees und Labels runter handelt wird und immer dort abbricht, wo der Film spannend hätte sein können. So bleibt eine romantische Schnulze übrig mit einige Action-Elementen, die weder spannend ist,noch witzig, noch irgendetwas aussagt, sondern deren „Happy-End“ der eigentliche Anfang eines guten Filmes hätte sein können. „Passengers“ ist leider ein Romatikprodukt Hollywoods das durch und durch nur Mittelmaß ist.Traurig –  ja fast schon wütend – macht einen dabei zu sehen, welch großes Potential dieser Film hätte und wie gnadenlos Komplexität, Spannung und Erkenntnis hier zugunsten von Einfachheit,platter Erzählung und Happy-End ersetzt werden. Ganz ärgerlich mittelmäßiges Kino!      

„Passengers“ weiterlesen

Land der Gewohnheit

Jahr: 2018 | Regie und Drehbuch: Nicole Holofcener | Tragikkomödie | Länge: 98 min | Location: Connecticut

Anders Hill (Ben Mendelsohn) ist in seinen 50er Jahren angekommen. Bisher pendelte er täglich mit dem Vorortzug nach New York,verdiente gut, bewohnte mit seiner Frau Helene (Edie Falco) ein wunderbares Haus und zog darin den gemeinsamen Sohn Preston (Thomas Mann) groß. Damit ist sein Leben ungefähr ganz genauso verlaufen, wie bei all seinen Nachbarn. Doch Anders hat den Gewohnheiten Lebewohl gesagt, was an dieser Stelle bedeutet,dass er seine Frau verlassen, sich eine eigene Wohnung genommen und sich von seiner Firma pensionieren hat lassen. Noch einmal will er neu beginnen und durchstarten. Doch so richtig will das nicht funktionieren. Die weiblichen Bekanntschaften,die er macht sind in vielerlei Hinsicht unbefriedigend und in der Nachbarschaft ist er so etwas wie zur Persona non grata degradiert worden. Da hilft ihm nur bedingt, dass der Nachbarssohn Charlie (Charlie Tahan) ihn ziemlich cool findet, aber wohl auch nur, weil er sich mit ihm Drogen teilt. Ein Hoffnungsschimmer ist da eher Barbara (Connie Britton), die sich in ähnlichenLebensumständen befindet wie Charlie.

„Land der Gewohnheit“ weiterlesen

The Ballad of Buster Scruggs

Jahr: 2018 | Regie und Drehbuch: Ethan und Joel Coen | Western-Episodenfilm | Länge: 132min | Location: Wilder Westen

Für die neuesten Filme gab es eigentlich bisher immer nur eine Adresse, das Kino. Dahin pilgerte man früher bevor der Strom der Cineasten immer dünner wurde, weil erst das Fernsehen und nun auch Streaminganbieter alternative Angebote anbieten. Die neueste Strategie dieser Streaminganbieter ist es nicht nur den bezahlenden Kunden mit Serien zu unterhalten, sondern ihm eigenproduzierte Filme anzubieten. Und daran beteiligen sich immer bekanntere Größen der Hollywood-Kinoindustrie, so wie die Coen-Brüder, deren Oeuvre eigentlich jedem Kinobesucher irgendwann mal in irgendeiner Form begegnet ist. Mit dem Westernfilm „The Ballad of Buster Scruggs“ liefern sie einen Episodenfilm für netflix ab, der in seiner Struktur noch wie eine Serie wirkt, denn er besteht aus sechs unterschiedlichen Geschichten, deren inhaltliche Gemeinsamkeit das Leben (und Sterben) im Wilden Westen ist. „The Ballad of Buster Scruggs“ weiterlesen

Maps to the Stars

Jahr: 2014 | Regie: David Cronenberg | Drehbuch: Bruce Wagner | Drama | Länge: 112min | Location: Hollywood

Seit „History of Violence“ würde ich mich als Fan des kanadischen Regisseurs David Cronenberg sehen, musste jedoch vor kurzem feststellen, dass ich außer dem gerade genannten Film nur noch „Crash“ von ihm kenne. So bietet sich die Gelegenheit an, mal einen weiteren Streifen zu schauen, wenn der gerade beim Streaminganbieter läuft. „Maps to the Stars“ weiterlesen

Nocturnal Animals

Jahr: 2016 | Drehbuch und Regie: Tom Ford | Drama | Länge: 116min

Des Nachts kommt die erfolgreiche Galeristin Susan Morrow (Amy Adams) zurück in ihr durchdesigntes Haus in den Bergen über Los Angeles. Sie wird scheinbar verfolgt, aber am nächsten Morgen taucht nur ein Manuskript auf. Es ist ein Romanentwurf ihres früheren Ehemanns Edward Sheffield (Jake Gyllenhaal). Während ihr jetziger Mann (Armie Hammer) von Geschäftstermin zu Geschäftstermin eilt und dabei lediglich kurze Pausen für gutaussehende Damen einlegt, beginnt Susan den Roman zu lesen.
Dieser schildert die Geschichte eines Verbrechens in welcher Familienvater Tony Hastings (ebenfalls Jake Gyllenhaal) seine Tochter und Frau verliert. Zur Aufklärung des Falls wird ihm Detective Bobby Andes (Michael Shannon) sehr behilflich, der schließlich die beiden Hauptverdächtigen Ray Marcus (Aaron Taylor-Johnson) und Lou Bates (Karl Glusman) ausfindig macht. „Nocturnal Animals“ weiterlesen