Thomas Piketty – Das Kapital im 21. Jahrhundert

Seit „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Wirtschaftswissenschaftlers Thomas Piketty im Jahr 2013 herauskam, erregt es eine gewisse Aufmerksamkeit. Nicht nur in den Bestsellerlisten erklimmt es die vorderen Plätze, die einem Fachbuch über Ökonomie nicht ohne weiteres zugetraut werden, es wird auch von Ökonomen, ebenso wie von der Öffentlichkeit diskutiert. Ein guter Grund, Sommerlesezeit dafür zu investieren. „Thomas Piketty – Das Kapital im 21. Jahrhundert“ weiterlesen

Thomas Glavinic – Das größere Wunder

Nachdem ich begeistert „Das Leben der Wünsche“ beendet hatte, wünschte ich mir sehr, auch den dritten „Jonas“ Roman von Thomas Glavinic zu lesen. Wie gut das ich Geburtstag hatte und sich dadurch manche Wünsche (zumindest teilweise) erfüllen.

Bei den „Jonas“ Romanen handelt es sich um drei Bücher, bei denen der Hauptheld jeweils Jonas heißt und sich auch die Namen von einigen anderen Hauptfiguren wiederholen. Die Romane behandeln jeweils fundamentale menschliche Grundsituationen, in „Die Arbeit der Nacht“ Einsamkeit, in „Das Leben der Wünsche“ sind es Wünsche. „Das größere Wunder“ nun behandelt die Liebe (so hörte ich es aus dem Munde Glavinics, als ich vor 2 Jahren bei einer Lesung einen ersten Eindruck vom Buch bekam).

Jonas wächst mit seinem geistig behinderten Zwillingsbruder Mike, bei seiner alkoholkranken Mutter auf, die sich alles andere als um die beiden Jungen kümmert. Über Jonas besten Freund Werner lernt er Picco kennen. Dieser ist äußerst vermögend und nimmt Jonas und Mike auf, so dass er gemeinsam mit Werner aufwächst. Neben einer unerschöpflichen Menge von Geld gibt Picco Jonas mit auf den Lebensweg, dass Antworten im Allgemeinen überschätzt werden und so geht Jonas in das Leben hinaus, immer auf der Suche nach etwas, bis er schließlich am Mount Everest Basiscamp ankommt, um diesen zu besteigen. „Thomas Glavinic – Das größere Wunder“ weiterlesen

Martin Walser – Die Verteidigung der Kindheit

Zur „Verteidigung der Kindheit“ bin ich über das Militärhistorische Museum in Dresden gekommen. Das klingt etwas martialisch, entspricht aber den Tatsachen, denn in der Sonderausstellung „Schlachthof 5“ wurde über literarische Zeugnisse der Zerstörung Dresdens gesprochen. Dort sah ich auch, dass Martin Walser in seinem Roman „Die Verteidigung der Kindheit“ über Dresden schrieb. Da ich die entsprechende Lesung durch verspätete Information verpasste, hatte ich mir für den Sommer vorgenommen, den Roman, der 1991 veröffentlicht wurde, zu lesen.

Die Zerstörung Dresdens ist in „die Verteidigung der Kindheit“ ein Fixpunkt für den Haupthelden Alfred Dorn, der 1945 mit 18 Jahren den Bombenangriff erlebt und gemeinsam mit seiner Mutter überlebt. Die Erzählung beginnt jedoch einige Jahre später, als Dorn in Westberlin Jura studiert, da er in Leipzig an politischen Fragen scheiterte. Der junge Erwachsene Dorn jedoch wird nicht glücklich, er vermisst seine Heimat, seine Geborgenheit und vor allem vermisst er den wichtigsten Menschen in seinem Leben – seine Mutter. Die Beziehung zu ihr, ist fast schon eine romantische Liebe zu nennen, denn anderen Frauen gegenüber empfindet Alfred keinen Reiz. Seine Begeisterung entbrennt bei der Bewahrung der Erinnerung seiner glücklichen Kindheit, aber sowohl die Zerstörung Dresdens und der materielle Verlust von Erinnerungsstücken, als auch die sich verschärfende deutsche Teilung, die im Mauerbau gipfelt, stellen für das Erinnern der Vergangenheit eine immer größere Hürde dar. Alfred spürt Zeitzeugen auf, die ihn mit Geschichten und Zitaten versorgen können und er fahndet nach Artefakten aus seinem früheren Leben. Er führt ein Leben im ständigen Kampf des Jetzts gegen den Verlust des Gesterns, dass er exzessiv versucht irgendwie fest zu halten. „Martin Walser – Die Verteidigung der Kindheit“ weiterlesen

Bernie

„Bernie“ ist eine amerikanische Komödie von Richard Linklater aus dem Jahr 2011. Da mich in letzter Zeit Matthew Mc Conaughey immer mehr begeistert, ich Jack Black schon immer sympathisch fand und Richard Linklater immer mal wieder hervorragende Filme rausbringt, sprach nichts dagegen nach zahlreichen Serien, auch mal wieder einen Film zu schauen.

