Inherent Vice

Ich habe meine Probleme damit, einen Film zu sehen, und danach das Buch zum Film zu lesen. Macht für mich keinen Sinn. Interessanterweise geht das aber andersherum ganz gut. Sprich; einen Film zu sehen, dessen Romanvorlage ich schon las, erweckt mein Interesse an der filmischen Umsetzung (wenn sie davon eine psychologische Tiefenuntersuchung machen wollen, dann nur los, Kommentarbox ist unten). Deshalb fiel mein Interesse auf Paul Thomas Andersons neuem Film „Inherent Vice“. Der Krimi basiert auf dem gleichnamigen Roman (warum der Filmtitel nicht wie der Roman ins Deutsche als „Natürliche Mängel“ übersetzt wurde, bleibt wie so häufig ein Rätsel der Marketing-Übersetzungsverantwortlichen) von Thomas Pynchon, dessen Werk ich hier schon mal angesprochen habe. „Inherent Vice“ weiterlesen

Birdman

Warum lesen sie diesen Blog? Zeitvertreib? Interesse an sozialen Medien? Vielleicht sogar am Kino, oder dem Film „Birdman“, der gerade vier Oscars gewann (so etwas erhöht das Interesse immer, kann man machen was man will)? Oder fragen Sie sich, warum schreibt jemand so etwas wie diesen Blog? Wieso meint dieser jemand mir seine Meinung zu einem Film aufdrängen zu müssen (und warum bitte interessieren mich denn andere Meinungen)? Und ist dieser Schreiberling nicht eigentlich vollkommen ahnungslos (hat er denn Kunst studiert, oder Filmgeschichte oder so was)? Oder lassen Sie uns gleich etwas abstrakter werden und fragen uns: was tun wir hier, auf dieser Welt überhaupt? Wozu die Zeit die bleibt, benutzen? Sollten wir nicht ständig nach dem Wahren, Schönen, Guten suchen, um unserem Tun einen Sinn zu verleihen? „Birdman“ weiterlesen

Frances Ha

Den letzten Film, den ich auf meiner alten Online Videothek sah, bevor das Abo auslief, war gleichzeitig einer der besten Filme der letzten Monate. „Francis Ha“ ist ein amerikanischer Independent Film aus dem Jahr 2012 von Noah Baumbach, den man vielleicht aus Filmen wie „Greenberg“ (muss ich mir mal ansehen) oder „Life Aquatic“ (als Drehbuchautor) kennt. Frances Halladay (Greta Gerwing) kommt aus Sacramento und macht eine Tanzausbildung in New York, wobei sie zur Finanzierung der Ausbildung kleinere Jobs annimmt und in einer WG mit ihrer Freundin Sophie (Mickey Sumner) lebt. Der Film begleitet Frances durch die ihre Verhältnisse zu Männern, die Höhen und Tiefen der Beziehung zu ihrer besten Freundin Sophie und ihrem beruflichen Werdegang, der nicht unbedingt zwei Stufen auf einmal auf der Karriereleiter nimmt. Der Aufhänger der Handlung ist aber die Wohnungssuche von Frances, die sie immer wieder mit interessanten, ungewöhnlichen und manchmal auch unsympathischen Menschen zusammenbringt. „Frances Ha“ weiterlesen

Wild Tales – Jeder dreht mal durch

Rache in all seinen Ausformungen ist das Thema des Episodenfilms „Wild Tales – Jeder dreht mal durch“ des Argentiniers Damián Szifrón (und auch hier bleibt mir wieder mal der Job der Filmübersetzer ein Rätsel, warum wird einem spanisch-sprachigen Film ein englischer Titel gegeben, der dann wieder den bekannt dümmlichen deutschen Untertitel bekommt?). In sechs Episoden wird vom Ausbruch menschlicher Emotionen berichtet, der lösbare Probleme nur noch schlimmer macht und zu unlösbaren Konflikten führen kann. Wir werden Gäste einer Flugreise, erleben einen Restaurantbesuch, sehen was für Auswüchse der Straßenverkehr haben kann, müssen unsachgemäßes Abschleppen von Autos ansehen, eine Krisensituation in einer gutbetuchten Familie erfahren und zu guter Letzt eine Hochzeit, die bei Gästen und Brautpaar wohl unvergessen bleiben wird. „Wild Tales – Jeder dreht mal durch“ weiterlesen

Interstellar

Christoper Nolans neuester Film „Interstallar“ lässt den Zuschauer mal wieder nachdenklich zurück. Zuviel scheint gesagt zu werden in dem rund 165 Millionen Dollar teuren Science-Fiction Film, der eine beachtliche Länge von 169 min aufweist. Worum geht es?