Bernie (Jack Black) ist ein allseits populärer Typ in Carthage/Texas. Als Mitarbeiter einer Bestattungsfirma ist er Meister seiner Zunft. Seine Fürsorge gilt der ganzen Gemeinde. In der Kirche singt er, bei Musicalaufführungen im Ort führt er auch schon mal Regie und ist selbstredend immer als Schauspieler dabei und auch sonst genießt er bei den Einwohnern der Kleinstadt einen ausgezeichneten Ruf. Ganz im Gegenteil zu Marjorie Nugent (Shirley MacLaine), einer alten und reichen Witwe, die der Ruf einer Gewitterhexe vorauseilt, oder anders ausgedrückt, die auf einer öffentlichen Popularitätsskala genau am anderen Ende stehen würde als Bernie. Trotzdem freunden sich beide an und Bernie verbringt zunehmend mehr Zeit mit Majorie. Sie besuchen Museen, gehen ins Theater und unternehmen Reisen. Die anfänglichen Euphorie ebbt allerdings im Laufe der Jahre etwas ab, als Majorie mehr und mehr Besitz von Bernie ergreift und immer ungehinderter ihre Launen freien Lauf lässt, die sie nicht gerade als liebenswerte Person erscheinen lassen. Und so passiert es, dass aus einer freudigen Geschichte eine tragische Geschichte wird und Bezirksstaatsanwalt Danny Buck Davidson (Matthew Mc Conaughey) seine Arbeit aufnehmen muss. „Bernie“ weiterlesen

Boardwalk Empire

In den letzten Monaten habe ich mich etwas schwer getan mit Serien. Irgendwie hat es nie so recht gepasst. Die zweite Staffel von „House of Cards“ wurde irgendwie immer durchsichtiger in ihrer Struktur, weshalb ich erst mal aufhörte, mich darum zu bemühen. Dann schaute ich in eine britische Serie namens „Derek“ rein, die zweifellos sehr sehenswerte Ansätze hat, denn eine Dramedy über ein Altersheim sieht man nicht alle Tage, aber die auch so simpel aufgebaut war, dass man die nächste Szene immer schon im Voraus erahnen konnte.

Also zurück zu einstmals angefixten Sachen. Kurz bevor ich watchever
zugunsten von netflix aufgab, lief dort für sehr kurze Zeit „Boardwalk Empire“. Den Piloten fand ich ganz spannend, also bemühte ich mich um die 1.Staffel, die recht kostengünstig im Einzelhandel zu finden war. „Boardwalk Empire“ weiterlesen

Denis Johnson – Train Dreams

Von „Trains Dreams“ las ich das erste Mal in einem Roman. Der Autor, dem ich durch jenes Buch und weitere Werke sehr gewogen bin, gab dort an, dem Buch von Dennis Johnson sehr gewogen zu sein. Seit diesem Moment ging mir die Novelle „Train Dreams“ nicht mehr aus dem Kopf. Mir ist durchaus bewusst, dass Lobpreisungen in Romanen nicht immer ernst gemeint sein müssen, aber meine Neugier war nun eben mal geweckt. Und außerdem können bei mir zwischen geweckter Neugier und letztendlichem Lesen durchaus auch Jahre liegen. „Denis Johnson – Train Dreams“ weiterlesen

Javier Marías – Alle Seelen

„Alle Seelen“ ist zu den früheren Werken von Javier Marías zu zählen. Da ich schon eine Weile nichts mehr vom Madrilenen gelesen hatte und mich irgendwie nicht an das Opus Magnum „Dein Gesicht morgen“ traue (weil ganz schön lang) habe ich mir eben einen etwas älteren und auch kürzeren Roman besorgt. Dieser wurde 1989 veröffentlicht und handelt von einem spanischen Dozenten, der zwei Jahre lang in Oxford an der Universität arbeitet. In dieser Zeit, die ihm verwirrend und unklar vorkommt, in der er nicht sein eigentliches Leben zu leben scheint, lernt er einige neue Menschen kennen, die aber allessamt nach jenen zwei Jahren aus seinem Leben entschwinden. So wie Cromer-Blake, sein Kollege und Freund vom Department für spanische Literatur oder Rylands, die graue Eminenz der Literaturwissenschaften in Oxford. Nicht zu vergessen Claire Baynes, selbst Dozentin, die zur Geliebten des namenlosen Ich-Erzählers wird und das obwohl sie einen Mann und einen Sohn hat. „Javier Marías – Alle Seelen“ weiterlesen