Wir erleben eine nicht allzu weit entfernte Zukunft. Die Erde scheint dem Untergang geweiht, besser formuliert: nach nicht näher genannten Katastrophen hat sich das Klima auf der Erde so verändert, dass der Nahrungsanbau immer komplizierter wird. Sandstürme fegen über das Land, die menschliche Innovationskraft scheint zugunsten einer reinen Überlebensstrategie geopfert zu sein. Aus Weltraumpiloten werden Farmer, so wie Cooper (Matthew McConaughey) der mit seinem Schwiegervater (John Lithgow) und seinen beiden Kindern Murphy (Mackenzie Foy) und Tom (Timothée Chalamet) irgendwo auf dem Land in Amerika lebt. Nach einem schweren Sandsturm kehrt die Familie nach Hause zurück und erlebt eine erstaunliche Anomalie der Gravitation in Murphys Zimmer, denn die fallenden Sandkörner erscheinen dort als eine Art Strichcode auf den Boden. Dieser Code sind Koordinaten, der Cooper zur letzten verbliebenen Einrichtung der NASA führt. Dort muss er vom Leiter der Einheit Prof. Brand (Michael Caine) erfahren, dass das Aussterben der Menschheit auf der Erde nicht mehr abzuwenden ist. Er bereite aber eine Mission vor, welche die Menschheit retten könne. Cooper werden zwei Pläne vorgestellt. Plan A sucht nach einer Theorie, um die lebende Bevölkerung von der Erde fort zu bringen, Plan B ist weniger ambitioniert und soll menschliche Eizellen zu einem bewohnbaren Planeten bringen, um die Spezies weiterleben zu lassen. Cooper beschließt seine Familie zu verlassen, um seinen Teil zur Erfüllung Plan A’s zu leisten. Hilfreich für die Mission ist dabei ein Wurmloch was seit einigen Jahrzehnten unweit des Saturns aufgetaucht ist und eine Reise in einen unendlich weit weg gelegenen Raum ermöglicht. „Interstellar“ weiterlesen

District 9

Peter Jackson ist mit dem Abschluss seiner Hobbit-Reihe momentan in aller Munde und man darf gespannt sein was ihm einfällt, wenn er mal nicht Wesen aus der Mittelerde auf die Leinwand bannt. Aliens wären eine Möglichkeit, denn 2009 produzierte Jackson, Neill Blomkamps Science Fiction Film „District 9“, der weltweit ziemliche Beachtung fand.

1982 verdunkelt ein riesiges Raumschiff den Himmel über Johannesburg in Südafrika. Es scheint dort gestrandet zu sein. Schnell entschließen sich die Menschen mal nachzuschauen, was im Schiff so drin ist und finden über eine Millionen Aliens, die gesundheitlich scheinbar ziemlich angegriffen, in ein Flüchtlingslager, den „District 9“ gebracht werden. Über die Jahre vermehren sich die insektoidenartige Aliens und die Bedingungen in District 9 werden immer schlimmer. So wird die für die Überwachung der Wesen zuständige Behörde MNU beauftragt die Aliens in einen neuen „District 10“ umzusiedeln, der weit weg von der Stadt liegt, damit man das Leid nicht dauernd vor Augen hat. Mehr als die unangenehme Umsiedlung, interessiert die MNU aber die Waffentechnologie der Aliens, die Menschen aber wegen des Mangels Nicht-Humanoider DNA nicht bedienen können. Mit den Auftrag der Umsiedlung wird Wilkus van der Merwe (Sharlto Copley) betraut, einem Beamten erster Güte. Beim Einsatz im District kommt er mit einer vom Alien Christopher zusammengesetzten Säure in Verbindung, die seine DNA verändert. „District 9“ weiterlesen