Thomas Glavinic – Das Leben der Wünsche

Die wohl fundamentalste Frage, die man an sich selbst richten kann ist, wer bin ich? Lösen kann man diese Frage nie vollständig, ignorieren kann man sie zeitlebens. Aber wenn man sich dem Thema nähern möchte, kann man beispielsweise reflektieren, was man sich im (oder vom) Leben wünscht. Und hier sind weniger konsumistische (das neue Smartphone) oder punktuelle (dem Mann vor mir in der Schlange zur Kasse weniger Lebensmittel im Wagen) Wünsche gemeint, sondern das was tief in uns schlummert. Wünsche die wir vielleicht verdrängen, bei denen wir wissen, dass es Wünsche bleiben werden, die wir nicht für realistisch halten, oder vor deren Erfüllung wir gar Angst haben. Thomas Glavinic analysiert in seinem 2009er Roman „Die Welt der Wünsche“ genau dieses Szenario.

Wir erleben Jonas, denn der Leser schon aus dem Roman „Die Arbeit der Nacht“ kennt. Ob es der selbe Jonas ist, wie dort, spielt eigentlich keine Rolle. Jonas hat eine Frau, Helen, und zwei Söhne, Chris und Tom. Er arbeitet in einem eher mittelmäßigen Job, sein Vater sitzt nach einem Schlaganfall im Altenheim, seine erste Liebe und immer noch gute Freundin Anne ist unheilbar krank, seine Mutter schon lange Tod. Die Ausflucht und der Hoffnungsstrahl seiner Welt ist neben seinen Söhnen, Marie. Sie ist nicht nur seine Geliebte, sondern sie ist seine Bestimmung, der Mensch dem man unerbittlich, unendlich, einzigartig liebt. Ungünstigerweise ist auch Marie verheiratet und hat einen Sohn. Beide wollen für ihre Liebe, ihre eigentlichen Familien, ihr Umfeld, ihr gewohntes Leben nicht verlassen.
In einem Park trifft Jonas eine zwielichtige Person, der ihn um eine Sekunde bittet. Er weiß alles über Jonas, weiß von seiner Affäre, aber er will ihn nicht erpressen. Ganz im Gegenteil, er schenkt ihm drei Wünsche, was Jonas verwirrt. Aus ihm sprudeln eine ganze Reihe von Ideen heraus, jedoch beschließt er, dass er nur einen einzigen Wunsch hat, nämlich das alle seine Wünsche in Erfüllung gehen. Und so endet dieses Treffen und Jonas Leben geht weiter, so wie er es gewohnt ist. Langsam jedoch schleichen sich Veränderungen ein. „Thomas Glavinic – Das Leben der Wünsche“ weiterlesen

Helge Schneider – Satan Loco

So mindestens einmal in der Dekade gerate ich in Helge Schneider Fieber. Ob das mit den derzeitigen Temperaturen zu tun hat wage ich zu bezweifeln, aber es ist tatsächlich recht praktisch sich Literatur der „singenden Herrentorte aus Mülheim“ vorzunehmen, wenn man beispielsweise beim Sonnenbad Bräunungsstufen erreichen möchte, die selbst im Solarium zu entsetzen führen würden und dafür leicht verdauliche Kost in Zeilenform bevorzugt .

„Satan Loco“ ist wurde von mir in drei Tagen gelesen und man hat ständig das Gefühl das Helge Schneider nicht viel mehr Zeit für das Verfassen der rund 130 Seiten aufgewendet hat. Aber das ist Schneiders Stil, das fast schon abstrus simpel und kindlich wirkende, was dann aber tatsächlich an den einen oder anderen Stellen tiefschürfend, banal-genial und kreativ wirkt. Das hat zur Folge das man bei „Satan Loco“, auf eine Detektivgeschichte trifft, deren Inhalt zu platt für eine Kurzzusammenfassung ist, die aber tatsächlich einigen Spaß beim Lesen bereitet und ideale Freibad, Strand, Liegestuhl oder was auch immer Lektüre darstellt.

Grand Jeté – der große Sprung

Jetzt ist es ja so. An sommerlich heißen Tagen, wie diesen, entflieht man der Hitze so gut es geht, man legt sich ins Freibad oder an eine Fontäne, die kalt genug aussieht und schwitzt mit sich und der Sonne um die Wette. Bewegen muss man sich nicht dabei, im Grunde ist gar nichts tun der Sinn des Moments. Erst am Abend bevorzugt man geistige Ablenkung und da bot das Festspielhaus Hellerau gestern eine wunderbare Möglichkeit die Hitze zu vergessen und sich wichtigeren Themen als dem Wetter zu widmen. „Grand Jeté – der große Sprung“ weiterlesen