Lucy

Ich gebe zu, ich hielt mal viel von Luc Besson. Als Teenager fand ich „Leon – Der Profi“ ziemlich gut und später konnte ich auch dem „Fünften Element“ etwas abgewinnen. Also warum nicht die Gelegenheit nutzen, um bei etwas ungenutzter Zeit „Lucy“ zu sehen, Bessons neuesten Film. Gleich vorweg, das Beste an Lucy ist seine Länge von 89min, denn viel länger ist dieser Schwachsinn kaum auszuhalten. Worum geht es? Lucy (Scarlett Johanssen) gerät in Taiwan in die Hände einer gewalttätigen Drogenmafia und wird gezwungen eine neue Droge zu schmuggeln, indem man ihr diese Droge in den Bauchraum einnäht. So weit, so brutal. Währenddessen hält Prof. Norman (Morgan Freeman) einen wichtigen Vortrag in Paris, über die Nutzung des menschlichen Gehirns. Dabei steht im Mittelpunkt, dass wir Menschen nur 10% unseres Gehirns nutzen und Prof. Norman spekuliert wie viel mehr möglich wäre, wenn man diese Effektivität auch nur geringfügig erhöhen würde. Und nun kommst: Lucy kann es, wenn auch nicht freiwillig. Denn ihr Bauchimplantat platzt und führt dazu, dass sich ihre Hirnkapazität auf 100% steigert. Jetzt will sie den Professor finden, um zu zeigen was sie alles kann. „Lucy“ weiterlesen

Daniel Kehlmann – F

Nachdem ich zweimal hintereinander an Büchern scheiterte (Le Clézios „Das Fieber“, das mir wieder mal zeigte das die Auswahl des Nobelkomitees nicht immer auch meine Wahl ist und an Christa Wolfs „Nachdenken über Christa T.“, über der bei mir ein Fluch liegt, denn schon zu Schulzeiten war ihre „Kassandra“ das am schwierigsten zu lesende Buch für mich und eine schmerzliche Erinnerung an meinen Deutsch-Grundkurs), wollte ich auf bewährte, aber intelligente Lektüre zurückgreifen. Was liege da näher als der mittlerweile schon ein Jahr alte, neue Kehlmann. „Daniel Kehlmann – F“ weiterlesen

Gone Girl

Man kann nicht immer nur Serien schauen, also ist es auch mal wieder an der Zeit sich den ein oder anderen Kinofilm anzusehen. So wie der momentan schon recht lange laufende Thriller „Gone Girl“ (dessen blöden deutschen Nebentitel „Das perfekte Opfer“ wir hier gleich vergessen möchten) von David Finscher. An ihrem 5. Hochzeitstag verschwindet Amy (Rosamund Pike)die Ehefrau von Nick Dunne (Ben Affleck). Schnell sieht es wie ein Verbrechen aus, nur taucht weder eine Lösegeldforderung, noch eine Leiche auf. Vielmehr zeigt sich, dass die eigentlich so perfekte Ehe der Dunns doch vielmehr kriselte als von außen angenommen. Damit gerät Nick ins Fadenkreuz der Ermittlungen von Detective Rhonda Boney (Kim Dickens). Nur seine Zwillingsschwester Margo (Carrie Coon) hält noch zu ihm, wenngleich auch sie über Nicks geheimes Leben erstaunt ist. „Gone Girl“ weiterlesen

Wolfgang Herrndorf – Sand

Als Kind habe ich gern Sand in eine Hand genommen und ihn langsam aus ihr herausgleiten lassen. Wie viele kleine Körner dabei zurück flossen und wie viele in der Hand blieben, war mir immer ein unberechenbares Rätsel. Die Körner waren zu klein, um sie zu zählen, und sie waren zu schnell verschwunden um sie festzuhalten.

Wolfgang Herrendorfs Roman „Sand“ ist das letzte zu Lebzeiten des viel zu früh verstorbenen Autors herausgekommene Buch, ein Roman, der so ganz und gar nicht zu seinem großen Erfolg „Tschick“ passt, und auch nicht mit „In Plüschgewittern“ zu vergleichen ist. „Sand“ ist ein um einiges rätselhafterer Roman, aber ein Abenteuer auf das man sich unbedingt einlassen sollte. „Wolfgang Herrndorf – Sand“ weiterlesen